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title: "Meta Smartglasses in Deutschland; LED-Signal oft nicht erkennbar"
sdDatePublished: "2026-08-11T09:04:00Z"
source: "https://datenschutz-hamburg.de/news/endet-die-privatsphaere-im-oeffentlichen-raum-warum-die-debatte-um-smartglasses-so-wichtig-ist"
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Meta Smartglasses in Deutschland; LED-Signal oft nicht erkennbar

Endet die Privatsphäre im öffentlichen Raum? (Gastbeitrag von Thomas Fuchs im Tagesspiegel Background) | HmbBfDI

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Endet die Privatsphäre im öffentlichen Raum? (Gastbeitrag von Thomas Fuchs im Tagesspiegel Background)

Der Beitrag ist ursprünglich als Gastbeitrag am 11.08.2026 im Tagesspiegel Background erschienen.

Warum die Debatte um Smartglasses so wichtig ist

Die Nutzung von intelligenten Kamerabrillen, die unauffällig Videoaufnahmen von Personen ermöglichen, nimmt zu. Und wirft Fragen auf, die über den Datenschutz weit hinausgehen. Denn es geht auch darum, wieviel Privatheit wir als Gesellschaft im öffentlichen Raum bewahren wollen und können.

Smartglasses gewinnen weltweit an Relevanz, aktuell vor allem durch die Produkte des Technologiekonzerns Meta. In Deutschland sind sie noch ein Nischenprodukt, in den USA dagegen schon deutlich verbreiteter – und durch Kooperation von Meta mit Ray Ban oder Kylie Jenner werden sie inzwischen auch als Life Style Produkte vermarktet. Das ist nachvollziehbar: Es sind gut gemachte Brillen, in vielen Farben und Formen und auch mit Sehstärken erhältlich. Zugleich vereinen sie Telefon, Kopfhörer, Kamera, Internetzugang, KI-Chatbot: Vieles, was sonst ein Smartphone leistet, geht freihändig und per Sprachsteuerung.

Zur Wahrheit gehört aber auch: Nutzende können andere Personen fotografieren oder filmen, Videos mit Ton aufnehmen und die Aufnahmen unmittelbar oder live im Internet streamen, mit Meta AI verknüpfen und mit der KI zu den Inhalten interagieren. Dass dies für Betroffene kein theoretisches Problem ist, erfahren wir in der Praxis aus den Fällen, die an uns herantragen werden.

Datenschutzrechtlich ist zunächst klar, dass Nutzende für die Aufnahme von erkennbaren Personen, die nicht zu ihrem Familien- oder engen Freundeskreis gehören, eine Rechtsgrundlage benötigen. Bis auf Konstellationen, in denen ein überwiegendes berechtigtes Interesse an den Aufnahmen anzunehmen ist, etwa in Notwehrlagen oder bei Nutzung durch Sehbehinderte, bedarf es für diese Datenverarbeitung einer Einwilligung der Aufgenommenen.

Damit betroffene Personen einwilligen können, müssen sie zunächst überhaupt erkennen, dass sie aufgenommen werden. Die einzige Funktion, die auf eine laufende Aufnahme hinweist, ist ein kleines weiß leuchtendes LED-Signal an der Brille. Dessen Wahrnehmbarkeit ist aber nur für ein enges Sichtfeld, für kurze Distanzen und für geeignete Lichtverhältnisse konzipiert. Es kann daher in vielen Fällen nicht sicherstellen, dass Aufnahmen überhaupt bemerkt werden und nicht heimlich erfolgen. Dies ist das Ergebnis unserer eigenen technischen Prüfung. Und selbst wenn Betroffene erkennen, dass sie aufgenommen werden, ist damit noch nichts darüber gesagt, ob sie der Aufnahme auch zustimmen. Allein daraus, dass sie eine erkennbare Aufnahme dulden, lässt sich keine Einwilligung ableiten.

Im Ergebnis wird die Aufnahme von Personen daher selten rechtmäßig erfolgen. Findet sie gleichwohl gegen ihren Willen statt, muss die Betroffene dies nicht dulden. Sie kann Löschung der Aufnahmen verlangen und sich ggf. Hilfe bei der Polizei holen. Liegt kein Straftatbestand vor, führen die Datenschutzaufsichtsbehörden Bußgeldverfahren durch. Ist das Video auf einer Plattform hochgeladen, kann von dieser Löschung verlangt werden.

Nun wissen wir aber – z.B. aus der Strafverfolgung im Bereich digitaler sexualisierter Gewalt - wie schwierig es im digitalen Kontext ist, die in Einzelfällen individuell Verantwortlichen zu finden und dann auch zu sanktionieren. Das wirft die Frage auf, welche Rolle der Gerätehersteller hier spielt.

Dem Hersteller Meta ist das Datenschutzthema offensichtlich ziemlich egal. Aus seiner Sicht ist das „Problem“ mit dem LED-Signal gelöst. Das Datenschutzrecht kennt bekanntermaßen keine Herstellerhaftung, die Verantwortlichkeit liegt bei denen, die die Brillen nutzen.

Was uns zum Telekommunikationsrecht bringt. Nach § 8 TDDDG ist die Herstellung und das in den Markt bringen von Geräten verboten, die dazu geeignet und bestimmt sind, unbemerkt Aufnahmen zu machen, weil sie sich als Gegenstand des täglichen Gebrauchs tarnen. Maßgeblich ist dabei, ob für die Betroffenen eindeutig erkennbar ist, dass Aufnahmen stattfinden. Zuständig ist die Bundesnetzagentur in Bonn. Sollte sich diese unserer Auffassung anschließen, dass die LED-Anzeige nicht ausreichend erkennbar ist, kommt ein Verbot jedenfalls in Betracht; wohlgemerkt nicht generell der Technologie KI-Brille, denn es geht um die Ausgestaltung konkreter, auf dem Markt befindlicher Produkte. Fraglos könnten „by design“ diese mit besseren Schutzmechanismen ausgestattet sein, etwa eines zusätzlichen akustischen Signals bei Aufnahmebeginn.

Über die rechtlichen Aspekte hinaus stellt sich aber grundsätzlich die Frage, wieviel Privatheit im öffentlichen Raum wir uns noch erhalten wollen. Videoüberwachung gehört vielerorts längst zum Alltag, an Hauseingängen, in Supermärkten oder auf Parkplätzen; hinzu kommt die polizeiliche Videoüberwachung an sog. Kriminalitätsschwerpunkten. Nähmen wir nun das Filmen durch andere Menschen als neue Normalität achselzuckend hin, würde sich die Situation noch einmal bedeutend verschärfen, schon durch bloße Quantität. Erst recht, wenn Kamerabrillen künftig dauerhaft Bilder erfassen, diese mit KI-Systemen verknüpfen und perspektivisch auch Personen identifizieren können.

Die aktuell im Bund vorbereiteten neuen Sicherheitsgesetze zeigen zudem, dass solche Aufnahmen, so sie ins Netz gestellt werden, dann auch Gegenstand polizeilicher Fahndung werden können. Eine zunehmende Akzeptanz von Kamerabrillen würde es zudem politisch leichter macht, auch Sicherheitsorganen die Nutzung solcher Geräte zu ermöglichen. Dass ICE in den USA mit solchen Brillen agiert, ist daher nicht überraschend. Und die Verbindung mit biometrischer Gesichtserkennung technologisch ein kleiner Schritt.

Möchten wir also in einer Gesellschaft leben, in der wir beim Verlassen der eigenen Wohnung davon ausgehen müssen, gefilmt und absehbar auch identifiziert zu werden. Endet die Privatsphäre im öffentlichen Raum?

2010 scheiterte Google in Deutschland bei der Einführung von Google StreetView an einem großen öffentlichen Widerstand. Der frühere Hamburgische Datenschutzbeauftragte, mein Vorgänger Johannes Caspar, bezeichnete rückblickend die Auseinandersetzung als „den ersten und gleichzeitig letzten Kampf der analogen Welt mit der machtvoll heraufziehenden digitalen Moderne.“ Im machtvoll heraufziehenden KI-Zeitalter stellt sich die Frage, was wir an Privatsphäre aufgeben wollen, erneut und noch elementarer als damals. Es ist kein Zufall, dass Post-Privacy Debatten wieder beginnen. Aber noch können wir entscheiden, welche Grenzen wir setzen wollen.

The following English translation was prepared by the Hamburg Commissioner for Data Protection and Freedom of Information.

Does privacy end in public spaces? Why the debate about smart glasses is so important

The use of smart camera glasses that make it possible to discreetly record videos of people is increasing. And it raises questions that go far beyond data protection. Because it is also about how much privacy we as a society want and are able to preserve in public spaces.

Smart glasses are gaining relevance worldwide, currently above all through the products of the technology company Meta. In Germany, they are still a niche product, whereas in the USA they are already considerably more widespread – and through Meta’s cooperation with Ray-Ban or Kylie Jenner, they are now also being marketed as lifestyle products. This is understandable: They are well-made glasses, available in many colours and shapes and also with prescription lenses. At the same time, they combine telephone, headphones, camera, internet access and AI chatbot: Much of what a smartphone otherwise does can be done hands-free and by voice control.

But the truth is also this: Users can photograph or film other people, record videos with sound and immediately or live-stream the recordings on the internet, link them with Meta AI and interact with the AI about the content. That this is not merely a theoretical problem for those affected is something we see in practice from the cases that are brought to us.

From a data protection law perspective, it is initially clear that users need a legal basis for recording identifiable persons who do not belong to their family or close circle of friends. Apart from situations in which an overriding legitimate interest in the recordings can be assumed, for example in situations of self-defence or when used by visually impaired persons, this data processing requires the consent of those being recorded.

For affected persons to be able to consent, they must first of all be able to recognise that they are being recorded. The only feature indicating that a recording is in progress is a small white LED light on the glasses. Its visibility, however, is designed only for a narrow field of vision, short distances and suitable lighting conditions. In many cases, it therefore cannot ensure that recordings are noticed at all and are not made secretly. This is the result of our own technical examination. And even if affected persons recognise that they are being recorded, this says nothing about whether they also consent to the recording. Consent cannot be inferred merely from the fact that they tolerate a recognisable recording.

As a result, the recording of persons will therefore rarely be lawful. If it nevertheless takes place against their will, the affected person does not have to tolerate it. They can demand deletion of the recordings and, where appropriate, seek assistance from the police. If no criminal offence has been committed, the data protection supervisory authorities conduct administrative fine proceedings. If the video has been uploaded to a platform, deletion can be demanded from the platform.

We know, however – for example from law enforcement in the field of digital sexualised violence – how difficult it is in the digital context to identify the individuals responsible in individual cases and then also to sanction them. This raises the question of what role the device manufacturer plays here.

The manufacturer Meta is obviously rather indifferent to the issue of data protection. From its perspective, the “problem” has been solved with the LED signal. As is well known, data protection law does not provide for manufacturer liability; responsibility lies with those who use the glasses.

Which brings us to telecommunications law. Under Section 8 TDDDG, the manufacture and placing on the market of devices that are suitable and intended for making recordings unnoticed because they disguise themselves as objects of everyday use is prohibited. The decisive factor is whether it is clearly recognisable to those affected that recordings are taking place. The competent authority is the Federal Network Agency in Bonn. Should it share our view that the LED indicator is not sufficiently recognisable, a ban would at least be a possibility; notably, not a general ban on AI-glasses technology, because the issue concerns the design of specific products available on the market. There is no question that, “by design”, these could be equipped with better protective mechanisms, for example an additional acoustic signal when recording begins.

What This Is Really About

Beyond the legal aspects, however, the fundamental question arises as to how much privacy we still want to preserve for ourselves in public spaces. Video surveillance has long been part of everyday life in many places, at building entrances, in supermarkets or in car parks; in addition, there is police video surveillance at so-called crime hotspots. If we were now simply to shrug our shoulders and accept being filmed by other peop