Oke Göttlich vor Saisonstart 2026/27 Hamburg; Abstieg schmerzt, Top-25-Strategie bleibt

FC St. Pauli | FCSP-Präsident Oke Göttlich vor Saisonstart 2627

FCSP-Präsident Oke Göttlich vor Saisonstart 2627

„Es geht immer weiter voran!“

Am Sonntag (9.8.) geht die Saison 2026

27 los. Unser FC St. Pauli trifft auf die SpVgg Greuther Fürth. Wir freuen uns auf die neue Saison. Präsident Oke Göttlich möchte zum Auftakt der Spielzeit die Leistung von Mitgliedern, Mitarbeitenden und Fans würdigen.

Liebe Mitglieder, liebe Fans des FC St. Pauli,

hinter uns liegt eine Saison, die sportlich nicht so geendet ist, wie wir es uns gewünscht haben. Der Abstieg aus der Bundesliga schmerzt. Er ändert aber nichts daran, was wir in den vergangenen Jahren gemeinsam erreicht und aufgebaut haben; und er ändert erst recht nichts daran, wer wir sind und wie wir unseren Weg weitergehen wollen.

Wir folgen seit Jahren unserer Top-25-Strategie. Das heißt: Unser Anspruch ist es, mindestens zu den besten 25 Clubs in Deutschland zu gehören, was uns in den vergangenen Jahren stets gelungen ist. Das bedeutet: Mindestens Platz sieben in der 2. Bundesliga zu erreichen oder höher zu spielen. Daran orientieren wir uns weiterhin. Gleichzeitig wissen wir, dass Entwicklung nicht immer geradlinig verläuft. Zwei Jahre Bundesliga waren für den FC St. Pauli eine große Leistung. Und natürlich wollen wir dorthin zurück. Ob uns das direkt gelingt oder wir dafür etwas mehr Zeit brauchen, wird sich zeigen. Klar ist aber auch: mehr als zehn Jahre wie nach unserem letzten Abstieg soll es dieses Mal nicht dauern.

Zu diesem Weg gehören auch diejenigen, die ihn in den vergangenen Jahren mit uns gegangen sind und den Verein in diesem Sommer verlassen haben. Abschied bedeutet immer auch Schmerz. Ein gemeinsames Kapitel geht zu Ende, und es ist völlig normal, dass das wehtut. Einige der Spieler, die uns verlassen haben, haben eine der erfolgreichsten Phasen unserer jüngeren Vereinsgeschichte entscheidend mitgeprägt. Gemeinsam haben wir 2024 den Aufstieg in die Bundesliga gefeiert und dort besondere Momente erlebt. Dafür gebührt ihnen unser großer Dank. Sie werden ihren Platz in den Geschichtsbüchern des FC St. Pauli haben.

Gleichzeitig gehört es zum Profifußball, dass eine Ära irgendwann endet und eine neue beginnt. Die Führungsachse jener Mannschaft, die 2024 den Aufstieg geschafft hat, ist heute größtenteils nicht mehr da. Das bedeutet aber keinen kompletten Umbruch. Wir haben in den vergangenen Jahren darauf hingearbeitet, Spieler zu entwickeln, die nun aus den eigenen Reihen mehr Verantwortung übernehmen und den nächsten Schritt machen können.

Eine gute Adresse im Fußball

Genau darin liegt für uns eine nachhaltige Kaderstrategie. Unser Weg besteht nicht darin, für sehr viel Geld fertige Spieler zu verpflichten, die den Höhepunkt ihrer Karriere oft bereits erreicht haben. Wir brauchen erfahrene Spieler. Aber wir wollen vor allem ambitionierte junge Spieler holen und entwickeln, ihnen Vertrauen schenken und ihnen die Möglichkeit geben, bei uns in größere Rollen hineinzuwachsen. Wir erleben in unseren Gesprächen, dass ambitionierte Spieler ganz bewusst zum FC St. Pauli kommen, weil sie wissen, dass sie hier Zeit und Möglichkeiten bekommen, auf sehr gute Bedingungen treffen und in einer außergewöhnlichen Atmosphäre den nächsten Schritt im Profifußball machen können. Dass solche Spieler den FC St. Pauli als einen Club und Umfeld wahrnehmen, an dem sie sich entwickeln und sportlich erfolgreich sein können, ist für uns ein großes Kompliment.

Weit mehr als 90 Minuten Fußball

Dazu gehört auch: Ein Verein wie der FC St. Pauli besteht aus sehr viel mehr als 90 Minuten Fußball am Wochenende. Deshalb möchte ich mich bei allen bedanken, die diesen Verein jeden Tag tragen: bei unseren Mitgliedern, unseren Fans, unseren Ehrenamtlichen, den Mitarbeitenden und den vielen Menschen in den Abteilungen, Gremien, Fanclubs und Initiativen.

Wie vielfältig dieses Engagement ist, zeigt beispielsweise die Arbeit rund um den Fanladen. Bei den Ragazzi und Ragazze, bei KiezKick, in der Inklusions- und Awarenessarbeit, in der Erinnerungsarbeit und politischen Bildung entstehen Räume für Begegnung, Teilhabe und Mitbestimmung. Besonders die Angebote für junge Menschen sind stark gewachsen.

All das geschieht nicht von selbst. Deshalb gilt mein Dank ausdrücklich allen, die ihre Zeit, ihre Ideen und häufig sehr viel zusätzliche Energie in diesen Verein investieren. Ebenso danke ich unseren Partner*innen und Fördernden, die viele dieser Angebote erst ermöglichen. Der FC St. Pauli lebt davon, dass Menschen nicht darauf warten, dass andere etwas machen, sondern selbst Verantwortung übernehmen – für sich selbst und auch für andere. Menschen bringen unterschiedliche Fähigkeiten sowie Kenntnisse ein und in der Gemeinschaft entstehen so großartige Projekte.

Ein besonderer Dank gilt an dieser Stelle auch St. Pauli Pride. Gemeinsam haben wir beim CSD in Hamburg nach dem islamistischen Anschlag in Berlin ein starkes Zeichen gesetzt: Jetzt erst recht Flagge zeigen – ob queer oder Ally, spielt dabei keine Rolle. Wir stehen gemeinsam gegen queerfeindlichen Hass, egal aus welcher Richtung er kommt. Danke an alle, die dabei waren, und auch an unseren Hauptsponsor Congstar, der unseren Truck beim Hamburger CSD ermöglicht hat.

Auch am Millerntor hat sich in der Sommerpause einiges getan. Der Ballsaal in der Haupttribüne wurde grundlegend umgebaut, zudem wurde eine neue Beschallungsanlage installiert. An der Südtribüne haben wir die Wegeführung angepasst, und an weiteren Stellen gibt es zusätzliche FLINTA*-Schlangen. Mein großer Dank gilt allen, die diese Veränderungen geplant und umgesetzt haben – und ganz generell unseren Mitarbeitenden, die diesen Verein jeden Tag am Laufen halten. Viele von ihnen sind auch dann im Einsatz, wenn andere das Spiel genießen, etwa in unseren Fanshops oder rund um den Spieltag. Dafür ein riesiges Dankeschön.

Mindestens ebenso wichtig ist, was an anderen Stellen entsteht. An der Kollaustraße arbeiten wir weiter am Ausbau unserer sportlichen Infrastruktur.

Gleichzeitig schaffen wir neue Flächen für unsere Abteilungen, unter anderem an der Wendenstraße und an weiteren Standorten. Die Suche nach geeigneten Räumen und Flächen ist eine dauerhafte Aufgabe, an der im Verein unablässig gearbeitet wird. Denn der FC St. Pauli wächst; und damit wachsen die Anforderungen an unsere Infrastruktur. Wir wollen unseren Abteilungen die Voraussetzungen geben, ihre Angebote weiterzuentwickeln und noch mehr Menschen gemeinsam in Bewegung zu bringen. Um unter anderen den Fußball der Frauen- und Mädchen weiter stärken zu können, benötigen wir aber auch die Unterstützung der Stadt Hamburg.

Diese Investitionen sind vielleicht weniger sichtbar als ein Transfer oder ein Spiel am Millerntor. Für die langfristige Entwicklung des FC St. Pauli sind sie mindestens ebenso wichtig. Denn ein nachhaltiger Verein braucht eine gute Profimannschaft. Er braucht aber auch Plätze, Hallen und Räume für Nachwuchs, Amateursport und Abteilungen. Er braucht Orte, an denen Menschen zusammenkommen können.

All das zeigt: Auch nach einem sportlichen Rückschlag steht dieser Verein nicht still. Es geht immer weiter voran! Wir haben in den vergangenen Jahren gemeinsam viel aufgebaut. Jetzt beginnt ein neues Kapitel. Dazu gehört die Vorfreude auf eine Mannschaft mit bekannten und neuen Gesichtern und auf eine neue Saison. Wir wissen, dass die 2. Bundesliga uns vom ersten Spieltag an fordern wird. Und wir wissen, welche Energie entstehen kann, wenn Mannschaft, Fans und Verein gemeinsam in eine Richtung gehen.

Am Sonntag geht es wieder los. Gegen Greuther Fürth. Ich freue mich riesig darauf. Auf ein ausverkauftes Millerntor, auf die Menschen, auf unsere Gemeinschaft!

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