Sächsisches Finanzministerium startet Express-Betriebsprüfung in Sachsen mit Vier Standorten Leipzig I, Plauen, Bautzen, Freiberg; Ab 2027 flächendeckend in Sachsen
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In 90 Tagen durch die Betriebsprüfung
Über eine Milliarde Euro an Steuernachforderungen gingen im Ergebnis von Betriebsprüfungen zwischen 2020 und 2025 an den Fiskus. Doch das Verfahren ist zeitlich sehr aufwendig und für alle Beteiligten mit viel Bürokratie verbunden. Das soll jetzt anders werden: Ein Pilotprojekt soll steuerliche Betriebsprüfungen für Unternehmen und Steuerbehörde planbarer und schneller machen.
Mit dem Pilotprojekt Express-Betriebsprüfung (kurz: Express-Bp) geht die sächsische Steuer- und Finanzverwaltung neue Wege. Die Initiative soll bei der steuerlichen Betriebsprüfung Bürokratie verringern, die Kosten sowohl für die Unternehmen als auch für die Steuerverwaltung senken und vor allem die Prüfungsdauer deutlich verkürzen.
Die Express-Bp ist ein freiwilliges Angebot für kleinere und mittlere Unternehmen in Sachsen. Im Zentrum des Projektes steht eine beschleunigte und fokussierte Betriebsprüfung. Dabei soll die Prüfungsdauer je Unternehmen vom Prüfungsbeginn bis zum vollständigen Abschluss nicht länger als 90 Tage betragen. Für die Unternehmen bedeutet das bessere Planbarkeit und Planungssicherheit, um schneller zu ihrem Kerngeschäft zurückkehren zu können.
Finanzminister Christian Piwarz: »Betriebsprüfungen sichern Steuergerechtigkeit und fairen Wettbewerb. Gleichzeitig dürfen sie Unternehmen nicht über Gebühr beanspruchen. Mit der Express-Bp testen wir deshalb ein Verfahren, das schneller und fokussierter arbeitet. Davon sollen Unternehmen und Steuerverwaltung gleichermaßen profitieren.«
Die Grundlage für den neuen Ansatz bildet eine Vereinbarung zwischen Betriebsprüfung und Unternehmen über eine kooperative und vertrauensvolle Zusammenarbeit. In der Praxis bedeutet das: Die Unternehmen liefern frühzeitig elektronische Buchhaltungsdaten, aus denen sich Prüfungsschwerpunkte ergeben. Diese Schwerpunkte werden den Unternehmen mitgeteilt, um den Prüfungsprozess zielgerichtet und effizient zu gestalten. Dafür sind auch straffe Terminabsprachen, die Möglichkeit von Vor-Ort-Prüfungen sowie zeitnahe Besprechungen erforderlich. Durch gezielte Prüfungsschwerpunkte, klare Strukturen und kurze Kommunikationswege soll die Prüfungsdauer signifikant gesenkt werden – ohne Abstriche bei der Rechtssicherheit und Prüfungsklarheit.
Express-Betriebsprüfung - In 90 Tagen durch die Betriebsprüfung
Im Video geben Bedienstete des Finanzamtes Leipzig I Einblicke in die Umsetzung der Express-Bp in der Praxis.
Das Pilotprojekt Express-Bp ist im 2. Quartal des Jahres in vier der 16 Prüfungsstellen des Freistaates gestartet, und zwar in den Finanzämtern Leipzig I, Plauen, Bautzen und Freiberg. Die Testphase mit ausgewählten Unternehmen läuft bis Ende des Jahres. Nach Abschluss der Pilotierung erfolgt eine detaillierte Auswertung, inwieweit Bürokratieabbau, Verfahrensverschlankung und Entlastung erreicht wurden. Wird dies durch die erfassten Daten und Rückmeldungen bestätigt, soll das Modell Express-Bp ab 2027 flächendeckend in Sachsen eingesetzt werden.
Das Projekt Express-Bp ist Teil der Initiative der sächsischen Staatsregierung zur Bürokratieentlastung und Staatsmodernisierung, zu der alle Ressorts Vorschläge eingebracht haben. Es knüpft dabei an den engen und regelmäßigen Austausch der sächsischen Steuerverwaltung mit Interessenvertretern der Steuerberatung, der Industrie- und Handelskammern sowie der Handwerkskammern im Freistaat Sachsen an.
Mit ihnen wurden in den Jahren 2023 und 2024 Strategiepapiere zur Vereinfachung des Steuervollzugs abgeschlossen, die die Kooperationsbereitschaft betonen und auf Bürokratieabbau sowie kurze risikoorientierte Außenprüfungen zielen. Die Belange von KMU (kleine und mittlere Unternehmen) stehen dabei im Vordergrund. Denn auch wenn Betriebsprüfungen ein wichtiges Instrument für Steuergerechtigkeit und Wettbewerbsneutralität sind, stellen sie auch eine zeitliche und finanzielle Belastung für Unternehmen dar, z. B. durch zusätzliche Kosten für steuerberatende Dienstleistungen. Die gemeinsame Entwicklung, Erprobung und Evaluierung neuer Ansätze, insbesondere für kürzere Prüfungen, werden in den Strategiepapieren ausdrücklich als Ziel genannt. Das Pilotprojekt der Express-Bp greift diese Zielsetzung auf.
Betriebsprüfung in Sachsen – Zahlen, Daten, Fakten
Von den 339.019 Betrieben in Sachsen wurden im Jahr 2025 insgesamt 5.090 geprüft.
Bei den in 2025 geprüften sächsischen Betrieben ergaben sich Steuernachforderungen in Höhe von insgesamt 140.405.571 Euro für das Jahr 2025.
Die Summe der Steuernachforderungen für die Jahre 2020 bis 2025 beläuft sich auf rund 1,14 Milliarden Euro für den Freistaat Sachsen.
Im Jahr 2025 waren 453 Betriebsprüfer für die sächsische Steuerverwaltung tätig – ansässig bei den Finanzämtern.
In Sachsen lag die durchschnittliche Prüfungsdauer verteilt auf die Größenklassen Kleinst-, Klein und Mittelbetriebe im Jahr 2025 bei 315 Tagen. Erläuterung: Die Dauer einer Betriebsprüfung hängt u. a. stark von der Betriebsgröße und Komplexität ab. Bei Kleinst- und kleineren Unternehmen können dies wenige Tage bis hin zu einigen Wochen sein, bei mittleren und Großunternehmen mehrere Monate bis über ein Jahr.