Berliner Volksbühne installiert temporäres Schwimmbecken am Rosa-Luxemburg-Platz; Kosten 300.000 Euro, aus Bühnenhaushalt gedeckt
Fragwürdige Aktion der Volksbühne | Bund der Steuerzahler e.V.
Ein Kommentar von Dipl.-Volkswirt Steffen Bernitz-Lauseker, Referent für öffentliche Finanzen beim Bund der Steuerzahler Berlin e.V.
Berlin bekommt in diesem Sommer ein neues (temporäres) öffentliches Schwimmbad. Allerdings haben die Berliner Bäderbetriebe damit nichts zu tun. Betrieben wird das Schwimmbad von der Berliner Volksbühne.
Da soll nochmal einer sagen, Berlins Kultur leidet unter knappen Kassen. Die Berliner Volksbühne stellt sich für acht Wochen ein temporäres 25 Meter langes und fünf Meter breites Schwimmbecken auf den Rosa-Luxemburg-Platz. Die Kosten für das Projekt betragen stolze 300.000 Euro, die die Bühne einfach mal so aus ihrem Haushalt stemmt.
Die Volksbühne will nach eigenen Angaben mit dem Projekt ein Zeichen gegen den Verfall der Infrastruktur setzen „In einer Stadt, in der in den letzten Jahrzehnten systematisch Infrastruktur abgebaut wurde, und öffentliche Orte zunehmend kommerzialisiert und kontrolliert werden, ist das VOLKSBAD eine erste urbane Intervention der neuen Intendanz und eine sommerliche Einladung an die Hauptstadt“, heißt es auf der Homepage der Volksbühne.
Der „sommerlichen Einladung“ sollen in den nächsten Wochen insgesamt etwa 19.700 Personen folgen können, rechnet die Berliner Kulturverwaltung in einer Schriftlichen Anfrage der SPD vor. Maximal 46 Personen sollen sich demnach gleichzeitig im Wasser aufhalten können, weitere 54 Personen haben auf dem Gelände des Schwimmbades Platz. Die Tickets sind für die Besucher kostenlos.
Ob sich in Sachen Verfall der Infrastruktur etwas ändern lässt, wenn man acht Wochen lang eine Gratis-Schwimmbad-Party feiert, bleibt jedoch fraglich. Die Volksbühne hat im letzten Jahr Einnahmen in Höhe von ca. 4,4 Millionen Euro, u.a. aus Ticketverkäufen. Dem gegenüber stehen Ausgaben in Höhe von ca. 28 Millionen Euro. Die Differenz, also 23,6 Millionen Euro, kommen vom Land Berlin. Der überwiegende Teil des Haushaltes ist also über Zuschüsse vom Steuerzahler finanziert.
In Zeiten knapper Kassen ist in der Kulturszene der Aufschrei groß, wenn man beim Senat auch nur von Einsparungen spricht. An der Aktion der Volksbühne sieht man aber, dass es den Bühnen so schlecht nicht gehen kann, wenn für derartige Spaßprojekte noch Geld im Haushalt übrig ist.
Wer in der letzten Zeit mal in dem einen oder anderen Berliner Schwimmbad gewesen ist, der weiß, wo die 300.000 Euro besser angelegt wären. Leider kann man jeden Euro nur einmal ausgeben. Mit den 300.000 Euro, die im Haushalt der Volksbühne gelandet sind, macht man dort halt jetzt halt eher eine sommerliche Werbeaktion und gibt dem Kind einen Namen – irgendwas mit „gegen den Verfall der Infrastruktur!“.
Die Volksbühne hätte auch auf ihr Schwimmbad verzichten und das eingesparte Geld dem Senat zurückgeben können. Dann hätte man damit vielleicht tatsächlich etwas gegen den Verfall der Infrastruktur ausrichten können.
Das Volksbad vor der Volksbühne kurz vor dem “Anbaden”.
Tagesthemen, 08.08.2026 … Wie kann man sich da so einen Pool leisten, wundert sich Alexander Kraus vom Bund der Steuerzahler Berlin. “Die Kulturlandschaft wird massiv vom Senat gefördert, was ja im Prinzip auch richtig ist, aber offensichtlich hat der Theaterbetrieb der Volksbühne zu viel Geld übrig, dass sie dann zusätzlich noch ein Schwimmbad betreiben kann”, so Kraus. https:
Bund der Steuerzahler Berlin e.V. Lepsiusstr. 110 12165 Berlin
Dipl.-Volkswirt Steffen Bernitz-Lauseker Referent für öffentliche Finanzen Tel.: 030 790107-13
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300k für ein temporäres Planschbecken
© Alexander Kraus, BdSt Berlin
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