Die Deutschordensschwestern Passau feiern 405 Jahre gelebte Berufung in Universitätskirche St. Nikola Passau; 550 Jahre Dienstjahre addiert
Zwei Kronjuwelen, drei Eiserne und ein Diamant
Zwei Kronjuwelen, drei Eiserne und ein Diamant
Die Deutschordensschwestern haben in der Universitätskirche St. Nikola Passau 405 Jahre gelebte Berufung gefeiert. Sechs Jubilarinnen gab es heuer: Sr. Maria-Immaculata Niederle und Sr. Gottfrieda Kolb (75 Jahre), Sr. Helene Lehmann, Sr. Mirjam Müller und Sr. Maria-Regina Zohner (65 Jahre) und Sr. Barbara Magesacher (60 Jahre).
Traditionell im August feiern die Deutschordensschwestern des selbstständigen Hauses Passau ihre Professjubiläen. Die Teilnehmerzahl bei der Feier am Samstag in der voll besetzten Universitätskirche St. Nikola war beeindruckend. So konnten Hochschulpfarrer Domvikar Peter Kunz, FamOT, und Oberin Sr. Maria-Franziska Meier, OT , neben den sechs Jubilarinnen auch viele Angehörige, zahlreiche Familiare und Zelebranten willkommen heißen. Die Festgemeinde feierte mit Sr. Maria-Immaculata Niederle und Sr. Gottfrieda Kolb ( 75 Jahre), mit Sr. Helene Lehmann, Sr. Mirjam Müller und Sr. Maria-Regina Zohner ( 65 Jahre) und mit Sr. Barbara Magesacher ( 60 Jahre). Beeindruckend sind die insgesamt 405 Jahre gelebter Berufung, die die Jubilarinnen im Dienste der Schwesternschaft vorweisen können. Auf eine noch beeindruckendere Zahl kommt Pater Frank Bayard, Hauptzelebrant und Hochmeister des Gottesdienstes, der an diesem Tag sogar 550 Jahre feiere, weil er zusätzlich die Dienstjahre zweier Ordensschwestern für ihre jeweils 55 Jahre hinzuzähle.
Was von einem Leben bleibe seien Zahlen, Daten und Fakten. „ Dabei ist da so viel mehr im Leben von Menschen.“, so Generalabt Pater Frank Bayard OT . Auch im Leben von Ordensfrauen geschah und geschieht vieles im Verborgenen, doch ist es wichtig, dass sie wirken. „ Wer den ansteckenden Glauben einer Sr. Maria-Immaculata, die Liebenswürdigkeit einer Sr. Gottfrieda, das ansteckende Lächeln einer Sr. Barbara, die Fotodokumentation Sr. Helenas, die tiefenhistorischen und spirituellen Führungen von Sr. Mirjam und die geistreichen Wortspiele einer Sr. Maria-Regina kennenlernt, der erkennt, dass Ordensleben, auch ein Fragment für ein gutes Leben sein kann “, so der Hochmeister. Es gehe nicht darum zu verklären oder Dinge schönzureden, sondern um gelebtes Leben. Um Leben mit Höhen und Tiefen, mit Erfolgen und Scheitern, getragen von einem Glauben an einen Gott, der da ist. Das Wirken Jesu, so der Pater, zeige sich nicht im Geschwätz, nicht im „ Man-müsste-mal“, sondern im Anpacken, so wie es unsere Jubilarinnen tun und getan haben. Wichtig, so Pater Bayard sei es, nie das Vertrauen einzubüßen, dass Gott alles zum Guten führen werde.
Ein emotionaler Moment trat ein, als der Zelebrant die Anwesenden aufrief, gemeinsam für Sr. Rosalinda zu beten, bei der sich für alle überraschend der bevorstehende Abschied ankündigt. Es war offensichtlich, dass die Gedanken der Mitschwestern an diesem Tag ebenfalls bei ihrer Weggefährtin waren. Gerade in diesem Prozess des Loslassens wurde das tiefe Gottvertrauen der Deutschordensschwestern spürbar. In ihrer Ansprache verwies die Oberin darauf, dass es ein besonderes Jahr sei, in dem die Jubilarinnen feiern. Am 26 . August 1946 hätten die vertriebenen Schwestern den Konvent errichtet. Heute könne man nur noch ahnen, welche Mühen, welcher Verzicht, aber vor allem welches Gottvertrauen von Anfang an eine Rolle gespielt haben müsse, so Oberin Sr. Maria-Franziska Meier. Sie dankte den Jubilarinnen sehr herzlich im Namen der gesamten Schwesternschaft für ihre langjährige Verbundenheit und ihr Wirken in der Gemeinschaft. Wertschätzende Dankesworte richtete die Oberin an Hochmeister und Hauptzelebrant Generalabt Pater Bayard sowie die zahlreichen Konzelebranten, darunter auch Prior Pater Christian Stuefer, der erstmalig mitfeierte, sowie an den frisch zum Diakon geweihten Frater Fabian Lechner, beide OT . Für die musikalische Umrahmung sorgten Organist Christian Müller sowie Domkantor Maximilian Jäger mit seinem Ensemble. Auch ihnen sprach die Oberin ihren Dank aus.
Thomas Jünger, Balleimeister der Ballei Deutschland betonte in seiner Festrede, dass die Professjubiläen jedes Jahr auch ein Höhepunkt für die Familiaren seien. Man feiere zweimal 75 Jahre, dreimal 65 Jahre und einmal 60 Jahre – das heiße Kronjuwelenjubiläum, Eisernes und Diamantenes Jubiläum. In einem kleinen historischen Rückblick zitierte der Balleimeister aus dem Beschluss vom 08 . August 1945 den damaligen Caritatsdirektor Ludwig Penzkofer, der das ehemalige Chorherrenstift in Passau den Deutschordensschwestern übertragen wollte und damit den Grundstein für die weitere Entwicklung legte. Im Namen aller Familiare dankte er den Jubilarinnen. Besonders hob er die historische Arbeit Sr. Mirjams zur Bewahrung der Geschichte der Deutschordensschwestern und Sr. Maria-Reginas Empathie gegenüber den Familiaren hervor.
Komtur Dr. Thomas Koch von der Komturei an der Donau verwies darauf, dass 405 Jahre eine ungeheure Zahl seien. Dahinter stünden Jahrzehnte gelebten Glaubens. Der Komtur bemerkte auffällige Gemeinsamkeiten mit einer Ehe: „ Am Anfang steht ein Versprechen vor Gott. Beide Gelübde begründen eine besondere Lebensform. Beide verlangen Treue und Verlässlichkeit.“, so Dr. Koch. Er dankte den Jubilarinnen sehr herzlich für alles, was sie über viele Jahrzehnte für den Orden und die Kirche geleistet haben. Noch vor Abschluss des Festgottesdienstes war es ein Herzensanliegen der Schwesternschaft, Pater Bayard zu ehren, der in Kürze ebenfalls Jubiläum feiere. Sr. Gottfrieda, Sr. Mirjam und Sr. Maria-Regina gratulierten im Namen aller zu seinem 25 -jährigen Professjubiläum und überreichten symbolische Geschenke. So übergab Sr. Gottfrieda einen irdenen Krug, der sowohl für ein stabiles, langes Ordensleben wie auch für die Sehnsucht stehe, mit dem Wasser des Lebens gefüllt zu werden. Aus den Händen von Sr. Mirjam konnte Pater Frank ein Bild entgegennehmen, verbunden mit dem Wunsch, dass er das wechselseitige Tragen auf seinem weiteren Berufsweg stets erfahren möge. Sr. Maria-Regina überreichte noch einen versilberten Blumengruß. „ Silber,“ so Sr. Maria-Regina, „ wirke antimikrobiell“. Sie wünschte dem Generalabt vor allem Durchhaltekraft und Gottes Beistand.
Nach den Gottesdienstfeierlichkeiten wechselten die Jubilarinnen mit ihren Gästen von der Universitätskirche ins Refektorium bzw. in den Innenhof des Nikolaklosters. Bei strahlendem Sonnenschein und in herzlicher Atmosphäre genoss man das Gespräch in netter Gemeinschaft. Freudig überrascht wurden die Jubilarinnen noch mit einem Ständchen und ein paar Versen zu ihren Ehren. Für eine weitere erfreuliche Nachricht sorgten Hochmeister Pater Bayard und Oberin Sr. Maria-Franziska: Sie freuen sich über drei neue Interessentinnen, die zukünftig gerne Teil der Schwesterngemeinschaft sein möchten. Damit stehen auch im weiteren Jahresverlauf besondere Ereignisse an wie der runde Geburtstag einer Mitschwester und die Neuaufnahmen.
Text + Fotos: Birgit Kölbl-Grantner
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