Neuss Landesgartenschau 2026 in Neuss; 60 Mio Euro Investition neue grüne Mitte

LaGa 2026: Neuss entdeckt seine grüne Mitte | Architektenkammer Nordrhein-Westfalen (AKNW)

LaGa 2026: Neuss entdeckt seine grüne Mitte

Mit der Landesgartenschau 2026 richtet Neuss den Blick weit über Blumenbeete und Gartenkunst hinaus. Auf dem Gelände der ehemaligen Pferderennbahn entsteht ein neuer Park, der die Stadt langfristig verändern soll: als grüne Mitte zwischen historischer Innenstadt und Rheinvorland, als Aufenthaltsraum für Bürgerinnen und Bürger und als Baustein einer klimaangepassten Stadtentwicklung.

Das 18 Hektar große Areal liegt an einem städtebaulich wichtigen Übergang. Westlich schließt die Innenstadt an, östlich erstreckt sich das Rheinvorland; dazwischen befindet sich das Hammfeld, ein Büroquartier aus den 1980er Jahren, das heute teilweise von Leer-stand geprägt ist. Mit dem „Stadtentwicklungskonzept Neues Hammfeld“ soll dieser Bereich künftig zu einem gemischten Wohn- und Arbeitsquartier weiterentwickelt werden. Damit nutzt die Stadt Neuss den Kerngedanken des Instruments Landesgartenschau, um dauer-hafte Stadtentwicklungsimpulse auch außerhalb des Kerngeländes zu setzen. Dem neuen Bürgerpark kommt damit eine verbindende Rolle zu. Zugleich wird das bislang wenig einla-dende östliche Entree der Stadt deutlich aufgewertet.

Seit der ersten nordrhein-westfälischen Landesgartenschau 1984 in Hamm haben die LA-GA-Formate immer wieder dauerhafte Freiräume angestoßen. In Neuss fließen rund 60 Millionen Euro in die Entwicklung des Geländes – eine Investition, die angesichts von Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität und grüner Infrastruktur zunehmend an Bedeutung gewinnt.

Ablesbare Historie und neue Parkqualität

Die Vergangenheit des Ortes bleibt im neuen Park ablesbar. Die frühere Sandbahn fasst das Gelände weiterhin ringförmig ein und soll sich zu einem wertvollen Trockenbiotop ent-wickeln. Die markante Haupttribüne am Westeingang wird unter anderem gastronomisch genutzt. Auch die ehemaligen Stallgebäude am östlichen Rand wurden erhalten und in-standgesetzt; während der Landesgartenschau dienen sie als Orte für Veranstaltungen, Ausstellungen, Begegnung und Gastronomie.

Neue Sport- und Spielflächen, artenreiche Wiesen, ein vergrößerter See mit Terrassenanlage sowie umfangreiche Pflanzungen prägen das Gelände. Rund 10.000 Quadratmeter Strauchflächen und etwa 2.200 neue Bäume wurden angelegt. Die Auswahl der Gehölze orientiert sich an der früheren Lage des Areals in der Rheinaue: Eichen, Ulmen, Eschen, Traubenkirschen, Wildbirnen, Weiden und Pappeln verweisen auf die Vegetation der Hartholzaue.

Die LAGA Neuss bietet auch Raum für Experimente. Neben der erweiterten Skaterbahn hat das Architekturbüro „simple architecture“ von Jan Glasmeier mit einer Gruppe junger Plane-rinnen und Planer einen Pavillon errichtet, der in mehreren Bauphasen überwiegend aus wiederverwendetem Baumaterial realisiert werden konnte. Zum Einsatz kam u.a. Holz, das beim Abriss alter Stallungen anfiel. Die Stiftung Deutscher Architekten nutzte die dritte Bauphase Anfang August, um einen Lehmbauworkshop mit Aspirantinnen des nächsten „Hands-on“-Projektes der SDA durchzuführen. Der Skater-Pavillon vermittelt den LAGA-Besuchenden auf anschauliche Art, wie nachhaltiges, kreislauforientiertes Planen und Bau-en funktioniert.

Kunst und Spiel im Park

Im östlichen Teil der Landesgartenschau Neuss zeigen Zier- und Nutzgärten unterschiedliche gärtnerische Themen. Ergänzt wird das Freiraumkonzept durch Kunstwerke, die eigens für die Landesgartenschau entstanden sind. Dazu zählt die Installation „Wir treffen uns im Wind“ von Hayato Mizutani: Eine offene, kreisrunde Pavillonstruktur mit hellblauen, beweg-lichen Stoffbahnen schafft einen geschützten und zugleich durchlässigen Raum – als Ort der Ruhe, der Wahrnehmung und der Begegnung.

Bis zum 11. Oktober 2026 begleitet ein vielfältiges Veranstaltungsprogramm die Schau. Auf drei Bühnen finden nahezu täglich Angebote unterschiedlicher Art statt. Das Interesse ist groß: Bis zum Mitte Juli wurden bereits rund 265.000 Besucherinnen und Besucher gezählt. Zugleich zeigt sich an heißen Sommertagen, wie wichtig Schatten, gewachsener Baumbestand und klimaangepasste Freiräume für die Nutzbarkeit neu angelegter Parks sind.

Auch außerhalb des eintrittspflichtigen Hauptgeländes setzt die Landesgartenschau Akzente. Ein neuer Weg führt vom Park durch das Hammfeld bis ins Rheinvorland und macht die geplanten städtebaulichen Verbindungen räumlich erfahrbar. Dort, im Rheinvorland, steht mit „ASA NISI LAGA“ des Düsseldorfer Künstlers Christian Odzuck eine weithin sichtbare, rund 30 Meter hohe Gerüstskulptur. Mit ihrer Verbindung aus industrieller Konstruktion und Bepflanzung verweist sie auf den Wandel von Neuss hin zu einer grüneren Stadt am Rhein.

Fachtagung am 4. September 2026

Einen Monat vor Abschluss der Präsentationsphase laden die LAGA Neuss GmbH, die Stadt Neuss und die Architektenkammer NRW zu einer gemeinsamen Fachtagung ein. Unter dem Titel „Die LAGA endet – was bleibt? Dauerhafte Stadtentwicklung durch Freiraum, Mobilität und neue Verknüpfungen am Bespiel des Landesgartenschau Neuss“ diskutieren Fachleute aus Landschaftsarchitektur, Stadtplanung und Politik die Impulskraft, die von LAGA-Formaten ausgehen kann, und ziehen ein erstes Resümee unter die LAGA Neuss 2026. Info und Anmeldung finden Sie hier .

Vergrößerte Wasserfläche: RP-Seeterrasse - Foto: Markus van Offern

„ASA NISI LAGA“ von Christian Odzuck: Großskulptur im Rheinvorland außerhalb des LAGA-Geländes - Foto: Anne Orthen

Ehemalige Stallungen: Verschiedene Gebäude wurden erhalten und dienen zum Teil als Gastronomie, zum Teil auch als Veranstaltungs- und Ruheorte – Foto: Frank Maier-Solgk

Ehemalige Stallungen werden auch für Ausstellungen genutzt - Foto: Thomas Mayer Archive

Installation „Wir treffen uns im Wind“ von Hayato Mizutani: Ort der Kontemplation und der Kommunikation - Foto: Thomas Mayer Archive

Action auf der Skater-Anlage - Foto: Markus van Offern

Raum für Experimente auf der LAGA: Lehmbauworkshop der Stiftung Deutscher Architekten am Skater-Pavillon, der vom Büro “simple architecture” mit jungen Planer:innen errichtet wurde - Foto: Melina Beierle