Dr. Maik Brune erklärt Blutversorgung am Klinikum Osnabrück; Sommer-Urlaubszeit senkt Spendenbereitschaft

Jede Spende kann Leben retten

Jede Spende kann Leben retten

Bild: Dr. Maik Brune Fotografin: Monika Vollmer

Die jederzeit zeitnahe und passgenaue Bereitstellung von Blutkonserven im Klinikum Osnabrück wird zunehmend anspruchsvoller. Warum die Versorgung in Niedersachsen aktuell unter Druck steht und weshalb jede Spende zählt, zeigt ein Blick hinter die Kulissen der modernen Medizin.

Ein Anruf, wenige Minuten, eine Entscheidung: In Krankenhäusern hängt das Leben eines Menschen manchmal an einer Blutkonserve. „Nach einem schweren Verkehrsunfall, während einer komplizierten Operation oder im Verlauf einer Krebsbehandlung kann Blut zu einer unverzichtbaren Lebenshilfe werden“, sagt Dr. Maik Brune, Chefarzt des Medizinischen Labors am Klinikum Osnabrück.

Jeder Tropfen, so Brune, stamme von einem Menschen, der bereit war zu spenden. „Doch genau diese Bereitschaft nimmt insgesamt ab. Mit den sinkenden Spenderzahlen wird die Versorgung, insbesondere jetzt in der Urlaubszeit, zunehmend zu einer Herausforderung.“

Der Facharzt für Laboratoriumsmedizin blickt ernst, als er die weißgraue Stahltür des Kühlraumes öffnet. Bei einer Temperatur von um die drei Grad werden in der Blutbank des Labors etwa 200 Konserven mit roten Blutkörperchen gelagert, sogenannte Erythrozytenkonzentrate. Alle Beutel sind mit einem Barcode versehen und sorgfältig in Reihen nach Blutgruppen sortiert.

„Aktuell haben wir weniger Konserven als sonst zur Verfügung. Trotzdem können wir noch jede Blutgruppe versorgen“, sagt Brune und deutet mit einer Handbewegung auf die dicht gefüllten Regalreihen zu seiner linken. Hier lagern die Konserven, die bereits für bevorstehende medizinische Eingriffe verplant und reserviert sind. Der Blick nach rechts zeichnet dagegen ein anderes Bild. Dort sind die Reihen der noch freien Blutkonserven spärlicher bestückt und an diesem Nachmittag klaffen bereits Lücken.

Nur eine Gruppe fällt aus dem Muster: die „Blutgruppe 0 Rhesus negativ“. Dass davon mehr Konserven auf Lager sind, ist kein Zufall, erklärt Brune. „Die Gruppe gilt als Universalspender und kann im Notfall den meisten Patienten transfundiert werden, weil ihr die entscheidenden Antigene fehlen.“ Durch die entsprechend hohe Bedeutung ist also auch der Vorrat entsprechend groß, den das Klinikum immer für unvorhergesehene Notfälle bereithält.

Im Schnitt werden am Klinikum täglich etwa 30 Beutel der Erythrozytenkonzentrate transfundiert. Fehlende Konserven liefert einmal täglich ein Wagen des DRK-Blutspendedienstes NSTOB aus Springe bei Hannover. „Noch sind die Folgen der knappen Blutreserven nicht in der klinischen Versorgung angekommen. Es mussten keine Operationen oder andere Behandlungen verschoben werden“, betont Brune. Möglich macht das auch ein ganz konsequentes Blutmanagement.

Sparsamer und zielgerichteter Einsatz von Bluttransfusionen

„Die Indikationen für die Gabe von Erythrozytenkonzentrat werden heutzutage strenger gestellt als früher“, erklärt der Mediziner. Lag der Grenzwert für stabile Patienten früher häufig bei einem Hämoglobinwert von acht oder neun Gramm pro Deziliter, gilt heute in vielen Fällen ein Wert von sieben als ausreichend. Entscheidend ist dabei jedoch immer die individuelle klinische Situation.

Nicht nur die Beschaffung der Konserven stellt Brune und sein Team vor Herausforderungen. Auch die Versorgung mit stets optimal passenden Blutkonserven, insbesondere bei Patienten mit hohem akuten oder chronischen Transfusionsbedarf, sowie die begrenzte Haltbarkeit der Blutprodukte verlangen eine präzise Planung. „Blutplättchen können nur drei Tage lagern, Erythrozytenkonzentrate maximal sechs Wochen“, klärt der Chefarzt auf.

Dass Konserven verfallen und entsorgt werden müssen, kommt nur selten vor. „So wie die Blutkonserven bei uns ankommen, sind sie auch schon wieder weg“, stellt Brune fest. Es ist ein Satz, der zeigt, wie eng Versorgung und Bedarf inzwischen aufeinander abgestimmt sind - und wie wenig Spielraum bleibt, wenn die Reserven schrumpfen. Besonders angespannt ist die Situation immer wieder in den Sommermonaten und rund um Weihnachten. „Es ist dann ein Mix aus Hitze und Urlaubszeit oder aus Feiertagen und vollen Terminkalender, die viele potenzielle Spender fernhält und für einen Einbruch der Spendenbereitschaft sorgt“, vermutet Brune.

Blutspenden ist nicht mehr selbstverständlich

Dabei ist Blut bis heute unersetzlich. Trotz aller Fortschritte der modernen Medizin lässt es sich nicht künstlich im Labor herstellen. Krankenhäuser sind deshalb jeden einzelnen Tag auf die Spendenbereitschaft der Menschen angewiesen. Fehlen Blutkonserven, kann das innerhalb kurzer Zeit zu einem ernsthaften Problem für die Versorgung werden. Und so ruft auch Brune alle gesunden Menschen ab 18 Jahren zum Spenden auf. „Damit hilft man nicht nur anderen, man tut auch sich selbst etwas Gutes: neben dem Gesundheitscheck gibt es Hinweise darauf, dass eine gelegentliche leichte Stimulation des blutbildenden Systems positive Effekte haben kann.“

Für den Mediziner steckt hinter jeder Blutkonserve noch weit mehr als eine medizinische Ressource. „Sie ist ein Zeichen der Bereitschaft eines Menschen, einem anderen zu helfen. Und gerade jetzt ist das wichtiger denn je“, appelliert Dr. Brune.

Kommunikation Telefon: 0541- 405-5100 Mobil: 0176 103 601 26 E-Mail: silvia.kerst@klinikum-os.de

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