BUND fordert nächtliches Mähverbot für Mähroboter in Deutschland; stärkeres Instrument als Kampagne
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Sein natürliches Habitat ist nicht der Garten, sondern das Feld. Foto: Jörg Hempel, creativecommons.org
Auf der Landestierschutzkonferenz im Mai stellte Landwirtschaftsministerin Hanka Mittelstädt (SPD) eine Kampagne zum Igelschutz vor. Sie soll Gartenbesitzer* innen davon überzeugen, Mähroboter nicht mehr nachts ihre Kreise ziehen zu lassen, damit Igel nicht von deren scharfen Klingen getötet oder verletzt werden.
Weil die Mähroboter in der Tat ein ernstes Problem für Igel darstellen, hat der BUND einen offenen Brief des Deutschen Tierschutzvereins an Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (CSU) mitunterzeichnet, der ein Fahrverbot für Mähroboter von einer Stunde vor Sonnenuntergang bis eine Stunde nach Sonnenaufgang fordert. Nun ist ein bundesweit geltendes nächtliches Mähverbot ein deutlich schärferes Schwert als eine regionale Sensibilisierungskampagne.
Das Hauptproblem der Igel ist aber, dass sie in der ausgeräumten, von intensiver Bewirtschaftung geprägten Agrarlandschaft ihre Nahrungsgrundlage verloren haben. Igel ernähren sich hauptsächlich von Insekten, Würmern, Schnecken und Spinnen. Diese Beutetiere kommen deutlich seltener vor als noch vor wenigen Jahrzehnten. Maßgeblich verantwortlich dafür ist der massive Einsatz von Insektiziden und anderen Pestiziden in der Landwirtschaft. Außerdem brauchen Igel Hecken, Feldraine, Brachen, Altgrasinseln und feuchte Senken als Deckung, Nistplätze und Winterquartiere. Wenn die Landwirtschaftsministerin den Igeln wirklich helfen will, sollte sie sich besser für mehr ökologischen Landbau und mehr Wildnis einsetzen.
Auch die anderen Themen der Landestierschutzkonferenz, etwa das Problem der Tiersammelsucht (sogenanntes animal hoarding) oder mögliche Haltungsverbote für gefährliche Tierarten, haben durchaus ihre Berechtigung. Allerdings bleibt das zentrale Brandenburger Tierschutzthema außen vor: die Massentierhaltung. Dass die Tierfabriken im immer wieder vorkommenden Seuchenfall innerhalb kürzester Zeit Hunderttausende gesunde Tiere vorbeugend töten – seit Anfang 2025 waren es allein in Brandenburg über eine Million Nutztiere –, ist kein Betriebsunfall. Vielmehr handelt es sich bei der industriellen Tierproduktion um ein ethisch hoch fragwürdiges System, das Tierleid gnadenlos einkalkuliert. Ironischerweise geht die Konferenz auf einen Kompromiss der Umweltund Tierschutzverbände mit dem Brandenburger Landtag im Jahr 2016 zurück. Damals hatte das Parlament das erfolgreiche Volksbegehren gegen Massentierhaltung in veränderter Form angenommen und unter anderem eine hauptamtliche Tierschutzbeauftragte berufen. Eingeladen bei der Landestierschutzkonferenz waren die Initiator*innen des damaligen Volksbegehrens, darunter der BUND, auch dieses Mal nicht.
Dieser Artikel erschien in der BUNDzeit 3