Stadt Köln – Hitzeschutzmaßnahmen an Schulen und Kitas in Köln; Kein Einsatz von Klimageräten, passive Kühlung bevorzugt aktuell
Beantwortung
Dezernat, Dienststelle VI/26
Vorlagen-Nummer
0705/2026 Beantwortung einer Anfrage nach § 4 der Geschäftsordnung öffentlicher Teil Gremium Datum Bezirksvertretung 5 (Nippes) 24.09.2026
Beantwortung der Anfrage AN/0441/2026 der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen bezüglich Hitzeschutzmaßnahmen an Schulen und Kitas Text der Anfrage:
- Gibt es eine zentrale Stelle in der Stadtverwaltung, an die sich die Verantwortlichen aus den kommunalen Kitas und Schulen, z.B. aus dem Bezirk Nippes, wenden können, wenn Sonneneinstrahlungen und/oder Hitzeentwicklungen bauliche Maßnahmen notwendig ma- chen?
- Hat die Stadtverwaltung Möglichkeiten der Finanzierung und zeitnahen (< 6 Monate) Um- setzung kleiner (< 8.000 Euro) baulicher Maßnahmen, wie Hitzezschutzfolien, Verschattungs- elemente an Fenstern oder der Installation von Lüftungs-/Kühlgeräten?
- Wer ist in der Fachverwaltung verantwortlich für die Beratung und Maßnahmenumsetzung der Klimaanpassungsmaßnahmen in Kitas und Schulen?
- Welche Voraussetzungen sind zu schaffen, damit die Stadtverwaltung die Kitas und Schu- len besser bei Hitzevorsorge u.ä. unterstützen kann, d.h. zeitnahe Umsetzung von günstigen Maßnahmen?
Antwort der Verwaltung: Zu 1.) Das Amt für Schulentwicklung der Stadt Köln und das Amt für Kinder, Jugend und Familie der Stadt Köln sind wie bei allen baulichen Belangen auch für den Hitzeschutz Ansprechpartner der Kitas und Schulen.
Zu 2.) Derzeit werden bei einigen Schulgebäuden, in denen es möglich ist, bauliche Hitzeschutz- maß-nahmen ausgeführt. Klimageräte sind bei diesen Maßnahmen aus ökologischen und wirtschaftlichen Gründen nicht vorgesehen. Die Gründe sind im unten angehängten ganzheitlichen Ansatz zum som- merlichen Wärmeschutz im Einzelnen erläutert.
Zu 3.) Bei Schulen stimmt das Amt für Schulentwicklung in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt ab, welche Hitzeschutzmaßnahmen sinnvoll zeitnah umzusetzen sind und beauftragt nach ei- ner gesicherten Finanzierung die Gebäudewirtschaft mit der Umsetzung.
In den Kitas verhält es sich analog zu den Schulen. Hier stimmt jedoch das Amt für Kinder, Ju- gend und Familie die Maßnahmen mit dem Gesundheitsamt ab.
Zu 4.) Die Voraussetzungen bestehen bereits.
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Anlage: ganzheitlicher Ansatz zum sommerlichen Wärmeschutz an Schulgebäuden
Die Aufrechterhaltung von zumutbaren Innentemperaturen in Schulen gewinnt angesichts der zunehmenden durchschnittlichen Zahl sommerlicher Hitzetage an Bedeutung. Alle Maßnah- men zum sommerlichen Wärmeschutz an Kölner Schulen basieren auf einem ganzheitlichen Ansatz, der verbindliche Vorgaben für Neubau und Sanierung, bedarfsgerechte Anpassungen im Bestand sowie das Mitwirken der Gebäudenutzenden umfasst. Bauliche und naturnahe Maßnahmen (passiver Schutz vor aktiver Kühlung) Gemäß den Energieleitlinien setzt die Stadt Köln auf das Prinzip „Vermeidung vor technischer Kühlung“. Passive Maßnahmen sind energetisch und ökologisch am wirksamsten: Verschattung und baulicher Wärmeschutz: Zur Vermeidung hoher Wärmelasten wird standardmäßig auf außenliegenden Sonnenschutz (z. B. Raffstoreanlagen), Sonnenschutzverglasung und schwere Massivkonstruktionen gesetzt. Klimafreundliche Außen- und Dachflächen: Standard, sofern statisch möglich, sind Dachbegrünungen in Kombination mit Photovoltaik, um das Mikroklima zu ver- bessern. Schulhöfe bleiben nach Möglichkeit entsiegelt. Die Pflanzung großkroni- ger, heimischer Laubbäume sorgt durch Schatten und Verdunstung für eine natürli- che Senkung der Umgebungstemperatur. Klimafreundliche Technik („Dual Use“): Wo Lüftungsanlagen in modernen Ge- bäuden, beispielsweise im Passivhausstandard, vorhanden sind, werden sie zur automatischen Nachtauskühlung genutzt. Beim Einsatz von Wärmepumpen wird geprüft, ob diese im Sommer zur passiven Kühlung über das ohnehin vorhandene Leitungssystem genutzt werden können.
- Verzicht auf klassische Klimaanlagen Die Energieleitlinien sehen grundsätzlich keinen Einbau/Nachrüstung von Klimagerä- ten vor. Gründe hierfür sind: Ökologische Nachteile: Klimaanlagen verbrauchen enorme Mengen Strom, ver- ursachen CO₂-Emissionen (auch durch Kältemittel) und heizen durch ihre Ab- wärme das städtische Mikroklima im Außenbereich weiter auf. Wirtschaftliche Aspekte: Die hohen Investitions-, Wartungs- und Betriebskosten stehen in keinem Verhältnis zu den wenigen echten Hitzetagen ohne Nachtabküh- lung im Jahr. Effizienz: Eine Klimaanlage funktioniert nur bei dauerhaft geschlossenen Fenstern und Türen effizient – dies ist erfahrungsgemäß im dynamischen Schulalltag kaum lückenlos zu gewährleisten.
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Ausnahme: In Räumen, in denen eine bestimmte Temperatur herrschen muss, werden Klimaanlagen verbaut, zum Beispiel Technikräumen, wie Serverräume o- der Vorratsräumen von Mensen, aufgrund von Wärmeentwicklung durch Kühl- schränke oder andere Geräte. Schulen im Allgemeinen zählen nicht dazu. 2. Vorgehen und Nachrüstung im Gebäudebestand Der bauliche Hitzeschutz hängt stark vom jeweiligen Planungs- und Baujahr des Schulgebäudes ab. Die Nachrüstung im Bestand erfolgt bedarfsorientiert: Nach der Meldung von konkreten Bedarfen durch die Schulen, werden ämterüber- greifend Maßnahmen, wie die Nachrüstung fester außenliegender Sonnenschutze geprüft, priorisiert und abgearbeitet. Als kurzfristige, flexibel umsetzbare Alternative können zudem innenliegende Ver- schattungen wie Vorhänge beschafft werden. 3. Organisatorische Maßnahmen und verantwortungsvolle Nutzung Ein funktionierender Wärmeschutz ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Auch die beste bauliche Infrastruktur wirkt nur, wenn sie richtig bedient und durch organisatorische Maßnahmen im Schulalltag ergänzt wird: Lüftung: Ein konsequentes Lüftungsverhalten ist unerlässlich: Quer- und Stoßlüf- ten in den kühlen frühen Morgenstunden und geschlossene Fenster tagsüber. Sonnenschutz: Wo vorhanden, ist der außenliegende Sonnenschutz rechtzeitig vor dem Eintreffen der Sonnenstrahlung durch die Nutzenden zu schließen, um die Hitze gar nicht erst ins Gebäude zu lassen. Die GW arbeitet kontinuierlich daran, insbesondere Schulen und Kitas Schritt für Schritt an die Herausforderungen durch die Klimaerwärmung anzupassen. Jede Sanierung und jeder Neu- bau werden konsequent nach den modernsten Standards des Wärmeschutzes realisiert, um auch in Zukunft die Aufrechterhaltung von zumutbaren Innentemperaturen zu gewährleisten. Dort, wo die jeweilige Kita oder Schule ihren Bedarf gemeldet hat, wird eine Verschattung (wie außenliegender Sonnenschutz) geprüft. Eine Verschattung kann aber auch durch Vorhänge erfolgen, die nicht fest verbaut sind.