China Klimarisiken belasten Produktion in China; Schweizer Pharma-Lieferketten gefährdet
National Centre for Climate Services NCCS
China ist einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz, und hat sich vor allem als Lieferant für elektronische Güter, Maschinen, Textilien, chemische und pharmazeutische Produkte etabliert. Neben den Direktimporten ist das Land auch als Zulieferer für die Schweiz relevant. Gleichzeitig ist China besonders betroffen von den Auswirkungen des Klimawandels.
China ist von mehreren Aspekten des Klimawandels betroffen: Der durchschnittliche Temperaturanstieg ist höher als im weltweiten Durchschnitt. Das Land ist anfällig auf Hitzewellen, Stürme, Überschwemmungen und Dürren. Gletscher schmelzen und starke Regenfälle könnten die Sicherheit von Staudämmen gefährden. Gleichzeitig steigt der Meeresspiegel.
2023 schätzten sich mehr als die Hälfte der Schweizer Unternehmen der Chemie- und Pharma-Branche als mässig oder stark abhängig von China ein, Unternehmen der Elektro-Branche sogar noch höher.
China ist der zweitgrösste Hersteller von pharmazeutischen Produkten. Eine allfällige Abhängigkeit von diesen pharmazeutischen Produkten könnte eine Herausforderung für die Versorgungssicherheit der Schweiz darstellen.
China will bis 2060 CO2-neutral sein. Dazu muss das Land sein stark fossil geprägtes Energiesystem vollständig umgestalten. Zudem fordert China national eine «proaktive Anpassung» an den Klimawandel, z. B. durch veränderte Landnutzungsmuster, um vor allem die Ernährung und Versorgungsketten zu sichern
Die grössten direkten Auswirkungen des Klimawandels auf die Schlüssel-Sektoren in China entstehen durch tropische Wirbelstürme und Flussüberschwemmungen, wobei Wirbelstürme vor allem im Sektor Landwirtschaft zu hohen Produktionsverlusten führen.
Sektoren in China mit den höchsten direkten Produktionsverlusten durch Klimarisiken
Gemäss der Modellierung beläuft sich der Produktionsverlust durch Klimarisiken in China «Heute» auf über 40 Mrd. USD. Das sind 0,2 % der gesamten chinesischen Produktion (22'608 Mrd. USD). Geht man von einem Zukunftsszenario mit starker Klimaerwärmung aus (RCP8.5), wächst der Produktionsverlust bis 2060 auf über 50 Mrd. USD an.
In der Pharmaindustrie – einer von Chinas kritischen Sektoren für die Lieferketten und die Versorgungssicherheit der Schweiz – steigen die direkten Schäden (Jahresdurchschnittswerte) durch Flussüberschwemmungen und tropische Wirbelstürme bis 2060 voraussichtlich merklich an: In beiden Zukunftsszenarien sind die Verluste im Vergleich zu «Heute» um rund 70 % höher. Diese direkten Produktionsverluste werden angesichts der Abhängigkeit der Schweizer Pharmaindustrie von China auch in der Schweiz zu spüren sein.
Indirekte Auswirkungen auf die Schweiz
Die direkten Auswirkungen des Klimawandels in China führen voraussichtlich zu indirekten Auswirkungen in der Schweiz:
In absoluten Zahlen dürfte gemäss Modellrechnungen die Schweizer Pharma-Branche am stärksten von klimabedingten Beeinträchtigungen der Lieferketten betroffen sein, gefolgt vom Grosshandel und der Industrie zur Herstellung von Datenverarbeitungsgeräten sowie elektronischen und optischen Erzeugnissen.
In relativen Zahlen , also die Produktionsverluste der einzelnen Schweizer Industrien im Verhältnis zu ihrer jeweiligen jährlichen Gesamtproduktion, dürfte die Textil-Branche am stärksten betroffen sein.
Die zehn Schweizer Branchen mit den höchsten indirekten Produktionsverlusten durch Klimarisiken in China
Stürme und Überschwemmungen verursachen die potenziell grössten Schäden
Sowohl für die Schweizer Pharmaindustrie als auch für die Textil-Industrie werden die Verluste gemäss den Berechnungen zu fast zwei Dritteln durch tropische Wirbelstürme und zu einem Drittel durch Flussüberschwemmungen im chinesischen Agrar-Sektor verursacht.
Dies könnte darauf hindeuten, dass wichtige landwirtschaftliche Rohstoffe für die Herstellung von pharmazeutischen Produkten, die die Schweiz entweder selbst produziert oder aus anderen Ländern wie China importiert, nur noch eingeschränkt verfügbar sind.
Selbst bei moderatem Klimawandel steigen negative Auswirkungen auf die Lieferketten
China als einer der wichtigsten Handelspartner der Schweiz ist bereits heute stark von verschiedenen Risiken des Klimawandels betroffen. Die Auswirkungen auf die Schweizer Lieferketten werden in Zukunft wahrscheinlich weiter zunehmen, selbst bei einem moderateren Klimaszenario. In den letzten zehn Jahren hat China jedoch auf eine umweltfreundlichere Wirtschaft gedrängt, was eine umfassende Umgestaltung der gesamten Wirtschaft bedeuten würde. Darüber hinaus könnte der (politische) Schwerpunkt Chinas auf Strategien und Massnahmen zur Anpassung an den Klimawandel dazu beitragen, die Lieferketten der Schweiz zu schützen.
Für die Fallstudie China wurde dieselbe Datengrundlage wie für das Gesamtprojekt genutzt. Zusätzlich versuchte das Projektteam eine Einordnung in die aktuelle Situation in China vorzunehmen.
Die umfassenden Ergebnisse des Projekts, Interpretationen sowie Ausführungen zur Methode sind im Schlussbericht zusammengefasst: NCCS-Impacts: