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title: "Solidar Suisse reduziert US-Entwicklungsfinanzierung in Asien; 1,5 Mio CHF 2025; 1,2 Mio 2026 verloren"
sdDatePublished: "2026-08-12T12:07:00Z"
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Solidar Suisse reduziert US-Entwicklungsfinanzierung in Asien; 1,5 Mio CHF 2025; 1,2 Mio 2026 verloren

USAID-Kürzungen: Wie ein Programm halbiert wurde | Solidar Suisse

USAID-Kürzungen: Wie ein Programm halbiert wurde

Melanie Wirz 12. August 2026 · 0 Kommentare

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Mit dem abrupten Stopp grosser Teile der US-Entwicklungsfinanzierung im Jahr 2025 brachen weltweit Projekte weg – auch bei Solidar Suisse in Asien. Innerhalb kurzer Zeit ging rund die Hälfte des Programms verloren. Was folgte, sind Einschnitte, deren Auswirkungen bis heute spürbar sind.

Als Washington im Frühling 2025 die «Stop-Work Order» verschickte und das faktische Aus der US-Entwicklungsbehörde USAID bekanntgab, befand sich Solidar Suisse mitten in laufenden Verhandlungen: Projekte waren ausgearbeitet, Partnerschaften etabliert, neue Verträge bereit zur Unterschrift. «Wir sassen wortwörtlich am Verhandlungstisch mit USAID, alles war bereit», erinnert sich Anja Ibkendanz, Programmverantwortliche Asien bei Solidar Suisse. «Die Zuständige in Washington sagte noch: Wir müssen das vor dem Regierungswechsel am 6. Januar durchbringen.» Doch dazu kam es nicht mehr.

Was dieser abrupte Stopp konkret bedeutete, zeigte sich unmittelbar in den Zahlen – und in den Einschnitten unserer Arbeit in Asien. Vier Projekte mussten geschlossen werden, mehrere Stellen im Team fielen weg. Allein im Jahr 2025 gingen rund 1,5 Millionen Franken an Fördergeldern verloren, 2026 kamen nochmals rund 1,2 Millionen dazu – weg war auch die Aussicht auf eine zweite Phase des Global Labour Programme (GLP, siehe Kasten). Zwei weitere Projekte wären ohnehin ausgelaufen, doch bereits 2025 bedeutete die Streichung, dass rund die Hälfte des gesamten Programms wegfällt. «Das waren krasse Einschnitte», sagt Anja Ibkendanz. «Wir konnten nicht Leute von heute auf morgen auf die Strasse stellen und alle Aktivitäten sofort auf null setzen. Das war völlig unrealistisch. Es war völlig unverantwortlich von der US-Regierung.»

Was ist GLP-POWER? Das Projekt «Platform for Organising by Workers for Empowerment and Recognition» (GLP-POWER) wurde im Rahmen des Global Labor Program von USAID finanziert. Ziel war es, marginalisierte, informell Beschäftigte zu stärken, damit sie ihre Verhandlungsmacht ausbauen und besseren Zugang zu menschenwürdiger Arbeit und sozialer Absicherung erhalten – auch angesichts zunehmend eingeschränkter demokratischer Handlungsspielräume in der Region. Im Zentrum standen neue Formen der Organisierung für prekär Beschäftigte, um ihre Handlungsfähigkeit, regionale Solidarität und die Sichtbarkeit ihrer Anliegen zu stärken und Hindernisse in einem oft restriktiven politischen Umfeld zu überwinden.

Das Schreiben von US-Aussenminister Marco Rubio verlangte einen sofortigen Arbeitsstopp in den von USAID mitfinanzierten Projekten. Für viele Partnerorganisationen kam der Entscheid so unerwartet, dass sie ihn zunächst nicht glaubten – auch grössere Organisationen nicht. Bis heute verhandelt Solidar Suisse mit mehreren Partnern über offene Beträge, weil diese nach dem abrupten Stopp weiter Geld für den Abschluss der Projektaktivitäten und Personal ausgaben – was ursprünglich über USAID finanziert worden wäre. In Washington herrschte lange Funkstille; erst im Juni 2026 meldete sich USAID mit einer neuen Kontaktperson zurück. Ob und wie viel Geld zurückerstattet wird, ist weit erhin offen. Solidar Suisse und die Projektpartner haben mindestens die Erstattung der Kosten bis Ende Mai 2025 für den ordentlichen Projektabschluss einschliesslich der finalen Berichterstattung eingefordert.

Ein Beispiel aus der Praxis

Was diese Kürzungen vor Ort bedeuten, zeigt sich etwa bei einem Kollektiv von Fahrer*innen aus der Plattform-Ökonomie. Sie hatten sich zu einer Solidargemeinschaft zusammengeschlossen, in die alle regelmässig einzahlten – wer einen Unfall hatte, wurde daraus unterstützt. Ein einfaches, wirkungsvolles System sozialer Absicherung, entstanden aus Organisierungsarbeit, die durch das Projekt GLP-POWER gefördert wurde. «Es ist nicht alles weg, weil die Leute sich ja selbst organisieren und die Strukturen weitertragen können», sagt Anja Ibkendanz, «aber eben nicht mehr in diesem Ausmass, weil das Geld nicht mehr da ist, um sich regelmässig mit anderen Solidargemeinschaften zu treffen, oder für Publikationen, um ihre Forderungen und Erfahrungen zu teilen.»

Auch der Zugang zu Informationen über Arbeitsrechte und soziale Absicherung ist grösstenteils weggebrochen – etwa über eine entwickelte App und Plattform sowie über Schulungen vor Ort. «Der Ausstieg dort ist viel zu früh passiert», so Ibkendanz. Auch Materialien eines Londoner Projektpartners zu neuen Arbeitsgesetzen für die sogenannte Gig-Economy in der Region stehen seither nicht mehr zur Verfügung. Besonders betroffen sind Menschen ohne formelle Arbeitsverträge, für die es – anders als in klassischen Industrien – oft keine gewerkschaftliche Vertretung gibt, weil nationale Gesetze das in vielen asiatischen Ländern gar nicht zulassen.

Vor allem Arbeiterinnen und Arbeiter im informellen Sektor, also ohne Absicherungen, treffen die Einschnitte hart.

Kein Kollaps, aber verlorenes Potenzial

Trotz allem geht die Arbeit weiter. Organisierungsprozesse bestehen fort, andere Geldgeber können sich weiterhin engagieren – auch im kritischen Nickel-Bergbau in Indonesien, wo Solidar Suisse Arbeiter*innen auf abgelegenen Inseln über ihre Rechte informiert. «Aber es ist bedauerlich, dass die Gewerkschaft dort nicht mehr dasselbe bewirken kann wie zuvor», sagt Anja Ibkendanz. Was fehlt, ist die Möglichkeit, das Erreichte weiter auszubauen. Und dieser Trend steht nicht isoliert da: Kürzungen bei Entwicklungsgeldern sind auch in Europa spürbar, inklusive der Schweiz – während gleichzeitig mehr Organisationen um weniger verfügbare Mittel konkurrieren. Das erschwert auch die vielerorts geforderte «Lokalisierungs-Agenda», bei der Partnerorganisationen vor Ort direkt selbst mehr Geld oder mehr direkte Entscheidungsmacht über Gelder erhalten sollten.

Ausblick: Weniger Planbarkeit, neue Prioritäten

Auch langfristig hinterlässt die Reduktion der Gelder für internationale Zusammenarbeit Spuren. «Man hat eine wahnsinnige Planungsunsicherheit», sagt Ibkendanz. «Früher hatten wir mehrjährige Verträge mit Partnern gemacht. Heute wissen wir wegen der Finanzen nicht einmal genau, was 2027 möglich ist.» Das prägt auch die inhaltliche Ausrichtung des Asien-Programms. Der Schwerpunkt Decent Work bleibt bestehen, aber arbeitsrechtlich orientierte Ansätze geraten unter Druck. Das Programm setzt auf eine breitere Kombination, beispielsweise mit der Fähigkeitsausbildung und Unterstützung beim Aufbau von Kleinstunternehmen im informellen Sektor oder dem Schutz von Kindern und jungen Menschen, die in humanitären Krisen von extremer Ausbeutung bedroht sind. Gleichzeitig bleibt das politische Umfeld in vielen Ländern angespannt: Zivilgesellschaftliche Handlungsspielräume schrumpfen, auch die Meinungsfreiheit steht vielerorts unter Druck – und genau dort fehlen nun Mittel, um gegenzusteuern.

«Früher hatten wir mehrjährige Verträge mit Partnern gemacht. Heute wissen wir wegen der Finanzen nicht einmal genau, was 2027 möglich ist.»

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Melanie Wirz 12. August 2026

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