Fraktion Hauptsache Halle & FDP fragen Tiefengeothermie im Wärmeplan der Stadt Halle; Investitionsvolumen bis 500 Mio Euro

Beschlussvorlage

Anfrage

Beratungsfolge Termin Status Stadtrat 26.08.2026 öffentlich Kenntnisnahme

Betreff: Anfrage der Fraktion Hauptsache Halle & FDP zu Chancen und Risiken der Tiefengeothermie im Rahmen der Kommunalen Wärmeplanung

In seiner Sitzung am 29. April 2026 hat der Stadtrat den Kommunalen Wärmeplan der Stadt Halle als strategische Grundlage für eine treibhausgasneutrale, zukunftsfähige und effiziente Wärmeversorgung beschlossen. Der Wärmeplan soll unter anderem die Entwicklung der Wärmeinfrastruktur steuern und Wärmeversorgungsgebiete ausweisen. Ein Baustein ist dabei die Nutzung der Tiefengeothermie. Diese wird als grundlastfähige, wetterunabhängige und langfristig klimaneutrale Wärmequelle mit einem Dekarbonisierungspotenzial von rund 40 Prozent der Fernwärme beschrieben. Gleichzeitig handelt es sich um eines der technisch anspruchsvollsten und finanziell größten Einzelvorhaben des Wärmeplans. Vorgesehen sind Bohrungen bis in Tiefen von 6.500 Metern sowie Investitionen von bis zu 500 Millionen Euro. Der Erfolg des Projektes hängt nach den Aussagen der federführenden EVH von geologischen Voraussetzungen, Genehmigungen, einer gesicherten Finanzierung, Fördermitteln sowie der Zusammenarbeit mit externen Projektpartnern ab. In diesem Kontext erscheint es sinnvoll, die mit der Tiefengeothermie verbundenen Chancen und Risiken sowie den aktuellen Stand der Projektentwicklung transparent darzustellen.

Wir fragen die Stadtverwaltung:

  1. Welche konkreten geologischen Erkenntnisse liegen derzeit für die im Wärmeplan genannten potenziellen Standorte im halleschen Süden bzw. Westen bereits vor und wie werden die Erfolgsaussichten einer wirtschaftlichen Tiefengeothermie-Nutzung bewertet?

  2. Wurden bereits Vorerkundungen, Machbarkeitsstudien oder seismische Untersuchungen durchgeführt oder beauftragt? Wenn ja, mit welchen Ergebnissen?

  3. Wie hoch wird das Risiko eingeschätzt, dass Bohrungen nicht die erwarteten Temperaturen oder Fördermengen erreichen und welche finanziellen Folgen hätte ein solcher Fall für die Stadt bzw. die EVH GmbH? TOP: Vorlagen-Nummer: VIII/2026/02954 Datum: 04.08.2026 Bezug-Nummer. PSP-Element/ Sachkonto: Verfasser: Wels, Andreas Plandatum:

  4. Welche konkreten externen Projektpartner kommen derzeit für Entwicklung, Finanzierung und Umsetzung in Betracht und wie ist der aktuelle Stand entsprechender Gespräche?

  5. Wie soll die Finanzierung des Gesamtprojektes mit einem Investitionsvolumen von bis zu 500 Millionen Euro erfolgen? Wie hoch ist der Eigenanteil der EVH GmbH? Welche Förderprogramme stehen zur Verfügung? Welche Finanzierungsrisiken bestehen bei ausbleibenden oder reduzierten Fördermitteln?

  6. Welche Auswirkungen hätte eine erhebliche Kostensteigerung oder ein Scheitern des Tiefengeothermie-Projektes auf die Umsetzung des Kommunalen Wärmeplans insgesamt?

  7. Welche Auswirkungen erwartet die Verwaltung langfristig auf die Fernwärmepreise, sofern die Tiefengeothermie wie geplant umgesetzt wird?

  8. Welche Risiken hinsichtlich induzierter Seismizität, Bergschäden oder Beeinträchtigungen des Grundwassers sieht die Verwaltung und welche Maßnahmen sind vorgesehen, um diese Risiken zu minimieren?

  9. Wie soll die Bevölkerung insbesondere in den potenziell betroffenen Stadtteilen in den weiteren Planungs- und Genehmigungsprozess eingebunden werden?

  10. Welche Meilensteine sind bis zur geplanten Inbetriebnahme der ersten Ausbaustufen vorgesehen und welche Voraussetzungen müssen jeweils erfüllt sein?

  11. Da der Wärmeplan ausdrücklich Abhängigkeiten von den Großprojekten Ersatzbrennstoffanlage (EBS) und industrieller Abwärme benennt: Welche Auswirkungen hätten Verzögerungen oder Veränderungen dieser Projekte auf Zeitplan, Wirtschaftlichkeit und Dimensionierung der Tiefengeothermie?

gez. Andreas Wels Vorsitzender Fraktion Hauptsache Halle & FDP