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title: "Dr. Christian Barth, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, geht in den Ruhestand in Bayern; HQ100-Schutz Donau, Bund beteiligt über 20%"
sdDatePublished: "2026-08-10T16:09:00Z"
source: "https://www.anl.bayern.de/publikationen/anliegen/doc/an48210interview_2026_barth.pdf"
topics:
  - name: "environmental policy"
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  - name: "agriculture"
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  - "Deggendorf"
  - "Straubing"
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  - "Berchtesgadener Land"
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Dr. Christian Barth, Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz, geht in den Ruhestand in Bayern; HQ100-Schutz Donau, Bund beteiligt über 20%

Interview Dr. Barth

48(2), 2026
ANLIEGEN NATUR
Sehr geehrter Herr Dr. Barth, nach 15 Jahren als Amtschef im Bayerischen Staatsministerium
für Umwelt und Verbraucherschutz gehen Sie nun in wenigen Monaten in den Ruhestand.
Für den Naturschutz in Bayern waren es bewegte Jahre und Sie haben als Amtschef stets die
Interessen der Bayerischen Naturschutzverwaltung im Blick gehabt und sich für die Belange
der Belegschaft eingesetzt. Dafür möchten wir uns im Namen der Bayerischen Naturschutz­
verwaltung bei Ihnen bedanken und die Gelegenheit nutzen, mit Ihnen zurückzuschauen
sowie den Blick nach vorne zu wagen!
Abbildung 1:
Dr. Christian Barth, Amtschef
im Bayerischen Staatsministeri­
um für Umwelt und Verbrauch-
erschutz, geht in den Ruhe­
stand (Foto: StMUV).
Naturschutz in Bayern – eine Bilanz nach 15 Jahren
als Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für
Umwelt und Verbraucherschutz
Ein Interview mit Dr. Christian Barth
https://doi.org/10.63653/dwfk6966
ANL: Herr Dr. Barth, als Amtschef im Umwelt-
ministerium sind Sie natürlich nicht nur für
den Naturschutz zuständig. Welche Meilen­
steine der Naturschutzarbeit sind Ihnen
dennoch, auch persönlich, besonders in
Erinnerung geblieben?
Dr. Barth: Ich bin im November 2011 an den
Rosenkavalierplatz gekommen. Zu dieser Zeit
wurde bereits seit Jahren über den Donauausbau
zwischen Straubing und Vilshofen diskutiert –
leider auch erbittert und feindselig. Mit der
Donaubereisung des damaligen Ministerpräsi­
denten Horst Seehofer, zusammen mit unserem
damaligen Umweltminister Dr. Marcel Huber,
haben sich die Wogen langsam geglättet. Der
Weg war frei für einen umweltverträglichen
Donauausbau mit Hochwasserschutz für die
Menschen. Neue Staustufen waren vom Tisch.
Mit diesem tragfähigen Kompromiss bleibt zum
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Interview

Amtschef Dr. Barth geht in den Ruhestand
Interview
48(2), 2026
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ANLIEGEN NATUR
einen die einmalige Artenvielfalt dieses letzten
freifließenden Abschnitts der Donau erhalten,
zum anderen wird die Wasserstraße mit ihren
wichtigen Wirkungen für den Wirtschaftsstand­
ort gestärkt. Die Umweltverwaltung hat zu die­
ser bedeutenden Entscheidung einen ganz
wichtigen Beitrag geleistet.
Das große Hochwasser 2013 mit dem Deichbruch
bei Fischerdorf hat uns nur zu klar gezeigt, wie
wichtig es war, die Voraussetzungen für die Ver­
wirklichung eines HQ100-Schutzes an der Donau
zu schaffen. Dass es gelungen ist, den Bund zu
über 20 Prozent an den Kosten zu beteiligen,
darauf bin ich heute noch stolz!
Ein weiterer Meilenstein war das Volksbegehren
Plus, also die Kombination aus Volksbegehren
und Begleitgesetz. Auch hier hat die Verwaltung
ihre Leistungsfähigkeit unter Beweis gestellt und
maßgeblich zur Versöhnung zwischen Natur­
schutz und Landwirtschaft beigetragen. Vor
allem konnten wir aber die finanziellen und
personellen Ressourcen für den Naturschutz
entscheidend verbessern. Das zusätzliche Personal
in der Beratung, insbesondere an den unteren
Naturschutzbehörden, und die verbesserte
finanzielle Ausstattung in der Fläche waren ein
Quantensprung für die Naturschutzarbeit.
Ein letzter Punkt: Sicherlich immer positiv in
Erinnerung bleiben werden mir die Erweiterung
des Nationalparks Bayerischer Wald zum größ­
ten Waldnationalpark Deutschlands und die
beinahe Verdoppelung des Biosphärenreservats
Rhön mit der überfälligen Schaffung der benö­
tigten Kernzone. Beide Beispiele zeigen, dass
Naturschutz mit den Menschen funktioniert
und sehr gute Ergebnisse für eine Region bringen
kann. Ein kleiner Wermutstropfen bleibt in die­
sem Zusammenhang aber natürlich die Diskus­
sion um einen dritten Nationalpark, die wir vor
ein paar Jahren intensiv geführt haben und der
leider nicht verwirklicht wurde.
ANL: Wie hat sich die Naturschutzarbeit aus
Ihrer Sicht verändert? Womit hat der Natur­
schutz in Ihrer Amtszeit besonders gepunktet?
Und wo sollte er wieder mehr an Profil
gewinnen?
Dr. Barth: Unsere Erfolgsformel heißt kooperativer
Naturschutz. Lassen Sie es mich aus der Pers­
pektive eines vierfachen Vaters sagen: Druck
und Zwang bringen häufig gar nichts. Es braucht
Überzeugung, Motivation und Wertschätzung
für das Geleistete. Das ist im Naturschutz nicht
anders als in der Familie. Nehmen wir das Ver­
tragsnaturschutzprogramm: In diesem Programm
engagieren sich rund 29.000 Bäuerinnen und
Bauern auf 170.000 Hektar freiwillig für die Natur.
Das macht das VNP deutschlandweit zum größ­
ten Naturschutzprogramm. In Kombination mit
den Landschaftspflege- und Naturpark-Richtli­
nien und der Förderung für die Naturschutzver­
bände zeigt es außerdem: Nur gemeinsam kann
Großes entstehen. Daran sollte die Naturschutz­
verwaltung auch in Zukunft arbeiten.
ANL: Sie haben sich in Ihrer Amtszeit sehr
für notwendige Stellenmehrungen eingesetzt.
Sehen Sie die Naturschutzverwaltung für
die Zukunft gut aufgestellt?
Dr. Barth: Wir haben bayernweit eine fachlich
hochqualifizierte und motivierte Mannschaft in
der Naturschutzverwaltung. Seit 2011 konnten
wir die Stellen an den unteren und höheren
Naturschutzbehörden von rund 230 auf fast
400 erhöhen. Dazu trägt auch unsere Kampagne
#Naturtalente bei. Und wir haben die guten
Zeiten genutzt, die uns das Volksbegehren
beschert hat. Darauf können wir aufbauen.
Gleichzeitig muss uns allen aber klar sein, dass
neue Stellen in den aktuellen, wirtschaftlich
schwierigen Zeiten nicht realistisch sind. Beim
Personal liegt deshalb unser Fokus auf der
Umwandlung befristeter in unbefristete Stellen.
Hier bin ich um jede Entfristung froh, die in
den letzten Jahren gelungen ist.
„Druck und Zwang bringen häufig gar nichts.
Es braucht Überzeugung, Motivation und
Wertschätzung für das Geleistete.“

Dr. Christian Barth
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Amtschef Dr. Barth geht in den Ruhestand
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ANLIEGEN NATUR
ANL: Naturschutz ist eine Gesellschaftsauf­
gabe. Verbände, Ehrenamtliche und Part­
nerschaften mit Unternehmen und anderen
Institutionen sind dabei nicht mehr wegzu­
denken. Wo braucht es aus Ihrer Sicht noch
mehr Kooperationen oder ressortübergrei­
fende Zusammenarbeit und Verantwortung?
Dr. Barth: Ohne die vielen Ehrenamtlichen
wäre der Naturschutz in einem Flächenland wie
Bayern nicht denkbar. Für dieses Engagement
kann man nicht oft genug danken. Gleichzeitig
braucht der Naturschutz Flächen, das sehen wir
immer wieder, zum Beispiel beim Moorschutz.
Hier haben wir noch eine Strecke zu gehen.
Dabei sind intakte Moore nicht nur einzigartige
Lebensräume, sondern auch wichtige Bausteine
auf dem Weg in eine klimaneutrale Zukunft.
Auf diesem Weg brauchen wir die anderen Res­
sorts, wie Landwirtschaft, Innen und Finanzen,
als Flächeneigentümer, um als Staat mit gutem
Beispiel voranzugehen. Politik und Verwaltung
müssen auch den Landbewirtschaftern neue
Möglichkeiten bieten, ihren Lebensunterhalt zu
verdienen, zum Beispiel mit regionalen Klima­
zertifikaten, die wir auf den Weg gebracht haben.
ANL: Sie arbeiten an der Schnittstelle zwi­
schen Verwaltung und Politik – welche Rat­
schläge würden Sie Engagierten im Natur-
schutz auf den Weg geben, um die Ziele des
Naturschutzes und der Landschaftspflege
sowohl in der Lokal- als auch in der Landes­
politik weiter zum Erfolg zu bringen?
Dr. Barth: Wir sitzen alle in einem Boot. Deshalb
ist es wichtig, miteinander zu sprechen – gerade,
wenn man unterschiedlicher Meinung ist. Nur
so lassen sich Kompromisse finden und umsetzen.
Ich bleibe im Bild von vorhin: Wenn ich als Vater
immer allein entschieden hätte, wo wir in den
Sommerferien Urlaub machen, wäre ich früher
oder später wahrscheinlich allein verreist.
ANL: Naturschutzziele verlieren in der poli­
tischen Diskussion angesichts der vielen
Krisen- und Konfliktherde in der Welt sowie
der aktuellen Herausforderungen in der
Wirtschaft aktuell an Gewicht. Zunehmend
werden naturschutzrechtliche Regelungen
in Frage gestellt, das Volksbegehren „Rettet
die Bienen“ scheint vergessen. Womit kann
der Naturschutz da eigentlich noch punkten?
Dr. Barth: Ich bin ein optimistischer Mensch.
Der Naturschutz punktet jeden Tag, wenn wir
aus dem Fenster schauen, die Vögel zwitschern,
wir im Wald oder an einem renaturierten Fluss
spazieren gehen. Und selbst, wenn wir mit
dem Auto oder der Bahn unterwegs sind,
schauen wir in eine einmalige Landschaft. Ich
freue mich immer, wenn ich dabei etwa gelun­
gene Beispiele der Landschaftspflege entdecke!
Ich bin überzeugt, dass die Menschen das nicht
anders wollen und sie daher bereit sind, die
Natur zu erhalten. Natürlich kostet Naturschutz
Geld. Geld, das manchmal mehr und manchmal
weniger zur Verfügung steht. Denn zur Wahr­
heit gehört auch: Für einen guten Naturschutz
brauchen wir eine florierende Wirtschaft. Wenn
es uns gelingt, unseren Wirtschaftsstandort
wieder wettbewerbsfähig zu machen, entsteht
auch wieder mehr Raum für Naturschutz. Ich
blicke da positiv nach vorn. Aber Hausaufgaben
gibt es genug!
ANL: Herr Dr. Barth, wir danken Ihnen für
das Interview und wünschen Ihnen alles
Gute für den Ruhestand!
„Seit 2011 konnten wir die Stellen an den
unteren und höheren Naturschutzbehörden
von rund 230 auf fast 400 erhöhen.“
Dr. Christian Barth
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Amtschef Dr. Barth geht in den Ruhestand
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ANLIEGEN NATUR
Dr. Christian Barth
Geboren am 16.05.1960 in München, Jurist
1988–1991 Staatsministerium der Finanzen
Referent in den Referaten
•
Überregionale Finanzierungen
•
Volkwirtschaftliches Grundsatzreferat
•
EU-Angelegenheiten
1991–2011 Bayerische Staatskanzlei
•
Referent im Büro des Amtschefs und im Referat Europapolitik (1991–1993)
•
Referatsleiter Grundsatzreferat Europapolitik (1994–1998)
•
Ministerratsreferent (1999–2004)
•
Abteilungsleiter Europapolitik und internationale Angelegenheiten

(2004–2006)
•
Abteilungsleiter Richtlinien der Politik (2006–2011)
November 2011–Oktober 2013
Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Gesundheit
Seit Oktober 2013
Amtschef im Bayerischen Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz
Der Amtschef ist der leitende Beamte des Staatsministeriums. Er lenkt,
koordiniert und überwacht die Ziele und Tätigkeiten der Abteilungen.
Zur Person
Laufen, April 2026.
Das Interview führte Paul-Bastian Nagel, ANL.
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