147 niedersächsische Kommunen erhöhen Grundsteuer-B-Hebesatz 2026; Wahljahresbedingte Zurückhaltung erwartet 2027 mehr Erhöhungen
Grundsteuer B in Niedersachsen: Mehr als 15 Prozent der Kommunen haben 2026 den Hebesatz angehoben
Grundsteuer B in Niedersachsen: Mehr als 15 Prozent der Kommunen haben 2026 den Hebesatz angehoben
Kommunalwahl verschafft vielerorts kurze Atempause
Laut einer aktuellen Erhebung des Bundes der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen haben im Jahr 2026 insgesamt 147 der 941 niedersächsischen Kommunen (15,6%) ihren Grundsteuer-B-Hebesatz angehoben. Das sind deutlich weniger Kommunen als im Vorjahr, in dem rund ein Drittel der Städte und Gemeinden die Grundsteuer B erhöht hatte. BdSt-Vorstand Jan Vermöhlen führt die diesjährige Zurückhaltung auf die anstehenden Kommunalwahlen zurück:
„Aus der Vergangenheit wissen wir, dass sich die Politik in Wahljahren mit Steuererhöhungen so weit wie möglich zurückhält. In den Folgejahren fallen die Anhebungen dafür in der Regel umso deutlicher und zahlreicher aus.“
Er hält es daher für sehr wahrscheinlich, dass im Jahr 2027 wieder deutlich mehr Grundsteuererhöhungen zu beobachten sein werden. Ursächlich sei die angespannte Lage der Kommunalfinanzen. Bund und Land hätten den Kommunen in den zurückliegenden Jahren regelmäßig neue Aufgaben übertragen oder bestehende Leistungsstandards nach oben geschraubt – und zwar ohne sich selbst ausreichend finanziell an diesen Leistungsausweitungen zu beteiligen.
„Viele Städte und Gemeinden sehen sich angesichts explodierender Kosten, besonders im Sozialbereich, geradezu genötigt, an der Steuerschraube zu drehen“, beklagt Vermöhlen.
Für die Bürgerinnen und Bürger bedeute dies, dass die Abgaben rund ums Wohnen in den nächsten Jahren weiter steigen werden. Die vom Bund in Aussicht gestellten Mini-Entlastungen bei der Einkommensteuer drohen durch Steuererhöhungen auf kommunaler Ebene bereits wieder aufgefressen zu werden.
Nach der Gewerbesteuer ist die Grundsteuer B mit landesweit zuletzt rund 1,7 Mrd. Euro (2025) die aufkommensstärkste Gemeindesteuer. Anders als die Gewerbesteuer ist sie nicht anfällig für konjunkturelle Schwankungen, weshalb sie besonders in Krisenzeiten als verlässliche Einnahmequelle dient. Durch die Anhebung des Hebesatzes können Städte und Gemeinden die ihnen zufließenden Grundsteuereinnahmen unmittelbar erhöhen. Dabei profitieren sie davon, dass sich Mieter und Eigentümer einer Erhöhung praktisch kaum entziehen können.
Die Ergebnisse des Grundsteuer-B-Hebesatzvergleichs 2026 im Überblick:
Den landesweit günstigsten Hebesatz erhebt mit 120 Prozent weiterhin die Gemeinde Gorleben im Landkreis Lüchow-Dannenberg, dicht gefolgt von den Gemeinden Hemsloh (127%) und Beierstedt (129%). Weitere sechs Gemeinden ( Bahrdorf , Oederquart , Gevensleben , Söllingen , Wangelnstedt , Steinau ) haben Grundsteuer-B-Hebesätze von maximal 140 Prozent festgesetzt. Insgesamt finden sich 101 Kommunen unterhalb der 200-Prozent-Marke; 32 weitere Städte und Gemeinden erheben exakt 200 Prozent.
Der höchste Grundsteuer B-Hebesatz fällt mit 900 Prozent in den Städten Hannover und Seelze (Region Hannover) an. Beide Städte befanden sich bereits in den Vorjahren in der Top 3 der höchsten Hebesätze. Dahinter folgen die Städte Laatzen (860%) und Hildesheim (822%). Oberhalb der 700-Prozent-Marke bewegen sich sieben weitere Kommunen – Schwarmstedt (790%), Göttingen (782%), Gehrden (760%), Braunschweig (750%), Hemmingen (727%) sowie Langenhagen und Neukamperfehn (beide 704%). Zwölf Weitere (u.a. Wolfenbüttel , Barsinghausen , Wilhelmshaven und Hameln ) verlangen aktuell mindestens 600 Prozent. Insgesamt erheben damit bereits 23 Kommunen (Rekordwert) einen Hebesatz von 600 Prozent und mehr.
Den höchsten Anstieg mussten dieses Jahr die Bürger der Gemeinde Langlingen (LK Celle) mit einer Erhöhung von 220 auf 400 Prozent (+180 Prozentpunkte) verkraften, dicht gefolgt von der Gemeinde Neukamperfehn (+171Pp). Weitere sechs Kommunen erhöhten um 100 oder mehr Prozentpunkte – Wienhausen (+130Pp, auf 450%), Wedemark (+125Pp, auf 475%), Grünendeich (+118Pp, auf 495%), Dorstadt (+113Pp auf 420%), Springe (+111Pp auf 600%) sowie Hinte (+100Pp auf 480%). Insgesamt 33 Kommunen erhöhten ihren Grundsteuer-B-Hebesatz in diesem Jahr um mindestens 50 Prozentpunkte.
Immerhin sieben Kommunen haben ihren Hebesatz hingegen gesenkt. Mit einer Reduzierung um 100 Prozentpunkte nahm die Gemeinde Schwarmstedt (LK Heidekreis) dieses Jahr die höchste Senkung vor. Ebenfalls gesenkt haben die Gemeinden Wietzendorf (-60Pp auf 520%), Essel (-30Pp auf 300%), Prinzhöfte (-30Pp auf 280%), Südheide (-27Pp auf 300%), Gleichen (-20Pp auf 280%) sowie Schwerinsdorf (-18Pp auf 271%).
Deutliche regionale Unterschiede zwischen den Landkreisen
Der Landkreisvergleich offenbart, dass die Hebesätze im Landkreis Wittmund landesweit am niedrigsten sind. Nach Einwohnerzahlen gewichtet werden hier durchschnittliche Hebesätze von 256 Prozent fällig. Dahinter platzieren sich die vergleichsweise ebenfalls günstigen Landkreise Leer (283%), Lüchow-Dannenberg (288%), Schaumburg (296%) und Ammerland (300%). Sie liegen damit deutlich unter dem landesweiten einwohnergewichteten Durchschnittshebesatz von 468 Prozent, der im Vergleich zum Vorjahr um 5 Prozentpunkte gestiegen ist.
Am teuren Ende des Landkreisvergleichs finden sich die Region Hannover (744%) sowie die Landkreise Hildesheim (563%), Osterholz (549%), Wolfenbüttel (531%), Göttingen (514%) und Peine (483%). Der durchschnittlich höchste Anstieg dieses Jahr war mit einem Plus von 20 Prozentpunkten im Landkreis Göttingen zu verzeichnen, gefolgt von den Landkreisen Northeim (+15Pp), Osterholz , Nienburg
Weser (beide +11%) sowie Celle (+10Pp).
Hinweis: Sie möchten wissen, wie Ihre Kommune im Vergleich abschneidet?
Die Hebesätze aller Städte und Gemeinden sowie interaktive Grafiken zum Hebesatzvergleich 2026 finden Sie auf der Seite https:
Ausgewählte Tabellen sowie die Auswertungen der einzelnen Landkreise können zudem dem übersandten Anhang entnommen werden.
Grundsteuer B in Niedersachsen: Mehr als…
Bremen | Karte erstellt mit datawrapper | Kartenmaterial: Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (BKG)
Bund der Steuerzahler Niedersachsen und Bremen e. V.
2026 - Grundsteuer B in Niedersachsen: Mehr als 15 Prozent der Kommunen haben 2026 den Hebesatz angehoben
Anhang 2: Die Daten zu allen Landkreisen