Leonie Schweizer entscheidet sich für en Lehr als Kauffrau EFZ mit lehrbegleitender Bruefsmaturität in de Schwiiz; Umweg hät mi zur richtige Usbildig füehrt

Es git meh als nur ein Weg – Leonie Schweizer Gschätze Gmeindrat Oberentfelde und Unterentfelde. Gschätzti Ahwesendi. Wenn mir hüt de 1. August fiired, denn fiired mir d Schwiiz. Es Land mit vier Landessprache, unterschiedliche Kulture, verschiedene Traditione und Mensche mit ganz verschiednige Lebenswege. Vor vier Jahr hani en klare Plan vor Auge gha. Ich han d Kanti in Aarau ahgfange und bin überzügt gsi, dass das min Weg si wird. Doch nach eim Jahr hani müesse feststelle, dass de Weg ned de richtigi für mich isch. Das isch kei eifache Moment gsi. Es het sich ahgfühlt, als hätti verseit. Als müessti en Traum ufgeh. Vellecht kenned einigi vo Ihne das Gfühl au. Mer het en Plan, investiert Ziit und Energie und plötzlich lauft nüm alles eso, wie mers sich vorgstellt het. Vellecht hend Sie selber au mal müesse en Traum losloh. Vellecht hend Sie de Bruef gwechslet, sind umzoge oder hend Ihres Lebe neu müesse plane. Vor vier Jahr hätti niemals denkt, dass genau de Umweg mich det ane füehre wird, woni hüt stah. Und ich hätti wohl au ned denkt, dass ich genau do stoh würd, anere 1. August Fiir, und vor Ihne en Red halte. Ich han mich für en Lehr als Kauffrau EFZ mit lehrbegleitender Bruefsmaturität entschiede. Au det hets Herusforderige, schwierigi Phase und Moment geh, i dene ich ah mir zwiflet han. Aber Schritt für Schritt hani min Weg gfunde und mit Stolz chani hüt sege, dassi die Usbildig erfolgrich abgschlosse han. Rückblickend erkenn ich, dass s Verloh vo mim ursprüngliche Weg keis Scheitere gsi isch. Es isch en Richtigsänderig gsi. Und mengisch bruchts genau die Richtigsänderige, damit mir a de Ort chömed, wo zu eus passt. Als Chind hani immer denkt, Erwachseni hend ihres Lebe komplett im Griff. Sie hend en Plan, verfolged ihn und erreiched ihri Ziel. Hüt weissi: Vieli Erwachseni improvisiered eifach sehr überzügend.

Mir lebed inere Gsellschaft, i dere oft s Gfühl entstaht, alles sött gradlinig verlaufe. D Schuel abschlüsse, d Usbildig mache, erfolgrich si und das möglichst ohni Umweg. Alles sött perfekt usgseh und mer het schnell s Gfühl, möglichst erfolgrich sii z müesse. Vor allem i de soziale Medie gsehnd mir bestandeni Prüefige, neui Arbeitsstelle und glückliche Moment. Und simmer ehrlich: Das cha mengisch scho weh tue, wenn mer selber grad amene Punkt isch, a dem mer sich neu orientiere muess oder eifach kei Plan het, wie d Zuekunft usgseht. Was mir aber selte gsehnd, sind d Zwiifel und Rückschläg hinter dene Erfolgsgschichte. Mer gsehnd ned all die Moment, i dene öpper trurig gsi isch, will öppis ned klappt het. Mer gsehnd ned, wie oft sich Mensche gfragt hend, öb sie guet gnueg sind. Und mir gsehnd all die Umweg ned, wo sie uf ihrem Weg gmacht hend. Doch genau das ghört zum Lebe. Es isch in Ordnig, wenn öppis ned funktioniert. Es isch in Ordnig, wenn mer länger brucht als anderi. Und es isch au in Ordnig, wenn mer merkt, dass en Plan, wo mer mal gha het, plötzlich nüm zu eim passt. Erfolg bedütet ned, dass immer alles funktioniert. Erfolg cha au bedüte, nach emene Rückschlag wieder ufzstoh und de Muet z ha, öppis anders z probiere. Und genau do möchti wieder über eusi Schwiiz rede. Wenn mir hüt de Geburtstag vo de Schwiiz fiired, denn fiire mir es Land, das eus unglaublich vieli Möglichkeite schenkt. Mer dörfed id Schuel gah. Mer dörfed zwüsche verschiedene Usbildigswege wähle. Mer dörfed studiere, en Lehr mache, eus wiiterbilde oder spöter nomol öppis ganz Neus afoh. Und vor allem hend mir d Möglichkeit, euse Weg neu z wähle, wenn mer merkt, dass de ersti ned de richtig gsi isch. Das isch ned selbstverständlich.

Vieli Mensche uf dere Welt hend die Möglichkeite ned. Vieli Mensche chönd ned frei entscheide, weli Usbildig sie mached, welle Bruef sie wähled oder wie sie ihres Lebe gstalte möchted. Mir hingege lebed imene Land, wo eus unglaublich vieli Türe offe stöhnd. Und wenn sich eini schliesst, hend mir oft d Chance, en anderi ufzmache. Vellecht sötte mer drum am hütige Tag ned nur de Geburtstag vo de Schwiiz fiire, sondern au all das, was mir im Alltag mängisch als selbstverständlich ahlueged. D Freiheit, selber entscheide z dörfe. D Möglichkeit, Fehler z mache und neu ahzfange. Und d Chance, euse eigeti Weg z finde. Aber zu all dene Möglichkeite ghört für mich no öppis anders, wo mir genauso schätze und wiiterfüehre sötted: Euse Zämehalt. D Schwiiz isch es Land mit verschiedene Sprache, Kulture, Traditione, Meinige und Lebenswege. Mir sind ned immer gleicher Meinig und mir müend au ned alli de glich Weg goh. Aber trotzdem ghöred mir zäme. Und ich glaube, genau das isch öppis, wo mir au für d Zuekunft ned als selbstverständlich ahluege dörfed. Zämehalt entsteht ned eifach, will mir im gliche Land lebed. Er entsteht, wenn mir enand zuelosed, enand respektiered und akzeptiered, dass en andere Mensch andersh denkt oder en andere Weg wähle cha als mir selber. Grad i Zite, wo vieles schnelllebiger wird und Unterschied mängisch meh trenned als verbindend, findi das besonders wichtig. Mir müend ned alli glich sii, um zämezghöre. Im Gegenteil: Vellecht isch genau das eusi Stärki. Und de Zämehalt, wo Generatione vor eus mitprägt hend, sötted mir ned nume schätze, sondern au wiitertrage. Damit au die Mensche nach eus inere Schwiiz lebed, i dere unterschiedliche Wege Platz hend und mer trotz all dene Unterschied ned vergisst, was eus verbindet.

Denn d Schwiiz lebt vo Vielfalt, vo ganz unterschiedliche Mensche und Lebenswege. Ned jede wird Ärztin oder Arzt. Ned jede gaht ad Universität. Paari mached en Lehr. Anderi studiered. Wieder anderi gründed es Unternehme, wechsled de Bruef oder entdecked erst nach vielne Jahr, was sie würklich erfüllt. Keine vo dene Weg isch automatisch besser oder schlechter als de ander. Und genau das macht für mich au en Teil vo eusere Schwiiz us: Dass so vieli verschiedene Wege nebeneinander Platz hend und mir trotzdem gemeinsam vorwärts gönd. Vellecht sitzt jetzt öpper da, wo s Gfühl het, ned dört z sii, wo er oder sie eigentlich sii sött. Vellecht het öpper en Prüefig ned bestande. Vellecht isch öpper grad uf de Suechi nach emene neue Weg. Oder vellecht fragt sich öpper, öb es überhaupt no en Weg git. Denne möchti sege: S Lebe isch keis Wettrenne. Es gaht ned drum, als Ersts oder als Schnellstes is Ziel z cho. Und es gaht au ned drum, de glich Weg z gah wie alli andere. Ich han glernt, dass Stärki ned bedütet, niemals unsicher z sii. Stärki bedütet, trotz dene Unsicherheite wiiterzgoh. Und mengisch bruchts meh Muet, en Plan z ändere, als stur dra festzhalte. Wenn ich hüt uf min bischerige Weg zruggluege, denn bini dankbar defür, dass ned immer alles funktioniert het. Denn genau dur das bini uf min momentan richtige Weg cho. Und wer weiss scho, was i de Zuekunft alles no passiere wird und wie viel Richtigsänderige es no geh wird. Vellecht wird au min Weg nomol ganz anders usgseh, als ich mir das hüt vorstelle.

Aber genau das isch ja s Schöne dra: Mir müend hüt no ned jedi Abzwiigig kenne, wo irgendeinisch vor eus liit. Us dem Grund wünsch ich Ihne hüt ned nume Erfolg. Ich wünsche Ihne de Muet, Plän z ändere, wenn sie nüm zu Ihne passed. D Kraft, nach Rückschläg wieder ufzstah. Und die Glasseheit, druf z vertraue, dass au en Umweg irgendeinisch Sinn ergeh cha. Und wenn mir hüt gemeinsam de Geburtstag vo eusere Schwiiz fiired, denn fiire mir au die Freiheit, euse eigeti Weg dörfe z goh. Aber au de Zämehalt, wo eus trotz all eusne unterschiedliche Wege verbindet. Und ich hoffe, dass mir beides mit i d Zuekunft nehmed: D Freiheit, euse eigeti Weg z wähle, und de Wille, trotzdem gemeinsam unterwegs z bliibe. Und falls Sie hüt hei gönd und s Gfühl hend, dass Ihres Lebe momentan grad ned nach Plan verlauft, denne denked Sie ah eis: Ned jede Weg füehrt gradus. Aber vieli füehred trotzdem as Ziel.

Herzliche Dank und en wunderschöne 1. August.