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title: "Cem Özdemir und Winfried Kretschmann beim Jahrestreffen von Handwerk BW in Baden-Württemberg; Meisterprämie verdoppelt ab 2027"
sdDatePublished: "2026-08-07T07:07:00Z"
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  - "Baden-Württemberg"
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Cem Özdemir und Winfried Kretschmann beim Jahrestreffen von Handwerk BW in Baden-Württemberg; Meisterprämie verdoppelt ab 2027

| Ausg. 15-16 | 7. August 2026 | 78. Jahrgang
9
BADEN-WÜRTTEMBERG
www.handwerk-bw.de
Verantwortlich: Peter Haas,
Redaktion: Sabrina Kreuzer, Verena Nagel
Heilbronner Straße 43, 70191 Stuttgart,
Tel. 0711/263709-166, 0711/263709-105,
E-Mail: presse@handwerk-bw.de
IMPRESSUM
„Unsere Partei heißt
Handwerk“
Beim Jahrestreffen von Handwerk BW ging es um
Vertrauen und Verlässlichkeit
VON SABRINA KREUZER
M
it Cem Özdemir und
Winfried Kretschmann
kamen gleich zwei Mi-
nisterpräsidenten zum Jahres-
treffen von Handwerk BW. Dazu
Nicole Hoffmeister-Kraut, die
im neuen Kabinett nun auch
Handwerksministerin ist. Für
Landeshandwerkspräsident
Rainer Reichhold war die hoch-
rangige Besetzung ein Signal.
Doch er ließ keinen Zweifel da-
ran, worauf es jetzt ankommt:
„Unsere Partei heißt Hand-
werk.“
Damit meinte Reichhold
keine neue politische Forma-
tion, sondern die Haltung des
Spitzenverbands. Handwerk
BW werde die Landesregierung
konstruktiv begleiten, unab-
hängig bleiben und konsequent
einfordern, was vor der Wahl
versprochen wurde. Viele For-
derungen des Handwerks haben
Eingang in den Koalitionsver-
trag gefunden. Nun müsse sich
zeigen, ob daraus konkrete Ver-
besserungen für die Betriebe
entstehen.
Denn die Lage ist ernst, so
Reichhold. Die Konjunktur laufe
nicht rund, Kosten blieben
hoch, Fachkräfte fehlten, Nach-
folgen würden schwieriger.
Dazu komme ein Staat, der viel
verlange, selbst aber oft lang-
sam arbeite. Viele Unterneh-
merinnen und Unternehmer
seien deshalb nicht unbedingt
politikverdrossen, wohl aber
„staatsermüdet“, sagte Reich-
hold. „Die Betriebe müssen mer-
ken, dass sich etwas ändert.“
Nicht nur Überschriften,
sondern Wirkung
Besonders deutlich wurde
Reichhold bei den Haushalts-
vorbehalten im Koalitionsver-
trag. Wenn Zusagen nicht finan-
ziell hinterlegt würden, drohten
aus ihnen bloße Absichtserklä-
rungen zu werden. Das betreffe
zentrale Anliegen des Hand-
werks: die Verdoppelung der
Meisterprämie ab 2027, einen
Modernisierungspakt für Bil-
dungsstätten, die Fortführung
von Horizont Handwerk, eine
verlässliche Nachfolgeförde-
rung und messbaren Bürokra-
tieabbau.
Berufliche Bildung brauche
moderne Maschinen, zeitge-
mäße Lernorte und eine Aus-
stattung, die der Gleichwertig-
keit von beruflicher und akade-
mischer Bildung gerecht werde.
Auch bei der Meisterförderung
gehe es um weit mehr als einen
Zuschuss. „Die Meisterinnen
und Meister von heute sind die
Ausbilder, Arbeitgeber und Be-
triebsnachfolger von morgen“,
betonte Reichhold. Dass das
Handwerk nun im Namen des
Ministeriums für Wirtschaft,
Handwerk und Tourismus auf-
taucht, begrüßte der Präsident.
Ein neuer Titel allein reiche aber
nicht. Er schaffe Erwartungen.
Die Landesregierung müsse
 zeigen, dass der angekündigte
Paradigmenwechsel mehr ist als
ein neues Klingelschild.
Ehrenmeister für
Kretschmann
Wie eine verlässliche Partner-
schaft zwischen Politik und
Handwerk aussehen kann,
zeigte die höchste Auszeich-
nung des Tages. Winfried Kret-
schmann erhielt den Titel „Eh-
renmeister des baden-württem-
bergischen Handwerks“. Hand-
werk BW würdigte damit nicht
die Länge seiner 15-jährigen
Amtszeit, sondern die Art, wie
er das Land geführt und das
Handwerk als Partner behandelt
habe.
Reichhold nannte vor allem
die Einführung der Meisterprä-
mie und die Unterstützung stra-
tegischer Programme wie der
früheren „Zukunftsinitiative
Handwerk 2025“, die heute als
Horizont Handwerk fortgeführt
wird. Kretschmann habe Orien-
tierung, Verlässlichkeit und Bo-
denhaftung verkörpert – Eigen-
schaften, die auch im Handwerk
zählten. „Meisterschaft bedeu-
tet, Qualität nicht nur zu ver-
sprechen, sondern auch abzu-
liefern“, sagte Reichhold.
Brezel und Besen für
Özdemir
Zum Start seiner Regierungszeit
erhielt Cem Özdemir schließlich
handwerkliche Starthilfe. Der
Bäckerinnungsverband Südwest
überreichte eine Riesenbrezel,
der Landesinnungsverband der
Schornsteinfeger einen selbst-
gebundenen Besen. „Als ersten
Proviant für steinige Wege und
zum Durchfegen in den Amts-
stuben“, kommentierte Reich-
hold.
Die Brezel steht für Gemein-
schaft, regionale Stärke und die
Verbundenheit des Handwerks
mit dem Land. Der Besen soll
Glück bringen – und zugleich
daran erinnern, bürokratische
Hindernisse aus dem Weg zu
räumen. So verband das Jahres-
treffen Anerkennung für das
Geleistete mit klaren Erwartun-
gen an die Zukunft. Oder, wie
Reichhold es formulierte: Ein
Mandat ist ein Auftrag.
Eindrücke der
Mitgliederver­
sammlung gibt es
in der Bildergalerie
Für seine Verdienste um das Handwerk erhielt Winfried Kretschmann
(links) den Ehrenmeistertitel. Überreicht wurde die höchste Aus-
zeichnung von Handwerk BW-Präsident Rainer Reichhold.

 Foto: Handwerk BW/KD Busch
Mit der neuen EU-Verpackungs-
verordnung (PPWR) wird das
Verpackungsrecht europaweit
neu geregelt. Für viele Hand-
werksbetriebe bleiben die bis-
herigen Abläufe zunächst be-
stehen. Dennoch sollten sie
prüfen, ob und in welchem
Umfang sie künftig betroffen
sind. Entscheidend sind unter
anderem die eigene Rolle
in der Lieferkette sowie die
 verwendeten Verpackungen.
Neue Pflichten gelten schritt-
weise ab 2027 und 2028.
Handwerk BW hat die wich-
tigsten Informationen, Fristen
und Arbeitshilfen auf einer
Übersichtsseite gebündelt.
Dort finden Betriebe unter an-
derem Hinweise zur Rollen-
prüfung, ein Kompaktpapier
zur PPWR sowie weiterfüh-
rende Informationen der Zent-
ralen Stelle Verpackungsregis-
ter (ZSVR). Da einzelne Rege-
lungen derzeit noch konkre-
tisiert werden, wird die Seite
laufend aktualisiert.
Hier geht es zur
Informations­
seite von Hand-
werk BW
KURZ UND BÜNDIG
Verpackungsverordnung
im Blick
Trotz der eingetrübten Kon-
junktur bleibt der Arbeits-
markt im baden-württember-
gischen Handwerk stabil. Das
zeigt der aktuelle Fachkräfte-
bedarfsmonitor von Handwerk
BW. Zwar ist die Arbeitslosig-
keit im Jahresvergleich leicht
gestiegen, mit 2,3 Prozent liegt
sie jedoch weiterhin deutlich
unter der Quote der Gesamt-
wirtschaft. Gleichzeitig blieb
die Zahl der offenen Stellen im
Handwerk konstant, während
sie landesweit zurückging. Auf
eine offene Stelle kommen
im  Handwerk zwei Arbeits-
suchende – in der Gesamtwirt-
schaft sind es mehr als dreimal
so viele. Auch die Zeit bis zur
Besetzung einer Stelle hat sich
verkürzt. Besonders im Me-
tallhandwerk sowie in einzel-
nen Bauberufen konnten of-
fene Stellen schneller besetzt
werden. Der Fachkräftebe-
darfsmonitor erscheint viertel-
jährlich und wertet Arbeits-
marktdaten der Bundesagen-
tur für Arbeit für das baden-
württembergische Handwerk
aus.
Handwerk sucht weiter
Fachkräfte
Information
Eine erfolgreiche Betriebsübergabe braucht Zeit. Deshalb sollten
sich Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber möglichst früh-
zeitig mit der Nachfolge ihres Unternehmens beschäftigen. Erste
 Ansprechpartner sind die zuständigen Handwerkskammern. Sie
 beraten Betriebe zu allen grundlegenden Fragen der Unternehmens-
nachfolge und begleiten den Prozess. Bei komplexen Übergaben
 arbeiten die Handwerkskammern in Baden-Württemberg eng mit
der Beratungs- und Wirtschaftsförderungsgesellschaft für Hand-
werk und Mittelstand (BWHM) zusammen. Gemeinsam unterstützen
sie Betriebe dabei, wirtschaftliche, rechtliche und persönliche
 Fragen frühzeitig zu klären.
Der Betrieb fürs Leben
Die Geschichte von Fabian Ziegler zeigt, wie aus einem ehemaligen
Auszubildenden ein Unternehmer wurde
VON SABRINA KREUZER
D
er Geruch von Holz
liegt in der Luft. Aus der
Werkstatt dringt das
Surren der Maschinen.
Fabian Ziegler grüßt Mitarbei-
tende, bleibt kurz stehen und
 lächelt. Nach anderthalb Jahren
als Geschäftsführer und Inhaber
wirkt er angekommen. Dass er
diesen Betrieb einmal überneh-
men würde, hätte er sich wäh-
rend seiner Ausbildung wohl
selbst nicht vorstellen können.
Ganz so selbstverständlich, wie
es heute wirkt, war dieser Weg
 allerdings nicht.
Der Betrieb ist für Ziegler weit
mehr als ein Arbeitsplatz. Hier ab-
solvierte er seine Ausbildung und
arbeitete anschließend ein Jahr
als Geselle. Danach zog es ihn zu-
nächst hinaus, um Erfahrungen
zu sammeln. Im Jahr 2020 kehrte
er zur damaligen Artur Summ
GmbH & Co. KG zurück.
Wer ihn heute durch den Be-
trieb begleitet, merkt schnell: Er
ist hier nicht einfach Geschäfts-
führer geworden – er ist hier groß
geworden. Dass er nicht nur als
Mitarbeiter zurückkehrte, war
beiden Seiten bewusst. In seiner
neuen Rolle übernahm er früh
Verantwortung und arbeitete sich
Schritt für Schritt in die Unter-
nehmensführung ein. „Als Be-
triebsleiter hatte ich einen guten
Einblick in die Zahlen. Aber was
die ganzen Effekte dahinter be-
deuten, wurde mir erst in der
 Beratung klar“, sagt Ziegler.
Entscheidung zur Übernahme
Als die Betriebsübernahme kon-
kreter wurde, zeigte sich schnell,
wie komplex der Weg tatsächlich
werden würde. Die ersten Gesprä-
che mit der Handwerkskammer
Konstanz machten deutlich, dass
der Fall aufgrund der Unterneh-
mensgröße und der Vielzahl an
Fragestellungen eine intensivere
Begleitung erforderte. Deshalb
vermittelte die Kammer den Be-
trieb an die Beratungs- und Wirt-
schaftsförderungsgesellschaft
für Handwerk und Mittelstand
(BWHM).
Was Ziegler rückblickend be-
schreibt, erlebt Klaus Häcker re-
gelmäßig. Für den BWHM-Berater
umfasst eine Betriebsübernahme
weit mehr als Unternehmens-
bewertung und Finanzierung.
Gemeinsam mit dem Nachfolger
arbeitete er die gesamte Übergabe
auf – von Kaufpreis, Finanzierung
und Verträgen bis hin zu Füh-
rungsfragen und Gesprächen mit
der Familie. „Das ist aus unserer
Sicht das normale Programm, das
man abarbeiten sollte – was aber
häufig nicht getan wird“, sagt
 Häcker.
Für Ziegler bedeutete die Bera-
tung intensive Wochen. Tagsüber
arbeitete er im Betrieb, abends
beschäftigte ihn die Unterneh-
mensnachfolge weiter. „In dieser
Zeit saß ich jeden Abend zwei
Stunden am Esszimmertisch und
habe mich damit beschäftigt.
Oder ich habe zu meiner Frau ge-
sagt: ‚Ich habe heute mit Herrn
Häcker telefoniert, da müssen wir
drüber sprechen, wenn die Kin-
der im Bett sind.‘“, erinnert sich
der 36-Jährige. Längst ging es
nicht mehr nur um Zahlen, son-
dern auch um die Frage, welche
Folgen die Übernahme für seine
Familie haben würde.
Deshalb gehörte zur Intensiv-
beratung auch ein gemeinsames
Gespräch mit Zieglers Ehefrau –
bewusst an einem neutralen Ort,
dem Büro von Klaus Häcker in
Herrenberg. Dort wurden Risi-
ken, Finanzierung und mögliche
Szenarien offen besprochen.
Rückblickend bezeichnet Ziegler
diesen Termin als Wendepunkt:
„Als ihr diese Sorge genommen
wurde, war für mich klar: Jetzt
kann ich das Drumherum eigent-
lich machen.“
Auch für Häcker gehört dieser
Blick über betriebswirtschaft-
liche Fragen hinaus zu einer ge-
lungenen Nachfolge. „Ich sage
immer: Es muss so sein, dass sich
Inhaber und Nachfolger in fünf
Jahren beim Stadtfest treffen
können und mit Freude auf-
einander zugehen.“ Denn eine
 erfolgreiche Betriebsübergabe
endet für ihn nicht mit der Unter-
schrift unter dem Kaufvertrag,
sondern damit, dass beide Seiten
ihre Entscheidung auch langfris-
tig mittragen.
Mehr als Zahlen und Verträge
Der Aufwand zahlte sich aus.
Ende Dezember 2024 wurde der
Kaufvertrag unterzeichnet, zum
1. Januar 2025 übernahm Ziegler
den Betrieb offiziell. Heute ist er
überzeugt, dass ihm die Intensiv-
beratung nicht nur fachlich, son-
dern auch persönlich die nötige
Sicherheit gegeben hat. „Ohne die
BWHM würde ich heute wahr-
scheinlich nicht hier sitzen“, sagt
er.
Fabian Ziegler hat den Schritt
geschafft. Vielen Handwerksbe-
trieben in Baden-Württemberg
steht er noch bevor. In den kom-
menden Jahren suchen rund
28.000 Betriebe eine Nachfolge.
Das Beispiel der Summ GmbH
zeigt, wie komplex eine Betriebs-
übergabe sein kann – und wie
wichtig es ist, sie frühzeitig anzu-
gehen und sich bei Bedarf Unter-
stützu