Katharina Lehmann Osterkerze 2026 in der Kirche St. Paul; Auferstehung als Heilung des Verwundeten
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WENN EINE OSTERKERZE MIT EINEM GANG BEGINNT OSTERKERZE 2026 FÜR DIE KIRCHE ST. PAUL VON KATHARINA LEHMANN Diese Osterkerze 2026 erscheint nicht als statisches Objekt, sondern als Resultat einer Handlung. Ihr Körper besteht aus einem roten, matten Wachs- Kern, der von einer weißen, durchscheinenden Wachshaut umhüllt wird. Die ses äußere Gewebe geht aus einem „Infinite Walk“ hervor – jener körper- lichen Handlung, die die Künstlerin Katharina Lehmann im Januar 2026 im leeren Kirchenraum vollzog. Ein kilometerlanger Faden in Verbindung mit Farbe folgte Schritt, Atem und Verweilen und zeichnete ein organisches Netzwerk-Gewebe aus Verdichtungen, Berührungen und Kreuzungen auf die Bodenfläche des Kirchenraums. Der Akt: präzise, körperlich, zeitgebun den und Grundlage für alle Bilder, Objekte und Installationen der Künstlerin.
Nach intensiver Materialforschung wurde das entstandene Fadengewebe in einem komplexen Prozess mittels eines selbst konstruierten Werkzeugs sowie eines speziell entwickelten Verfahrens in Wachs übersetzt. Es bildet die schützende Hülle für den roten Kern der Osterkerze – und bleibt zugleich durchlässig. Der rote Kern wurde speziell für das Werk von Katharina Leh mann von den Steinhöringer Werkstätten der Katholischen Jugendfürsorge der Erzdiözese München und Freising e.V. in der Ebersberger Kerzenmanu faktur gegossen.
An mehreren Stellen öffnet sich die Wachshaut der Kerze und gibt den Blick auf das rote Innere frei. Die „Wunden“ sind nicht nur Zeichen der Zerstörung, sondern der Verwandlung und können als Assoziationen an die fünf Wunden Christi aufgefasst werden. Sie verweisen auf die Katastro phen und die Brutalität in der Welt sowie auf die Verletzlichkeit des Men schen und der Natur. Das Innere der Kerze, die Mitte, symbolisiert das Herz: Ursprung, Wärme und Leben. Das Licht, das an Ostern entzündet wird, durchdringt das Gewebe und macht die innere Glut sichtbar. Verletzlichkeit wird nicht verborgen, sondern zum Ort der Durchlässigkeit. In dieser Offen heit liegt der Ruf zur Rückbesinnung auf Humanität sowie die Hoffnung auf Auferstehung und neues Leben. Auferstehung erscheint hier als Heilung des Verwundeten durch dessen Verwandlung in Licht. So verbindet die Osterkerze Raum, Handlung und Gemeinschaft.
Der Kirchenraum ist nicht nur der Aufstellungsort, sondern Ursprung der Form. Das Licht wird zum sichtbaren Zeichen eines lebendigen Zusammen hangs – zwischen Innen und Außen, Körper und Raum, Mensch und Glau ben. Die Osterkerze wird so zum skulpturalen Zeitprotokoll: entstanden aus Bewegung, offen für Veränderung, im Abbrennen sich weiter wandelnd.
NETZWERK GEWEBE KATHARINA LEHMANN ROTER KERN PROZESS OSTERKERZE STRUKTU AUFERSTEHUNG © KATHARINA LEHMANN
KIRCHE KUNST PASTORAL IN DER ERZDIÖZESE MÜNCHEN UND FREISING INFINITE WALK KATHARINA LEHMANN ROTER KERN OSTERKERZE ÖFFNUNG AUFERSTEHUNG Seit 2019 wird die Osterkerze für St. Paul von der Kunstpastoral als Auftrag an Künstler:innen vergeben – dies waren bisher: Dorothea Frigo, Lothar Göt ter, Susanne Wagner, Bruno Wank (aufgrund des Beginns des Angriffskrie ges gegen die Ukraine zwei Mal), Judith Egger und Guido Weggenmann.
Dieses Projekt findet zunehmend Aufmerksamkeit. Für die Osterkerze 2026 bat Margit Huber, 1. Vorständin der GEDOK München, zum 100. Geburtstag der GEDOK, dem größten interdisziplinären Netzwerk für Künstlerinnen in Europa, einen Wettbewerb unter Künstlerinnen der GEDOKmuc hierfür durchzuführen. Sehr gerne schrieb die Kunstpastoral diesen Wettbewerb in Zusammenarbeit mit der GEDOKmuc aus. Es gab mehrere sehr spannende Einreichungen, unter denen die Fachjury das Konzept von Katharina Leh mann auswählte.
KATHARINA LEHMANN
Wurde 1984 in Westsibirien geboren, lebt und arbeitet in München. 2006 Abschluss der Designschule München; zuvor Studienaufenthalt an der Hy vinkää School of Art in Finnland. Sie erhielt mehrere nationale und interna tionale Auszeichnungen. 2019/20 nahm sie an der sechsmonatigen Künst- lerresidenz „The Swatch Art Peace Hotel“ in Shanghai teil. Durch ihren „In finite Walk“ erschafft sie Gewebeareale, indem sie mit kilometerlangem Faden und Acrylfarbe Flächen abschreitet. Ihre Werke entführen in eine Welt, in der sich zarte Muster mit tiefgreifenden gesellschaftlichen Fragen verbinden. www.katharinalehmann.art
Katharina Lehmann überträgt die beim „Infinite Walk“ in St. Paul im Januar 2026 entstandene Struktur (Bild oben) mittels eines erhitzen Kännchens in Wachs (Bild unten). Erzdiözese München und Freising (KdöR), vertreten durch das Erzbischöfliche Ordinariat München, Generalvikar Christoph Klingan, Kapellenstraße 4, 80333 München
Verantwortlich: Ressort Seelsorge und kirchliches Leben, Fachbereich Kunstpastoral, Ulrich Schäfert, St.-Pauls-Platz 10, 80336 München, kunstpastoral@eomuc.de; © Alle Rechte bei der Künstlerin Interdisziplinäres Künstlerinnen-Netzwerk GEDOK München e.V., Schleißheimer Str. 61, 80797 München www.gedok-muc.de, mail@gedok-muc.de
© DENIS LEHMANN © JULIA MILBERGER