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title: "Landtag von Baden-Württemberg ersucht Landesregierung, zu berichten über Hitzeperioden seit 2020 in Baden-Württemberg; Auswirkungen auf Infrastruktur und Bevölkerung"
sdDatePublished: "2026-08-13T09:17:00Z"
source: "https://www.landtag-bw.de/resource/blob/644390/6fb4432d3f57818ea8c4612a632fd21c/18_0279_D.pdf"
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  - name: "weather phenomena"
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  - name: "environmental policy"
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  - name: "housing and urban planning policy"
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  - "Karlsruhe"
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  - "Baden-Württemberg"
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  - "Heidelberg"
  - "Rastatt"
  - "Strasbourg"
  - "France"
  - "Germany"
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Landtag von Baden-Württemberg ersucht Landesregierung, zu berichten über Hitzeperioden seit 2020 in Baden-Württemberg; Auswirkungen auf Infrastruktur und Bevölkerung

Drucksache 18 / 279

Landtag von Baden-Württemberg
18. Wahlperiode
Drucksache 18 / 279
16.7.2026
1
Eingegangen: 16.7.2026 / Ausgegeben: 13.8.2026
Antrag
Der Landtag wolle beschließen,
die Landesregierung zu ersuchen
zu berichten,
1.	wie viele Hitzeperioden, d. h. wie viele Tage mit Temperaturen über 30 Grad
Celsius und Nächte mit über 20 Grad Celsius (sogenannte Tropennächte) in
Baden-Württemberg pro Jahr seit 2020 gemessen wurden und wie sich diese
auf die Gemeinden und Städte in Baden-Württemberg verteilen;
2.	wie sich die Anzahl an heißen Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius
und Nächten mit Temperaturen über 20 Grad Celsius seit Beginn der Wetter­
aufzeichnungen prozentual verändert hat;
3.	welche Gefahren für die Bürgerinnen und Bürger, systemkritische Infrastruktur
und die Gesellschaft aus Sicht der Landesregierung mit diesen Temperaturver­
änderungen einhergehen;
4.	welche Kenntnis sie über die kühlende Wirkung von Stadtbäumen, unversie­
gelten Flächen und Beschattungsmaßnahmen hat;
5. wie häufig die LGVFG Förderung für die Entsiegelung von Verkehrsflächen
und die Entsiegelungsprämie seit Programmbeginn beantragt wurden;
6.	mit welchen Maßnahmen sie Städte und Gemeinden bei deren Bestrebungen
zur Klimaanpassung und zum Hitzeschutz unterstützt;
7.	wie die Städte und Gemeinden in Baden-Württemberg nach Kenntnis der Lan­
desregierung bezüglich ihrer Klimaanpassungs- und Hitzeschutzmaßnahmen,
auch im Bundesvergleich, aufgestellt sind;
Antrag
der Abg. Cindy Holmberg und Florian Kollmann u. a. GRÜNE
und
Stellungnahme
des Ministeriums für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft
Hitzeschutz als Aufgabe der Daseinsvorsorge – Umsetzung in
Stadträumen und Wohngebäuden
Drucksachen und Plenarprotokolle sind im Internet
abrufbar unter: www.landtag-bw.de/Dokumente
Der Landtag druckt auf Recyclingpapier, ausgezeich-
net mit dem Umweltzeichen „Der Blaue Engel“.

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  8.	welche Temperatur in Wohnräumen, insbesondere in Schlafräumen, aus ge­
sundheitlicher Perspektive empfohlen ist und welche Gefahren von überhitz­
ten Wohnräumen für die Bewohnerinnen und Bewohner ausgehen;
  9.	ob und gegebenenfalls welche Kenntnis sie darüber hat, wie viel Prozent
der Wohneinheiten in Baden-Württemberg in Hitzeperioden die empfohlene
Raumtemperatur überschreitet;
10.	welche baulichen, technischen oder weiteren Maßnahmen nach ihrer Kenntnis
geeignet sind, um Wohnräume effektiv zu kühlen und ob und gegebenenfalls
wie sie entsprechende Maßnahmen unterstützt;
11.	welche rechtlichen oder planerischen Aspekte aus Sicht der Landesregierung
dienlich sind, um Hitzeschutzmaßnahmen wie Entsiegelung, Begrünung, Ver­
schattung, helle Oberflächen, Frischluftschneisen oder baulichen Hitzeschutz
in Städten und Gemeinden konsequenter umzusetzen und welche Änderungen
die Landesregierung hierzu in der eigenen Gesetzgebung und der Landesent­
wicklungsplanung prüft oder an die Bundesregierung richtet;
12.	welche Erkenntnisse sie aus den langjährigen Erfahrungen europäischer Nach­
barstaaten – insbesondere Frankreichs – mit Maßnahmen zur Hitzeprävention
und Hitzeanpassung hat.
16.7.2026
Holmberg, Kollmann, Achterberg, Metzger, Tonojan, Tok,
Joukov, Schweizer, Zimmer, Keune, Mettenleiter GRÜNE
Begründung
Die Auswirkungen des Klimawandels führen zu einer zunehmenden Zahl und
Intensität von Hitzeperioden. Die Versiegelung von Flächen und der sogenannte
Wärmeinseleffekt verstärken gesundheitliche Belastungen für die Bevölkerung.
Kommunen nehmen beim Hitzeschutz eine zentrale Rolle ein. Sie sind unter an­
derem für die Stadtplanung, die Gestaltung öffentlicher Räume, den Betrieb kom­
munaler Einrichtungen sowie die Information der Bevölkerung verantwortlich.
Gleichzeitig gewinnt der Schutz vor übermäßiger Hitze in Wohnräumen zuneh­
mend an Bedeutung, da hohe Innentemperaturen die Gesundheit und das Wohl­
befinden erheblich beeinträchtigen können.
Der Bericht soll einen Überblick über bestehende Strategien, Maßnahmen und
Unterstützungsangebote des Landes für Kommunen sowie zum Schutz vor Hitze
in Wohngebäuden geben und dazu beitragen, bestehende Handlungsbedarfe zu
identifizieren und gegebenenfalls weiteren politischen Handlungsbedarf aufzuzei­
gen.

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Stellungnahme
Mit Schreiben vom 7. August 2026 Nr. UM2-0141.5-73/5/2 nimmt das Ministeri­
um für Umwelt, Klima und Energiewirtschaft im Einvernehmen mit dem Ministe­
rium des Inneren, für Digitalisierung und Europa, dem Ministerium für Soziales,
Arbeit und Gesundheit, dem Ministerium für Verkehr dem Ministerium für Länd­
lichen Raum, Landwirtschaft und Heimat sowie dem Ministerium für Landesent­
wicklung und Wohnen zu dem Antrag wie folgt Stellung:
Der Landtag wolle beschließen,
die Landesregierung zu ersuchen
zu berichten,
1.	wie viele Hitzeperioden, d.h. wie viele Tage mit Temperaturen über 30 Grad
Celsius und Nächte mit über 20 Grad Celsius (sogenannte Tropennächte) in
Baden-Württemberg pro Jahr seit 2020 gemessen wurden und wie sich diese
auf die Gemeinden und Städte in Baden-Württemberg verteilen;
Generell haben sich die Heißen Tage (30 Grad Celsius und mehr) in Baden-Würt­
temberg zwischen den Perioden 1961 bis 1990 und den letzten 30 Jahren (1996
bis 2025) verdoppelt. In extremen Jahren wie 2022 sind Vervierfachungen der
Werte in Bezug auf den Mittelwert von 1961 bis 1990 aufgetreten. Durch den
Klimawandel steigen die Temperaturen und dadurch werden die Schwellenwerte
dieser Kenntage häufiger erreicht und überschritten. Eine gemeindescharfe Dar­
stellung dieser und weiterer Kennwerte ist im Kartenviewer der Beobachtungs­
daten im Klimaatlas BW zu finden (https://www.klimaatlas-bw.de/klima-vergan­
genheit).
Nicht alle Regionen in Baden-Württemberg sind in gleichem Maße betroffen. Lo­
kal können diese Veränderungen noch wesentlich stärker ausgeprägt sein (zum
Teil eine weitere Verdoppelung, siehe Tabelle 1). Eine besondere Zunahme Hei­
ßer Tage und Tropennächte tritt in tieferen Lagen und damit auch in größeren
Städten wie Stuttgart oder Karlsruhe auf, besonders betroffen sind zudem die Re­
gionen am Oberrhein. In der Regel erfahren höher liegende Lagen im Odenwald,
Schwarzwald oder auf der Schwäbischen Alb weniger extreme Temperaturen.
Diese Angaben finden sich auch im Monitoringbericht der Strategie zur Anpas­
sung an die Folgen des Klimawandels in Baden-Württemberg: https://pd.lubw.
de/10774 (siehe insbesondere Indikator I-SR-3).
Bei der Betrachtung von Tropennächten stehen großstädtische Gebiete aufgrund
des Wärmeinseleffekts im Fokus. Durch diesen Wärmeinseleffekt ist vor allem
die Anzahl der Tropennächte in städtischen Gebieten relativ zum Umland deut­
lich erhöht. Die Temperatur kann laut Angaben des Deutschen Wetterdienstes in
Städten um bis zu 10 Grad Celsius höher liegen als im Umland. Damit wird der
Schwellenwert zu einer Tropennacht in Städten schneller erreicht, als im nachts
abkühlenden Umland. Mittelwerte für Gebiete, die sowohl städtische als auch
außerstädtische Anteile beinhalten, zeigen in der Regel niedrigere Werte für Tro­
pennächte als Stationsmessungen vor Ort in einem belasteten städtischen Gebiet
zeigen würden.
In Extremjahren weisen auch die gedämpften Werte der Gebietsmittel von Ge­
meinden eine deutlich erhöhte Anzahl an Tropennächten auf. Im Jahr 2015 und
auch im Juni 2026 traten in zahlreichen Gemeinden bereits zehn und mehr Tro­
pennächte auf, statistisch wäre hingegen nur von etwa einer Tropennacht in diesen
Gemeinden pro Jahr auszugehen. Aufgrund der extremen Hitzewelle zu Beginn
des Sommers im Jahr 2026 verzeichnete das Nördliche Oberrheinische Tiefland
zum 21. Juli 2026 bereits 7,2, der Rhein-Neckar-Kreis 5,6 und ganz Baden-Würt­
temberg gemittelt 1,8 Tropennächte (www.klimaatlas-bw.de).

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Die genauesten Aussagen zur Entwicklung der Tropennächte in den städtischen
Gebieten können anhand von Vergleichen zwischen Stationen außerhalb und
innerhalb des Stadtgebiets getroffen werden. Klimatologische Messungen vom
Deutschen Wetterdienst in Freiburg zeigen am 7. Juli 2026 um 4 Uhr eine etwa
7 Kelvin Temperaturdifferenz zwischen Umland und der Stadt (https://www.dwd.
de/DE/Home/_functions/aktuelles/2026/20260619_waermeinsel_freiburg.html).
Tabelle 1: Übersicht zu der Entwicklung von Heißen Tagen und Tropennächten
bezogen auf das Gebietsmittel Baden-Württemberg, sowie eines bei­
spielhaften Naturraums und eines Kreises, welcher in der sich stark
erwärmenden Oberrheingegend liegt, für zwei Mittelwerte über je
30 Jahre sowie verschiedene Einzel­jahre. Quelle: Klimaatlas BW.
2.	wie sich die Anzahl an heißen Tagen mit Temperaturen über 30 Grad Celsius
und Nächten mit Temperaturen über 20 Grad Celsius seit Beginn der Wetter­
aufzeichnungen prozentual verändert hat;
Flächenhafte Informationen zu Heißen Tagen und Tropennächten liegen im Kli­
maatlas BW seit 1961 vor. Generell haben sich die Heißen Tage in Baden-Würt­
temberg zwischen den Perioden 1961 bis 1990 und den letzten 30 Jahren (1996
bis 2025) verdoppelt und in extremen Jahren wie 2022 können Vervierfachun­
gen der Werte in Bezug auf den Mittelwert von 1961 bis 1990 auftreten. In der
Periode 1961 bis 1990 hatten etwa 50 % der Gemeinden mindestens drei Heiße
Tage pro Jahr und etwa 2 % der Gemeinden eine Tropennacht pro Jahr. Im Jahr
2022 hatten 50 % der Gemeinden mindestens 17 Heiße Tage und fast 3 % der
Gemeinden eine Tropennacht zu verzeichnen. Lokal können diese Veränderun­
gen noch wesentlich stärker ausgeprägt sein (siehe Stellungnahme zu Frage 1).
3.	welche Gefahren für die Bürgerinnen und Bürger, systemkritische Infrastruktur
und die Gesellschaft aus Sicht der Landesregierung mit diesen Temperaturver­
änderungen einhergehen;
Die Europäische Umweltagentur schätzt in ihrer Klimarisikobewertung von 2024
Hitze als größtes und dringendstes Klimarisiko für die menschliche Gesundheit
ein. Hohe Tagestemperaturen und insbesondere eine fehlende nächtliche Abküh­
lung belasten den menschlichen Körper auf vielfältige Weise. Neben direkten
Hitzeerkrankungen wie Sonnenstich, Hitzeausschlag, Hitzekollaps bis hin zum
potenziell tödlichen Hitzschlag kann Hitze auch zu Fehl- oder Frühgeburten füh­
ren und bestehende Erkrankungen beispielsweise des Herz-Kreislauf-Systems,
der Atemwege oder psychische Erkrankungen verschlimmern, was ebenfalls im
schlimmsten Fall tödlich enden kann. Einen eindeutigen statistischen Zusammen­
Zeitraum
Gebietsmittel
Baden-Würt-
temberg
Heiße Tage
Gebietsmittel
Baden-Würt-
temberg
Tropen-
nächte
Gebietsmittel
Naturraum Nördliches
Oberrheinisches
Tiefland
Heiße Tage
Gebietsmittel
Naturraum Nörd-
liches Oberrheini-
sches Tiefland
Tropennächte
Gebietsmit-
tel
Rhein-
Neckar-
Kreis
Heiße Tage
Gebietsmittel
Rhein-Neckar-
Kreis
Tropennächte
Mittelwert
1961
bis 1990
3,8
0,0
10,7
0
7
0
Mittelwert
1996
bis 2025
10,3
0,2
22
1
16
0
2020
11,6
0,2
22,6
3,3
17,5
2,6
2021
4,4
0,0
10,8
0,6
8,4
0,4
2022
19,7
0,1
43,8
0,8
33,2
0,3
2023
16,5
0,0
33,0
0,4
25,2
0,3
2024
13,2
0,0
23,7
0,1
20,7
0
2025
15,5
0,1
26,9
1,1
22,1
0,5

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hang zwischen Hitzewellen und Mortalität hat das Robert Koch-Institut in di­
versen Studien nachgewiesen. Es veröffentlicht seit 2023 auch im Rahmen eines
Wochenberichts zur hitzebedingten Mortalität die Anzahl der geschätzten hitze­
bedingten Todesfälle in Baden-Württemberg (https://www.rki.de/DE/Themen/
Gesundheit-und-Gesellschaft/Gesundheitliche-Einflussfaktoren-A-Z/H/Hitze/Be­
richt_Hitzemortalitaet.html).
Hitze betrifft grundsätzlich alle Menschen, aber nicht alle gleich. So sind bei­
spielsweise ältere, pflegebedürfte und vorerkrankte Menschen, Schwangere,
Säuglinge und Kleinkinder, Menschen mit Behinderungen, Obdachlose sowie im
Freien Arbeitende besonders gef