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title: "Maria Bassier spricht in Berlin über Debatte um § 218 StGB und Schwangerschaftsabbrüche; psychosoziale Beratung stärkt freie Entscheidung in Konfliktschwangerschaft"
sdDatePublished: "2026-08-10T15:02:00Z"
source: "https://berlin-brandenburg.donumvitae.org/fileadmin/REDAKTION/Landesverbaende/Berlin-Brandenburg/Ausgabe_Engagiert_Aug._Sept._2026_in_Auszuegen_fuer_Internet.pdf"
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  - "Berlin"
  - "Germany"
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Maria Bassier spricht in Berlin über Debatte um § 218 StGB und Schwangerschaftsabbrüche; psychosoziale Beratung stärkt freie Entscheidung in Konfliktschwangerschaft

» > BERLIN

Didzesanverband Berlin e.V. - Didzesanvorsitzende: Christiane Krost - Wundtstr. 40-44 - 14057 Berlin
Telefon 030/3215021 - Fax 030/3265147 - info@kdfb-berlin.de - www.kdfb-berlin.de

Interview mit Frau Maria Bassier
Bundesvorstandsmitglied von donum vitae e.V.

KDFB Berlin: Die Debatte um § 218
StGB und Schwangerschaftsabbriiche
wird in Deutschland seit Jahren intensiv
gefthrt. Der KDFB vertritt dabei cine
doppelte Anwaltschaft fiir Frau und
Kind. Welche Aspekte kommen Ihrer
Meinung nach in der 6ffentlichen Dis-
kussion derzeit zu kurz?

Maria Bassier: Wir begriifen es sehr,
dass der KDFB die doppeite Anwalt-
schaft fiir Frau und Kind unterstiitzt.
Fiir ist entscheidend, beide
Rechtsgiiter zu schiitzen: das Recht
der schwangeren Frau auf kérperli-
che Unversehrtheit und Selbstbestim-
mung sowie das Recht auf Leben des
ungeborenen Kindes. Die in Deutsch-
land geltende Beratungsregelung soll
Frauen dabei unterstiitzen, eine wohi-
iiberlegte und langfristig tragfahige
Entscheidung zu treffen. Psychoso-
ziale Beratung kann dabei wesent-

uns

40 426 KDFB »

lich zur Klérung und Stabilisierung
beitragen. In der offentlichen Debatte
fehlt mir hdufig der Blick darauf, dass
jedes menschliche Leben wirksamen
Schutz verdient und dass die psycho-
soziale Beratung einen geschiitcten
Raum mit den notwendigen Informa-
tionen fir eine freie Entscheidung in
der Konfliktschwangerschaft gewéhr-
leistet.

KDFB Berlin: Wo sehen Sie derzeit die
gré8ten Hindernisse fiir echte reproduk-
tive Selbstbestimmung — insbesondere
angesichts sozialer, finanzieller und
struktureller Hiirden, die freie Entschei-
dungen iiber Kérper, Familienplanung
und Schwangerschaft einschrinken
kénnen?

Maria Bassier: Es gibt keine Selbstbe-
stimmung im Sinne vélliger Autonomie,
frei von duBeren Einfliissen. Praktische

Selbstbestimmung bedeutet vielmehr
eine selbstgestaltete und selbstver-
antwortete Lebensfiihrung, die stets in
Beziehungen und individuelle Lebens-
umsttinde eingebettet ist. Das Selbstbe-
stimmungsrecht ungewollt Schwangerer
kann durch soziale, finanzielle oder
strukturelle Bedingungen eingeschrankt
werden. Hiéufig spielen dabei fehlende
Informationen, psychischer Druck, Ein-
flussnahme durch Angehdrige, sprach-
liche oder rdumliche Zugangsbarrie-
ren, patriarchalische Strukturen sowie
fmanzielle und seziale Notlagen eine
Rolle. In der Beratung unterstiitzen wir
Frauen dabei, ihre eigenen Ressourcen
und Handlungsméglichkeiten frei von
sozialem Druck in den Blick zu nehmen
und stéirken sie in ihren Entscheidungs-
prozessen.

KDFB Berlin: Fragen zu Schwanger-
schaft, Sexualitat und Familienplanung

gehGren seit Jahrzehnten zu den The-
men, die innerhalb der katholischen
Kirche kontrovers diskutiert werden.
Viele Gldubige wiinschen sich einen
offenen Dialog iiber die Lebensreali-
taten von Frauen und Familien heute.
Wie erleben Sie die Haltung der Kir-
che zu Fragen von Schwangerschaft,
Sexualitét und Familienplanung?

Maria Bassier: Da bin ich persén-
lich etwas zwiegespalten. Einerseits
erleben wir bei donum vitae, dass
Vertreter der katholischen Kirche in
Deutschland wieder den Kontakt zu
uns suchen. So haben etwa Bischof
Batzing und der Vorsitzende der Deut-
schen Bischofskonferenz, Bischof Dr.
Wilmer, uns auf dem Evangelischen
Kirchentag 2025 besucht und ihre
Wertschdtzung fiir unsere Arbeit zum
Ausdruck gebracht. Auch die Zusam-
menarbeit mit dem Katholischen Biiro
in Berlin ist sehr gut.

Andererseits irritieren mich Stellung-
nahmen einzelner Bischéfe zur Unter-
Stiitzung des ,,Marschs fiir das Leben“,
bei denen aus meiner Sicht der Fokus
auf dem Schutzrecht des ungeborenen
Lebens unausgewogen gegeniiber der
Situation der schwangeren Frau im
Konflikt liegt.

KDFB Berlin: Gesellschaftliche und
wirtschaftliche Rahmenbedingungen
fiir Familien haben sich in den vergan-
genen Jahren stark veriindert. Haben
sich dadurch auch die Beratungsanlie-
gen verandert?

Maria Bassier: Das Portfolio der
Beratungsthemen ist in den letzten
Jahren sicherlich breiter geworden.

Neue Angebote wie die psychosoziale
Kinderwunschberatung, die Bera-
tung rund um prdnataldiagnostische
Befunde sowie die Begleitung bei
Kindesverlust und Trauer sind hinzu-
gekommen. An einigen Standorten gibt
es spezielle Angebote fiir Manner und
Vater sowie fiir Menschen mit Lern-
schwierigkeiten oder Behinderungen.
Auch die Beratung von Menschen mit
Flucht- und Migrationserfahrung ist
inzwischen fester Bestandteil unserer
Arbeit. Zudem steigt der Bedarf an
Beratung zu sozialen und finanziellen
Hilfen vor und nach der Geburt.
Insgesamt sind die Anliegen unserer
Klient*innen komplexer geworden,
wodurch auch die Beratungsumfinge
zgunehmen. Dank mehrerer Bundes-
modellprojekte verfiigen unsere Fach-
krdfte iiber hohe Kompetenz und Sensi-
bilitdt fiir die Anliegen verschiedener,
insbesondere vulnerabler Zielgruppen.
Auch die Zugangswege haben sich
durch die Digitalisierung erweitert.
Dabei zeigt sich immer wieder: Gute
Beratung braucht Zeit, Fachwissen,
Empathie und ein hohes Maf an Ver-
antwortung.

KDFB Berlin: Welche Auswirkun-
gen haben Digitalisierung und soziale
Medien auf junge Frauen und ihre Ent-
scheidungen zu Sexualitat, Beziehun-
gen und Schwangerschaft?

Maria Bassier: In der sexuellen Bil-
dung geht es um wissenschafts- und
faktenbasierte Erkenntnisse, die wir
den jungen Menschen vermittein.
In den sozialen Medien ist das nicht
immer der Fall. Umso wichtiger wird

also der konsequente Auf- und Ausbau

von qualifizierten analogen und digi-
talen Informationsangeboten: beim
Bundesinstitut fiir Offentliche Gesund-
heit (BIOG) ebenso wie bei den staat-
lich anerkannten Organisationen wie
donum vitae.

Kurzbiographie Maria Bassier

Maria Bassier stammt aus dem
Rheinland und lebt seit 1999 in
Berlin. Die Diplom-Verwaltungs-
wirtin war viele Jahre im Bundes-
ministerium des Innern tatig. Mit
donum vitae ist sie seit Ende der
1990er-Jahre verbunden, seit 2006
engagiert sie sich im Landesverband
Berlin-Brandenburg. Seit 2023 ist
sie stellvertretende Landesvorsit-
zende des Landesverbandes Ber-
lin-Brandenburg und Mitglied des
Bundesvorstands von donum vitae.

Foto: privat

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