Stadt Wuppertal Werth-Einkaufszone steigende Baukosten; Kosten bis 15 Mio Euro

Steigende Baukosten in Wuppertaler Einkaufszone | Bund der Steuerzahler e.V.

Sparsame Lösung: Milchlaster wird Feuerwehrwagen in Nümbrecht

Vereine steigen ab, Steuerzahler zahlen drauf

Steigende Baukosten in Wuppertaler Einkaufszone

Pannen, Problemen und Mehrkosten in Wuppertal-Barmen ibei der Neugestaltung einer Einkaufszone: Die Entscheidung für ein Natursteinpflaster wirkt sich rückblickend besonders verhängnisvoll auf die Baukosten aus. Dabei wären Betonsteine von Anfang an eine günstigere Alternative gewesen.

Der Werth, die zentrale Einkaufszone in Wuppertal-Barmen, soll schöner werden. Eigentlich sollten dort auf einer Länge von ca. 650 Metern Natursteinplatten verlegt werden, und in unterschiedlichen Formaten und Farbnuancen sollte der Eindruck eines gewobenen Teppichs entstehen. Dieser neue „Kulturteppich Barmen“ - jetzt wird er mit Betonstein gebaut - soll zudem durch wechselnde Licht- und Soundelemente untermalt werden, um die jeweiligen Atmosphären und Stimmungen zu unterstützen.

2018 begannen die Planungen, und in einer frühen Phase sollte das Projekt fünf Millionen Euro kosten. Seit September 2025 wird gebaut, und inzwischen liegen die Kosten bei knapp 15 Millionen Euro. Die maximal förderfähige Summe ist mittlerweile bei 10,6 Millionen Euro gedeckelt. Teurer wurde es unter anderem durch allgemeine Baukostensteigerungen, zusätzliche Planungskosten, Anpassung an Förderrichtlinien und Puffer für archäologische Funde. Doch letztlich war es die Wahl von Natursteinen für den Bodenbelag, die sich als eine verhängnisvolle Fehlentscheidung entpuppte. Unser Überblick über die sich daraus ergebende Kette von Stolpersteinen erhebt wegen der komplexen Sachlage keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Nachdem ein Unternehmen mit der Lieferung von Natursteinen beauftragt worden war, stellte sich heraus, dass die Leistungsbeschreibung und die Angebotswertung voneinander abwichen - ein unheilbarer Vergabefehler. Der Auftrag wurde im April 2022 von der Stadt gekündigt und neu ausgeschrieben, auch um die Inanspruchnahme von Fördermitteln nicht zu gefährden. Die Firma erhielt nach Aussagen der Stadt einen Schadensausgleich in Höhe von 215.000 Euro. Neben Mehrkosten für Schadenersatz und Neuausschreibung hatte diese Panne auch eine Zeitverzögerungen zur Folge: Der ursprüngliche Baubeginn war für das Frühjahr 2022 vorgesehen; die Neuausschreibung erfolgte schließlich erst im März 2025.

2”. Stolperstein: Neue Vorgaben beim Denkmalschutz

Die Zeitverzögerung zwischen 2022 und 2025 ist jedoch nicht allein auf die Vertragskündigung zurückzuführen. Mitten in die bereits laufende neue Ausschreibung platzte eine Gesetzesänderung zum 1. Juni 2022 mit neuen Vorgaben zum Denkmalschutz. Das machte umfangreiche Voruntersuchungen des Bodens und eine Anpassung der Ausschreibungsunterlagen nötig. „Da das Barmer Zentrum eine hohe industrie-historische Bedeutung besitzt, waren umfangreiche archäologische Suchschachtungen notwendig, um die Umsetzbarkeit der Planung im Untergrund zu prüfen“, erklärte die Stadt Wuppertal.

Die archäologischen Voruntersuchungen im Jahr 2023 kosteten rund 122.490 Euro. Die archäologische Baubegleitung bis voraussichtlich Mitte 2027 wird aktuell mit 750.000 Euro kalkuliert. Kosten durch vorsichtiges Arbeiten oder potenzielle Stillstände können erst nach Abschluss der Maßnahmen final beziffert werden. so die Stadt Wuppertal. Hinzu kommen weiterhin nur schwer abschätzbare Kostensteigerungen aufgrund des gegebenen Baugrundrisikos. Im Baubereich besteht sowohl der Verdacht auf archäologische Bodendenkmäler sowie auf Kampfmittelbefunde, teilt die Stadt Wuppertal auf die Anfrage des Bundes der Steuerzahler NRW mit.

Aufgrund der Zeitverzögerungen kam es auch zu teuren Lagerkosten für Leuchtmasten, Lautsprecher und Verteilerschränke. Die Stadt hatte diese Gegenstände der ehemaligen Auftragnehmerin nach der ersten gekündigten Ausschreibung abgekauft, um sie für das Projekt zu sichern. Seit 1. Mai 2023 sind die Sachen zu Kosten von 800 Euro monatlich eingelagert. Nun würden sie sukzessive entsprechend dem Baufortschritt installiert, sagt die Stadt Wuppertal.

Bei der Ausschreibung wurden ein externer Sachverständiger für Natursteine hinzugezogen und vielfältige Vorgaben gemacht. Jede Lieferung der Steine wurde während eines Zeitraums von 1,5 Jahren zudem laut Ratsunterlagen optisch überprüft. Trotz dieses Aufwands zeigten sich bei der Endabnahme im Jahr 2024 qualitative Mängel bei den Natursteinen. Für eine intensive Nutzung des Werths durch Anlieferungen oder Schausteller bei Festen waren sie offensichtlich nicht geeignet. Die Stadt trat vom Kaufvertrag zurück, hatte aber bereits 1,6 Millionen Euro für die Steine gezahlt.

5›.“ Stolperstein: Noch mehr Lagerkosten

Aktuell befi nden sich die Natursteine weiterhin im Eigentum der Stadt Wuppertal. Für die fachgerechte Lagerung seit Anfang des Jahres 2023 sind bislang 13 Quartalsmieten zu jeweils 7.500 Euro angefallen, insgesamt 97.500 Euro. Der Lieferant wurde aufgefordert, die Steine abzuholen. Eine Erstattung der bereits geleisteten Zahlungen durch den Lieferanten ist bislang noch nicht erfolgt. Die Stadt Wuppertal fordert aktuell eine Summe von insgesamt 2.017.457,81 Euro zurück. Auch die Lagerkosten sind Bestandteil der oben genannten Gesamtforderung. Die Stadt spricht von „laufenden juristischen Klärungen“. Ob die Kosten für die Natursteine und ihre Lagerung erstattet werden, ist offen. Die Lagerkosten laufen weiter.

Die Stadt beschloss den Wechsel auf hochwertigen Betonstein, um weitere Risiken und Verzögerungen zu minimieren. Das bedeutete zusätzliche Kosten von 750.000 Euro. Bei den Vorteilen dieser Betonsteine wird die Stadt Wuppertal in Ratsvorlagen und auf der Projektseite geradezu euphorisch: Betonsteine seien viel günstiger, hätten kürzere Beschaffungszeiträume, können bei diversen Herstellern bezogen werden, haben durch die maschinelle Fertigung eine deutlich höhere Maßhaltigkeit, erfüllen die Anforderungen der intensiven und vielfältigen Nutzung besser, bleiben in Haptik und Farbigkeit eigenständig ablesbar, fügen sich zugleich in das städtebauliche Umfeld ein und tragen dazu bei, der Barmer Fußgängerzone eine neues, qualitätvolles Image zu verleihen.

Zudem würden die Betonsteine das Sonnenlicht besser reflektieren und somit eine Aufheizung der Innenstadt minimieren. Auch der Projektplaner sei der Meinung, dass mit den Betonsteinen das Gestaltungsziel erhalten bleibe. Offen bleibt die Frage, warum in aller Welt sich die Verantwortlichen nicht gleich für Betonsteine entschieden haben. Viele Zusatzkosten wären so erst gar nicht entstanden.

Hinterher ist man immer schlauer, könnte man einwenden. Doch gibt es Haushaltsgesetze, die eine effiziente und sparsame Verwendung des Steuergeldes vorschreiben. Wenn Betonstein so viele Vorteile hat und Naturstein teuer, schwer zu beschaffen und zudem noch schwankend in seiner Qualität ist, hätte sich die Stadt von Anfang an für die Betonsteine entscheiden müssen.

Neue Zahlen: Abfall- und Abwassergebühren in NRW 2026

Grundsteuer B macht Wohnen teurer: Hebesatzvergleich NRW 2026

Steuerwehr NRW: Neu auf Instagram

Steigende Baukosten in Wuppertaler Einka…

Die Entscheidung für ein Natursteinpflaster wirkt sich rückblickend besonders verhängnisvoll auf die Baukosten aus.

Bund der Steuerzahler Nordrhein-Westfalen e. V.