April 2026 deutlich wärmer, trockener, sonnenscheinreicher Bayern; Niederschlagsdefizit bis 76% im Süden

April Heuer war die Witterung im April von Hochdruck dominiert, so- dass es bei viel trockener Luft reichlich Sonnenschein gab. Gleichzeitig kam es aber auch zu großen Tag-Nachtschwankun- gen der Lufttemperatur. Für et- was Niederschlag sorgten drei Tiefdruckgebiete, die die Hoch- druckperioden unterbrachen. Ins­gesamt war er deutlich wär- mer, trockener und sonnen- scheinreicher als normal. Der April startete kalt. An der DWD-Klimastation in Oberst- dorf sank die Lufttemperatur auf -8,2 °C. Das war der tiefste Wert in diesem Monat für Bay- ern. Zur gleichen Zeit regnete es in einigen Regionen kräftig. An Ostern wurde es dann früh- lingshaft warm, an der Donau und südlich davon stieg die Lufttemperatur vom 4. auf den 5. April um 11,5 °C an (DWD 2026). Zehn Wetterstationen meldeten am 5. April Höchst- temperaturen von über 20 °C. Der Erwärmung folgten erste gewittrige Schauer. Im weiteren Verlauf des ersten Monatsdrit- tels herrschte Hochdruck vor. Eine nördliche Strömung sorgte für den Zustrom kühler Luft. Diese erwärmte sich tagsüber, kühlte aber nachts wieder aus, sodass es zu Boden- und sogar Luftfrost kam. Am 10. April zog ein Tiefausläufer mit teils grö- ßeren Niederschlägen durch. In höheren Lagen des Bayerischen Walds gab es sogar Schneere- gen. Im zweiten Monatsdrittel drehte die Luftströmung kurz- zeitig auf Südwest, und führte warme Luft über die Alpen. Da- nach wechselten sich Regen- fälle und heitere Abschnitten ab. In einigen Regionen regnete es lange Zeit nicht. (Augsburg, Rhön, München) (DWD 2026). An 13 WKS gab es vom 20. April an 14–15 Tage keinen Nieder- schlag. Die warme Witterung begünstigte die Vegetations- entwicklung, sodass die Apfel- blüte als Beginn des phänolo­ gischen Vollfrühlings im Mittel zum 19. April eine Woche frü- her als im vieljährigen Mittel stattfand. Das letzte Monats- drittel war dann überregional von Hochdruckeinfluss geprägt. Niederschläge blieben aus, die Luft erwärmte sich und die Waldbrandgefahr stieg. Kalte, teils frostige Nächte hatten die Vegetation etwas ausgebremst. In tieferen Lagen wirkten höhere Tageswerte der Lufttemperatur dem entgegen (DWD 2026). Der April lag mit 9,1° C deutlich über dem langjährigen Mittel 1961–90 (+2,1°). Mit einer Nie- derschlagsmenge von 17,1 l/m² fiel 76 % weniger Regen als im langjährigen Mittel (vierter Platz der trockensten Aprilmonate seit 1881). Obwohl nördlich und südlich der Donau jeweils 17 l/m² Niederschlag fielen, war die Si- tuation im Süden deutlich ext- remer: Dort lag das Nieder- schlagsdefizit bei 76 %, im Nor- den bei 60 %. Besonders tro- cken mit teils weniger als 11 l/m² blieb es im Tertiärhügelland westlich von Landshut (WKS Freising). Im April gingen vor al- lem in Südbayern die Boden- wasservorräte langsam zurück, an der WKS Ebersberg sogar deutlich bis auf etwa 50 % der nutzbaren Feldkapazität (nFK). Die Wasserversorgung der Wald- bäume war aber an allen Wald- klimastationen weiter ausrei- chend (Abbildung 2). Die Sonne schien 234,9 Stunden. Das ent- spricht einer Steigerung von 53 % gegenüber dem langjähri- gen Mittelwert. Damit gehört dieser April zu den zehn son- nenreichsten Aprilmonaten seit 1951 (DWD 2026). Das hydrolo- gische Winterhalbjahr (Novem- ber 2025 bis April 2026) zählte mit 264,2 l/m² wie schon das letzte bayernweit zu den 15 tro- ckensten seit 1881 (-34% zum Mittel 1961–90). Frühjahr 2026: außergewöhnlich trocken Niederschlag – Temperatur – Bodenfeuchte Mittlere Abweichung zum Mittel aller WKS 1961–1990 Temperatur Apr +2,0° Mai +2,5° GOL FLO BBR EBR ROK DIN ALT RIE FRE SON KRE MIT TAF AOE EBE BER WUE ROT HOE Mittlere Abweichung zum Mittel aller WKS 1961–1990 Apr –73% Mai –34% Niederschlag GOL FLO BBR EBR ROK DIN ALT RIE FRE SON KRE MIT TAF AOE EBE BER WUE ROT HOE 1   Absolute Abweichung der Lufttemperatur bzw. prozentuale Abweichung des Niederschlags vom langjährigen Mittel 1961–1990 an den Waldklimastationen. 26    LWF aktuell  4 |2026 Waldklimastationen

Mai Ein Monat der Gegensätze: Erst machten die Eisheiligen ihrem Namen alle Ehre, dann hatte der Hochsommer einen frühen Auf- tritt. Zum 1. Mai gab es meist bestes Feiertagswetter: Unter Hochdruckeinfluss war es ver- breitet sonnig und trocken bei frühsommerlichen Lufttempe- raturen, so dass die Waldbrand- gefahr hoch war. Am 3. Mai er- reichten die Lufttemperaturen an elf WKS, darunter auch die alpine WKS Berchtesgaden, mehr als 25 °C. Abends brach dann am Saurüsselkopf bei Ruhpolding ein Waldbrand im Gipfelbereich aus. Nach dem ersten Mai-Wochen- ende brachten Niederschläge einen leichten Rückgang der Lufttemperaturen. Im Franken- wald wurde als monatlicher WKS-Spitzenwert an der WKS Rothenkirchen am 07. Mai 37,9 l/ m² gemessen. Die warmen Tagestemperaturen hielten das ganze erste Monatsdrittel an. Nachts hingegen wurde es oft kalt und besonders in höheren Tallagen gab es Bodenfrost. Zu den Eisheiligen wurde es sowohl nachts als auch tagsüber kälter. Am 12. und 13. Mai sowie am 17. Mai lagen bei sieben bzw. acht WKS die minimalen Lufttempe- raturen in 2 m Höhe unter 0 °C. So gab es im zweiten Monats- drittel selbst in tieferen Lagen Boden- und sogar leichten Luftfrost. Am Tag waren die Temperaturen gedämpft. Ne- ben zeitweiligen Niederschlä- gen, die vorübergehend im Berg- land teils mit Schnee vermischt waren, gab es auch längere son- nige Phasen. Ab Mitte Mai leer- ten sich die Bodenwasserspei- cher an den Waldklimastationen in ganz Bayern zunehmend. Mit dem Blattaustrieb waren davon auch die Laubbaumbestände betroffen. Im letzten Monats- drittel wurde es unter Hoch- druckeinfluss sommerlich heiß. Der Vorsprung in der Vegetati- onsentwicklung hielt sich; die Holunderblüte als Beginn des phänologischen Frühsommers trat fünf Tage früher als im viel- jährigen Mittel auf (21. Mai). Die Niederschläge blieben vom dem 21. bis 28. Mai an den WKS meist aus. An der WKS Ebersberg wur- de ab dem 24. Mai sogar die Grenze zum Trockenstress un- terschritten. Am 26. Mai wurden an fünf WKS Lufttemperaturen über 30 °C erreicht. Erst am letzten Wochenende gab es ge- bietsweise gewittrige Schauer. Die Waldbrandgefahr war Ende Mai wieder erhöht. Im Mai 2026 gab es mit 54,9 l/ m² 39% weniger Niederschlag als im langjährigen Mittel 1961–90. Die Sonne schien mit 270,3 Stunden +40% mehr als üblich. Damit gab es den dritt- sonnigsten Mai seit 1951. Zu- gleich war der Mai mit einer Durchschnittstemperatur von 14,2 °C + 2,5° deutlich wärmer als im Mittel 1961–90. Das Frühjahr im Überblick Das Frühjahr 2026 war das nie- derschlagärmste seit Beginn der flächenhaften Aufzeichnun- gen 1881. Es fielen nur 103,8 l/m² in den drei Frühlingsmonaten (-53% zum Mittel 1961–90). Der bisherige Rekordhalter war bis- her das Frühjahr 1934 mit 110,4 l/ m². Nachdenklicher stimmt al- lerdings, dass auf Platz 3 der trockensten Frühjahre zuletzt 2025 folgte (113,4 l/m²). Die Lufttemperatur erreichte 9,5 °C (+2,3 °C zum Mittel 1961–90), damit auf Platz 7 der wärmsten Frühjahre seit 1881. Mit 686,9 Stunden war es auch ein sehr strahlungsreiches Sonnenfrüh- jahr (+47% zum Mittel 1961–90, Platz 4 seit 1951). Dramatischer war es noch beim Niederschlag. Mit 113,4 l/m² fiel nur fast die Hälfte des langjährigen Nieder- schlags (-49%). Die Trocken- heit hatte häufig eine erhöhte Waldbrandgefahr zur Folge. Literatur DWD (2026): Monatlicher Klimastatus Deutschland April und Mai 2026 Autoren Dr. Lothar Zimmermann und Dr. Stephan Raspe sind Mit­arbeiter in der Abteilung »Boden, Klima, Baumartenwahl« der Bay­erischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft. Kontakt: Lothar.Zimmermann@lwf.bayern.de Stephan.Raspe@lwf.bayern.de 3   Mittlere Lufttemperatur und Niederschlagssumme an den Waldklimastationen sowie an der Wetterstation Taferlruck. Waldklimastationen Höhe ü.NHN [m] April 2026 Mai 2026 Temp, [°C] NS [l/m²] Temp, [°C] NS [l/m²] Altdorf (ALT) 406 8,1 18 13,4 33 Altötting (AOE) 415 8,7 24 14,2 42 Bad Brückenau (BBR) 812 7,4 29 11,9 96 Berchtesgaden (BER) 1500 6,9 49 11,1 109 Dinkelsbühl (DIN) 468 7,8 13 13,1 44 Ebersberg (EBE) 540 8,4 6 13,8 47 Ebrach (EBR) 410 8,0 15 12,7 50 Flossenbürg (FLO) 840 5,8 26 11,3 76 Freising (FRE) 508 9,7 11 14,4 53 Goldkronach (GOL) 800 6,1 30 11,3 84 Höglwald (HOE) 545 9,7 9 14,1 31 Kreuth (KRE) 1100 6,9 46 11,9 101 Mitterfels (MIT) 1025 5,9 15 11,5 56 Riedenburg (RIE) 475 8,6 12 14,0 21 Rothenkirchen (ROK) 670 5,7 23 11,3 95 Rothenbuch (ROT) 470 9,4 11 13,5 51 Sonthofen (SON) 1170 6,9 31 11,2 99 Taferlruck (TAF) 770 5,4 17 10,8 46 Würzburg (WUE) 330 10,4 14 14,7 42 April Mai Ebersberg, Fichte Flossenbürg, Fichte Würzburg, Eiche Mitterfels, Buche Riedenburg, Eiche Höglwald, Fichte Freising, Buche Trockenstress Füllstand [%] 0 20 40 60 80 100 120 160 140 Bodenwasserspeicher 2   Entwicklung der Bodenwasservorräte im gesamten durch­ wurzelten Bodenraum in Prozent zur nutzbaren Feldkapazität. 4 |2026  LWF aktuell   27 Waldklimastationen