SCHWEIZER MEDIEN-Verlegerverband präsentiert KI-Kodex Locarno; dringender Schutz des Geistigen Eigentums

Journalismus, Kunst & Kultur: KI ersetzt den Menschen nicht

Journalismus, Kunst & Kultur: KI ersetzt den Menschen nicht

Künstliche Intelligenz verändert Kunst, Kultur und Journalismus, doch ohne menschliches kreatives Wirken geht es auch künftig nicht. Dies das Fazit des illustren Podiums mit Schauspieler Anatole Taubman, Tamedia- Bundeshausredaktionsleiterin Larissa Rhyn und Gotthard-Bassist Marc Lynn an der 5. Soirée Médias des Verlegerverbands SCHWEIZER MEDIEN. Einig waren sich alle, dass angesichts der rasenden Entwicklung von KI es möglichst rasch eine Schutz des Urheberrechts braucht.

Die 5. Soirée Médias des Verlegerverbands SCHWEIZER MEDIEN (VSM) brachte am 79. Locarno Film Festival Persönlichkeiten aus Medien, Politik und Kultur im Garten des Teatro Paravento zusammen. «Eines verbindet Film und Medien: Menschen, die mit ihrer Kreativität Geschichten erzählen und unsere Gesellschaft mitgestalten», eröffnete VSM-Direktorin Pia Guggenbühl den Abend. «Künstliche Intelligenz eröffnet enorme Chancen, die Kreative und Medienschaffende nutzen wollen und auch sollen. Zugleich braucht es klare Regeln.»

Gemeinsam mit verschiedenen Akteuren der Schweizer Medienbranche hat der VSM deshalb einen KI-Kodex erarbeitet. Dieser hält im Kern fest: Auch beim Einsatz von KI bleibt die publizistische Verantwortung beim Menschen. Gleichzeitig braucht es dringend den wirksamen Schutz des Geistigen Eigentums mit der Motion Gössi angesichts der ungefragten und unbezahlten Verwendung von Content durch Anbieter von KI-Anwendungen.

So unterschiedlich Film, Musik und Journalismus auf den ersten Blick erscheinen: Die Herausforderungen durch KI ähneln sich. Digitale Figuren, Stimmen und Bilder eröffnen im Film neue Möglichkeiten, KI verändert die Entstehung von Musik und unterstützt im Journalismus bereits heute verschiedene Arbeitsschritte.

Die Paneldiskussion machte gleichzeitig deutlich, was sich nicht einfach automatisieren lässt: Menschliche Kreativität, Emotion und Erleben. Schauspieler Anatole Taubman betonte die Bedeutung des menschlichen Elements für sein Metier. Technologie könne neue Möglichkeiten eröffnen – doch Schauspiel lebe davon, bei anderen Menschen etwas auszulösen.

Junge: Echtheit im Trend – Wunsch nach Regulierung

Echtheit scheint im Trend zu sein: Gerade Jugendliche und junge Menschen sehnen sich nach mehr Echtheit. Die Marketingagentur Jim & Jim von Farner hat vergangene Wohe zusammen mit CH Media Mind die « Trendstudie 2026 » veröffentlicht.

Darin zeigt sich: Die jungen Menschen zwischen 12 und 30 Jahren sind ambivalent gegenüber KI. Zwar ist KI für viele im Alltag selbstverständlich geworden, gleichzeitig befürchteten fast drei Viertel der Befragten einen Verlust menschlicher Kompetenzen. 85 Prozent wünschten sich mehr Regulierung.

Auch für Gotthard-Bassist Marc Lynn ist das menschliche Element zentral. Musik entstehe aus Persönlichkeit und Emotion. «Menschen wollen keine KI-generierte Musik hören – es braucht Transparenzpflichten», so Lynn. Für ihn muss erkennbar sein, ob ein Werk von Menschen oder durch Künstliche Intelligenz geschaffen wurde.

Im Journalismus stellen sich ähnliche Fragen – insbesondere mit Blick auf Glaubwürdigkeit und Verantwortung. Journalistin Larissa Rhyn zeigte auf, wie KI bereits heute pragmatisch im journalistischen Alltag eingesetzt werden kann. Der KI-Kodex der Schweizer Medienbranche hält dabei einen zentralen Grundsatz fest: Auch beim Einsatz von KI bleibt die publizistische Verantwortung beim Menschen.

Mit den Möglichkeiten der Künstlichen Intelligenz stellt sich zugleich die Frage, unter welchen Bedingungen journalistische und kreative Inhalte für KI-Systeme genutzt werden dürfen. Für VSM-Präsident Andrea Masüger besteht dringender Handlungsbedarf: «Eine Lösung darf nicht zehn Jahre auf sich warten lassen. Bis dahin sind so viele Jobs in der Medienbranche weg.»

Für Medien- und Kreativschaffende braucht es deshalb zeitnah verlässliche Rahmenbedingungen. Geistiges Eigentum muss wirksam geschützt, die Verwendung von Inhalten durch KI-Systeme transparent gemacht und deren Nutzung fair vergütet werden. Die Motion von Ständerätin Petra Gössi geht Hand in Hand mit den weltweiten Bestrebungen, die KI-Entwicklung zu fördern und zugleich die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass ein fairer Interessenausgleich zwischen KI-Anbietern und Rechteinhabern stattfinden kann.

Dabei geht es nicht darum, die Entwicklung Künstlicher Intelligenz aufzuhalten. Film, Musik und Journalismus können von den neuen Möglichkeiten profitieren. Bei der Informationsbeschaffung steigt gerade angesichts KI-generierten, fehleranfälligen Contentsjedoch die Bedeutung glaubwürdiger und professionell recherchierter journalistischer Inhalte.

Unabhängiger Journalismus schafft Orientierung, ermöglicht den Dialog und ist unverzichtbarer Bestandteil der direkten Demokratie. Die VOX-Nachwahlbefragungen zeigen stetig, so auch jüngst: Neben dem Abstimmungsbüchlein sind und bleiben Artikel in Zeitungen bei den Stimmenden mit 80% oder mehr Nutzung die wichtigste Informationsquelle. Danach erst folgen Nachrichten im TV und online. Auf soziale Medien wie Facebook, X oder Instagram entfallen gerade einmal 42 Prozent.

Tessiner Tavolata und Film auf der Piazza Grande

Nach der Paneldiskussion kamen die Gäste bei einer Tavolata Ticinese zusammen. Das gemeinsame Abendessen im entspannten Rahmen bot Gelegenheit, das Gespräch zu vertiefen, neue Kontakte zu knüpfen und bekannte Gesichter wiederzutreffen Anschliessend führte der Weg auf die Piazza Grande zur gemeinsamen Filmvorführung von “The Invite” unter freiem Himmel. Zurück im Teatro Paravento klang die fünfte Soirée Médias in entspannter Atmosphäre aus.

Kontakt Pia Guggenbühl, Direktorin VSM, E-Mail anzeigen , 079 566 60 10

Die schönsten Impressionen des Abends finden Sie in der Bildergalerie .

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