Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft veröffentlicht Leitfaden zur Etablierung mobiler Gülleseparierung im Grünlandbetrieb in Bayern; Verbesserung der Fließfähigkeit der Gülle
Leitfaden
Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft Mobile Gülleseparierung Leitfaden zur Etablierung im Grünlandbetrieb LfL-Information
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- Auflage: Juli 2026 Titelfoto: Jonas Köster © LfL
Etablierung der mobilen Gülleseparierung im Grünlandbetrieb
Jonas Köster Annika Hafenrichter Susanne Höcherl
Inhaltsverzeichnis
Impressum …………………………………………………………………………………………………. 2 Inhaltsverzeichnis ………………………………………………………………………………………. 4 1 Einleitung …………………………………………………………………………………….. 5 2 Separatoren im Vergleich ……………………………………………………………… 6 2.1 Pressschneckenseparatoren ……………………………………………………………… 6 2.1.1 Technik …………………………………………………………………………………………. 6 2.1.2 Nährstoffgehalte …………………………………………………………………………….. 7 2.2 Schnellseparatoren …………………………………………………………………………. 8 2.2.1 Technik …………………………………………………………………………………………. 8 2.2.2 Nährstoffgehalte …………………………………………………………………………….. 9 3 Eigenschaften der flüssigen und festen Phase ……………………………….. 10 3.1 Die Flüssige Phase ……………………………………………………………………….. 10 3.1.1 Verbesserung des Fließverhaltens …………………………………………………… 10 3.2 Die Feste Phase ……………………………………………………………………………. 11 3.2.1 Depotdünger für Ackerkulturen ……………………………………………………… 11 3.2.2 Ausbringung auf Grünland …………………………………………………………….. 12 3.2.3 Substrat für Biogasanlagen …………………………………………………………….. 12 4 Kosten der Separierung ………………………………………………………………. 12 4.1 Stationäre Separation …………………………………………………………………….. 12 4.2 Mobile Separation ………………………………………………………………………… 13 5 Rechtliche Anforderungen ………………………………………………………….. 14 5.1 Lagerung der festen Phase ……………………………………………………………… 14 5.2 Mindestwirksamkeit ……………………………………………………………………… 15 5.3 Sperrfrist und Einarbeitungspflicht …………………………………………………. 15 6 Das Wichtigste auf einen Blick …………………………………………………….. 15 Literaturverzeichnis …………………………………………………………………………………. 16
Einleitung 5
1 Einleitung Das Interesse an der Gülleseparierung hat in den letzten Jahren v. a. bei rinderhaltenden Betrieben deutlich zugenommen. Hintergrund sind die strengeren Anforderungen an das Wirtschaftsdüngermanagement durch die novellierte Düngeverordnung. So müssen flüssige Wirtschaftsdünger seit dem 01.02.2025 auch auf Grünland und mehrschnittigen Feldfutter bau bodennah und streifenförmig ausgebracht werden (§ 6 DüV). Hierbei wird aus der Pra xis oftmals berichtet, dass gerade bei fehlendem Niederschlag oder bei trockensubstanzrei cher Gülle, eine vollständige Infiltration in den Boden erschwert ist und Güllebänder ggf. mit dem Grasbestand hochwachsen können. In der Praxis wird deshalb die faserreiche Win tergülle oftmals im Ackerbau zur Frühjahrsdüngung eingesetzt. Für Grünlandbetriebe wie in der Region Ostallgäu besteht jedoch diese Möglichkeit zumeist nicht. Hier braucht es Verfahren, um die Fließfähigkeit der Gülle zu erhöhen. Oftmals wird dazu die Gülle mit Wasser verdünnt, jedoch verändert sich dadurch nicht der absolute Anteil an Fasern (Die polder et al., 2022). Eine andere Möglichkeit ist die Aufbereitung der Gülle z. B. durch die Verwertung in einer Biogasanlage oder durch das Verfahren der Gülleseparierung. Letztere bietet die Möglichkeit sowohl den Trockensubstanzgehalt als auch den Fasergehalt der Gülle deutlich zu reduzieren, wodurch die Fließfähigkeit und damit das Infiltrationsvermö gen erhöht wird. Für die Separierung der Gülle werden in der Praxis bei trockensubstanz reicher Gülle überwiegend Pressschneckenseparatoren eingesetzt. Während der Betrieb sta tionärer Separatoren zumeist erst ab einer hohen Durchsatzmenge aufgrund der erforderli chen Infrastruktur rentabel wird, stellt die mobile Separierung über einen Lohnunternehmer eine interessante Alternative für kleine und mittlere Betrieb dar. Der Leitfaden gibt einen Einblick in das Verfahren der Gülleseparierung für die landwirt schaftliche Praxis, Lohnunternehmen sowie die Beratung. Hierbei werden unterschiedliche Separatoren vorgestellt sowie wichtige Informationen zur Lagerung und Ausbringung der aufbereiteten Wirtschaftsdünger aufgezeigt. Die Erkenntnisse basieren auf einem von Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft, Forsten und Tourismus geförderten Pra xisprojekt zur Etablierung der mobilen Gülleseparierung im Grünlandbetrieb, welches in Zusammenarbeit mit dem Maschinenring Ostallgäu durchgeführt wurde.
6 Separatoren im Vergleich
2 Separatoren im Vergleich 2.1 Pressschneckenseparatoren 2.1.1 Technik Die Separierung zählt zu den physikalischen Behandlungsverfahren der Gülle. Dabei erfolgt eine mechanische Auftrennung der Gülle in eine feste und eine flüssige Phase. Während für Schweinegülle u. a. aufgrund ihres hohen Abscheidegrades an Stickstoff und Phosphor überwiegend Dekanterzentrifugen eingesetzt werden, erfolgt die Separierung von Rinder gülle zumeist mit Pressschneckenseparatoren (Abb. 1). Hierbei gibt es Modelle mit Durch satzleistungen von 5 bis zu 20 m³/h für den stationären Betrieb (Höcherl et al. 2025), wäh rend mobile Separatoren mit Durchsatzleistungen von bis zu 250 m³/h verfügbar sind. Die tatsächliche Durchsatzleistung eines Separators hängt dabei von vielen Faktoren ab wie bei spielsweise dem Trockensubstanzgehalt des zu separierenden Mediums und den Einstellun gen des Separators. Pressschneckenseparatoren arbeiten nach dem Prinzip des Abpressens. Dabei tritt die Gülle an der Einlassöffnung (1) in den Separator ein. Die Gülle wird mit Hilfe einer mit Elektro motor (3) angetriebenen Schnecke (2) an ein umliegendes Sieb (4) gepresst, die flüssige Phase durchdringt das Sieb und wird ausgeleitet (5). Die Schlitzweite des Siebkorbes kann je nach Modell und den Anforderungen variieren. Typisch sind beispielsweise Schlitzweiten zwischen 0,5 und 0,75 mm (Kröger, 2016). Die im Siebkorb zurückbleibende feste Phase gelangt durch die Rotation weiter in Richtung Presskanal (6). Das Ende des Presskanals ist verschlossen (7), dadurch werden die Feststoffe gegen den Gegendruck zusammengepresst und dadurch entwässert, wodurch sich ein sogenannter Feststoffpfropfen bildet. Ist der ge wünschte Trockensubstanzgehalt der festen Phase erreicht, öffnet sich das Ende des Press kanals und die feste Phase wird schließlich ausgeworfen. Je nach angestrebter Verwendung der festen Phase sind unterschiedliche Trockensubstanz gehalte erforderlich. Dieser kann mithilfe des Pressdruckes eingestellt werden. So bewirkt z. B. ein höherer Pressdruck einen höheren Trockensubstanzgehalt der festen Phase.
Abb. 1: Aufbau eines Pressschneckenseparators (Annika Hafenrichter, 2025)
Separatoren im Vergleich 7
2.1.2 Nährstoffgehalte Durch die Separierung wird die Gülle in eine feste und eine flüssige Phase aufgetrennt, wodurch Massenabtrenngrade von ca. 10 % bei Rindergülle erreicht werden (Ebertseder und Lichti, 2016). Betrachtet man die Verteilung der Nährstoffgehalte der flüssigen und festen Phase, können nachfolgende Trends festgehalten werden. Die flüssige Phase verfügt über einen deutlich geringeren Trockensubstanz (TS)-Gehalt, der jedoch stark vom TS-Gehalt der Rohgülle abhängig ist. Der Ammoniumstickstoff (NH4-N)- und Kaliumgehalt (K2O) ist hingegen vergleichbar mit der Rohgülle (Abb. 2). Aufgrund des deutlich reduzierten Fasergehaltes kommt es bei der flüssigen Phase zu keiner Ausbildung einer Schwimmschicht, weshalb empfohlen wird diese zeitnah auszubringen, um Stick stoffverluste während der Lagerung zu mindern. In der festen Phase liegt der TS-Gehalt hingegen im Bereich zwischen 17,6 und 28,3 %. Hier findet eine deutliche Anreicherung von Gesamtstickstoff (N ges) und Phosphat (P2O5) statt, während der Ammoniumstickstoffgehalt mit der Rohgülle vergleichbar ist.
Abb. 2: TS- und Nährstoffgehalte der Rohgülle (Rindergülle) und flüssigen und festen Phase nach der Separierung mit einem Pressschneckenseparator (n=12)
8 Separatoren im Vergleich
2.2 Schnellseparatoren 2.2.1 Technik Sogenannte „Schnellseparatoren“ (Prototyp aus dem Jahr 2024) (Abb. 3) haben den Vorteil, dass sie direkt zwischen Güllegrube und Güllefass (Pump- oder Vakuumfass) installiert werden können, womit keine zusätzliche Güllegrube erforderlich ist. Die Abtrennung der Feststoffe erfolgt somit unmittelbar während des Ansaugvorgangs. Im Inneren des Separa tors befindet sich eine Förderschnecke, welche durch den Hydraulikmotor, der beispiels weise an die Hydraulikanlage eines Traktors angeschlossen werden kann, angetrieben wird. Bei diesem Separator sind Schlitzweiten des Siebes von 3 bis 7 mm verfügbar, wobei zu meist Schlitzweiten von 3 und 4 mm in der Praxis eingesetzt werden. Zudem ist zu Beginn jedes Separiervorgangs der Auswurf der Feststoffphase manuell mit einem geeigneten Hilfsmittel luftdicht zu verschließen. Nur so kann sich der Bereich zu nächst mit Feststoffen füllen und das erforderliche Vakuum aufbauen. Bleibt der Auswurf offen, wird ausschließlich Luft angesaugt, sodass keine Gülle gefördert werden kann.
Abb. 3: Schnellseparator im Praxiseinsatz (Bild: Annika Hafenrichter)
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2.2.2 Nährstoffgehalte Analog zum Pressschneckenseparator zeigt sich bei der Separierung mit einem Schnellse parator (Prototyp aus dem Jahr 2024) eine Anreicherung von Gesamtstickstoff und Phosphat in der festen Phase (Abb. 4). Der TS-Gehalt liegt bei 15,5 bis 20,1 %. In der flüssigen Phase sind die Nährstoffgehalte vergleichbar mit der Rohgülle. Auch der TS-Gehalt der flüssigen Phase veränderte sich durch die Separierung kaum, sodass die Abtrennung von Faserbe standteilen im Vergleich zu Pressschneckenseparatoren deutlich geringer ausfällt. Für Be triebe mit langfaserigem Stroh als Einstreumaterial in Liegeboxen oder zur Abscheidung von Futterresten kann der Schnellseparator eine im Vergleich zu Pressschneckenseparatoren kostengünstige Möglichkeit darstellen, um lange Fasern abzuscheiden und somit Verstop fungen im Gülleverteiler zu verringern. Jedoch bleibt der TS-Gehalt der flüssigen Phase unverändert, sodass nicht von einem höheren Infiltrationsvermögen ausgegangen werden kann.
Abb. 4: Nährstoffgehalte der Rindergülle, flüssigen und festen Phase nach der Separierung mithilfe eines Schnellseparator