Thekla Walker MdL Abfallbilanz 2025 Baden-Württemberg; 52 Prozent weniger Bodenaushub auf Deponien

Abfallbilanz 2025

Abfallbilanz 2025 Ressourcen aus unserer kommunalen Kreislaufwirtschaft

3 2 Liebe Leserin, lieber Leser, die Kreislaufwirtschaft ist ein wichtiger Faktor für die Lebensqualität in unserem Land. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur kommunalen Daseinsvorsorge. Sie stärkt unsere Wirtschaft – nicht zuletzt durch die Bereitstellung von Energie und Sekundärrohstoffen aus unseren Abfällen. Die wachsende Anzahl an Green-Tech-Unternehmen in Baden-Württemberg, die in der Abfallverwertung tätig sind, zeigt, dass sich etwas bewegt. Der grundlegende Umbau unserer Wirtschaft hin zu einer echten Kreislaufwirtschaft ist in Gang gekommen. Aus guten Gründen haben wir viele wichtige Themen der Kreislaufwirtschaft in den aktuel­ len Koalitionsvertrag aufgenommen. Wir wollen Landesgesetze und -vorgaben vereinfachen und verschlanken. Genehmigungsverfahren wollen wir beschleunigen und den Umgang mit Abfällen praxisgerechter gestalten. Im Land wollen wir mit dem Innovationszentrum „Zirkuläres Bauen“ (InZiBau) bei der LUBW (Landesanstalt für Umwelt Baden-Württemberg) sowie der Weiter­ entwicklung des Strategiedialogs „Wohnen und Innovatives Bauen“ (SDB) die Kreislaufwirtschaft im Bauwesen voranbringen. Ein großes Potenzial sehen wir auch bei der gesteigerten Nutzung von Bioabfällen für die Produktion von Biogas und hochwertigen Komposten. Dies geht Hand in Hand mit der Umsetzung des Abfallwirtschaftsplans für Baden-Württemberg. Mit diesem Plan verfolgen wir ehrgeizige Ziele: Neben dem Ausbau unserer Deponiekapazitäten wollen wir die Restabfallmengen durch eine Opti­ mierung der getrennten Bioabfall- und Wertstoff­ sammlung deutlich vermindern. Alle gesammelten häuslichen Bioabfälle sollen zukünftig auch energetisch verwertet und zur Biogaserzeugung genutzt werden. Daraus folgt ein erheblicher Mehrbedarf an Bioabfall-Vergärungsanlagen, die zeitnah im Land errichtet werden müssen. Unsere Abfallbilanz zeigt auch die Leistungs­ fähigkeit und das hohe Qualitätsniveau der kom­ munalen Kreislaufwirtschaft auf: Die Entwicklung ist im Jahr 2025 von großer Kontinuität geprägt. Wichtige Daten zu den häuslichen Abfällen haben sich gegenüber dem Vorjahr nur wenig geändert. Demgegenüber fällt auf, dass das 2024 erlassene Deponierungsverbot für verwertbare Abfälle bereits Wirkung zeigt. Seit 2024 finden kaum noch Ablagerungen auf Deponien für unbelastetes Erdmaterial statt. Die Ablagerungsmengen von Bodenaushub auf kom­ munalen Deponien sind zwischen dem Jahr 2023 und dem Jahr 2025 auf rund 1,5 Millionen Tonnen zurückgegangen. Das entspricht – sicher auch durch die Baukon­ junktur beeinflusst – einem Minus von 52 Prozent. An diesem Beispiel wird deutlich, welches Poten­ zial Maßnahmen zur Verbesserung der Abfallver­ wertung und -vermeidung haben können. Am Anfang von Abfallvermeidung und -verwertung tragen wir die Verantwortung. Wir definieren bereits mit unseren Kaufentscheidungen, was wir wieder entsorgen müssen. Bewusste Kaufent­ scheidungen und eine gute Abfalltrennung bilden die essenzielle Voraussetzung für eine effiziente und gut funktionierende, echte Kreislaufwirt­ schaft. Auch deswegen ist mir die Abfallbilanz als wichtige Information für alle Bürgerinnen und Bürger von großer Bedeutung. Vielen Dank an Alle, die bewusst zur Abfallvermeidung und einer nachhaltigen Verwertung beitragen. Bei der Abfallbilanz arbeiten Land, Kommunen und Wirtschaft seit vielen Jahren sehr erfolg­ reich zusammen. Für die zeitnahe Bereitstellung der Daten durch die öffentlich-rechtlichen Ent­ sorgungsträger und die wichtige Pflege unserer Abfalldatenbank durch das Statistische Landes­ amt bedanke ich mich bei allen Beteiligten ganz herzlich. Diese enge Zusammenarbeit ist eine gute Basis für alle Maßnahmen zur Weiterentwicklung unserer Kreislaufwirtschaft. Ich bin mir sicher: Auf diese Weise werden wir die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich meistern. Thekla Walker MdL Ministerin für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft des Landes Baden-Württemberg

5 4 Allgemeine Hinweise zu den Zahlen der Abfallbilanz • Zur Berechnung des Abfallaufkommens pro Kopf werden die Bevölkerungszahlen aus der amtlichen Fortschreibung

mit Stand 30.06. des jeweiligen Jahres verwendet.

Die Basis der Fortschreibung hat gewechselt. Die Bevölkerungszahlen der Jahre bis 2010 basieren auf der Volkszählung 1987.

Die Jahre 2011 bis 2021 basieren auf dem Zensus 2011. Seit dem Jahr 2022 ist der Zensus 2022 die Basis für die Fortschreibung.

Um die Auswirkungen des Basiswechsels sichtbar zu machen, werden die Pro-Kopf-Aufkommen in den Jahren 2011

und 2022 jeweils mit alter und neuer Basis berechnet und nebeneinander dargestellt. • Differenzen in den Summen ergeben sich durch Runden der Zahlen. • Zeichenerklärung zu den Tabellen:

– nichts vorhanden . kein Nachweis vorhanden oder geheim zu halten 0 Mengen vorhanden, gerundeter Wert Inhalt Auf einen Blick

  1. Aktuelles aus der Kreislaufwirtschaft 1.1 Planungen und Regelungen auf EU-Ebene 1.2 Planungen und Regelungen auf Bundesebene 1.3 Kreislaufwirtschaft auf Landesebene
  2. Mengenüberblick 2.1 Siedlungsabfälle 2.2 Kommunal entsorgte Baumassenabfälle 2.3 Erläuterungen zur Erhebung
  3. Kreisergebnisse
  4. Bio- und Grünabfälle 4.1 Rechtlicher Hintergrund und Situation in Baden-Württemberg 4.2 Sicherung der Qualität der Bioabfälle 4.3 Mengen und Entsorgungswege 4.4 Hochwertige Bioabfallverwertung 4.5 Beitrag zum Klimaschutz 08 – 11 12 – 27 13 16 19 28 – 45 29 34 34 46 – 77 78 – 87 79 79 81 86 87

7 6 5. Klärschlammentsorgung 5.1 Rechtlicher Hintergrund und Situation in Baden-Württemberg 5.2 Mengen und Entsorgungswege 5.3 Aktuelle Klärschlammentsorgungssituation 5.4 Rückgewinnung von Phosphor in Baden-Württemberg 6. Bau- und Abbruchabfälle 7. Gebühren 8. Entsorgungsanlagen 8.1 Betreiber von Erstbehandlungsanlagen für Elektroaltgeräte 8.2 Sortieranlagen und Zerlegeeinrichtungen 8.3 Restabfallbehandlungsanlagen 8.4 Biologische Abfallbehandlungsanlagen 8.5 Deponien 8.6 Verfüllung in übertägigen Abbaustätten in Baden-Württemberg 9. Post- und Internetadressen Tabellen- und Abbildungsnachweis / Impressum 110 – 129 111 112 114 116 117 129 130 – 134 135 – 136 88 – 97 89 95 96 97 98 – 101 102 – 109

9 8 0 1 2 3 4 5 6 5,16 5,04 3,13 2,45 0,20 0,20 Siedlungsabfälle Baumassenabfälle Sonstige Abfälle Millionen Tonnen 2024 2025 Im Jahr 2025 wurden insgesamt rund 7,7 Millionen Tonnen an Abfällen über die örE entsorgt. Im Wesentlichen bestand das kommunale Abfallaufkommen aus rund 5,0 Millionen Tonnen an Abfällen aus dem Siedlungsbereich sowie aus gut 2,4 Millionen Tonnen an Baumassenabfäl­ len (Bauschutt, Straßenaufbruch, Bodenaushub). Im Vergleich zum Vorjahr verringerte sich die Menge der kommunal entsorgten Baumassenabfälle um 21,8 Prozent. Pro-Kopf-Aufkommen in Kilogramm je Einwohner/-in Wertstoffe aus Haushalten 143 kg je Einwohner/-in Haus- und Sperrmüll 136 kg je Einwohner/-in Grünabfälle 88 kg je Einwohner/-in Abfälle aus der Biotonne 55 kg je Einwohner/-in Elektro- und Elektronikaltgeräte 6,9 kg je Einwohner/-in Problemstoffe 0,9 kg je Einwohner/-in Sonstige kommunale Siedlungsabfälle 19 kg je Einwohner/-in 0 20 40 60 80 100 120 140 160 Aufkommen an häuslichen Abfällen leicht gesunken Getrenntsammlung von häuslichen Bioabfällen konstant Veränderungen gegenüber 2024 in Kilogramm je Einwohner/-in Ausgewählte Wertstofffraktionen nach der Sortierung -2,2 +0,2 -1,2 -0,9 Hausmüll Sperrmüll Abfälle aus der Biotonne Wertstoffe aus Haushalten -0,7 -0,9 +0,6 +0,9 Glas Papier Metalle Holz 0 20 40 60 80 100 120 140 125 123 119 119 122 113 114 Hausmüll Abfälle aus der Biotonne Pro-Kopf-Aufkommen in Kilogramm je Einwohner/-in Basis Zensus 2011 Basis Zensus 2022 116 2024 113 2023 2012 2014 2016 2018 2020 2022 2022 114 2025 44 46 49 50 55 54 54 56 54 55 Mit der zunehmenden Getrenntsammlung von häuslichen Bioabfällen seit 2012 sank das Haus­ müllaufkommen in Baden-Württemberg. Die Abnahme der Hausmüllmenge entsprach in etwa dem Zuwachs an getrennt gesammelten Bioabfällen. Seit 2022 hält sich der Anteil an getrennt gesammelten Bioabfällen auf dem erreichten Niveau. Das Gesamt-Pro-Kopf-Aufkommen an häuslichen Abfällen nahm im Vergleich zum Vorjahr von 338 kg/Ea auf 334 kg/Ea leicht ab. Das Pro-Kopf-Aufkommen beim Hausmüll (Restabfall) sank um 2 kg/Ea auf 114 kg/Ea. Nur Sperrmüll und einzelne Wertstofffraktionen legten im Vorjahres­ vergleich leicht zu. Die Sammelmenge von Altpapier bleibt mit minus 0,9 kg/Ea rückläufig. Kommunales Abfallaufkommen 2025: Entsorgung von Bauabfällen ging weiter zurück Kommunale Siedlungsabfälle in Baden-Württemberg 2025 Die Stadt- und Landkreise erfüllen in Baden-Württemberg die Aufgaben der öffentlich-rechtlichen Entsorgungsträger (örE). Sie erstellen jährlich eine Abfallbilanz über Art, Menge, Herkunft und Ver­ bleib der in ihrem Gebiet angefallenen und von ihnen entsorgten Abfälle. Auf einen Blick werden auf zwei Doppelseiten die wichtigsten Ergebnisse der Abfallbilanz 2025 kompakt dargestellt. Auf einen Blick Abfallbilanz 2025 Auf einen Blick Statistisches Landesamt Baden-Württemberg Statistisches Landesamt Baden-Württemberg

11 10 Die Abfallgebühren werden in jedem Stadt- und Landkreis durch individuelle Gebührensatzungen festgelegt. Im Vergleich zum Vorjahr sind die durchschnittlichen Jahresabfallgebühren für einen 4-Personen-Haushalt um rund 11 Euro gestiegen. Das entspricht einem prozentualen Preisanstieg von 5,6 Prozent und somit knapp 93 Cent mehr pro Monat. Die allgemeinen Preissteigerungen der letzten Jahre machen sich auch bei den Abfallgebühren deutlich bemerkbar. Fragen zu Details der Abfallgebührengestaltung sind aufgrund der oben genannten Zuständigkeit direkt an den betreffen­ den Stadt- beziehungsweise Landkreis zu richten. RB Stuttgart RB Karlsruhe RB Freiburg RB Tübingen Ausgebautes Restvolumen 31.12.2025 DK I und II Einbauvolumen DK I und II Millionen m³ 0,0 0,5 1,0 1,5 2,0 2,5 3,0 2,6 Millionen m³ 0,9 Millionen m³ 0,8 Millionen m³ 2,0 Millionen m³ Die ungleiche Verteilung der Deponiekapazitäten verdeutlicht einen akuten Handlungsbedarf beim regionalen Deponieausbau. Ohne rechtzeitige Erweiterungen steuern manche Regionen auf einen kritischen Engpass bei der Ablagerung von nicht verwertbaren mineralischen Abfällen zu. Um die regionale Entsorgungssicherheit zu gewährleisten, muss die Schaffung neuen Deponievolumens weiterhin prioritär vorangetrieben werden. Immer mehr Abfälle aus der Biotonne durchlaufen in Baden-Württemberg eine sogenannte Mehrfach­ nutzung: Zuerst entsteht aus den Bioabfällen in einer Vergärungsanlage energiereiches Biogas, dann werden die Gärreste zu hochwertigen Düngemitteln (flüssiger Gärrest und/oder Kompost) weiterver­ arbeitet. Im Jahr 2025 war die Mehrfachnutzung mit 79 Prozent der gesammelten Biotonnenabfälle das am häufigsten angewendete Verwertungsverfahren. Somit gab es hier einen erfreulichen Anstieg von 5 Prozentpunkten im Vergleich zum Vorjahr. Nur noch 21 Prozent aller Abfälle aus der Biotonne wurden ohne Energiegewinnung in einer Kompostierungsanlage zu Kompost umgewandelt. 79 Prozent der häuslichen Bioabfälle gingen in Vergärungsanlagen 69 Prozent der Grünabfälle werden wieder in den Nährstoffkreislauf zurückgeführt EUR 0 EUR 50 EUR 100 EUR 150 EUR 200 EUR 196,70 EUR 250 EUR 174,91 EUR 156,22 EUR 207,80 2010 2025 2026 2002 Der überwiegende Anteil, nämlich 69 Prozent der kommunal gesammelten Grünabfälle wurde im Jahr 2025 einer Kompostierungsanlage und/oder einem Erdenwerk zugeführt. Dort entstehen hochwertige Komposte und Pflanzsubstrate für den Einsatz im Landschafts- und Gartenbau sowie in der Landwirt­ schaft. Die Nährstoffe aus den Grünabfällen gelangen so zurück in den natürlichen Kreislauf. Holzige Grünabfälle sind für die Kompostierung weniger geeignet und werden daher häufig energetisch verwertet. Im Jahr 2025 waren dies 31 Prozent des Aufkommens. Abfallgebühren steigen weiter Ver