Schweizer Rekordteam geht an der EM in Birmingham auf Medaillenjagd; 67-köpfige Rekorddelegation

Schweizer Rekordteam geht an der EM in Birmingham auf Medaillenjagd | Swiss Athletics

Schweizer Rekordteam geht an der EM in Birmingham auf Medaillenjagd

Der Countdown läuft: Am kommenden Montag beginnt in Birmingham (GBR) die sieben Tage dauernde Leichtathletik-EM, das grosse Highlight der Saison 2026. Für die Schweiz stehen dort 67 Athletinnen und Athleten im Einsatz – das sind so viele wie noch nie. Das Team von Swiss Athletics ist jedoch nicht nur gross, sondern auch ambitioniert. Die Fans können dank der Live-Übertragung im Schweizer Fernsehen hautnah mit dabei sein!

«On your marks, set, go!”, heisst es ab dem kommenden Montag im Alexander Stadium in Birmingham. An den Europameisterschaften werden rund 1600 Athletinnen und Athleten erwartet, die knapp 50 Länder vertreten. Swiss Athletics reist mit einer 67-köpfigen Rekorddelegation nach Grossbritannien, die einmal mehr auf der kontinentalen Bühne brillieren will. Der massgeblich durch die Heim-EM 2014 in Zürich ausgelöste Höhenflug der Schweizer Leichtathletik ist beeindruckend, Jahr für Jahr liefern die besten Athletinnen und Athleten an internationalen Grossanlässen und in der Diamond League herausragende Leistungen ab. In der laufenden Freiluftsaison ist die 800-m-Läuferin Audrey Werro (CA Belfaux) mit ihrer sensationellen Jahres-Weltbestzeit die Überfliegerin schlechthin, Annik Kälin (AJ TV Landquart) mit zwei Schweizer Rekorden im Siebenkampf und Simon Ehammer (TV Teufen) mit Landesrekorden im Zehnkampf und im Weitsprung sorgten in den letzten Wochen für weitere Glanzlichter. Bereits an der Hallen-WM im März in Torun (POL) gab es für die Schweizer Fans drei Medaillen zu bejubeln: Gold und Weltrekord für Simon Ehammer im Siebenkampf, Silber für Audrey Werro über 800 m und Bronze für Angelica Moser (LC Zürich) im Stabhochsprung. Die EM in Birmingham bietet nun die perfekte Bühne, um das nächste Feuerwerk zu zünden.

Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner von Rom sind dabei Das Team von Swiss Athletics überzeugt nicht nur mit Quantität, sondern auch mit Qualität und umfasst einen guten Mix aus Routiniers und EM-Neulingen. Mit Mujinga Kambundji (STB, 200 m), Timothé Mumenthaler (Stade Genève, 100 und 200 m), William Reais (LC Zürich, 200 m), Dominic Lobalu (LC Brühl, 5000 und 10'000 m), Ditaji Kambundji (STB, 100 m Hürden), Jason Joseph (LC Therwil, 110 m Hürden), Angelica Moser (Stab) und Simon Ehammer (Weit) sind sämtliche acht Medaillengewinnerinnen und Medaillengewinner von Rom wieder mit von der Partie. Mujinga Kambundji, die vor gut acht Monaten ihr erstes Kind zur Welt gebracht hat, Moser, Mumenthaler und Lobalu treten als Titelverteidigerinnen bzw. Titelverteidiger an.

Vielversprechende Ausgangslage für Géraldine Di Tizio-Frey und Fabienne Hoenke Im Frauensprint ist das Niveau in der Schweiz seit Jahren aussergewöhnlich hoch. Weil über 100 m nach Abschluss der Qualifikationsperiode mehr als die maximal erlaubte Anzahl von drei Athletinnen selektionierbar waren, definierte Swiss Athletics die Schweizer Meisterschaften Ende Juli in Zürich als Trials-Wettkampf. Dort setzte sich Géraldine Di Tizio-Frey (LK Zug) in 10,96 Sekunden mit einer europäischen Saisonbestzeit vor Salomé Kora (LC Brühl, 11,09) und Natacha Kouni (LC Zürich, 11,15) durch. In keinem anderen europäischen Land war es in diesem Jahr an den nationalen Meisterschaften schwieriger, in den Final zu kommen und dort eine Medaille zu gewinnen.

Über 200 m schickt die Schweiz sogar vier Athletinnen ins Rennen. Fabienne Hoenke (LV Fricktal), Léonie Pointet (CA Riviera) und Iris Caligiuri (Stade Genève) qualifizierten sich via «Road to Birmingham» von European Athletics, Mujinga Kambundji hat als Titelverteidigerin eine Wildcard. Hoenke ist in diesem Sommer schon zweimal einen Schweizer U23-Rekord gelaufen und ist mit 22,50 Sekunden die Nummer 4 der kontinentalen Saisonbestenliste.

Im Sprint der Männer gilt es insbesondere Timothé Mumenthaler (Stade Genève, 100 und 200 m) und William Reais (LC Zürich, 200 m) im Auge zu behalten. Sie gewannen in Rom sensationell Gold und Bronze über 200 m. Nun wollen sie beweisen, dass sie auch in diesem Jahr zu den schnellsten Sprintern Europas gehören.

Schnelle Gegnerinnen für Weltmeisterin Ditaji Kambundji Im Hürdensprint hat die Schweiz zwei heisse Eisen im Feuer. Bei den Frauen tritt Ditaji Kambundji als Weltmeisterin an. Weil sie sich Ende Juni beim Aufwärmen vor dem Diamond-League-Meeting in Paris (FRA) eine Oberschenkelzerrung zuzog, musste sie eine mehrwöchige Wettkampfpause einlegen und ihr Training anpassen. Zusammen mit ihrem Betreuerteam setzte sie alles daran, rechtzeitig für die EM fit zu werden, um dort in Topform auf Medaillenjagd gehen zu können. Bei den Männern steigt Jason Joseph mit einer Saisonbestzeit von 13,24 Sekunden in die Startblöcke. Gelingt dem Schweizer Rekordhalter (13,07) die angestrebte Steigerung, kann der Bronzemedaillengewinner von 2024 erneut um die Medaillen mitlaufen.

Wie an den letzten Europameisterschaften müssen die 12 bestplatzierten gemeldeten Athletinnen und Athleten der «Road to Birmingham» in den Disziplinen 100 m, 200 m, 400 m sowie 100

110 m Hürden und 400 m Hürden die Vorläufe nicht bestreiten. Sie sind direkt für die Halbfinals qualifiziert.

Audrey Werro in der Form ihres Lebens Die 800-m-Rennen der Frauen werden die Fans aus ganz Europa in ihren Bann ziehen – und mittendrin steht eine junge Schweizerin. Nachdem sie an der Hallen-WM in Torun ihre erste Medaille an einer internationalen Meisterschaft bei den Aktiven gewonnen hatte, legte Audrey Werro im Sommer eine unglaubliche Serie an den Tag. Die 22-jährige Freiburgerin gewann in Rabat (MAR), Stockholm (SWE) und Paris drei Rennen der Diamond League auf höchst überzeugende Weise. In Stockholm schlug sie die britische Olympiasiegerin Keely Hodgkinson in einem begeisternden Endspurt und stellte in 1:53,98 Minuten eine Fabelzeit auf. Diesen sensationellen Bestwert senkte sie drei Wochen später in Paris um weitere 18 Hundertstel. Mit 1:53,80 ist Werro die drittschnellste Frau der Geschichte, die schnellste Frau dieses Jahrtausends, hält den U23-Europarekord und darf der EM voller Zuversicht entgegenblicken. Die Fans dürfen gespannt sein, mit welcher Taktik sie sich gegenüber ihren schnellsten Gegnerinnen – allen voran Keely Hodgkinson und die Niederländerin Femke Broeders-Bol – behaupten will.

Als einziger Athlet des Schweizer Teams hat Dominic Lobalu in Rom zwei Medaillen gewonnen. Bronze über 5000 m liess er Gold im 10’000er folgen. Von einer Muskelverhärtung genesen, ist er überzeugt, auch diesmal im Kampf um die Podestplätze mitreden zu können. Bei seinem Sieg im 5000-m-Lauf des Diamond-League-Meetings Mitte Juli in Monaco legte Lobalu einen grossartigen Schlussspurt an den Tag. Diese Stärke will er auch an der EM ausspielen.

Angelica Moser mit beeindruckender Konstanz In den technischen Disziplinen gehen insbesondere Angelica Moser und Simon Ehammer mit sehr guten Medaillenchancen an den Start. Moser legt in diesem Sommer eine beeindruckende Konstanz an den Tag, sprang in der Diamond League viermal in die Top 3 und gewann in Zürich ihr zehntes Freiluft-SM-Gold in Serie. Reüssiert die Titelverteidigerin wunschgemäss, ist ihr auch in Birmingham ein Exploit zuzutrauen, zumal sie eine Athletin ist, die sehr oft im entscheidenden Moment ihre beste Leistung abliefert. Letzteres gilt auch für Ehammer, der an der EM den Weitsprung dem Zehnkampf vorgezogen hat – einen Doppelstart lässt der Zeitplan nicht zu. 8,51 m weit ist er Ende Mai bei seinem Triumph in Götzis gesprungen und nach Bronze in Rom will er erneut eine Medaille. Einzige Unbekannte: Wegen einer in Monaco erlittenen leichten Oberschenkelblessur konnte er in den letzten dreieinhalb Wochen keinen Wettkampf bestreiten.

Im Speerwerfen kommen Simon Wieland (STB), Franck Di Sanza (LAC TV Unterstrass), Leonie Hügli (LC Kirchberg) und Sabrina Boss (LV Thun) zu ihrer EM-Premiere. Hügli ist mit ihrem Schweizer Rekord von 62,18 m in der laufenden Saison die Nummer 5 in Europa, was eine vielversprechende Ausgangslage ist.

Annik Kälin ist im Siebenkampf die Gejagte Form des Lebens, dies gilt auch für Annik Kälin. Die Siebenkämpferin gewann Ende Mai als erste Schweizerin das weltbeste Mehrkampfmeeting in Götzis und stellte mit 6726 Punkten einen Schweizer Rekord auf. Vier Wochen später legte sie in Ratingen (GER) noch einen drauf. Ihre dort erreichten 6819 Punkte wurden in diesem Sommer weltweit von keiner Athletin übertroffen. Gelingt der EM-Dritten von 2022 in München (GER) ein weiterer so starker Wettkampf, dürfte sie nur schwer zu schlagen sein.

Fünf Staffeln wollen so weit wie möglich nach vorne kommen Die Staffelrennen haben an internationalen Meisterschaften immer einen besonderen Reiz und die Schweiz ist diesmal hervorragend vertreten. In fünf von sechs Disziplinen ist ein Team am Start (4x100 m Frauen, Männer und Mixed, 4x400 m Frauen und Männer). Insbesondere den 4x100-m-Frauen ist angesichts des hohen Niveaus im Schweizer Frauensprint eine Topplatzierung zuzutrauen, auch die beiden Männerstaffeln könnten für einen Exploit sorgen. Schwieriger ist die Ausgangslage für die Frauen über 4x400 m. Im 4x100 m Mixed, wo nur acht Teams teilnahmeberechtigt sind, ist alles möglich.

Vier Frauen und zwei Männer im Marathon Der Marathon figuriert zum letzten Mal im Programm einer Leichtathletik-EM. Ab 2027 werden die Titel über die 42,195 km im Rahmen der alle zwei Jahre ausgetragenen Strassen-EM vergeben. In Birmingham werden die Marathons am Sonntagmorgen auf einem 5-km-Rundkurs in der Innenstadt mit Start und Ziel auf dem Victoria Square durchgeführt, den es acht Mal zu bewältigen gilt. Die Frauen gehen um 8.30 Uhr (Schweizer Zeit) auf die Strecke, die Männer um 9.10 Uhr. Swiss Athletics schickt vier Frauen und zwei Männer ins Rennen. Die nationale Rekordhalterin Fabienne Schlumpf (TG Hütten) bildet zusammen mit Fabienne Vonlanthen (LC Schaffhausen), Andrea Meier (LC Uster) und Samira Schnüriger (LC Regensdorf) ein Team. Bei den Männern wollen Matthias Kyburz (LC Basel) und Patrik Wägeli (LC Frauenfeld) so weit wie möglich nach vorne kommen.

Gestiegen Ansprüche – hohe Zielsetzungen Mit dieser nicht nur quantitativ, sondern auch qualitativ hervorragend besetzten Schweizer Equipe sind selbstredend auch die Erwartungen hoch. Dass sich die Schweizer Leichtathletik auf einem völlig neuen Leistungsniveau befindet, bestätigt ein Blick in die Statistik. Zwischen 1934 und 2014 gewann die Schweiz während 80 Jahren an 22 Europameisterschaften insgesamt 24 Medaillen. Ein einziges Mal holte die Schweiz in diesen 80 Jahren an der gleichen EM drei Medaillen (1969 in Athen).

Im letzten Jahrzehnt folgte ein beeindruckender Steigerungslauf. An den vergangenen vier Europameisterschaften wurden weitere 24 Schweizer Medaillen gewonnen: Nämlich deren fünf 2016 in Amsterdam, vier 2018 in Berlin, sechs 2022 in München und neun 2024 in Rom. Auch die Entwicklung der Top-8-Platzierungen unterstreicht die beeindruckende Leistungsexplosion in der Schweizer Leichtathletik. In München 2022 erzielte die Schweiz 14 Top-8-Resultate, in Rom (18) wurde dieser Rekordwert gleich wieder übertroffen.

Philipp Bandi, der Chef Leistungssport von Swiss Athletics, will in Bezug auf die Verbandszielsetzung nicht nur die Medaillen als Massstab nehmen: «Für jede einzelne Athletin und jeden einzelnen Athleten geht es darum, das persönliche Leistungspotenzial abzurufen», sagt Bandi. «Als Team verfügen wir zweifellos über das Potenzial, an die Bilanz der letzten beiden Europameisterschaften in München und Rom anzuknüpfen. Mindestens 15 Top-8-Plätze, davon 7 Medaillen, sind ein durchaus realistisches Ziel für Birmingham.» Zudem hofft der Chef Leistungssport auf einen weiteren Meilenstein für die Schweizer Leichtathletik: Noch nie erzielte die Schweiz nämlich an der gleichen EM in allen 5 Disziplinengruppen – Sprint

Hürden, Lauf, Sprung, Wurf und Mehrkampf – eine Top-8-Pl