Isabel verließ Prostitution in Basel, Schweiz; Neuanfang dank Rahab Basel
Wenn die Mutter ihren Körper verkaufen muss – Isabel* erzählt
Rahab – Hilfe für Menschen in der Prostitution Element öffnen
Die Menschen in der Prostitution befinden sich häufig in vulnerablen Lebens- und Arbeitssituationen und sind der Gefahr ausgesetzt, Opfer von Missbrauch, Gewalt und Zwang zu werden. Viele von ihnen sind durch Armut und Perspektivlosigkeit oder durch Menschenhandel in diese Situation geraten.
Judith Nünlist 11. August 2026 · Lesedauer: 5 Minuten · 0 Kommentare
Isabel ist in ihrem neuen Leben angekommen.
Isabel stammt aus einem kleinen Ort in Gabun, einem Land in Zentralafrika. Wie viele andere lebten auch sie und ihre Familie in ärmsten Verhältnissen. Auf der Suche nach einem besseren Leben wanderte Isabel im Alter von 17 Jahren gemeinsam mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern nach Portugal aus.
Sie begann eine Ausbildung als Office Managerin, schloss diese aber nicht ab, da sie zum dritten Mal Mutter wurde. Kurz darauf verliess sie ihr Mann für eine andere Frau. In einem fremden Land, ohne grossen Freundeskreis, war Isabel plötzlich auf sich allein gestellt.
«Meinen Körper zu verkaufen, war die einzige Möglichkeit, meine Familie zu ernähren.»
Isabel versuchte, einen Job zu finden. Doch in Portugal ist es als afrikanische Frau ohne gute Ausbildung fast unmöglich, Arbeit zu finden. Die Rechnungen stapelten sich, die Miete musste bezahlt werden und die Kinder brauchten Essen und Kleider. «Ich war völlig verzweifelt. Schliesslich sah ich nur noch eine Möglichkeit, meine Familie zu versorgen: meinen Körper zu verkaufen», erzählt Isabel traurig.
Die Jahre in der Prostitution
Durch eine Bekannte erfuhr Isabel, dass man in Frankreich in der Prostitution gut verdienen könne. So kam es, dass sie jeweils ungefähr einen Monat auf dem Strassenstrich arbeitete, bis sie genug verdient hatte.
Dann kehrte Isabel nach Portugal zurück, um ihre geliebten Kinder endlich wieder fest in die Arme zu schliessen. Während Isabels Abwesenheit kümmerte sich jeweils ihre Schwester um die Kinder. Ging das Geld zu Ende, reiste sie wieder nach Frankreich. «Das machte ich sieben Jahre lang», erklärt sie.
«Das Schlimmste war, meine Kinder verlassen zu müssen.»
Ihre Kinder zu verlassen und dieser Arbeit nachzugehen, war immer sehr schwierig für Isabel. Aber sie unterdrückte ihre Gefühle: «Ich tat es nur, um Geld zu verdienen.» In dieser Zeit kam ihr viertes Kind zur Welt.
Dann erzählte ihr eine Bekannte, dass man in der Schweiz sehr viel Geld in der Prostitution verdienen könne. Sie nahm Isabel mit nach Basel in die Champagnerbar, in der sie arbeitete. Das Hin und Her ging auch hier weiter: ein paar Wochen in der Schweiz, um Geld für die Rechnungen zu verdienen, und dann zurück zu ihren Kindern. Das tat Isabel weitere sechs Jahre lang.
In Isabel wuchs immer stärker der Wunsch, aus der Prostitution auszusteigen. «Ich litt sehr unter meiner Situation», sagt Isabel leise. Eines Tages begegnete sie im «Abendcafé» – einem geschützten Treffpunkt für Menschen in der Prostitution von Rahab Basel – Vlatka Krippner. Ihre Worte machten Isabel Mut und weckten Hoffnung in ihr: «Erstmals sah ich eine Möglichkeit, aus dem Milieu auszusteigen.»
Nachdem Isabel genug Geld verdient hatte, kehrte sie nach Portugal zurück und schloss ihre Ausbildung als Office Managerin ab. Danach reiste sie aus Geldnot wieder in die Schweiz.
Doch der Gedanke auszusteigen, blieb. Eines Morgens kam Isabel mit einem jungen Mann ins Gespräch, der sie zum Ausstieg ermutigte. «Er zeigte mir die Homepage von Rahab Basel mit einem Bild von Vlatka. Ich erkannte sie sofort wieder», erzählt sie mit einem Lächeln. Ein, zwei Tage rang Isabel noch mit sich. Schliesslich nahm sie all ihre Kraft und ihren Mut zusammen und schrieb Vlatka. «Ich wollte unbedingt mein Leben ändern.»
So traf Isabel nach vielen Monaten wieder auf Vlatka und erlebte tiefes Verständnis für ihre Situation. In Isabel wuchs die Hoffnung auf ein neues Leben.
Als Erstes konnte sie in eine Notwohnung von Rahab ziehen und zur Ruhe kommen. Danach besuchte sie Deutschkurse und konnte erste Arbeitserfahrungen sammeln. «Das hat mich so glücklich gemacht», erzählt Isabel freudestrahlend.
Rahab begleitet Betroffene beim Ausstieg aus der Prostitution durch individuelle Beratung und zielgerichtete Unterstützung.
Heute fühlt sich Isabel wieder frei und blickt optimistisch in die Zukunft.
«Der Ausstieg war die richtige Entscheidung. Ich habe die Prostitution hinter mir gelassen», verdeutlicht Isabel und führt weiter aus: «Es ist ein langer Weg, verbunden mit Ängsten und Zweifeln. Inzwischen fühle ich mich jedoch wie ein neuer Mensch. Ich kann endlich wieder Glück empfinden».
«Dank der Hilfe der Heilsarmee fühle ich mich wieder frei.»
- Zum Schutz der Privatsphäre wurde der Name geändert und eine andere Person abgebildet.
Judith Nünlist 11. August 2026
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