Thüringer Gesundheitsministerium und Thüringer Umweltministerium veröffentlichen Hitzeaktionsplan Thüringen; Schutz vulnerabler Gruppen verbessern
Hitzeaktionsplan des Landes Thüringen
Hitzeaktionsplan des Landes Thüringen
Vorwort Gesundheitsministerin Katharina Schenk
Liebe Leserinnen und Leser, Hitzeereignisse nehmen auch in Thüringen an Häufigkeit und Intensität zu. Die Sommer der letzten Jahre haben bereits deutlich gezeigt, welche Belastungen langanhaltende Hitze für viele Menschen mit sich bringt. Besonders ältere Menschen, Kinder, chronisch Erkrankte und andere vulnerable Gruppen sind gesundheitlich gefährdet. Hitze ist das größte gesundheitliche Risiko des Klimawandels in Deutschland. Deshalb gehört der Schutz der Bevölkerung vor den Folgen extremer Hitze zu den zentralen Aufgaben einer vorausschauenden Gesundheitsvorsorge. Unser Ziel ist es, gesund- heitliche Risiken frühzeitig zu erkennen und wirksam zu minimieren. Mit dem vorliegenden Hitzeaktionsplan haben das Thüringer Gesundheitsministerium und das Thüringer Umweltministerium gemeinsam eine wichtige Grundlage geschaffen. Der Maßnahmenkatalog bildet das Herzstück des Hitzeaktionsplans. Er umfasst 21 Maßnahmen im Verantwortungsbereich der Landes- verwaltung, die dazu beitragen sollen, die gesundheitlichen Belastungen durch Hitze zu verringern und insbesondere vulnerable Personen- gruppen besser zu schützen. Zugleich richten sich viele Maßnahmen an die gesamte Bevölkerung und leisten einen Beitrag dazu, gesundheitliche Chancengleichheit im Hitzeschutz zu stärken. Die Maßnahmen verbinden kurzfristiges Handeln mit langfristiger Vorsorge. Sie reichen von akuten Maßnahmen zum Schutz der Bevölkerung während konkreter Hitzeereignisse über saisonale Informations- und Sensibilisierungsangebote bis hin zu präventiven Ansätzen, die den gesundheitlichen Hitzeschutz dauerhaft in Planungs- und Entscheidungsprozessen verankern. Ein besonderer Schwerpunkt liegt darauf, Wissen über die gesundheitlichen Risiken von Hitze sowie über wirksame Schutz- und Vorsorge- maßnahmen zu vermitteln und damit die Prävention nachhaltig zu stärken. Dabei wird deutlich: Hitzeschutz ist eine Querschnittsaufgabe. Er gelingt nur im engen Zusammenwirken von Gesundheits-, Umwelt- und Klimapolitik. Die ressortübergreifende Zusammen- arbeit mit dem Thüringer Ministerium für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten war deshalb von Beginn an ein wesentlicher Bestandteil bei der
Erarbeitung dieses Hitzeaktionsplans. Gemeinsam mit der Kommunalen Hitze-Toolbox für die Thüringer Kommunen ergänzt der Hitzeaktionsplan bestehende Unterstützungsangebote und trägt dazu bei, den Hitzeschutz im Rahmen der Klimaanpassung in Thüringen weiterzuentwickeln. Mein Dank gilt allen, die an der Erarbeitung des Hitzeaktionsplans mitgewirkt haben. Der vorliegende Plan schafft eine gemeinsame Grundlage für den gesundheitlichen Hitzeschutz in Thüringen und soll dazu beitragen, das Thema auf allen Ebenen weiter zu verankern und gemeinsam voranzubringen.
Katharina Schenk Thüringer Ministerin für Soziales, Gesundheit, Arbeit und Familie
Vorwort Umweltminister Tilo Kummer
Liebe Thüringerinnen und Thüringer, Hitze gehört zu den deutlichsten und für jeden fühlbaren Folgen des Klimawandels und sie betrifft längst nicht mehr nur einzelne außergewöhnliche Sommertage. Die jährliche Anzahl der Heißen Tage (≥ 30 °C) hat sich im Thüringer Flächenmittel mehr als verdoppelt – von 4 Tagen pro Jahr (1961–1990) auf 9 Tage pro Jahr (1995–2024). Bis zur Mitte des Jahrhunderts (2031–2060) werden bis zu 13 Heiße Tage pro Jahr in Thüringen erwartet, bis Ende des Jahrhunderts könnten es im Mittel 26 Heiße Tage pro Jahr sein. Diese wirken sich auf unsere Gesundheit, unsere Städte und Gemeinden sowie auf Natur, Umwelt und Infrastruktur aus. Vor diesem Hintergrund gewinnt die enge Verzahnung von Gesundheitsvorsorge und Klimaanpassung zunehmend an Bedeutung. Neben einer konsequenten Minderung der Treibhaus- gasemissionen müssen wir uns frühzeitig und vorausschauend auf die unvermeidbaren Folgen des Klimawandels vorbereiten und handeln. Die Anpassung an den Klimawandel ist eine zentrale Aufgabe des Thüringer Ministeriums für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten (TMUENF). Mein Haus setzt das Bundes-Klimaanpassungsgesetz um und hat die vorsorgende Klimaanpassungsstrategie für den Freistaat erarbeitet. Der nun vorliegende Hitze- aktionsplan ist ein wichtiger Baustein dieser Klimaanpassungsstrategie und steht zugleich für die kontinuierliche Weiterentwicklung der Thüringer Klimaanpassungspolitik. Bereits 2019 wurde der Hitzeaktionsplan als eine wichtige Maßnahme im Handlungsfeld Gesundheit des damaligen Integrierten Maßnahmenprogramms zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels (IMPAKT) verankert. Der Hitzeaktionsplan schafft einen landesweiten Orientierungsrahmen und ergänzt die bestehenden Maßnahmen der kommunalen Hitzevorsorge sinnvoll. Mit der Kommunalen Hitze-Toolbox Thüringen hat das TMUENF bereits im Vorgriff auf den Hitzeaktionsplan wichtige Grundlagen geschaffen, um Städte, Gemeinden und Landkreise bei der Entwicklung und Umsetzung wirksamer Hitzeschutzmaßnahmen zu unterstützen. Der Hitzeaktionsplan knüpft daran an und verbindet die kommunalen Aktivitäten mit einem gemeinsamen landesweiten Ansatz. So entsteht ein
abgestimmtes Vorgehen, das den Schutz besonders gefährdeter Bevölkerungsgruppen verbessert. Durch die Klimapaktmittel, die an Gemeinden und Landkreise ausgereicht werden, besteht die Möglichkeit, die Maßnahmen aus der kommunalen Hitze-Toolbox auch zeitnah vor Ort umzusetzen. Dass dies geschieht, sehen wir an den Rückmeldungen der Gemeinden, die diese Finanzmittel sehr häufig für Hitzeschutzmaßnahmen verwenden. Seit der gemeinsamen Entwicklung der Kommunalen Hitze-Toolbox wurde die ressortübergreifende Zusammenarbeit weiter ausgebaut. Dies zeigt: Wirksamer Hitzeschutz gelingt nur im Schulterschluss von Gesundheitsvorsorge und Klimaanpassung. Lassen Sie uns diesen Weg gemeinsam weitergehen, damit Thüringen auch in einem sich wandelnden Klima lebenswert und widerstandsfähig bleibt.
Tilo Kummer Thüringer Minister für Umwelt, Energie, Naturschutz und Forsten
Vorwort Gesundheitsministerin Katharina Schenk ……………………………………………………………………………………… 2 Vorwort Umweltminister Tilo Kummer ……………………………………………………………………………………………………… 3 Abbildungsverzeichnis ………………………………………………………………………………………………………………………… 5 Tabellenverzeichnis …………………………………………………………………………………………………………………………….. 5 Einleitung ………………………………………………………………………………………………………………………………………….. 7 Fachliche Grundlagen: Klimatische Entwicklungen in Thüringen – Schwerpunkt Hitze ………………………………….. 10 Temperaturentwicklung – Heiße Tage ……………………………………………………………………………………………. 10 Exkurs: Fallbeispiel Jena: Entwicklung von Hitzeparametern in der Stadt ……………………………………………….. 14 Fachliche Grundlagen: Gesundheitsrisiken durch Hitze und UV- Strahlung …………………………………………………. 17 Hitzeassoziierte Mortalität ………………………………………………………………………………………………………….. 18 Hitzeassoziierte Morbidität …………………………………………………………………………………………………………. 20 Risiken durch UV-Strahlung …………………………………………………………………………………………………………. 21 UV-Strahlung und Hautkrebs in Thüringen ………………………………………………………………………………………. 22 Fachliche Grundlagen: Kernelemente der Hitzeaktionsplanung …………………………………………………………………… 23 Kernelement I: Zentrale Koordinierung und interdisziplinäre Zusammenarbeit ……………………………………….. 25 Kernelement II: Nutzung eines Hitzewarnsystems …………………………………………………………………………….. 26 Kernelement III: Information und Kommunikation …………………………………………………………………………….. 26 Kernelement IV: Reduzierung von Hitze in Innenräumen ……………………………………………………………………. 27 Kernelement V: Besondere Beachtung von Risikogruppen …………………………………………………………………. 27 Kernelement VI: Vorbereitung der Gesundheits- und Sozialsysteme …………………………………………………….. 29 Kernelement VII: Langfristige Stadtplanung und Bauwesen ………………………………………………………………… 30 Kernelement VIII: Monitoring und Evaluation der Maßnahmen ……………………………………………………………. 30 Übergreifende Koordination und Kooperationen in der Hitzevorsorge …………………………………………………………… 32 Das Netzwerk „Hitzeaktionsplan des Landes Thüringen“ …………………………………………………………………… 32 Unterstützung der Kommunalebene im HAPT…………………………………………………………………………………… 33 Einführung in den Maßnahmenkatalog ………………………………………………………………………………………………….. 36 Maßnahmen des HAPT nach Kernelementen ………………………………………………………………………………………… 40 Ausblick ………………………………………………………………………………………………………………………………………….. 77 Monitoring und Evaluation ………………………………………………………………………………………………………….. 77 Ressourcensicherung …………………………………………………………………………………………………………………. 77 Verzeichnisse …………………………………………………………………………………………………………………………………… 80 Glossar……………………………………………………………………………………………………………………………………. 80 Abkürzungsverzeichnis ………………………………………………………………………………………………………………. 82 Quellenverzeichnis ……………………………………………………………………………………………………………………. 84
Inhaltsverzeichnis
Abbildungsverzeichnis Abb. 1: Beobachtete Entwicklung der jährlichen Anzahl der Heißen Tage in Thüringen …………………………………….. 11 Abb. 2: Entwicklung der beobachteten und zukünftigen jährlichen Anzahl der Heißen Tage in Thüringen …………….. 12 Abb. 3: Wärmebelastungsindex für die Stadt Saalfeld/Saale ……………………………………………………………………… 13 Abb. 4: Hitze-Radar für die Stadt Jena ……………………………………………………………………………………………………. 15 Abb. 5: Geschätzte Anzahl hitzebedingter Sterbefälle im Zeitraum 2016 bis 2025 in Deutschtschland …………