Jungrinder trainieren auf fünf Mutterkuhbetrieben in der Schweiz zur Stressreduktion bei der Schlachtung; signifikant niedrigere Cortisolwerte, besonders bei Männchen

Rinder zuhause vorbereiten: weniger Stress bei der Schlachtung - Agrarforschung Schweiz

Rinder zuhause vorbereiten: weniger Stress bei der Schlachtung

Originalartikel erschienen in Agrarforschung Schweiz

Kann man Rinder zuhause so vorbereiten, dass sie im Schlachthof weniger Stress haben? In einem Vergleich zeigten vorbereitete Tiere bei der Schlachtung im Schlachthof niedrigere Cortisolwerte als Kontrolltiere.

Jungtiere aus der Mutterkuhhaltung wachsen meist naturnah in stabilen Herdenverbänden auf und haben wenig engen Kontakt zu Menschen. Bei der Schlachtung werden sie dann gleichzeitig mit Trennung, Verladen, Transport und einer ungewohnten Umgebung (Geräusche, Gerüche, fremde Menschen und Tiere) sowie engen Treibgängen konfrontiert. Gerade der Treibgang gilt aus Tierwohlsicht als besonders sensibler Bereich: Hier treten häufig stockendes Vorwärtsgehen oder Rückwärtsbewegungen auf, was den Einsatz von Elektrotreibern begünstigen kann – mit negativen Folgen für das Tierwohl und einer erhöhten Belastung für die Mitarbeitenden.

Mehr Tierwohl durch Training: Jungrinder besser auf Schlachthofsituation vorbereiten

Vor diesem Hintergrund untersuchte das Projekt, ob sich Stressreaktionen am Schlachthof durch eine Vorbereitung auf dem Herkunftsbetrieb reduzieren lassen. Auf fünf Mutterkuhbetrieben wurden insgesamt 38 Jungrinder mindestens dreimal trainiert: Die Tiere wurden mittels Low Stress Stockmanship (ruhiges Treiben mit Druck

Entlastung) durch einen schmalen Panelgang (mind. 6 m lang, ca. 1 m breit) auf eine Waage oder in einen Behandlungsstand getrieben und kurz fixiert; das Öffnen

Entlassen erfolgte erst, wenn das Tier ruhig stand („Belohnung“). Als Kontrolle dienten 37 Tiere aus 19 weiteren Betrieben ohne vergleichbare Vorerfahrung, die jeweils im gleichen Transport unter denselben Transportbedingungen mitgeführt wurden.

Die Schlachtungen fanden in einem grossen Schweizer Rinderschlachthof zwischen Oktober 2023 und Dezember 2024 statt. Nach einer Wartezeit von 30–60 Minuten in den Wartebuchten wurden im Treibgang Vokalisationen, Rückwärtsbewegungen und der Einsatz des Elektrotreibers erhoben. In der Betäubungsbox wurde das Verhalten der Tiere erfasst, und im Stichblut wurden physiologische Parameter bestimmt. Laktat wurde vor Ort per Schnelltest bestimmt, Cortisol wurde aus dem Blutserum im Labor analysiert.

Weniger akute Stressbelastung: Trainierte Tiere mit tieferen Cortisolwerten

Das Training beeinflusste die im Schlachthof erfassten Verhaltensparameter nicht signifikant, führte jedoch zu einem signifikanten Unterschied bei der Cortisolkonzentration im Stichblut. Insbesondere bei männlichen Tieren lagen die Cortisolwerte der trainierten Gruppe unter jenen der Kontrolltiere, was auf eine geringere Stressbelastung unmittelbar vor der Schlachtung hinweist.

Eine einfache Vorbereitung auf dem Betrieb (Low Stress Stockmanship und Panelgang-Übungen) kann die Stressbelastung von Jungtieren messbar senken – erkennbar an tieferen Cortisolwerten.

Die beteiligten Landwirtinnen und Landwirte bewerteten Training und Installationen durchweg positiv und empfehlen sie klar, da sie auch für Arbeiten wie Wiegen, Behandlungen und Separieren nützlich sind.

Die Methode sollte daher breit empfohlen und gezielt gefördert werden, insbesondere über Schulungen und praxistaugliche Infrastruktur auf dem Betrieb.

Rinder zuhause vorbereiten: weniger Stress bei der Schlachtung .

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Agrarforschung Schweiz , 17, 199–207.

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