Bundesregierung beendet feste Einspeisevergütung für neue kleine Solaranlagen in Deutschland; Direktvermarktung ab 2027, Förderstufen 50→7 kWp
DIE WIRTSCHAFTSZEITUNG FÜR DEN MITTELSTAND Verkaufte Auflage: 505.009 Exemplare (IVW II/2026) Gastbeitrag Generalleutnant Bodemann über die Rolle des Handwerks bei der Verteidigung. Seite 3 Schwerpunkt Wie sich Handwerksberufe aufgrund von Dekarbonisie- rung, Digitalisierung und Demografie verändern. Seite 4 Reportage Bei Edelstahl Rosswag trifft traditionelles Schmiede- handwerk auf innovativen Metall-3D-Druck. Seite 16 Ausbilder können aufatmen. Eine ihrer unangenehmsten Aufgaben im Umgang mit Azu- bis fällt weg. Verpfuscht der Nachwuchs seine Arbeit, kommt er unpünktlich oder gar nicht, steht er gar Liebes- kummer-tränenüberströmt in der Werkstatt, so braucht sich der Chef darum kein Kopfzer- brechen mehr zu machen. An- stelle der Suche nach pädago- gisch wertvollen Worten ge- nügt ein kurzes Nicken in Richtung des Smartphones, vielleicht ergänzt mit dem Hinweis „Frag ChatGPT“. Früher, ja! Da mussten Men- schen solche Situationen von Angesicht zu Angesicht ertra- gen, sich den Gefühlen des an- deren stellen, Freude, Wut, Trauer oder auch Desinteresse aushalten und dann auch noch entsprechend reagieren. Zum Glück nimmt uns das inzwi- schen die KI ab. Mehr als die Hälfte der Kinder in Deutsch- land hat schon einmal mit ChatGPT und Co. über seine Gefühle gesprochen, zeigt eine Umfrage von GoStudent. Ein Viertel der Elf- bis 17-Jährigen erspart sich, seinen Eltern und Lehrern auf diese Weise ganz bewusst unangenehme Begeg- nungen, bei denen womöglich Dinge auf den Tisch kämen, die sich beide Seiten lieber er- sparen wollen – Ärger, Sorgen, Freude, kurz: die ganz nor- male direkte menschliche Kommunikation. bst SATIRE Adieu Kommunikation Foto: Weinrich/Bundeswehr Reiche beendet EEG als „Rundum-Sorglos-Paket“ EEG-Novelle und Netzpaket – Einspeisevergütung für kleine Anlagen fällt – Handwerk wünscht sich Korrekturen VON KARIN BIRK D ie Regierung streicht ab 2027 die feste Einspeise- vergütung für neue kleine Solaranlagen. Stattdessen kommt eine befris- tete Übergangszahlung und der Zwang zur Direktvermarktung an der Strombörse. Ziel: Netze ent- lasten und Subventionen sparen. Fürs Handwerk bedeutet das mehr Beratungsaufwand, kom- plexe Wirtschaftlichkeitsrech- nungen für Kunden und dro- hende Projektstornierungen aus bürokratischer Überforderung. Grundlage bilden die EEG-No- velle und das Netzpaket, die kurz vor der Sommerpause nach lan- gen Verhandlungen vom Kabinett verabschiedet wurden. „Wir neh- men damit einen Paradigmen- wechsel vor“, sagte Bundeswirt- schaftsministerin Katherina Rei- che (CDU). „Wir beenden das EEG als Rundum-Sorglos-Paket“, fügte sie hinzu. Auch solle ver- hindert werden, dass Erneuer- bare-Anlagen in schon vollen Netzgebieten angesiedelt würden und dies hohe Kosten für den Steuerzahler verursache. Gleich- zeitig wolle man bis 2030 rund 80 Prozent des Stroms aus Erneu- erbaren Energien erzeugen. Heute sind es rund 50 Prozent. In Kraft treten sollen die Änderun- gen, sofern die EU-Kommission zustimmt, Anfang 2027. Der Zentralverband des Deut- schen Handwerks (ZDH) hofft auf Nachbesserungen. „Der System- wechsel des EEG 2027 kann nur gelingen, wenn die Rahmenbe- dingungen so ausgestaltet wer- den, dass Investitionen in kleine Dachanlagen wirtschaftlich trag- fähig bleiben und die ausführen- den Betriebe die neuen Anforde- rungen organisatorisch bewälti- gen können“, sagte Constantin Terton, Leiter Wirtschaftspolitik beim ZDH. Dafür brauche es aus- reichend bemessene Übergangs- fristen. Mit Blick auf das Netzpaket be- grüßt der ZDH das Ziel einer bes- seren Synchronisierung von An- lagenzubau und Netzausbau. Re- levant sei auch, dass Netzan- schlüsse künftig nicht mehr nach dem „Windhundprinzip“ verge- ben, sondern stärker nach gesetz- lichen Kriterien priorisiert wer- den sollen. Dabei sollte sicherge- stellt werden, dass Handwerksbe- triebe angemessen berücksichtigt werden. Konkret sieht die EEG-Novelle vor, dass es künftig für neue kleine Solaranlagen keine Ein- speisevergütung mehr gibt und der ins Netz eingespeiste Strom selbst vermarktet werden muss. Dabei soll es eine dreijährige Übergangsregelung geben. Da- nach sollen 2027 nur noch Anla- gen bis zu 50 kWp gefördert wer- den, 2028 nur noch welche bis zu 25 kWp und 2029 nur solche bis sieben kWp Leistung. Auch soll der Fördersatz auf 5,2 Cent je Ki- lowattstunde sinken. Nach dem Förderstopp soll es für Anlagen unter 25 kWp für eine vierjährige Einstiegsphase in die Direktver- marktung einen Bonus von 1,5 Ct/ kWh geben. Für Anlagen ab 100 Kilowatt sollen künftig Differenz- verträge gelten. Verabschiedet wurde auch das Netzpaket. Ziel ist, den Ausbau der Erneuerbaren mit dem Netz- ausbau besser zu synchronisieren und die Wartezeiten für Unter- nehmen für Netzanschlüsse zu reduzieren. Wer in „Engpass-Ge- bieten“ eine Anlage ans Netz bringt, muss mit geringeren Ent- schädigungszahlungen rechnen, sollte die Anlage wegen Überlas- tung des Stromnetzes abgeregelt werden. So sollen Betreiber inner- halb von sechs Jahren auf 18 bis 20 Prozent ihrer Entschädigung verzichten müssen. Stollen im Hochsommer Ende Juli formt Bäckermeister Tino Gierig im Dresdner Backhaus bereits Teiglinge zu Christstollen – fast fünf Monate vor Weihnach- ten. Weil richtig verpackter Stollen sehr lange haltbar ist, beginnt die Produktion weit vor der Advents- zeit. Gierig ist Mitglied im Schutz- verband Dresdner Stollen, dem laut Verband rund 100 zertifizierte Bäckereien und Konditoreien in und um Dresden angehören. Nur diese dürfen das Gebäck unter dem Namen Dresdner Christstol- len verkaufen – ausgezeichnet mit EU-Siegel als geografisch ge- schützte Herkunftsangabe. 15 vorgeschriebene Zutaten prägen laut Satzung des Schutzverbands den unverwechselbaren Ge- schmack; Margarine, künstliche Aromen und Zusatzstoffe sind strikt verboten. DHZ Foto: picture alliance/dpa/Robert Michael | Ausg. 15-16 | 7. August 2026 | 78. Jahrgang www.DHZ.net SACHSEN HANDWERKSKAMMER CHEMNITZ HANDWERKSKAMMER CHEMNITZ Wenn Buntstifte, Holz, ein Tisch ler und eine Qualifizierung zum Gestalter im Handwerk aufeinan dertreffen, dann ist das Ergebnis ein beeindruckendes Unikat. Hunderte kleine Buntstiftringe finden sich im Abschlussprojekt von Tischlermeister Maximilian Haase wieder – in mühevoller Kleinarbeit und vielen Stunden in eine glatte schwarze Platte ein gearbeitet. Mehrere der bunten Kreise durchziehen die schwarze Tischlermeister Maximilian Haase mit seinem Prüfungsstück.
Foto: Karla Mohr Gestalter im Handwerk schließen Studium mit Ausstellung ab Abdeckung, die einen darunter liegenden Schreibtisch verdeckt. Diese und weitere Arbeiten aus dem Werkstudium zum Gestal ter im Handwerk, dessen Absol venten aus dem Maler und La ckierer, Tischler, Uhrmacher, Maurer, Metallbauer, Kerami ker und Buchbinderhandwerk kommen, zeigt die Ausstellung „UNIKATE 9“ noch bis zum 25. Ok tober im Wasserschloss Klaffen bach. Seite 7 Das Landesamt für Steuern und Finanzen hat auf Anregung der sächsischen Wirtschaftskam mern (HWK und IHK) mitgeteilt, dass aktuell unter anderen in den Betriebsprüfungsstellen Freiberg und Plauen ein Konzept für eine ExpressBetriebsprü fung erprobt wird. Interessier ten Unternehmen wird dabei die Möglichkeit eingeräumt, eine besonders zügige und effiziente Durchführung der Prüfung zu vereinbaren. Die Prüfungs schwerpunkte werden risikoori Express-Betriebsprüfung wird erprobt entiert festgelegt und dem Un ternehmen frühzeitig mitgeteilt. Auf dieser Grundlage wird zu Beginn der Prüfung eine schrift liche Vereinbarung zum Prü fungsablauf geschlossen. So wohl die Prüfungsdauer als auch die Belastung des Betriebes sol len damit auf das notwendige Maß beschränkt werden. Der Zeitraum zwischen Prüfungsbe ginn und Bekanntgabe des Prü fungsberichts soll dabei grund sätzlich 90 Tage nicht über schreiten. DHZ
| Ausg. 15-16 | 7. August 2026 | 78. Jahrgang 7 IMPRESSUM 09116 Chemnitz, Limbacher Str. 195, Tel. 0371/5364-234, m.winkelstroeter@hwk-chemnitz.de Verantwortlich: Hauptgeschäftsführer Markus Winkels tröter HANDWERKSKAMMER CHEMNITZ www.hwk-chemnitz.de Vom Machen ins Gestalten kommen Weiterbildung zum Gestalter: Absolventen als Übersetzer zwischen Handwerk und Zeitgeist, Form, Material und Funktion S eit 1997 haben im Bezirk der Handwerkskammer Chemnitz mehr als 100 Gestalterinnen und Ge stalter im Handwerk das Werk studium zum gleichnamigen Fort bildungskurs erfolgreich abge schlossen. Mit dieser besonderen Fortbildung war die Kammer in Chemnitz die erste in den neuen Bundesländern. Heute bieten acht Akademien für Gestaltung, Bildungszentren der Handwerks kammern und weitere Träger diese umfassende Weiterbildung mit 1.200 und mehr Unterrichts stunden an. Erfahrene Dozentinnen und Dozenten aus Handwerk und De sign, aus Architektur und Innen architektur, aus Kunst und Wis senschaft inspirieren und quali fizieren seit vielen Jahren Hand werkerinnen und Handwerker. Sieben weitere haben nun das Werkstudium ebenfalls abge schlossen. „Gestalter im Handwerk“ eröffnet neue Felder Die aktuellen Absolventinnen und Absolventen kommen aus dem Maler und Lackierer, Tisch ler, Uhrmacher, Maurer, Metall bauer, Keramiker und Buchbin derhandwerk. Karina Bastron ist Malerin und Lackierin sowie Vergoldermeiste rin. Sie erklärt: „Durch experi mentelles Arbeiten und freies Denken konnte ich meinen Blick für Form, Farbe und Komposition weiter schärfen. Diese Erfahrun gen kann ich direkt in meiner Selbständigkeit umsetzen und so meine Arbeit im Vergolderhand werk auf eine neue, gestalterische Ebene bringen.“ Simone Fischer ist Einrich tungsberaterin, also keine klassi sche Handwerkerin. Sie sieht sich aber als Vermittlerin zwischen dem Handwerk und der Kunst, Atmosphäre spürbar zu machen: „Meine Leidenschaft gilt dem Handwerk – dem genauen Hinse hen, dem Spüren von Materialien, dem feinen Zusammenspiel von Farbe, Licht und Textur. In mei ner Arbeit verbinde ich Ästhetik mit Funktion, Tradition mit Zeit geist. So entstehen Interieurs, die individuell, sinnlich und authen tisch sind – Räume, die bleiben.“ Facetten als freies Prüfungsthema Uhrmachermeisterin Paula Schulz hat zur Eröffnung der Abschluss ausstellung „UNIKATE 9“ ihre Es senz aus zweieinhalb Jahren be rufsbegleitender Weiterbildung so in Worte gefasst: „Jeder hat für sich eine Form für das Thema Fa cetten im Handwerk gefunden. Ein sehr freies Prüfungsthema, was jedoch Details und Einblicke zulässt, die man als Außenste hender vielleicht noch gar nicht wahrgenommen hat. Es ist die Konzeption, die das einfache Machen vom Gestalten unter scheidet und was uns gerade zum Ende des Kurses in einer Vielzahl von Einzelprojekten vermittelt wurde.“ Die Aufgabenstellung war für alle gleich, so Schulz: „Es geht darum, aus der reinen Funk tion und Technik des eigenen Ge werkes herauszuwachsen und über die kreative Metaebene eine Symbiose zwischen Handwerk und professioneller Gestaltungs kompetenz zu schaffen.“ Sie ist sich sicher: „Der Gestalter eröff net neue Felder, weit über die Grenzen der eigenen Fähigkeiten und des eigenen Handwerks hin aus.“ Eine magische Zeit Ähnlich sieht das auch Tina Zins meyer. Die gelernte Buchbinderin und Museumsmitarbeiterin sagt: „Weiterbildungen im Buchbinder handwerk sind oft sehr speziell und nicht in Sachsen zu finden. Das Studium zum Gestalter mit seinen breit aufgefächerten The men, hier in meiner Heimatstadt, ist für mich ein schon lang geheg ter Traum, den ich mir jetzt er fülle. Es ist eine tolle Ergänzung zu meiner Arbeit im Museum und hat mich nach über zehn Jahren meinem geliebten Handwerk wieder nähergebracht.“ Tischlermeister Maximilian Haase bringt es rückblickend kurz und einfach auf den Punkt: „Diese Zeit war für mich nicht nur magisch, so