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title: "Deutsche Flag-Football-Nationalmannschaften kämpfen in Düsseldorf um Olympia-Qualifikation 2028; erste Olympia-Ticketchance"
sdDatePublished: "2026-08-11T11:20:00Z"
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Deutsche Flag-Football-Nationalmannschaften kämpfen in Düsseldorf um Olympia-Qualifikation 2028; erste Olympia-Ticketchance

Der Welt zeigen, dass mit dem deutschen Flag Football zu rechnen ist

Der Welt zeigen, dass mit dem deutschen Flag Football zu rechnen ist

In dieser Woche geht es bei der Heim-WM im Flag Football in Düsseldorf auch um die Qualifikation für Olympia 2028. Die Bundestrainer Jona Winkel und Said Salazar, Defensive Back Zoe Song und Quarterback Benjamin Klever sprechen über Herausforderungen, Erwartungen und Hoffnungen.

Etwas Größeres als das, was in dieser Woche auf sie wartet, haben sie in ihren sportlichen Karrieren noch nie erlebt. Entsprechend intensiv ist die Vorfreude, die die Mitglieder der deutschen Nationalmannschaften im Flag Football ausstrahlen, wenn das Gespräch auf das Mega-Event kommt, zu dem vom 13. bis 16. August die jeweils 16 besten Frauen- und Männerteams der Welt im Düsseldorfer Stadtteil Garath gegeneinander antreten. Die Weltmeisterschaften in der kontaktarmen, weil tackle-freien Variante des American Football sind nicht nur die ersten Welttitelkämpfe ihrer Art in Deutschland. Sie bieten auch die erste Chance, sich ein Ticket für die Olympiapremiere des weltweit wachsenden Sports im Sommer 2028 in Los Angeles zu sichern. Kein Wunder also, dass die Protagonist*innen den Kick-off nicht erwarten können.

„Wir sind alle sehr hungrig, deshalb wird es höchste Zeit, dass es endlich losgeht“, fasst Jona Winkel die Stimmungslage im deutschen Lager zusammen. Der 35-Jährige ist seit 2023, als die Aufnahme von Flag Football ins Programm für Los Angeles Fakt wurde und der Sport dadurch in die Olympiaförderung rutschte, als Chefbundestrainer der Mann für das große Ganze, aber auch weiterhin Headcoach der deutschen Frauen. Bei den Männern hat diese Rolle seit Anfang vergangenen Jahres der Mexikaner Said Salazar Deciga inne. Auch er sagt: „Es ist deutlich zu spüren, dass die Mannschaft bereit ist, das große Ziel in den Fokus zu nehmen. Wir freuen uns riesig darauf, der Welt zeigen zu können, dass mit dem deutschen Flag Football zu rechnen ist.“

Sechs Teams pro Geschlecht starten in Los Angeles 2028

Die Ausgangslage für die „Road to L.A.“ ist klar. Nur je sechs Teams pro Geschlecht dürfen um die historischen ersten Flag-Football-Olympiamedaillen kämpfen. Die US-Mannschaften sind als Gastgeber automatisch qualifiziert, hätten aber auch sportlich damit wenig Probleme gehabt. Bei den Männern sind die Amerikaner die klar dominierende Nation, dahinter folgen Mexiko und Kanada. Bei den Frauen ist Mexiko amtierender World-Games-Champion und Kontinentalmeister, Weltmeister USA, Kanada und auch Australien agieren jedoch auf Augenhöhe. In Düsseldorf stehen – sollten die US-Teams unter den Top drei landen – noch zwei weitere Tickets pro Geschlecht zur Disposition. Wer leer ausgeht, muss sich im kommenden Jahr bei den fünf Kontinentalmeisterschaften unter die besten zwei noch nicht qualifizierten Teams vorkämpfen, um sich die Teilnahme an der finalen Qualifikationsstufe zu sichern. Im Mai 2028 spielen die daraus hervorgehenden zehn Teams pro Geschlecht in Montreal (Kanada) je zwei weitere Olympiatickets aus. Die jeweils acht Nationen, die dann noch ohne Fahrschein sind, fliegen nach Orlando weiter, wo Anfang Juni der letzte L.-A.-Platz vergeben wird.

Wir arbeiten seit Jahren darauf hin, uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Wann wir dieses Ziel erreichen, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass wir es erreichen. Jona Winkel Chefbundestrainer Flag Football Team Deutschland

Wir arbeiten seit Jahren darauf hin, uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Wann wir dieses Ziel erreichen, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass wir es erreichen.

Klingt kompliziert? Ist es auch! Deshalb würden die deutschen Teams am liebsten schon bei ihrem Heimturnier den Deckel draufmachen. „Es ist auf jeden Fall möglich, es mit beiden Teams zu schaffen, aber wir müssen ehrlich sagen, dass wir bei dieser WM nicht zu den Favoriten auf die Medaillenränge gehören“, sagt Jona Winkel. Der 2022 bei seiner Amtsübernahme im Frauenteam erarbeitete Fünfjahresplan war nicht von ungefähr bis 2027 datiert. „Wenn wir es ein Jahr früher schaffen würden, wären wir sehr glücklich. Aber wir arbeiten seit Jahren darauf hin, uns für die Olympischen Spiele zu qualifizieren. Wann wir dieses Ziel erreichen, ist nicht entscheidend. Entscheidend ist, dass wir es erreichen.“

Inwieweit der Heimvorteil tatsächlich ein solcher sein wird, vermögen weder Trainer noch Spieler*innen im Vorhinein einzuschätzen. „Ich glaube total daran, dass uns die Fans pushen werden. Es kommen so viele extra nach Düsseldorf gereist, und für uns alle ist es etwas ganz Besonderes, unserer Familie und unseren Freunden live zeigen zu können, wofür wir unsere gesamte Freizeit aufgewendet haben“, sagt Zoe Song. Die 26-Jährige spielt als Defensive Back in der deutschen Abwehr und für die Munich Spatzen in der höchsten deutschen Spielklasse. Benjamin Klever von den Walldorf Wanderers leitet als Quarterback die Spielzüge der deutschen Männer an. Er sagt: „Natürlich ist die Erwartungshaltung bei einem Heimturnier noch ein Stück größer als normal. Aber unabhängig davon ist der sportliche Druck für alle Teams so hoch, wie er noch nie war, weil es zum ersten Mal um Olympia geht. Deshalb glaube ich auch, dass es uns eher helfen wird, dass wir zu Hause spielen.“

Ich versuche den Spielern zu sagen, dass sie es als Privileg betrachten sollten, ihr Land bei einem solchen Event zu repräsentieren. Ich sehe das nicht als Druck an, sondern als wahrscheinlich einmalige Gelegenheit. Said Salazar Headcoach Flag Football Männer Team Deutschland

Ich versuche den Spielern zu sagen, dass sie es als Privileg betrachten sollten, ihr Land bei einem solchen Event zu repräsentieren. Ich sehe das nicht als Druck an, sondern als wahrscheinlich einmalige Gelegenheit.

Said Salazar hat in der Vorbereitung versucht, seine Spieler mental auf die Aufgabe vorzubereiten. „Ich versuche ihnen zu sagen, dass sie es als Privileg betrachten sollten, ihr Land bei einem solchen Event zu repräsentieren. Ich sehe das nicht als Druck an, sondern als wahrscheinlich einmalige Gelegenheit. Deshalb werden wir uns nur auf das fokussieren, was wir kontrollieren können, und die Unterstützung der Fans als Bonus betrachten, der uns helfen kann“, sagt er. Jona Winkel ist überzeugt davon, dass konkrete Drucksituationen vor einem solchen Turnier nicht erprobt werden können. „Wir dürfen deshalb die äußeren Einflüsse nicht zu sehr an uns heranlassen, sollten aber das Potenzial nutzen, das sie bieten, und die Fans mitnehmen.“

Wie realistisch ist es nun aber wirklich, schon bei der WM eins der Olympiatickets zu lösen? Als Minimalziel haben sich beide Teams das Erreichen der Runde der letzten acht gesteckt. Die Frauen müssen sich dabei in der Vorrunde gegen Topfavorit Mexiko, Italien und Slowenien behaupten. „Ich glaube, dass wir jede Mannschaft schlagen können. Aber gegen ein Team wie Mexiko muss wirklich alles zusammenpassen, damit das gelingt“, sagt Jona Winkel. Italien und Slowenien dagegen konnten die Frauen bei der EM 2025, als sie Fünfte wurden, jeweils klar besiegen. „Das erwarte ich auch diesmal so, auch wenn alle Mannschaften sicherlich in ihrer Entwicklung deutlich weiter sind“, sagt der Coach. Im Viertelfinale droht dann entweder ein Duell mit den USA oder mit Spanien, gegen das es im ersten K.-o.-Spiel der EM 2025 eine knappe Niederlage gegeben hatte. „Das wird sehr hart, aber ich bin zuversichtlich, dass wir auch gegen die beiden eine gute Chance hätten. Wir freuen uns sehr auf das Topniveau, auf dem wir uns messen dürfen“, sagt Zoe Song.

Der auf dem Papier etwas leichtere Weg steht den deutschen Männern bevor, die im Viertelfinale zwar voraussichtlich auf Frankreich oder Italien und damit einen Topkonkurrenten aus Europa treffen würden, aber immerhin den USA aus dem Weg gehen könnten. Allerdings muss der EM-Neunte von 2025 sich in seiner Gruppe gegen den überraschenden WM-Dritten Schweiz und den WM-Vierten Mexiko durchsetzen. Said Salazar ist besonders auf das Duell mit seinem Heimatland gespannt. „Ich hätte mir noch vor ein paar Jahren als Spieler niemals vorstellen können, ein WM-Spiel gegen Mexiko zu bestreiten. Es wird sehr emotional für mich, da ich alle Spieler und Trainer gut kenne. Aber mein Fokus liegt zu 100 Prozent auf meinem Team“, sagt er.

Wenn wir unser Viertelfinale gewinnen, hätten wir zwei Schüsse für das Ticket nach Los Angeles. Das ist eine riesige Chance, der Weg im kommenden Jahr ist schwieriger, weil die Leistungsdichte in Europa extrem hoch ist. Benjamin Klever Nationalspieler Flag Football Team Deutschland und Walldorf Wanderers

Wenn wir unser Viertelfinale gewinnen, hätten wir zwei Schüsse für das Ticket nach Los Angeles. Das ist eine riesige Chance, der Weg im kommenden Jahr ist schwieriger, weil die Leistungsdichte in Europa extrem hoch ist.

Benny Klever glaubt, dass das Aufeinandertreffen mit der Schweiz das Finale um Rang zwei in der Gruppe werden dürfte. „Mexiko ist brutal gut, Brasilien als viertes Team in der Gruppe müssen wir schlagen, die sind als Fünfter in der Amerika-Zone ins WM-Feld gerutscht. Die Schweiz ist absolut auf Augenhöhe, aber machbar. Und wenn wir dann unser Viertelfinale gewinnen, hätten wir zwei Schüsse für das Ticket nach Los Angeles. Das ist eine riesige Chance, der Weg im kommenden Jahr ist schwieriger, weil die Leistungsdichte in Europa extrem hoch ist“, sagt er.

Um sich optimal auf die Heim-WM vorzubereiten, steigerten die deutschen Teams in den vergangenen Monaten in erster Linie ihr Wettkampfprogramm. „Das war der größte Entwicklungsschritt. Im vergangenen Jahr hatten wir vor der EM drei Testspiele, in diesem Jahr waren es 24“, sagt Benny Klever. Ende Februar waren Frauen und Männer gemeinsam in Mexiko, um dort vorrangig gegen starke Vereinsteams zu testen. Mitte Mai ging es erneut mit beiden Teams nach Panama, wo Testserien gegen Nationalteams anstanden. Im Juni gab es dann noch einmal getrennte Lehrgänge in Österreich (Frauen) und der Schweiz. Die größte Herausforderung dabei war nicht die sportliche Belastung, sondern die zeitliche. Die meisten Nationalspieler*innen arbeiten oder studieren, nur fünf Spieler aus dem Männerkader erhalten seit ein paar Wochen finanzielle Unterstützung durch die Sporthilfe.

Viel Freizeit hatte ich im vergangenen Jahr nicht, aber das nehme ich sehr gern in Kauf, denn eine Once-in-a-Lifetime-Gelegenheit wie Olympische Spiele in so greifbarer Nähe zu haben, ist wirklich unglaublich. Zoe Song Nationalspielerin Flag Football Team Deutschland und Munich Spatzen

Viel Freizeit hatte ich im vergangenen Jahr nicht, aber das nehme ich sehr gern in Kauf, denn eine Once-in-a-Lifetime-Gelegenheit wie Olympische Spiele in so greifbarer Nähe zu haben, ist wirklich unglaublich.

Klever, der Investmentfonds-Kaufmann ist und in Vollzeit als Operations Manager für eine US-Bank arbeitet, wurde zudem Ende Mai zum dritten Mal Vater. Bis Ende Juli war er in Elternzeit, für die WM muss er sich Urlaub nehmen. „Das alles unter einen Hut zu bekommen, ist manchmal nicht leicht. Trotzdem haben wir mit dem gesamten Team die Trainingsumfänge noch einmal gesteigert. Wir sind mittlerweile dank der Unterstützung des Bundeskanzleramts und des DOSB so professionell aufgestellt wie noch nie zuvor“, sagt der 36-Jährige, dessen Ehefrau Louise früher als Kapitänin des britischen Teams selbst Flag Football spielte und deshalb viel Verständnis für seine Leidenschaft aufbringt. Zoe Song, die in München Sportwissenschaft studiert, kann ebenfalls auf viel Unterstützung ihres Arbeitgebers bauen. Sie ist in einer Sportmarketing-Agentur für das Flag-Football-Programm der US-Profiliga NFL zuständig. „Viel Freizeit hatte ich im vergangenen Jahr nicht, aber das nehme ich sehr gern in Kauf, denn eine Once-in-a-Lifetime-Gelegenheit wie Olympische Spiele in so greifbarer Nähe zu haben, ist wirklich unglaublich“, sagt sie.

Said Salazar wertet diese Aussage sinnbildlich als die größte Ver