FCC verliert gegen Rot-Weiß Erfurt im Paradies; Erfurter drehen Spiel nach Pause zum 2:1-Sieg
FCC verliert das 114. Thüringen Derby
Der FCC verliert gegen den FC Rot-Weiß Erfurt nach 1:0-Pausenführung noch mit 1:2
Marco Grote änderte seine Startformation gegenüber dem 4:0 Sieg am Dienstag gegen den RSV Eintracht auf zwei Positionen. Für den Doppeltorschützen Emilio Munser rückte Kevin Lankford in die Startelf, Manassé Eshele wurde durch Luca Wollschläger ersetzt.
Ohne jegliche Abtastphase gingen beide Teams sofort in die Vollen. Schon in der zweiten Minute konnte Elias Löder das Spielgerät an der Mittellinie nicht unter Kontrolle bringen, was die Gäste für einen schnellen Gegenstoß nutzten. Der schnelle Mensah wurde links frei gespielt, setzte sich gegen Nils Butzen durch brachte die Hereingabe mit Biel Kraft, aber nicht präzise genug für Mittelstürmer Dreca. Der FCC konnte klären und setzte selbst umgehend zum Konter an, wurde dabei aber noch vor dem Strafraum des Gegners gestoppt.
Als zwei Minuten später Sören Reddemann einen weiten, öffnenden Pass aus der eigenen Hälfte in Richtung des gegnerischen Tores spielte, erreichte Luca Wollschläger diesen zuerst, legte das Leder gekonnt um den Gegenspieler, gab dem Ball aber zu viel Kraft mit auf die Reise, so dass dieser ohne weiteren Spielerkontakt im Toraus landete.
In der achten Minute eroberte der hoch motivierte Malik Talabidi einen Ball im Mittelfeld, um diesen umgehend auf Kevin Lankford weiter zu leiten. Dieser sah den auf dem rechten Flügel besser postierten Timon Burmeister, ließ ihm das Leder deshalb auch umgehend zukommen. Timon nahm gekonnt an, ging ein paar Schritte und zog aus 18 Metern einfach mal ab. Gästekeeper Otto machte sich ganz lang, hätte den Ball aber nicht mehr erreicht. Dieser jedoch rollte knapp am rechten Pfosten des Gehäuses vorbei. Schade.
Aber auch die Gäste wollten zeigen, dass sie voll im Spiel sind. Mensah ließ Butzen auf dem linken Angriffsflügel alt aussehen, drehte an der Seitenauslinie nach innen und dribbelte ins Zentrum. Dort suchte er nach einer guten Schussgelegenheit, beförderte das Leder aber direkt in die Arme von Marius Liesegang.
Die Anfangsviertelstunde wollte gerade enden, als der FCC sich erneut dem Tor der Gäste näherte. Nach einem Fehler der Erfurter im Mittelfeld bekam Ajvazi den Ball, bediente Burmeister auf rechts. Dieser hatte viel Platz, flankte den Ball ins Zentrum, doch Wollschläger verfehlte um wenige Zentimeter.
Mitte der ersten Halbzeit wurde im Paradies eine Trinkpause eingelegt. Beide Trainer nahmen sich ihre Spieler zur Seite und nutzten die Unterbrechung für taktische Anweisungen.
Unsere Jungs konnten die Unterbrechung deutlich besser nutzen. Nach einem bösen Foul von Erfurts Gonda gegen Moritz Fritz unmittelbar vor der Trainerbank der Gäste sah der Japaner den gelben Karton. Im Anschluss kann sich Luca Wollschläger in den Strafraum tanken, sucht den Doppelpass mit Löder, verliert das Leder aber an Gästekeeper Otto.
Nur wenige Minuten später bebte das Paradies. Reddemann spielte einen langen Ball aus der Jenaer Abwehr und fand Löder, der das Leder mit dem Kopf in den Strafraum beförderte. Kevin Lankford nahm den Ball direkt und knallte ihn unhaltbar unter die Latte! Der FCC ging am vierten Spieltag zum vierten mal mit 1:0 in Führung. Jena jubelte!
Die letzte Viertelstunde der ersten Halbzeit zeichnete sich durch einen offenen Schlagabtausch aus, in dem keine der beiden Mannschaften wirklich Torgefahr entwickeln konnte. Bis in die fünfte und damit letzte Minute der Nachspielzeit. Die Gäste spielten sich in unserem Strafraum fest, suchten gleich drei Mal gefährlich den Abschluss. Zunächst warf sich Talabidi in den Ball, anschließend konnte Liesegang sich doppelt auszeichnen. Der Halbzeitpfiff von Schiedsrichter Wien glich einer Erlösung.
Die Gäste, die schon im Laufe der ersten Halbzeit Kapitän Awoudia verletzt vom Feld nehmen mussten, nahmen in der Pause einen weiteren Wechsel vor und brachten den ehemaligen blaugelbweißen Romario Hajrulla aufs Feld. Dessen Rolle im weiteren Spielverlauf, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht zu erahnen. Die Gäste erwischten den besseren Start in Halbzeit zwei, spielten uns tief in unserer Hälfte fest. Während Wolf in der 49. Minute mit einem Fernschuss noch das Jenaer Tor verfehlte, gelang nur eine Zeigerumdrehung später der Ausgleich. Mensah, bester Gästeakteur des heutigen Tages, zog von links ins Zentrum. Sein Schussversuch wurde geblockt, doch als das Leder zu Gonda sprang, zog dieser im Sechzehner einfach ab und traf flach ins Eck.In der Folge wurden die Gäste stärker. Redemann musste wiederholt per Kopf klären. Doch auch der FCC hatte seine guten Phasen. In Minute 58 fiel Lankford im Strafraum und wollte den Elfmeter. Schiedsrichter Wien entschied auf Eckball. Kurz darauf wollte Eshele einen Ball erlaufen, der aus dem Tor stürmende Otto wollte ebendiese Situation bereinigen. Eshele traf den Erfurter Torwart zunächst am Fuß, erwischte ihn anschließend versehentlich mit dem Körper am Kopf. Otto blieb bewusstlos liegen, musste in der Folge ausgewechselt werden. Auch von dieser Stelle: Gute Besserung an den Erfurter Keeper!
Ab dieser Szene nahm die Partie Derbycharakter an. Die Tribünen wurden lauter, auch auf dem Feld kochten die Emotionen zunehmend hoch. Schiedsrichter Wien ließ sich anstecken, verlor zunehmend seine klare Linie. Die Gäste nahmen das Heft des Handelns in die Hand, konnten von der Bank deutlich mehr Offensivkraft ins Spiel bringen. Die Zahl der Ecken für die Gäste stieg an. Und eine solche, sollte die Partie in der 75. Minute auch entscheiden. Adesida dribbelte sich durch die eigene Hälfte, ging über die Mittellinie und bediente mustergültig den einrückenden Mensah. Dieser zog bis zur Grundlinie durch, wo Reddemann den Ball zur Ecke klären musste. Der ebenfalls eingewechselte Fehler brachte den Standard ins Zentrum, wo Hajrulla am höchsten stieg und zum 1:2 traf. Es folgte ein offener Schlagabtausch, bei dem Elias Löder wohl noch die gefährlichste Chance hatte, um noch etwas am Endergebnis zu ändern. Doch bei seinem Schuss machte sich Ersatztorhüter Rodtnick ganz lang und rettete seiner Mannschaft damit den Sieg.
Für unsere Mannschaft endete diese erste englische Woche mit einer Niederlage. Die nächste Chance auf Punkte gibt es bereits am Freitag, wenn unsere Farben im Leutzscher Holz auf die BSG Chemie Leipzig trifft.
Die “Stimmen nach dem Spiel”
FCC: Liesegang - Talabidi, Reddemann, Boog (56. Munser), Butzen(C) (87. Hoppe) - Fritz, Ajvazi (79. Osazee) - Burmeister, Lankford (79. Teuber) - Wollschläger (56. Eshele), Löder
RWE: Otto (70. Rodtnick) - Walther, Awoudja(C) (31. Adesida), Ikene, Dehl - Caciel, Boboy, Wolf (70. Fehler), Gonda (70. Forkel) - Mensah, Dreca (46. Hajrulla)
Tore: 1:0 Lankford (31.) 1:1 Gonda (50.) 1:2 Hajrulla (74.)
gelbe Karten: Ajvazi (42.) Lankford (64.) Eshele (67.)
Gonda (27.) Boboy (64.) Walther (84.) Hajrulla (89.)
Marco Grote (Jena): „Nach den nicht so guten ersten Minuten waren wir bis zur Halbzeit die bessere Mannschaft und führten zur Halbzeit hochverdient. Im zweiten Durchgang sind wir passiver geworden und konnten den Hebel nicht wieder umlegen. Es wurde deutlich, dass Erfurt in der zweiten Halbzeit das Derby mehr angenommen hat. Wir sind im Spielverlauf immer wieder da gewesen und hätten durchaus noch das Unentschieden holen können. Mich ärgert diese Niederlage auch aufgrund des Verlaufs sehr. Gute Genesungswünsche an den Gästetorhüter. Ich hoffe, er ist nicht schlimm verletzt.“ Fabian Gerber(Gast): „Ich will nicht viele Worte verlieren. Wir sind gut in ein ausgeglichenes Spiel gestartet. Ich habe erwartet, dass meine Mannschaft mutig und ohne Angst auftritt. Zur Halbzeit sagte ich der Mannschaft, dass sie den Testspiel-Charakter ablegen muss. Beim 1:0 steht Lankford völlig blank, wir laufen dem unnötigen Rückstand hinterher. Nach der Halbzeit merkte man dann, dass die Mannschaft wollte und wir hatten unsere Chancen. In der zweiten Halbzeit verdienen wir uns den Sieg, nachdem wir in der 50. Minute früh den Ausgleich erzielen. Danach erzielen wir in unserer Druckphase das 2:1. Ich bin froh, nach fast 15 Jahren hier gewonnen zu haben. Respekt an Torhüter Rodtnick, der die letzte Chance klasse vereitelte. Keeper Lorenz Otto ist aktuell auf dem Weg ins Krankenhaus.“