Ifo-Chef Clemens Fuest fordert 19% Mehrwertsteuer in Deutschland; 36,2 Mrd EUR Überschuss pro Jahr

19 Prozent auf alles? Ifo-Chef für höhere Mehrwertsteuer | Steuern | Haufe

Fri Aug 07 05:53:07 UTC 2026

Sonderausgabenabzug bei Vermögensübertragungen gegen Versorgungsleistungen

Gesonderte und einheitliche Feststellung seit 2024

Steuerliche Behandlung von Arbeitslohn bei Vorliegen eines DBA

Einkommensteuererklärung 2025: Änderungen in den Vordrucken

Steuerermäßigung für energetische Sanierungsmaßnahmen nach § 35c EStG

Aktuelle Rechtsprechung zur Haftung der Vertreter nach § 69 AO

Thesaurierungsbegünstigung nach § 34a EStG

19 Prozent auf alles? Ifo-Chef für höhere Mehrwertsteuer

Höhere Steuern und damit höhere Preise für Brot, Butter und Obst: Darauf zielt ein Vorschlag von Ökonom Clemens Fuest. Er will Einheitlichkeit bei der Mehrwertsteuer und im Gegenzug manche entlasten.

Teurere Lebensmittel - und dafür eine Gutschrift vom Staat für Menschen mit geringen Einkommen? Das schlägt ein führender deutscher Ökonom zur Entlastung der Staatskasse vor. Der Präsident des Münchner Ifo-Instituts, Clemens Fuest, spricht sich für eine Abschaffung des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes von 7 Prozent aus. Stattdessen sollten alle Waren einheitlich mit 19 Prozent besteuert werden.

“Alle Güter mit derzeit ermäßigtem Mehrwertsteuersatz, vor allem Lebensmittel, würden sich verteuern”, sagte Fuest der “Bild”. In einem Gastbeitrag im “Handelsblatt” argumentiert der Ökonom, richtig angepackt könne eine solche Reform Haushalte jedoch entlasten.

Die Rolle der Mehrwertsteuer in der Politik

Die Änderung des Mehrwertsteuersatzes ist ein beliebtes Instrument in der Politik - eingesetzt entweder zur Entlastung von Bürgern in Krisenzeiten oder zum Stopfen von Haushaltslöchern. Auf die meisten Waren gilt in Deutschland ein Satz von 19 Prozent. Der reduzierte Satz von 7 Prozent gilt für Produkte, die dem Gemeinwohl dienen - darunter etwa Grundnahrungsmittel wie Milch, Fleisch, Obst, Gemüse und Backwaren.

Die letzte Anpassung gab es infolge der Corona-Pandemie: Der Mehrwertsteuersatz für Speisen in der Gastronomie wurde zur Entlastung von Restaurants und Gaststätten von 19 auf 7 Prozent gesenkt. Der reduzierte Satz ruft aber auch deshalb immer wieder Debatten hervor, weil die Einteilung nicht einfach nachzuvollziehen ist. So fallen auf Hunde- und Katzenfutter 7 Prozent an, auf Babynahrung aber 19 Prozent. Für Kartoffeln gilt der reduzierte Satz von 7 Prozent, für Süßkartoffeln 19 Prozent.

Laut Fuest kostet der ermäßigte Mehrwertsteuersatz den Staat jährlich 43,5 Mrd EUR. “Das sozialpolitische Entlastungsziel könnte aber mit wesentlich weniger Aufwand erreicht werden”, argumentiert er. “Wenn diese Entlastung das eigentliche Ziel ist, könnte man den Haushalten das Geld auch durch direkte Transfers zukommen lassen.”

Fuest schlägt daher vor, den ermäßigten Satz komplett abzuschaffen und 19 Prozent für alle Waren zu verlangen. Nach Rechnung des Ökonomen müsste die ärmere Hälfte der Bevölkerung dann im Schnitt 30 EUR im Monat mehr zahlen. Um das auszugleichen, müsste der Staat lediglich 7,2 Milliarden EUR in die Hand nehmen.

“Belastet würde vor allem die Hälfte der Bevölkerung mit den höheren Einkommen, also mit Bruttoeinkommen über circa 55.000 EUR”, sagte der Ökonom der “Bild”. Nach Abzug der Ausgleichszahlungen blieben dem Staat demnach mehr als 36 Mrd EUR pro Jahr zusätzlich. “Wichtig ist mir, dass er eine Chance bietet, das Chaos bei der Mehrwertsteuer abzuschaffen, ohne die ärmsten Haushalte mehr zu belasten”, sagte Fuest über seinen Vorschlag.

Die deutschen Staatsfinanzen stehen unter Druck: Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) muss in der Haushaltsplanung für die kommenden Jahre Milliardenlücken schließen. Außerdem plant die Koalition eine Reform der Einkommensteuer. Um deren Kosten aufzufangen, prüften Union und SPD auch eine Erhöhung der Mehrwertsteuer.

“Alle Ausgaben und Steuervergünstigungen müssen auf den Prüfstand”, argumentiert Fuest nun. Hilfen dürften nur denjenigen zugutekommen, die sie auch wirklich brauchten - und das sei bei der ermäßigten Mehrwertsteuer eben nicht der Fall. “Es werden nicht nur Menschen mit niedrigen Einkommen entlastet, sondern alle Konsumenten, und der ermäßigte Satz gilt für viele Güter, nicht nur für Nahrungsmittel. Außerdem profitieren Haushalte umso mehr, je höher ihr Konsum ist”, argumentiert der Ökonom.

Der durch eine Reform entstehende Überschuss von 36,2 Mrd. EUR könnte entweder zur Entlastung des Haushalts genutzt werden - oder zur Senkung des regulären Mehrwertsteuersatzes um zwei Prozentpunkte auf 17 Prozent.

Was die Politik davon hält

SPD-Generalsekretär Tim Klüssendorf wies die Forderung umgehend zurück. “Wir haben eine ganze Reihe von Menschen, Rentnerinnen und Rentner, aber auch Schülerinnen und Schüler, Auszubildende, Studierende, die dann alle mehr zahlen müssten”, sagte er im RTL

ntv-“Frühstart”. Für die meisten Menschen bedeute das eine deutliche Preiserhöhung in einer Zeit, in der Bezahlbarkeit ohnehin schon ein Problem sei. “Und dann Preise auch noch über höhere Steuern im Konsum, im Verbrauch weiter zu erhöhen, das ist etwas, was mit uns nicht zu machen sein wird”, sagte der SPD-Politiker.

Wie es im internationalen Vergleich aussieht

Betrachtet man nur den regulären Satz gehört Deutschland zu den fünf EU-Ländern mit der geringsten Mehrwertsteuer. Die meisten Länder haben jedoch auch reduzierte Sätze - mit Ausnahme von Dänemark, das auf alle Waren einheitlich 25 Prozent erhebt. Die Mehrwertsteuer-Bandbreite reicht von 2,1 Prozent (niedrigster Satz in Frankreich) bis zu 27 Prozent (regulärer Satz in Ungarn).

Steuerliche Entlastung für kleinere Photovoltaikanlagen ab 2022 und 2023 444 459

Neuntes Gesetz zur Änderung des Steuerberatungsgesetzes verkündet 424

Voraussetzungen und Besonderheiten der steuerfreien Aktivrente 396 4

Viertages-Zugangsvermutung bei der Bekanntgabe von Steuerbescheiden 322 3

Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalität 272 2

Diese Reform ist ein Reförmchen auf allen Ebenen 222

Neue Pflichtangaben bei Reverse-Charge-Leistungen 195

Behindertenpauschbetrag: Höhe, Anspruch & Steuer-Tipps 192 1

Krypto-Anleger verharren im Dauerfrost 05.08.2026

Gesetz zur Einführung einer Frühstartrente 27.07.2026

Automatischer Informationsaustausch zu Kryptowerten 22.07.2026

Automatischer Informationsaustausch zu Einkünften über digitale Plattformen 20.07.2026

Aktionsplan gegen Steuer- und Finanzkriminalität 17.07.2026 2

SPD-Generalsekretär will Erbschaftsteuer-Schlupflöcher schließen 15.07.2026

DStV warnt vor Risiken der geplanten EU Inc. 14.07.2026

Gesetz zur Einführung eines antragslosen Kindergeldes 10.07.2026

Dividenden aus Tochtergesellschaften in anderen Mitgliedstaaten 09.07.2026

Wählen Sie einen anonymen Namen

Wählen Sie einen anonymen Namen, der für Ihre Beiträge in der Kommentarfunktion angezeigt wird. Sie können diesen Namen jederzeit in Ihren Kontoeinstellungen ändern.

Hinweis: Es sind nur Buchstaben und Zahlen erlaubt.

Mit dem ABC-Führer Lohnsteuer bleiben Sie stets aktuell! Die Datenbank bietet Zugriff auf fast 3.000 verknüpfte Begriffe rund um Lohnsteuer und Einkommensbesteuerung. Praxisnah, anschaulich und rechtssicher – inklusive Länderstichworten, Doppelbesteuerungsabkommen und Verwaltungsanweisungen.

Aktuelle Informationen zur neuesten BFH-Rechtsprechung frei Haus - abonnieren Sie unseren Newsletter:

Unser Ziel ist es, Ihnen eine auf Ihre Bedürfnisse zugeschnittene Website anzubieten. Um Ihnen relevante und nützliche Inhalte, Angebote und Services präsentieren zu können, benötigen wir Ihre Einwilligung zur Nutzung Ihrer Daten. Wir nutzen den Service eines Drittanbieters, um Ihre Aktivitäten auf unserer Website zu analysieren.

Mit Ihrer Einwilligung profitieren Sie von einem personalisierten Website-Erlebnis und Zugang zu spannenden Inhalten, die Sie informieren, inspirieren und bei Ihrer täglichen Arbeit unterstützen.

Wir respektieren Ihre Privatsphäre und schützen Ihre Daten. Sie können sich jederzeit darüber informieren, welche Daten wir erheben und wie wir sie verwenden. Sie können Ihre Einwilligung jederzeit widerrufen. Passen Sie Ihre Präferenzen dafür in den Cookie-Einstellungen an.

Vor allem Lebensmittel würden sich verteuern.

Ihre Meinung ist uns wichtig

Zum Steuern Gesetzgebung & Politik Archiv

rudolf.ai - Haufe meets AI

Profitieren Sie von personalisierten Inhalten, Angeboten und Services!