Dr. Ronny Lorenzo präsentiert Forschungsprogramm 4 beim Jahresreporting vor VBS-Mitarbeitenden; Reichweite um Vielfaches reduziert
Unser Auftrag ist «Wirkung, Schutz und Sicherheit» - Rückblick zum Forschungsprogramm 4
Mitteilung Veröffentlicht am 13. August 2026
Unser Auftrag ist «Wirkung, Schutz und Sicherheit» - Rückblick zum Forschungsprogramm 4
Am Dienstag, den 23. Juni 2026, fand das alljährliche Jahresreporting des Forschungsprogramms «Wirkung, Schutz und Sicherheit» von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) statt. Dr. Ronny Lorenzo sowie Gäste und Forschungspartner der armasuisse präsentierten ihre aktuellen Arbeiten und Ergebnisse an VBS-interne Mitarbeitende. Anela Ziko und Moana Häfeli, Stab, armasuisse Wissenschaft und Technologie
Die jährlichen Reportings der Forschungsprogramme von armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T) haben zum Ziel, interessierten VBS-internen Mitarbeitenden einen Blick hinter die Kulissen der Forschungsprogramme zu gewähren. Dieser Rahmen bietet nicht nur vielseitige Einblicke in unterschiedliche Arbeitsfelder und laufende Projekte, sondern auch eine gute Gelegenheit für einen offenen Austausch. Dadurch fördert der Anlass den gegenseitigen Wissensaustausch und stärkt die VBS-interne Zusammenarbeit.
Den Auftakt zum Jahresreportinganlass übernahm Dr. Ronny Lorenzo, Leiter Forschungsprogramm 4 «Wirkung, Schutz & Sicherheit». Den Auftrag seines Forschungsprogrammes erläuterte er den rund 40 Gästen klar und deutlich: die Wirkung, den Schutz und die Sicherheit mobiler Objekte sowie von Infrastrukturen sicherstellen. Simulationen und Rechenmodellen sind innerhalb des Forschungsprogramms weiterhin von zentraler Bedeutung, da das Sprengen zu Testzwecken aufwendig und kostenintensiv ist und verfügbare Zeitfenster auf Versuchsplätzen zunehmend Mangelware werden. Da armasuisse W+T im Bereich Numerik nur über begrenzt Ressourcen verfügt, sind Forschungsprojekte in Zusammenarbeit mit Partnern unverzichtbar. So kann gezielt Expertenkompetenz in für das VBS zentralen Bereichen aufgebaut werden, betonte Dr. Ronny Lorenzo. Er verdeutlichte damit die Bedeutung der Zusammenarbeit zwischen Forschung und Praxis.
Das erste Fachreferat lieferte Fernando Biaggi, Wissenschaftlicher Projektleiter beim Weapon Testcenter, armasuisse Wissenschaft und Technologie (W+T). Sein Thema waren reichweitenreduzierte (R2) Kurzbahngeschosse. Kurzbahnmunition weist grundsätzlich eine angepasste Munitionsspitze auf, so dass der Luftwiderstand grösser ist und die Munition schnell an Reichweite einbüsst. Hierfür präsentierte Fernando Biaggi ballistische Versuchsergebnisse, die im Rahmen eines Forschungsprojektes zwischen 2022-2025 mit der Ballistix Academy erfasst wurden. Ziel war es, neuartige FMJ-Geschosse (Full Metal Jacket, Vollmantelgeschosse) mit einem zweiteiligen Weichkern zu entwickeln. Wie die intern durchgeführten Untersuchungen bestätigen, wird durch die Resonanz einer rotierenden Flüssigkeit eine kurzzeitige gyroskopische, also rotationsbedingte Instabilität erzeugt. Beim getesteten Geschoss erfolgte diese Instabilität ungefähr bei einer Schussdistanz von 120m. Die maximale Reichweite wird somit um ein Vielfaches reduziert. Folglich eignet sich die Munition vor allem für Ausbildungszwecke und Spezialanwendungen wie in der C-UAV-Abwehr (Counter-Unmanned Aerial Vehicle), jedoch infolge Verhalten in Weichzielen nicht als Standard-Einsatzmunition.
Verbleib von Munitionsbestandteilen in Schweizer Seen
Als nächstes sprachen Dr. Anne-Laure Gassner, wissenschaftliche Projektleiterin im Fachbereich Explosivstoffe bei armasuisse W+T und Chloé Udressy, Doktorandin an der Eawag, über das Projekt « Bewertung des Verbleibs von Munitionsbestandteilen aus militärischen Aktivitäten in der Schweiz ». Sie stellten dem Publikum das Vorhaben, den aktuellen Projektstand und die weiteren Schritte vor. Zwischen den Jahren 1918 und 1964 wurde in einigen Schweizer Seen militärische Munition versenkt. Betroffen sind insbesondere der Thuner-, Brienzer- und Vierwaldstättersee. Dort liegen rund 8'200 Tonnen militärische Munition in Tiefen zwischen 150 und 215 Metern.
Seit 2012 finden regelmässig Seesediment- und Seewassermonitorings statt. Das Seewasser wird seither alle fünf Jahre und das Seesediment alle zehn Jahre analysiert. Momentan zeigen die regelmässigen Monitorings keine Auswirkungen auf die Umwelt. Es lässt sich jedoch nicht gänzlich ausschliessen, dass in Zukunft Schadstoffe freigesetzt werden. In diesem Forschungsprojekt soll der Wissensstand erweitert werden, indem die Verteilung, der Transport und der Abbau organischer Mikroverunreinigungen aus Munition in Schweizer Seen untersucht werden. Hierfür werden neue Analyseverfahren entwickeln und Feldstudien durchgeführt.
FORCES: Field-tested Optimization of Resilience through Coupled Experiments and Simulation
Abschliessend stellte Dr. Fabio Brantschen, Leiter der Studiengruppe Schutz Infrastruktur Militär (SG SIM) von armasuisse Immobilien, die Auswirkungen aktueller Entwicklungen der Betonindustrie in der Schweiz auf moderne Schutzbauten vor.
Angesichts der aktuellen sicherheitspolitischen Lage gewinnt der Schutz kritischer Infrastrukturen und militärischer Anlagen weiter an Bedeutung. Auf der anderen Seite bringt der rasante technologische Fortschritt in der Betonmaterialtechnologie neue Materialien hervor und unterstützt die Umsetzung nationaler Umweltstrategien. Dabei ist es wichtig, die schutzbaulichen Eigenschaften dieser neuen Materialien vor ihrem konkreten Einsatz grundlegend zu untersuchen.
Um die Verteidigungsfähigkeit der Schweiz auch in den kommenden Jahrzehnten sicherzustellen, initiierte armasuisse vor einigen Jahren mit internationalen Partnern im Rahmen des Memorandum of Understanding (MoU) ‹Force Protection & Weapon Effects› das Projekt «FORCES». Ziel ist es, die Leistungsfähigkeit neuer Betonsorten unter Waffenwirkung experimentell und numerisch zu untersuchen.
Neben den heute standardmässig eingesetzten Betonsorten ist zu berücksichtigen, dass bestehende Lieferketten im Konfliktfall oder in aussergewöhnlichen Lagen beeinträchtigt sein können. im Forschungsprojekt wird untersucht, ob und unter welchen Randbedingungen sogenannte Sekundärmaterialien – beispielsweise Recyclingbeton – für Schutzbauten, Feldschutz oder Eigenschutz eingesetzt werden können. Dazu werden deren mechanische und schutzbauliche Eigenschaften umfassend und bei hohen Dehnungsraten untersucht. Damit wird die erforderliche Widerstandsfähigkeit der militärischen Infrastruktur auch unter erschwerten Rahmenbedingungen gewährleistet.
An dieser Stelle bedankt sich armasuisse W+T im Namen aller Beteiligen bei den Referentinnen und den Referenten sowie bei allen Teilnehmenden für das rege Interesse und den offenen und wertvollen Austausch.
Forschungsprogramm 4 - Wirkung, Schutz und Sicherheit
Munition in Schweizer Seen – Informationen des VBS