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title: "Katholische Akademie Fulda erinnert in Fulda an die Berliner Mauer, 13. August 1961; 65 Jahre später Bildung für Demokratie"
sdDatePublished: "2026-08-12T13:47:00Z"
source: "https://www.katholische-akademie-fulda.de/katholischeakademie/pdf/65-Jahre-Mauerbau2026.pdf"
topics:
  - name: "culture"
    identifier: "medtop:20000038"
locations:
  - "Berlin"
  - "Fulda"
  - "Germany"
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Katholische Akademie Fulda erinnert in Fulda an die Berliner Mauer, 13. August 1961; 65 Jahre später Bildung für Demokratie

65 Jahre Mauerbau: Erinnerung bewahren, Demokratie stärken
Katholische Akademie Fulda erinnert an den 13. August 1961 und fragt nach den Folgen
der deutschen Teilung für Gegenwart und Zukunft
Fulda, 12. August 2026. Am 13. August 1961 wurde die Berliner Sektorengrenze abgeriegelt.
Um 1.05 Uhr gingen in Berlin die Lichter am Brandenburger Tor aus; Stacheldraht,
Absperrungen und bewaffnete Einheiten der DDR machten die Grenze zwischen Ost- und
West-Berlin innerhalb weniger Stunden weitgehend unpassierbar. Für Millionen Menschen
in der DDR bedeutete der Mauerbau, dass das Land nun endgültig zum abgeschotteten Staat
wurde. Familien und Freundschaften wurden auseinandergerissen, Fluchtwege versperrt,
Freiheit und Bewegungsfreiheit massiv eingeschränkt.
65 Jahre später erinnert die Katholische Akademie Fulda an dieses Ereignis. Für die
Akademie ist der Jahrestag weit mehr als ein historisches Gedenken. Als Ort politischer und
gesellschaftlicher Bildung will sie Geschichte verständlich machen, unterschiedliche
Perspektiven miteinander ins Gespräch bringen und aus der Vergangenheit Fragen für die
Gegenwart entwickeln.
„Die Berliner Mauer war das sichtbarste Symbol der deutschen Teilung und zugleich ein
Symbol dafür, dass eine Diktatur ihre Bürgerinnen und Bürger durch Abschottung und
Repression am Verlassen des Landes hindern musste“, so Gunter Geiger, Direktor der
Katholischen Akademie Fulda. „Erinnerungskultur bedeutet für uns deshalb nicht, Geschichte
lediglich zu bewahren. Sie muss dazu beitragen, Freiheit, Demokratie und Menschenrechte
als Werte zu verstehen und zu verteidigen.“
Vom Mauerbau zur Friedlichen Revolution
Der 13. August 1961 wirft bis heute grundlegende Fragen auf: Warum errichtete die SED-
Führung die Mauer? Wie wurde das Grenzregime in den folgenden 28 Jahren technisch
perfektioniert und politisch-ideologisch gerechtfertigt? Warum gelang es dem Regime trotz
Repression und Überwachung nicht, den Freiheitswillen der Menschen dauerhaft zu
unterdrücken? Und weshalb verlor die Mauer 1989 ihre Funktion als zentrale Frontlinie des
Kalten Krieges?
Die Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur weist zum 65. Jahrestag darauf hin,
dass die Mauer nicht dem Schutz vor einem äußeren Feind diente, sondern vor allem nach
innen gerichtet war: Sie sollte verhindern, dass Menschen die DDR verließen, und die
Bevölkerung von westlichen Einflüssen abschirmen.
Die Mauer steht damit auch für das Leid der Menschen, die sich nach Freiheit und
Demokratie sehnten. Viele Fluchtversuche endeten mit Haft, Gewalt oder Tod. Die
Geschichten der Opfer, der Familien und derjenigen, die sich der Diktatur widersetzten,
gehören nach Überzeugung der Katholischen Akademie dauerhaft in die deutsche
Erinnerungskultur.

Erinnerungskultur als politische Bildung
Die Katholische Akademie Fulda sieht die Aufgabe, historische Ereignisse nicht auf einzelne
Gedenktage zu reduzieren. Die Auseinandersetzung mit der SED-Diktatur, der deutschen
Teilung und der Wiedervereinigung ist Teil einer umfassenden politischen Bildung.
Dabei geht es auch um die Frage, was aus der Geschichte nach 1989 geworden ist. Die
staatliche Einheit wurde erreicht – die gesellschaftliche Einheit ist jedoch ein Prozess
geblieben. Unterschiedliche Erfahrungen in Ost und West, wirtschaftliche Umbrüche,
Enttäuschungen über die Entwicklung nach 1990 und bis heute vorhandene gegenseitige
Vorurteile prägen die deutsche Gesellschaft.
„Die Frage nach der inneren Einheit ist auch 36 Jahre nach der deutschen Wiedervereinigung
nicht abgeschlossen“, betont Geiger. „Politische Bildung muss deshalb Räume schaffen, in
denen unterschiedliche Erfahrungen ausgesprochen, historische Entwicklungen kritisch
hinterfragt und gemeinsame Perspektiven für die Zukunft entwickelt werden können.“
Dabei soll es nicht um eine einfache Gegenüberstellung von „Ost“ und „West“ gehen.
Vielmehr müsse gefragt werden, welche politischen und gesellschaftlichen Entscheidungen
nach 1990 getroffen wurden, welche Alternativen denkbar gewesen wären und wie sich
unterschiedliche Biografien und Erfahrungen bis heute auf das Zusammenleben auswirken.
Fulda und Point Alpha: Geschichte vor Ort begreifbar machen
Für die Arbeit der Katholischen Akademie besitzt dabei auch die geografische Lage Fuldas
eine besondere Bedeutung. Fulda lag jahrzehntelang unmittelbar am Eisernen Vorhang und
damit an der Nahtstelle zwischen den politischen und militärischen Blöcken des Kalten
Krieges.
Ein wichtiger Kooperationspartner ist deshalb die Point Alpha Stiftung. Point Alpha gilt als
herausragender Erinnerungs- und Bildungsort an der ehemaligen innerdeutschen Grenze.
Heute stehen dort unter anderem die Geschichte des Kalten Krieges, die deutsche Teilung
und Fragen von Freiheit und Demokratie im Mittelpunkt.
„Point Alpha ist für unsere Akademiearbeit ein besonderer außerschulischer Lern- und
Erinnerungsort“, erklärt Geiger. „Wo einst zwei politische Systeme unmittelbar
aufeinandertrafen, lässt sich Geschichte konkret erfahren. Gerade für politische Bildung ist
es wichtig, historische Zusammenhänge nicht nur abstrakt zu vermitteln, sondern Orte
aufzusuchen, an denen diese Geschichte sichtbar und erfahrbar wird.“
Die Verbindung von Fulda als ehemaligem Zonenrandgebiet und Point Alpha als ehemaligem
Brennpunkt des Kalten Krieges eröffnet dabei einen besonderen Zugang zur Geschichte der
deutschen Teilung. Das Forschungsinstitut Point Alpha arbeitet heute unter anderem zu den
Themen „Kalter Krieg in Geschichte und Gegenwart“, „Border Studies“ und „Demokratie in
der Globalen Ordnung“.

Zusammenarbeit mit der Bundesstiftung Aufarbeitung
Auch mit der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur verbindet die Katholische
Akademie Fulda eine enge Zusammenarbeit. Die Stiftung fördert die Auseinandersetzung mit
den Ursachen, der Geschichte und den Folgen der kommunistischen Diktatur in der
Sowjetischen Besatzungszone und der DDR und begleitet die Auseinandersetzung mit der
deutschen Einheit. Zum 65. Jahrestag des Mauerbaus stellt sie umfangreiche historische
Informationen, Bildungsmaterialien und Zeitzeugenberichte zur Verfügung.
Für die Katholische Akademie ist diese Zusammenarbeit ein wichtiger Bestandteil ihres
Verständnisses von Bildungsarbeit: Wissenschaftliche Erkenntnisse, historische Quellen,
persönliche Erinnerungen und aktuelle gesellschaftliche Debatten sollen miteinander
verbunden werden.
Der 13. August 1961 ist deshalb nicht nur ein Blick zurück. Er ist auch eine Einladung, über
die Voraussetzungen demokratischer Gesellschaften nachzudenken: über Freiheit und
Menschenrechte, über die Bedeutung offener Grenzen, über politische Verantwortung und
über die Frage, wie demokratische Kultur dauerhaft bewahrt werden kann.
„65 Jahre nach dem Mauerbau gilt daher: Erinnerung ist kein Blick zurück, der in der
Vergangenheit stehen bleibt. Erinnerung ist politische Bildung – und damit ein Beitrag zur
Gestaltung der Gegenwart und Zukunft.“ Gunter Geiger