ASB-Nachbarschaftshilfe Hamburg als Freiwillige des Monats geehrt; Über 2.000 Begegnungen in knapp 30 Jahren

„Wie ein Besuch bei der Oma“ – ASB-Nachbarschaftshilfe Hamburg als „Freiwillige des Monats“ geehrt | ARBEITER-SAMARITER-BUND Hamburg

„Wie ein Besuch bei der Oma“ – ASB-Nachbarschaftshilfe Hamburg als „Freiwillige des Monats“ geehrt

Der ASB-Bundesverband hat die Ehrenamtlichen der ASB-Nachbarschaftshilfe Hamburg als „Freiwillige des Monats“ ausgezeichnet. Mit dieser Ehrung würdigt der ASB das langjährige Engagement der zahlreichen Freiwilligen, die älteren Menschen Zeit, Aufmerksamkeit und soziale Nähe schenken und damit einen wichtigen Beitrag gegen Einsamkeit leisten.

Einmal im Monat ehrt der ASB-Bundesverband bundesweit ein ehrenamtliches Team als „Freiwillige des Monats“. Im August 2026 fiel die Wahl auf ein Projekt, das in Hamburg bereits Geschichte geschrieben hat: die ASB-Nachbarschaftshilfe . Zur Übergabe reiste Bundesvorsitzender Knut Fleckenstein persönlich an – und das aus gutem Grund, denn die Nachbarschaftshilfe ist auch ein Stück seiner eigenen Geschichte.

Bevor Knut Fleckenstein Bundesvorsitzender des ASB wurde, stand er als Geschäftsführer an der Spitze des ASB Hamburg. Genau dort, in dieser Funktion, hat er 1998 gemeinsam mit Weggefährten die Nachbarschaftshilfe ins Leben gerufen. Fast 30 Jahre später kehrte er nun an den Ort zurück, an dem alles begann, um genau dieses Projekt auszuzeichnen. Ein Moment, der sichtbar berührte.

“Mit Ihrem Engagement setzen Sie jeden Tag ein wertvolles Zeichen gegen Einsamkeit und für ein solidarisches Miteinander in unserer Stadt”, sagte Fleckenstein in seiner Ansprache an die Ehrenamtlichen. “Sie schenken älteren Menschen nicht nur Unterstützung im Alltag, sondern auch Lebensfreude und Gemeinschaft.”

“Die Nachbarschaftshilfe war die Keimzelle der Freiwilligenarbeit beim ASB Hamburg”, erinnert sich Jens Schunk, Leiter der ASB-Zeitspenderagentur . Ihre Entstehung hatte einen konkreten Anlass: In der Pflege wurde die Zeit für persönlichen Austausch und menschliche Zuwendung immer knapper. Die Frage, die damals im Raum stand, war so einfach wie drängend: Wie kann Pflege mehr sein als nur „Pillen“ verabreichen?

Ganz ohne Bedenken ging der Start damals allerdings nicht vonstatten. Es gab durchaus Sorgen, dass die schönen Momente – die Gespräche, die Spaziergänge, die Zuwendung – den Freiwilligen überlassen würden, während an den Hauptamtlichen in der Pflege der Rest hängen bliebe. Fast 30 Jahre später zeigt sich: Die Nachbarschaftshilfe ist ein Erfolgsmodell.

Sina und Doris: Wie bei der Oma

Stellvertretend für die vielen Ehrenamtlichen nahm Sina Reiners den Preis entgegen. Seit Januar 2025 besucht Sina Reiners die 82-jährige Doris: Einmal in der Woche, wenn es ihre Zeit zulässt, setzt sie sich zu ihr. Da Doris nicht mehr sehr mobil ist, sind die beiden meistens in deren Wohnung: Sie reden, trinken Kaffee, essen Kuchen und spielen. Doris hört nicht mehr so gut und so ist es vor allem sie, die erzählt – und sich jedes Mal aufs Neue über den Besuch freut. So sehr, dass sie sich für jeden Termin besonders schick macht.

“Der Besuch ist wie ein Besuch bei der Oma”, beschreibt Sina das Gefühl. Sie selbst hat keine Großmutter mehr und ist deshalb umso dankbarer für den Kontakt zu dieser Generation. Gerade weil das Thema Einsamkeit immer präsenter wird, war ihr dieses Engagement wichtig. “Es ist das Schönste, was man im Alter haben kann, dass es jemanden gibt, der zu einem kommt und jemanden, der da ist”, sagt sie. Und mit einem Lächeln fügt sie hinzu: “Vielleicht bin ich selbst ja mal so eine Oma.”

Geschichten wie die von Sina und Doris zeigen, was Zahlen allein nicht erzählen können: dass aus einer Stunde pro Woche eine echte Beziehung entstehen kann – die allein durch Zeit und Aufmerksamkeit getragen wird. Über 2.000 Begegnungen in knapp 30 Jahren

Wie viele Menschen wie Sina und Doris es inzwischen gibt, weiß Nadine Tjessem, die beim ASB Hamburg für das Projekt verantwortlich ist: Zwölf Sozialstationen bieten die Nachbarschaftshilfe inzwischen an, aktuell werden rund 100 bis 150 Menschen betreut. Insgesamt haben in 28 Jahren über 2.000 Menschen durch die Nachbarschaftshilfe Gesellschaft gefunden.

Und das Projekt wird nicht weniger gebraucht – im Gegenteil. Einsamkeit ist längst kein reines Thema des Alters mehr, sondern betrifft zunehmend auch jüngere Menschen. Was 1998 als Antwort auf eine Lücke in der Pflege begann, ist heute eine Antwort auf eine der größten sozialen Herausforderungen unserer Zeit. Nach fast 30 Jahren ist die Nachbarschaftshilfe damit nicht nur ein Erfolgsprojekt, sondern aktueller denn je. Der NDR hat für das Hamburg Journal letztes Jahr einen Beitrag zur Gründung des Bündnisses gegen Einsamkeit gemacht und in dem Zuge die ASB-Nachbarschaftshilfe mit Sina und Doris vorgestellt. Ein sehr schöner Bericht, den man sich hier nochmals ansehen kann.

Wer selbst Lust bekommen hat, ein bisschen Zeit zu verschenken, ist bei der ASB-Nachbarschaftshilfe genau richtig. Gesucht werden Menschen, die Freude an Gesprächen, Spaziergängen oder gemeinsamen Unternehmungen haben – ganz gleich, ob Schülerin, Berufstätiger oder Ruheständlerin. Kontakt unter Telefon 040 2533 0504 oder per E-Mail an zeitspender@asb-hamburg.de.

Am Rande der Ehrung wurde deutlich, dass sich auch für Knut Fleckenstein gerade ein Kreis schließt. Der gebürtige Hamburger, der die Nachbarschaftshilfe einst selbst gegründet hat, wird sein Amt als Bundesvorsitzender zum Jahresende abgeben. Die Ehrung in Hamburg dürfte für ihn damit auch persönlich ein besonderer Moment gewesen sein.

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