Ayko Kehl und Mitgründer gründen Sparklys in den USA; Spitalbesuch wegen Zitronensäure-Überdosierung
100 Rezepturen bis zur Dose – Ayko über die Gründung von Sparklys - FHGR Blog
100 Rezepturen bis zur Dose – Ayko über die Gründung von Sparklys
Zwei Freunde entdecken 2021 in den USA ein Getränk, das in der Schweiz damals kaum jemand kennt – und holen FHGR-Alumnus Ayko Kehl mit ins Boot. Was mit Experimenten am Sodastream in der eigenen Küche beginnt, entwickelt sich Schritt für Schritt zur Getränkemarke Sparklys. Im Interview erzählt er, weshalb ein Spitalbesuch zu den wichtigsten Learnings gehört, wie ihm sein Studium in User Experience (UX) Design beim Markenaufbau hilft und warum Gründende vor allem eines brauchen: den Mut, einfach anzufangen.
Interview von Kathrin Ott, Leiterin FHGR Alumni
Ayko, wie ist die Idee zu einer eigenen Getränkemarke entstanden?
Die Idee entstand durch meine beiden Mitgründer. Sie waren in den USA und haben dort Hard Seltzer kennengelernt – eine Getränkekategorie, die es damals in Europa praktisch nicht gab. Sie kontaktierten mich schon während ihrer Reise und fragten, was ich von der Idee halte. Nach ihrer Rückkehr probierten wir gemeinsam die ersten Produkte und entschieden relativ schnell: Das möchten wir versuchen. Im Nachhinein muss ich sagen, dass es uns am Anfang fast egal gewesen wäre, welches Produkt es wird. Wir hatten einfach Lust, gemeinsam etwas aufzubauen. Eine Getränkemarke klang cool.
Wie ging es dann weiter?
Sehr improvisiert. Wir experimentierten zuhause mit einem Sodastream und verschiedenen Zutaten, stellten Mischungen her und verteilten diese an Freunde und Bekannte, um Feedback zu bekommen. Die ersten Prototypen waren weit entfernt von einem perfekten Produkt – manche hatten zu viel Alkohol, andere fast keinen. Aber die Rückmeldungen zeigten uns: Die Idee eines leichten, erfrischenden Getränks mit Alkohol kommt gut an. 2020 kam unser erstes Sparklys Hard Seltzer auf den Markt. 2025 lancierten wir Sparklys Soda, ein ebenso erfrischendes Getränk aber ohne Alkohol.
Gab es einen bestimmten Grund, das Soda ins Sortiment aufzunehmen?
Für uns war Sparklys nie ein Hard Seltzer, sondern eine Getränkemarke. Was als Zweites dazukommt, war lange offen – dass etwas dazukommt war aber immer klar. Heute liegt unser Fokus fast schon stärker auf Sparklys Soda. Der Grundgedanke ist bei beiden Linien derselbe: In der Kategorie, in der wir gerade unterwegs sind, die bewusstere Alternative anbieten. Beim Hard Seltzer ist das die kalorienärmere Alternative zu Wein, Bier und Alkopops. Beim Soda eine Limonade mit wenig Zucker und wenig Kalorien, die trotzdem keine Kompromisse beim Geschmack macht. Dazu kommt ein ganz praktischer Grund: Alkohol ist realistisch von Donnerstagabend bis Samstag ein Thema. Ein Soda können wir unseren Kundinnen und Kunden von Montagmorgen bis Sonntagabend anbieten. Und ehrlich gesagt: Wir leben selbst gesünder als vor fünf Jahren. Umso mehr Spass macht es, Energie in ein Produkt zu stecken, das in genau diese Richtung geht.
Ihr habt über 100 Rezepturen getestet – inklusive kleiner «Nebenwirkungen»
(Ayko grinst) Bei einem internen Test griff das Team einmal deutlich zu grosszügig zur Zitronensäure. Das Ergebnis war so intensiv, dass ein Mitgründer mit starken Magenschmerzen ins Spital musste. Heute würde uns so etwas nicht mehr passieren. Aber damals war es Learning by Doing. Mit der Zeit arbeiteten wir mit professionellen Abfüllern und Expertinnen und Experten zusammen und entwickelten die Produkte immer weiter.
Du hast an der FH Graubünden UX -Design studiert. Wie hilft dir dieses Wissen bei eurer Getränkemarke?
Ich arbeite nebenbei noch als als UX-Designer bei einem anderen Startup. Auf den ersten Blick sind Getränke und Software zwei komplett unterschiedliche Themen. Aber ich muss bei beiden den Blickwinkel der Konsumierenden berücksichtigen. Also «Wie erlebt eine Person unser Produkt?» Bei Sparklys beginnt das beim Design der Dose, geht über die Sprache auf der Website bis zum ersten Schluck. Alle Berührungspunkte müssen zusammenpassen und eine Geschichte erzählen. Dieses Denken aus dem UX-Design hilft mir heute bei der Markenführung.
War es schwierig, sich in der Getränkebranche durchzusetzen? Gegen welche Wände seid ihr gelaufen?
Absolut. Wir waren am Anfang naiv und dachten, wir bringen ein Getränk auf den Markt und wenige Monate später steht es in den grossen Supermärkten. Die Realität sieht anders aus. Vor allem sind wir an die Kühlregale gelaufen. Die sind meistens schon voll mit grossen internationalen oder nationalen Marken. Man muss einem Supermarkt erst einmal erklären, warum er für ein unbekanntes Getränk ein Produkt aus dem Regal nehmen soll, das nachweislich funktioniert. Mit dem richtigen Trend kann das schnell gehen, in der Regel braucht es aber Zeit. Und vor allem Bekanntheit, die man sich zuerst ausserhalb des Regals erarbeiten muss. Genau das machen wir: Degustationen in Kantinen, Unternehmen und Hochschulen für Sparklys Soda, Auftritte an Festivals und Daydances für den Hard Seltzer. Dieser direkte Kontakt mit den Konsumierenden ist bis heute extrem wertvoll – nicht nur für den Verkauf, sondern auch, um ehrliches Feedback zu erhalten.
Wo steht die Firma heute?
Sparklys Hard Seltzer hat sich an Festivals und Daydances etabliert – für viele Besucherinnen und Besucher gehört er inzwischen zu einem guten Sommerevent dazu. Die grössere Erfolgsgeschichte ist aber jetzt schon die Lancierung von Sparklys Soda. Damit kommen wir in Absatzmärkte, die uns mit dem Hard Seltzer immer verwehrt blieben. Und die Idee einer ehrlichen und gesunden Limonade kommt bislang besser an, als wir es beim Marktstart je geglaubt hätten. Inzwischen sind wir ein Team von acht Leuten, teils Vollzeit, teils Teilzeit. 2026 ist bereits jetzt unser erfolgreichstes Jahr – und es sind noch ein paar Monate offen.
Welchen Rat würdest du Studierenden geben, die selbst einmal gründen möchten?
Lass dich nicht davon abschrecken, dass du am Anfang nicht alles weisst. Wir hatten keine Ausbildung in Lebensmitteltechnologie, keine Erfahrung in der Getränkebranche und mussten uns vieles selbst erarbeiten. Wenn du bereit bist, anzufangen, Fragen zu stellen und über Jahre dranzubleiben, lernst du unglaublich viel. Nach einigen Jahren merkst du plötzlich: Ich bin gar kein Anfänger mehr. Deshalb: Einfach loslegen, ausprobieren und einen langen Atem haben.
Und zum Schluss: Was war schwieriger – Masterarbeit oder Produkteinführung? Definitiv Masterarbeit. Wohl weil ich bei der Produkteinführung mehr Spass hatte als bei der Masterarbeit.
Ayko Neil Kehl ist Mitgründer der Schweizer Getränkemarke Sparklys und arbeitet daneben als UX-Designer. Bei Sparklys verantwortet er alles, was mit Branding und Produkterlebnis zu tun hat.“
Kathrin Ott leitet die FHGR Alumni-Organisation . Unterstützt wurde die Autorin von einer KI