Universität Leipzig untersucht, welche Rolle verlässliche Beziehungen und emotionale Sicherheit beim Schulstart in Sachsen spielen; Langfristige evidenzbasierte Empfehlungen
Universität Leipzig: Was Kinder für einen guten Schulstart stärkt
Internationale Studie unter Federführung des Humboldt Wissenschaftszentrums für Kindesentwicklung
Was Kinder für einen guten Schulstart stärkt
Für rund 38.000 Kinder in Sachsen beginnt am kommenden Samstag (15. August 2026) ein neuer Lebensabschnitt. Der Schulanfang ist mit Vorfreude und Stolz verbunden, kann aber auch Unsicherheit und Überforderung auslösen. Kinder müssen sich in einer neuen Umgebung orientieren, Beziehungen aufbauen und neue Regeln und Routinen bewältigen. Wissenschaftler:innen der Universität Leipzig untersuchen, welche Rolle verlässliche Beziehungen, emotionale Sicherheit und sozial-emotionale Fähigkeiten beim Übergang in die Schule spielen.
„Ein guter Schulstart beginnt nicht erst beim Lesen, Schreiben oder Rechnen. Kinder brauchen verlässliche Beziehungen, emotionale Sicherheit und das Vertrauen, mit neuen Herausforderungen umgehen zu können. Wenn Eltern und Lehrkräfte ihre sozialen und emotionalen Stärken wahrnehmen und fördern, schaffen sie eine wichtige Grundlage für Wohlbefinden, Lernen und eine gesunde Entwicklung“, erklärt Professorin Dr. Dr. h. c. Tina Malti, Gründungsdirektorin des Humboldt Wissenschaftszentrums für Kindesentwicklung (HumanKind) an der Universität Leipzig.
Eltern und andere Bezugspersonen können Kinder unterstützen, indem sie wichtige Abläufe wie den Schulweg, die Morgenroutine oder das Packen des Schulranzens gemeinsam einüben. Ebenso hilfreich ist es, offen über Erwartungen, Vorfreude und Ängste zu sprechen und Gefühle ernst zu nehmen.
Kinder sollten zudem altersgerechte Aufgaben zunehmend selbst übernehmen dürfen. Leistungsdruck und Vergleiche mit anderen gilt es möglichst zu vermeiden. Stattdessen können Eltern Anstrengung, Neugier und individuelle Fortschritte würdigen und vermitteln, dass Fehler zum Lernen gehören.
Auch soziale Beziehungen stärken Kinder. Begegnungen mit Gleichaltrigen, Gespräche über Rücksichtnahme und Konfliktlösung sowie gelebte Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft im Familienalltag geben Orientierung.
Sozial-emotionale Fähigkeiten umfassen unter anderem Emotionsregulation, Empathie, Selbstempathie, Kooperationsfähigkeit und den Umgang mit Belastungen. Sie helfen Kindern, Gefühle zu regulieren, Beziehungen aufzubauen, Konflikte zu bewältigen und Unterstützung anzunehmen.
Die Forscher:innen von HumanKind erforschen diese Entwicklung stärkenorientiert. Im Mittelpunkt stehen die Ressourcen, Beziehungen und Entwicklungspotenziale jedes Kindes. In der internationalen SWITCH-Studie untersuchen sie dazu im Zeitraum von Ende März 2025 bis 2028 den Übergang von der Kindertageseinrichtung in die Grundschule in Deutschland, Schweden, Großbritannien und Österreich.
Kinder und Familien werden über mehrere Messzeitpunkte begleitet. Ziel ist es, besser zu verstehen, wie soziale Beziehungen, Wohlbefinden, gesunde Entwicklung und schulische Fähigkeiten bis zum Ende der ersten Klasse zusammenwirken. Langfristig sollen daraus evidenzbasierte Empfehlungen für Familien, pädagogische Fachkräfte, Schulen und politische Entscheidungsträger:innen entstehen.
Erstellt von: Dr. Madlen Mammen
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