VCD fordert Politik und Autoindustrie in Deutschland; 50% mehr E-Autos im ersten Halbjahr 2026

E-Auto wird zum neuen Normal: Jetzt müssen Politik und Autoindustrie liefern

E-Auto wird zum neuen Normal: Jetzt müssen Politik und Autoindustrie liefern

Im ersten Halbjahr 2026 wurden fast 50 Prozent mehr reine Stromer verkauft als im Vorjahreszeitraum, während die Nachfrage nach Benzinern und Dieseln deutlich zurückging. Dieser Trend setzte sich auch im Juli fort. Der ökologische Verkehrsclub VCD fordert deshalb von Politik und Autoindustrie, den Wandel nicht länger auszubremsen, sondern Elektromobilität konsequent zu priorisieren.

Vier von zehn Neuwagenkäufer*innen entscheiden sich inzwischen für ein reines Elektroauto. Insgesamt wurden im ersten Halbjahr 2026 bereits 50 Prozent mehr Stromer verkauft als im Vorjahreszeitraum. Gleichzeitig ging die Zahl der Neuzulassungen von Benzinern und Dieseln um fast 20 beziehungsweise 10 Prozent zurück. Michael Müller-Görnert, verkehrspolitischer Sprecher des ökologischen Verkehrsclubs VCD, ordnet die Zahlen ein.

„Jetzt kommt das E-Auto mit Verzögerung auch bei den bislang eher konservativen deutschen Autokäufer*innen an und ist auf dem besten Weg, zum neuen Normal zu werden. Damit folgt Deutschland den Vorreitern in Skandinavien und den Benelux-Ländern. Unangefochtener Spitzenreiter ist nach wie vor Norwegen mit annähernd 100 Prozent rein elektrischen Neuzulassungen.

Trotz dieser eindeutigen Entwicklung setzen Teile der deutschen Politik und Automobilindustrie weiterhin auf Verbrenner und wollen die europäischen CO2-Vorgaben für Neuwagen deutlich abschwächen. In den aktuell laufenden Verhandlungen auf europäischer Ebene geht es damit auch um die Frage, wie verbindlich der eingeschlagene Weg zur Elektromobilität künftig sein soll. Die Vorgaben werden sogar als Ursache für die schwächelnde Autoindustrie und drohende Arbeitsplatzverluste dargestellt. Das ist unredlich: Es lenkt von eigenen Versäumnissen ab und führt letztlich nur noch tiefer in die Krise. Die entscheidende Frage ist vielmehr: Müssten Politik und Industrie nicht alle Hebel in Bewegung setzen, um den Elektroantrieb zur Priorität zu machen? Denn die Absatzschwäche bei deutschen Herstellern hängt auch mit dem veränderten Kaufverhalten zusammen: Die Nachfrage bei fossilen Antrieben sinkt, während das Interesse an Elektroautos wächst. So ist es kein Wunder, dass reine E-Autohersteller wie Tesla ihre Beschäftigtenzahl in vierstelligem Umfang erhöhen wollen, um die Produktion zu steigern und chinesische Autohersteller zunehmend mit günstigen E-Autos den europäischen Markt erobern.

Das E-Auto ist nicht Teil des Problems, sondern Teil der Lösung. Wenn deutsche und europäische Autohersteller auch in Zukunft im internationalen Wettbewerb bestehen wollen, müssen sie sich auf erschwingliche Elektromodelle konzentrieren. Die Politik wiederum muss klare und verlässliche Rahmenbedingungen schaffen, statt bestehende Vorgaben abzuschwächen. Nicht zuletzt ist der Umstieg auf Elektromobilität ein entscheidender Baustein, um die Abhängigkeit von Öl zu verringern. Wie riskant diese Abhängigkeit ist, zeigt sich aktuell besonders deutlich an den hohen Spritpreisen infolge des Kriegs im Nahen Osten. Statt am Verbrenner festzuhalten, müssen Politik und Industrie den Wandel zur Elektromobilität jetzt geschlossen gestalten.“