RKI meldet knapp 12.000 Hitzetote in Deutschland; 0,4% BIP-Verlust droht.
Cross-Asset- und Strategy-Research
Die Hitze kostet Wohlstand
Dr. Moritz Kraemer Chefvolkswirt und Leiter Research LBBWResearch@LBBW.de
- August 2026 Es ist höchste Zeit, in der deutschen Klimapolitik umzusteuern
Jetzt kommt der schon wieder mit der Hitze um die Ecke, wird manche Leserin unter Ihnen vielleicht aufseufzen. Stimmt, erst Mitte Juni habe ich in dieser Kolumne den Klimawandel zum Thema gemacht. Kern der Analyse war damals, die wissen- schaftliche Evidenz für den menschengemachten Klimawandel zu dokumentieren. Und warum Europa ganz besonders von der globalen Erwärmung betroffen ist. Aktuell sehen wir die Konsequenzen deutlicher denn je. In Süd- europa brennen die Wälder. Getreide und Gemüse vertrocknen auf den Feldern oder wachsen erst gar nicht. Die Landwirte prog- nostizieren Ernteausfälle „in nie dagewesenem Ausmaß“. Der Ruf nach Hilfen ließ natürlich nicht lange auf sich warten. Und dafür habe ich durchaus Verständnis, auch wenn mir in der Ver- gangenheit die Bauernproteste manchmal etwas zu weit gingen. Es ist zu befürchten, dass viele Betriebe vor dem Aus stehen. Zumal Anzahl und Intensität der Dürrephasen zunehmen. Hitze kostet Menschenleben Nach Schätzungen des Robert Koch-Instituts gab es bis Mitte Juli bereits knapp 12.000 Hitzetote. Das ist ein absoluter Rekord (siehe Abb. 1). Mehr als 95 % dieser sogenannten Übersterb- lichkeit entfallen auf Menschen über 65 Jahren. In der zurücklie- genden Woche dürfte die Zahl weiter gestiegen sein. Und wäh- rend etwa Frankreich nach dem Hitzesommer 2003 Pläne auf den Weg gebracht hat, um die Folgen für die Bevölkerung abzu- mildern, treffen uns die rollierenden Hitzewellen in Deutschland 23 Jahre später (!) immer noch unvorbereitet. Aber wenn schon vermeidbare Verluste an Leben die Regieren- den nicht in die Pötte kommen lassen, dann ist es vielleicht der
Klimawandel bringt die Wirtschaft ins Schwitzen
Abb. 1: Schätzung Hitze- tote in Deutschland (bis Ende Juli)
Quelle: RKI, LBBW Research
Landesbank Baden-Württemberg Cross-Asset- und Strategy-Research | 07.08.2026
wirtschaftliche Schaden. Am offensichtlichsten wird der gerade angesichts des Niedrigstands der Flüsse, und zwar nicht nur am Rhein. An Donau, Elbe, Mosel oder Spree sieht es ganz ähnlich aus. Aber der Rhein ist für 80 % des Verkehrs auf deutschen Wasserstraßen verantwortlich und die zentrale Transportarterie für Ölprodukte, Chemikalien, Kohle, Schrott, Getreide und Con- tainer. Der Pegelstand beim Nadelöhr Kaub liegt auf dem nied- rigsten Stand, seit 1880 die Aufzeichnungen begannen (siehe Abb. 2). Da Schiffe nur noch mit geringer Beladung passieren können, steigen die Frachtkosten exponentiell. Es hilft in dieser Situation nicht, dass Teile der rechtsrheinischen Bahnstrecke wegen Sanierungsarbeiten mindestens bis Dezem- ber nicht passierbar sein werden. Die Lieferengpässe, die allein durch die Lage am Rhein entstehen, könnten nach Schätzungen des Instituts der deutschen Wirtschaft Wachstumseinbußen von bis zu 0,4 % nach sich ziehen. Damit wäre die Hoffnung auf eine wirtschaftliche Erholung Deutschlands wieder zunichte. Es könnte gar eine Rezession drohen. Und was hört man aus Berlin? Ein Sprecher des Verkehrsminis- teriums gibt sich lakonisch: „Wenn kein Wasser da ist, sind wir alle mit dem Latein am Ende.“ Natürlich hat auch Berlin keinen direkten Draht zum Regengott. Aber das lapidare Schulterzu- cken ist kein Krisenmanagement. Energie und Tourismus leiden ebenfalls Es ist aber nicht nur der Transport. Frankreich, Ungarn und Ru- mänien müssen derzeit Atomkraftwerke wegen Kühlwasser- mangels drosseln oder abschalten. Auch Kohlekraftwerke sind betroffen, und die französische EDF musste hitzebedingt sogar das erste Gaskraftwerk vorübergehend vom Netz nehmen. Auch der Tourismus leidet. Kreuzfahrten auf Flüssen finden kaum mehr statt. Und der Bodensee hat den niedrigsten Pegel erreicht, seit es Messungen gibt. Selbst meine Mutter, die dem Bodensee seit Jahrzehnten die Treue hält, will von weiteren Be- suchen in Überlingen absehen. Produktivität korreliert negativ mit Temperaturen Die Arbeitsproduktivität geht bei Temperaturen über 30 Grad in den Keller. Und das nicht nur, weil Krankschreibungen zuneh- men. In einer Studie schätzt die Allianz, dass jedes Grad über dieser Grenze die Produktivität um 3 % verringert. Besonders betroffen sind Berufsfelder im Freien: Bitte loben Sie Ihren Brief- träger oder Müllmann. Die machen gerade echt was durch! Ich bin überzeugt, dass die Folgen der Hitze von Landwirtschaft über Lieferketten bis hin zur Energieversorgung noch zu einem Inflationsschub führen können, ganz gleich, ob der Krieg im Na- hen Osten weitergeht. Und das ist erst der Anfang! Und was macht unsere Bundesregierung? Sie rät, ausreichend zu trinken, verweist auf die Zuständigkeit von Ländern und Kommunen und fördert den Bau von Gaskraftwerken.
Die Wasserwege trocknen aus
Abb. 2: Wasserstand des Rheins bei Kaub (in Metern, bis 04. Au- gust 2026)
Quelle: Bloomberg, LBBW Research
Atomkraftwerke fallen aus
Produktivität sinkt bei Hitze
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Landesbank Baden-Württemberg Cross-Asset- und Strategy-Research | 07.08.2026
Disclaimer: 07.08.2026 08:05
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Dezember 2020 – dem Tag des Endes der Übergangsperiode – zur Umsetzung der Richtlinie (EU) 2016/97 über den Versicherungsvertrieb galten), wobei dieser Kunde kein professioneller Kunde im Sinne von Punkt (8) des Artikels 2(1) der UK MiFIR wäre; oder (iii) kein qualifizierter Anleger im Sinne der UK-Version der Verordnung (EU) 2017/1129 über den Prospekt, der bei einem öffentlichen Angebot von oder der Zulassung von Wert- papieren zum Handel auf einem geregelten Markt zu veröffentlichen ist, die durch den EUWA Teil des UK-Rechts geworden ist (UK Prospektverordnung). Diese Publikation wurde von der LBBW ausschließlich zu Informationszwecken erstellt. Sie spiegelt die Ansichten der LBBW wider und bietet keine objektive oder unabhängige Sicht auf die behandelten The- men. Die Publikation sowie die darin geäußerten Ansichten stellen weder eine persönliche Empfehlung noch Anlageberatung dar und sollten nicht als Grundlage für eine Anlageentscheidung verwendet wer- den. 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