Zentralschweizer Wirtschaft bleibt Q3 nahezu unverändert in der Zentralschweiz; erstmals seit 2023 in allen Branchen positiv

IHZ-Quartalsanalyse Q3/2026: Zentralschweizer Wirtschaft tritt auf der Stelle | IHZ

2026: Zentralschweizer Wirtschaft tritt auf der Stelle

Der Geschäftslageindikator bewegt sich im Quartalsvergleich kaum. Dank positiver Impulse im Grosshandel sind die Werte aber wieder in allen Branchen im positiven Bereich. Die Aussichten für das zweite Halbjahr sind gut, globale Unsicherheiten wirken aber nach wie vor bremsend.

Der Geschäftslageindikator für die Zentralschweizer Wirtschaft liegt zu Beginn des dritten Quartals nahezu unverändert gegenüber dem Vorquartal. Nach einem starken Impuls im April gab der Saldo im Mai und Juni leicht nach, legte dann im Juli wieder zu. Der positive Jahresstart konnte somit auch zur Jahreshälfte bestätigt werden, obwohl die Erwartungen der Unternehmen sehr pessimistisch waren. Die Ertragsentwicklung der vergangenen drei Monate wird mehrheitlich positiv beurteilt. Ebenfalls positiv zu bewerten ist, dass der Saldo erstmals seit 2023 in allen Branchen einen positiven Wert anzeigt.

Die Zeichen stehen also gut für einen breit abgestützten Aufschwung. Nach wie vor wirkt die Unsicherheit aber bremsend. Der Irankonflikt und die möglichen Effekte auf die Energiepreise hängen wie ein Damoklesschwert über der weltweiten Wirtschaft. Auch die US-Zollpolitik sowie andere protektionistische Tendenzen, etwa in der EU, sorgen für eine sehr begrenzte Planungssicherheit.

Zum aktuellen Zeitpunkt geht eine Mehrheit in allen Zentralschweizer Branchen von einer positiven Entwicklung im nächsten Halbjahr aus. Die Aussichten haben sich im Vergleich zum Vorquartal signifikant aufgehellt.

Nach wie vor wird die Geschäftslage in der Zentralschweiz im Durchschnitt positiver eingeschätzt als im schweizerischen Mittel. Seit Beginn des Jahres zeigt die schweizweite Trendlinie aber deutlich nach oben, womit der Unterschied zur Zentralschweiz kleiner wird.

Insbesondere bei Unternehmen im Grosshandel verbessert sich die Geschäftslage binnen Quartalsfrist deutlich. Bei der Erhebung im April befand sich der Saldowert noch im Minusbereich, was bedeutet, dass eine Mehrheit der Unternehmen die damalige Geschäftslage negativ beurteilte. Unternehmen in diesem Sektor blicken das erste Mal seit 2022 mehrheitlich auf eine positive Entwicklung der Ertragslage in den letzten drei Monaten zurück. Insbesondere im Handel mit Produktionsgütern hat sich die Geschäftslage merklich verbessert.

Die Geschäftslage im Industriesektor hat im Vergleich zur Erhebung im April leicht nachgegeben, befindet sich aber nach einem kurzen Taucher im Juni wieder im positiven Bereich. Die Unternehmen vermelden einen leichten Anstieg bei den Aufträgen und eine Ausweitung der Produktion, was auch die nach wie vor unterdurchschnittliche Auslastung etwas anhebt. Auch bei den exportorientierten Unternehmen ist die Stimmung mehrheitlich positiv. Insbesondere in der Maschinenindustrie haben die Exporte im Vergleich zum Vorjahr zugenommen. Die Nachfrage nach Zentralschweizer Waren in Deutschland ist weiter steigend. Die Ertragslage bleibt jedoch unter Druck und Zentralschweizer Industrieunternehmen sind noch immer zurückhaltend beim Personalbedarf. Industrieunternehmen rechnen aber damit, Preiserhöhungen weitergeben zu können, was die Margen sichert.

Im Baugewerbe wie auch im Projektierungssektor wird die Geschäftslage auf hohem Niveau leicht schlechter eingeschätzt als vor drei Monaten. Ingenieurbüros melden bei hohem Auftragsvolumen sinkende Bausummen. Im Bausektor hat sich insbesondere der Tiefbau negativ entwickelt, die Auftragslage hat sich dort verschlechtert. Ebenfalls hat der Preisdruck zugenommen.

Im Zentralschweizer Detailhandel ist die Stimmung im Juli im Vergleich zu den Vormonaten deutlich gesunken. Unternehmen in fast allen Sparten vermelden aber eine höhere Kundenfrequenz. So rechnet eine deutliche Mehrheit der Detailhändler mit einer positiven Entwicklung der Geschäftslage im zweiten Halbjahr. Im Gastgewerbe wird die Geschäftslage deutlich pessimistischer eingeschätzt als im April. Die negative Entwicklung betrifft die Gastronomie wie auch die Beherbergung. Der Saldo erreicht den tiefsten Wert seit 2024. In der Beherbergung liegen die Übernachtungszahlen deutlich unter den Vorjahreswerten. Im Juni 2026 vermeldeten Zentralschweizer Hotels eine um fast 5 Prozent tiefere Zahl an Logiernächten als im selben Monat des Vorjahres. Zurückgegangen sind insbesondere Ankünfte von Gästen aus Asien, aber auch aus dem benachbarten Ausland. Auch Logiernächte von Schweizerinnen und Schweizern haben leicht nachgegeben. Logiernächte aus den USA, die nach der Schweiz das zweitwichtigste Herkunftsland sind, haben nochmals zugenommen. Eine deutliche Mehrheit der Unternehmen im Gastgewerbe rechnet aber mit einer positiven Entwicklung im Herbst und Winter, auch wenn sie eher mit fallenden Preisen rechnen.

Im Finanzsektor , also bei Versicherungs- und Finanzdienstleistern, sinkt der Zentralschweizer Geschäftslageindikator im Vergleich zum Vorquartal deutlich, obwohl die Branche im schweizerischen Durchschnitt eine positive Entwicklung verzeichnet. Ein grosser Unterschied zwischen den regionalen und nationalen Zahlen besteht bei der Entwicklung der Ertragslage in den letzten drei Monaten. Eine Mehrheit der Unternehmen im Finanzbereich ist in den nächsten Monaten zurückhaltend bei der Personalentwicklung.

Der restliche Dienstleistungsbereich legt im Vergleich zur Erhebung im April leicht zu, obwohl damals noch eine Mehrheit der Dienstleistungsunternehmen mit einer negativen Entwicklung gerechnet hatte. Deutlich mehr Unternehmen blicken auf eine positive Entwicklung der Ertragslage zurück. Ein deutlicher Impuls geht von den wirtschaftlichen Dienstleistungen aus. Deutlich mehr Unternehmen rechnen mit einer guten Geschäftslage im zweiten Halbjahr.

Was die Unsicherheit rund um den Irankonflikt für die Zentralschweizer Wirtschaft bedeutet

Im Moment bremst die Unsicherheit über die möglichen Entwicklungen im Konflikt zwischen den USA und Iran eine deutliche Aufhellung der Konjunkturlage. Doch welche Effekte einer Eskalation des Konfliktes wären in der Zentralschweiz überhaupt zu spüren?

Eine Möglichkeit sind direkte Effekte über die Energiepreise, wie sie bereits im April und Mai 2026 zu beobachten waren. Der Irankonflikt und insbesondere die zeitweilige Sperrung der Strasse von Hormus führte zu Engpässen bei Öl- und Gasprodukten sowie weiteren Rohstoffen wie Magnesium und liess die Preise zunächst markant ansteigen. Für ein Fass der Sorte Brent wurden zwischenzeitlich über 115 US-Dollar bezahlt, was seit Jahresbeginn nahezu einer Verdoppelung entspricht. Nach diplomatischen Fortschritten sank der Preis auf 70 US-Dollar. Der Preis liegt inzwischen bei rund 80 US-Dollar. Ölpreisschocks wirken sich je nach Volkswirtschaft sehr unterschiedlich aus. Die Schweiz zeigt sich gegenüber steigenden Energiepreisen überdurchschnittlich resilient. Die hiesige Wirtschaft weist eine der weltweit tiefsten Energieintensitäten auf und verbraucht im Verhältnis zur Wirtschaftsleistung nur wenig Öl und Gas. Über alle Branchen hinweg wird vergleichsweise energieeffizient produziert. In der Zentralschweiz gilt dies beispielsweise für die Medizinprodukte oder Pharmaindustrie, die beide eine sehr tiefe Energieintensität aufweisen. Aber auch energieintensivere Zentralschweizer Branchen wie Metall- und Maschinenindustrie produzieren im weltweiten Vergleich sehr energieeffizient. Auch der starke Franken dämpft den Effekt zusätzlich.

Meist überwiegen jedoch die indirekten Effekte: Hohe Energiepreise bremsen die Weltwirtschaft und damit die Auslandsnachfrage nach Schweizer Gütern. Hinzu kommt die geldpolitische Reaktion der Notenbanken. Auch wenn die Geldpolitik auf Energiepreisschocks nur begrenzt reagieren kann, dürften die Zentralbanken versucht sein, die Zinsen zu erhöhen, um die Teuerung im Griff zu behalten. Das verteuert Investitionen, die aufgrund der Unsicherheit ohnehin zurückgefahren werden. Das schadet der bereits fragilen Konjunkturlage. Die EZB hat die Zinsen bereits angehoben; die SNB konnte demgegenüber auf einen Zinsschritt verzichten, da ihr der aktuelle Preisanstieg nahezu willkommen war.

Das Gastgewerbe hat den Irankonflikt hingegen unmittelbar gespürt. Mit dem Konflikt und den bis heute anhaltenden Einschränkungen im Flugverkehr im Nahen Osten brachen wichtige Märkte von einem Tag auf den anderen weg. Reservierungen von Privatpersonen und Gruppen in Hotellerie, Verkehr, Freizeitbranche und Gastronomie wurden kurzfristig storniert, neue Buchungen bleiben bislang aus. Die Logiernächte von Gästen aus Israel gingen im April 2026 im Vorjahresvergleich um fast 70 Prozent zurück, jene von Gästen aus Katar um 80 Prozent. Auch in den Zahlen vom Juni liegen die Logiernächte von Gästen aus dem Nahen Osten, aber auch aus Indien und China deutlich unter den Vorjahreswerten. Reisende aus den Golfstaaten machen zwar nur einen kleinen Teil der touristischen Nachfrage in der Region aus, verweilen aber deutlich länger als der Durchschnitt: Ihre Tagesausgaben in der Hotellerie und Gastronomie liegen bei rund CHF 500 pro Kopf, verglichen mit durchschnittlich CHF 150 bei Schweizer Gästen.

Yves Spühler | Leiter Wirtschaftspolitik und Ökonomie

Datengrundlage und Lesehilfe zu den Grafiken

Die in den Grafiken zur Geschäftslage (Grafik 1 und 2) verwendeten Daten beruhen auf der Unternehmensumfrage «Geschäftslageindikator» der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. In der Umfrage werden die Unternehmen gebeten, ihre Gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen. Sie können die Lage mit «gut», «befriedigend» oder «schlecht» bezeichnen. Der Saldowert der gegenwärtigen Geschäftslage ist die Differenz der Prozentanteile der Antworten «gut» und «schlecht». Die Grafik zeigt saisonbereinigte Werte der Zentralschweiz über die abgebildeten Wirtschaftsbereiche. Die Position in der Horizontalen weist die Einschätzung über die aktuelle Geschäftslage der Firmen aus, auf der Vertikalen wird die Differenz zur Befragung im Vorquartal angezeigt. Die Grösse der Kreise stellt die Wichtigkeit des Sektors in der Zentralschweiz dar, hier gemessen als Anteil der Beschäftigten.

Kommt eine Branche in den Quadranten 2 oder 3 zu liegen, ist der Anteil an Unternehmen, die die Geschäftslage als schlecht einschätzen grösser als der Anteil an Unternehmen, die die Geschäftslage als gut einschätzen. Branchen in den Quadranten 1 und 2 weisen eine Verbesserung der Geschäftslage im Vergleich zum Vorquartal auf, während sich Branchen im Quadranten 2 trotz Verbesserung im negativen Bereich befinden und Branchen im Quadranten 1 im Positiven Bereich.

Die in den Grafik zur Beschäftigung (Grafik 3) verwendeten Daten beruhen auf der Unternehmensumfrage «Beschäftigungsindikator» der KOF Konjunkturforschungsstelle der ETH Zürich. In der Umfrage werden die Unternehmen gebeten, ihren gegenwärtigen Bestand an Beschäftigten zu beurteilen und allfällige Veränderungen in den nächsten drei Monaten zu prognostizieren.

Ist der Wert des Indikators positiv, möchten mehr Unternehmen ihren Personalbestand aufbauen als abbauen. Bei einem Wert von Null ist der Anteil der Unternehmen, die Stellen abbauen möchten und Unternehmen, die Stellen schaffen möchten gleich gross.

Baugewerbe: Hochbau, Tiefbau und Vorbereitende Baustellenarbeiten, Bauinstallation und sonstiges Ausbaugewerbe (NOGA 41-43)

Herstellung von Waren (NOGA 10-33)

Grosshandel: Grosshandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 46)

Detailhandel: Detailhandel ohne Handel mit Motorfahrzeugen (NOGA 47)

Gastgewerbe : Beherbergung und Gastronomie (NOGA 55-56)

Finanzsektor: Erbringung von Finanz- und Versicherungsdienstleistungen (NOGA 64-65)

Projektierung: Architektur- und Ingenieurbüros (NOGA 71)

Verschiedene Dienstleistungen: Übrige Dienstleistungsbranchen ohne staatsnahe Branchen und Staatssektor, Verkehr und Lagerei (NOGA 49–53), Information und Kommunikation (NOGA 58–63), Grundstücks- und Wohnungswesen (NO