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title: "ICAT fordert weltweiten Schutz für Menschen, die zu Straftaten gezwungen werden; Betroffene geschützt statt bestraft werden"
sdDatePublished: "2026-08-10T06:06:00Z"
source: "https://diakonie.ch/un-gremium-fordert-schutz-fuer-menschen-die-zu-straftaten-gezwungen-werden/"
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ICAT fordert weltweiten Schutz für Menschen, die zu Straftaten gezwungen werden; Betroffene geschützt statt bestraft werden

UN-Gremium fordert Schutz für Menschen, die zu Straftaten gezwungen werden - Diakonie Schweiz

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UN-Gremium fordert Schutz für Menschen, die zu Straftaten gezwungen werden

Die Inter-Agency Coordination Group against Trafficking in Persons (ICAT), eine Koordinationsgruppe von Organisationen der Vereinten Nationen gegen Menschenhandel, warnt vor Menschenhandel mit dem Ziel, Betroffene zu kriminellen Handlungen zu zwingen. Besonders stark zugenommen habe diese Form der Ausbeutung im Umfeld von Betrugsoperationen.

Nach Angaben der Erklärung stehen hinter Millionen betrügerischer Nachrichten Hunderttausende Betroffene. Sie würden mit falschen Stellenangeboten angeworben, in bewachten Gebäuden festgehalten und unter Gewalt oder anderen Formen von Druck dazu gezwungen, andere Menschen zu betrügen. Betroffen seien nicht nur Personen mit den üblichen bekannten Risikofaktoren: Häufig verfügten sie über Bildung, Sprachkenntnisse und digitale Fähigkeiten.

Menschenhandel zur erzwungenen Kriminalität ist laut dem globalen Bericht zu Menschenhandel von 2024 weltweit die am dritthäufigsten festgestellte Form von Menschenhandel. Das Spektrum reiche über Betrugsoperationen hinaus: Es umfasse unter anderem Drogenhandel, Diebstahl, Finanzdelikte sowie die Rekrutierung für bewaffnete Gruppen.

Ein zentrales Problem sei, dass Betroffene oft nicht als Opfer erkannt würden. Sie würden wegen Handlungen festgenommen, inhaftiert, ausgeschafft, strafrechtlich verfolgt oder bestraft, zu denen sie als unmittelbare Folge des Menschenhandels gezwungen worden seien. Dies erschwere es ihnen, ihre Lage zu melden oder Unterstützung zu suchen, und lasse organisierte Netzwerke weiterarbeiten.

Die Erklärung verweist auf besondere Risiken für Frauen und Mädchen, die zusätzlich sexualisierte Ausbeutung und geschlechtsspezifische Gewalt erfahren können. Kinder seien ausserhalb von Betrugsoperationen überproportional betroffen; Täterinnen und Täter nutzten ihr Alter und ihre Abhängigkeit aus. Ein erhöhtes Risiko bestehe zudem für Geflüchtete, Asylsuchende, Staatenlose und Migrantinnen und Migranten, etwa wegen fehlender Informationen, unsicherer wirtschaftlicher Lage und unterbrochener Unterstützungsnetze.

ICAT fordert Staaten und weitere zuständige Stellen auf, Menschenhandel zur erzwungenen Kriminalität ausdrücklich gesetzlich zu erfassen. Entscheidend sei ein Grundsatz der Nichtbestrafung: Wer eine Straftat direkt unter dem Zwang von Menschenhandel begangen hat, soll als betroffene Person anerkannt werden. Wo bereits eine Verurteilung erfolgt sei, brauche es Möglichkeiten zur Korrektur, etwa eine Bereinigung von Strafregistereinträgen.

Weiter verlangt die Gruppe Schutz, Unterkunft, psychosoziale Unterstützung und Zugang zu Recht und Entschädigung. Fachstellen, Polizei, Justiz und weitere erste Anlaufstellen sollen Anzeichen dieser Ausbeutung erkennen können. Für die soziale und diakonische Arbeit unterstreicht dies, wie wichtig niedrigschwellige Beratung, sichere Schutzräume und eine Unterstützung sind, die nicht zuerst nach möglichem Fehlverhalten fragt, sondern nach Zwang und Gefährdung.

Menschen, die durch Menschenhandel zu Betrug oder anderen Delikten gezwungen werden, sollen als Betroffene geschützt statt bestraft werden. Dazu ruft eine gemeinsame Erklärung von UN Women und einer Koordinationsgruppe der Vereinten Nationen zum Welttag gegen Menschenhandel auf.