BfV informiert über MATRYOSHKA-Informationsmanipulationskampagne vor Wahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Berlin und Niedersachsen; Ziel: Polarisierung, Diskreditierung von Politikern

Aktuelle Meldung zur Informationsmanipulationskampagne MATRYOSHKA - Bayerisches Landesamt für Verfassungsschutz

Aktuelle Meldung zur Informationsmanipulationskampagne MATRYOSHKA

In einer aktuellen Meldung vom 12. August 2026 informiert das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) über die aktuelle Informationsmanipulationskampagne MATRYOSHKA im Vorfeld der Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin sowie den Kommunalwahlen in Niedersachsen im September 2026. Die MATRYOSHKA-Kampagne ist eine Weiterentwicklung des bereits aus der Doppelgänger-Kampagne bekannten Vorgehens.

Die Meldung des BfV im Wortlaut:

„Deutschland erneut im Visier ausländischer Einflussnahme“

Im September 2026 finden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern sowie die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus und Kommunalwahlen in Niedersachsen statt. Vor diesem Hintergrund hat das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) Aktivitäten zur Informationsmanipulation identifiziert, die das Ziel haben, gesellschaftliche Spannungen zu verschärfen, das Vertrauen in demokratische Prozesse zu untergraben und Einfluss auf die freie Meinungs- und Willensbildung zu nehmen.

Das beobachtete Vorgehen wird der Informationsmanipulationskampagne MATRYOSHKA zugeschrieben. Die Kampagne zeichnet sich durch englischsprachige Kurzvideos aus, die das Layout bekannter deutscher Medien imitieren. Mit reißerischen Überschriften und tendenziösen Behauptungen werden Narrative verbreitet, die eine Polarisierung zwischen Ost- und Westdeutschland zum Ziel haben, Stimmung gegen die Bundesregierung machen oder Landes- und Kommunalpolitiker diskreditieren sollen.

Diese Beiträge in sozialen Medien setzen auf eine möglichst große Emotionalität und Empörung. So wurden Ende Juni 2026 auf der Plattform X manipulierte Beiträge mit Bildmarken bekannter Medien verbreitet. Ein Beitrag trug die gefälschte Überschrift: „Der Westen HASST den Osten – Deutschland war noch nie so nah am Bürgerkrieg.“ Eine weitere gefälschte Titelseite forderte mit der Überschrift „Baut die Mauer wieder auf!“ explizit eine gesellschaftliche Spaltung. Besonders perfide: Bei der Aktion wurden Originalausgaben bekannter Onlinemedien der jeweiligen Vortage kopiert und lediglich die Hauptschlagzeilen geändert. Ziel dieser Vorgehensweise ist es, dass die Fälschungen auf den ersten Blick kaum von echten Inhalten zu unterscheiden sind.

Im Juli 2026 hat die Kampagne in weiteren Manipulationswellen erneut Videos auf X verbreitet, die Falschbehauptungen über Politikerinnen und Politiker aus Bundesländern mit anstehenden Kommunal- und Landtagswahlen enthielten. Die direkte Diskreditierung von Politikern ist ein typisches Vorgehen bei ausländischer Informationsmanipulation.

Zudem wurden im August 2026 unter dem Hashtag „TimeToDivideGermany“ weitere Beiträge auf der Plattform X verbreitet, die aus einer Reihe inszenierter beziehungsweise gefälschter KI-generierter Inhalte bestehen, die eine erneute Teilung Deutschlands in Ost und West propagieren. Dazu wurden manipulierte Videos mit Prominentenauftritten, Aufnahmen des Brandenburger Tors, der Berliner Mauer und der Bundesflagge verwendet. Die Inhalte kritisierten Bundeskanzler sowie die Parteien CDU, SPD, Bündnis 90

Die Grünen und Die Linke wegen angeblicher Korruption, ihrer Migrationspolitik und mit dem Vorwurf, Interesse der Bevölkerung zu vernachlässigen. Zugleich behaupten die Beiträge, eine erneute Teilung Deutschlands sei eine „historische Notwendigkeit“.

Diese Vorfälle sind Teil einer Welle von gefälschten beziehungsweise KI-generierten Inhalten, die seit Ende Juni 2026 auf X geteilt und vermeintlich im Namen bekannter deutscher und internationaler Medienhäuser Narrative zu Spaltungen in Deutschland sowie im Kontext der im September 2026 anstehenden Wahlen diffamierende Falschaussagen über Politikerinnen und Politiker auf Bundes-, Landes- und Kommunalebene verbreiten.

2026 stehen erstmals auch Landespolitiker und sogar Kommunalpolitiker im Fokus der ausländischen Informationsmanipulation. Die Kandidierenden, die öffentlich auftreten beziehungsweise bekannt sind, werden gezielt als unqualifiziert, unfähig und korrupt herabgewürdigt. Derartige Angriffe auf die Wahlen und den politischen Willensbildungsprozess erhalten dadurch eine neue Qualität, da nun nicht mehr nur Europa- und Bundespolitiker attackiert werden. Betroffen sind insbesondere Politikerinnen und Politiker von Parteien, die politische Positionen vertreten, die nicht im Sinne der strategischen Interessen der Russischen Föderation sind.

Die genannten Videos und Bilder wurden erst von verschiedenen sogenannten „Seeder-Accounts“ gepostet. Bei solchen Accounts handelt es sich um strategisch erstellte, gekaufte oder gekaperte Konten, über die neue Themen in einer Community verbreitet oder speziell auf einer Social-Media-Plattform platziert werden. Sie dienen in erster Linie dazu, erste Interaktionen zu generieren und Diskussionen in Gang zu bringen. Im Anschluss verbreiten dann „Amplifier-Accounts“ die gefälschten Inhalte und Desinformation weiter und erhöhen die Reichweite von Falschaussagen und Lügen, indem diese über mehrere Kanäle gestreut und durch weitere Interaktionen „gefördert“ werden. Um die Reichweite zusätzlich zu erhöhen, werden zudem Leitmedien verlinkt.

2026 hatte das BfV bereits zu den Landtagwahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz im März Aktivitäten dieser koordinierten Kampagne auf der Plattform X detektiert. So wurde unter anderem behauptet, dass die CDU Desinformationen im Zusammenhang mit den Wahlen verbreite und Stimmen kaufen würde. Die beobachteten Aktivitäten deuten auf eine intensive Befassung der Akteure mit den Wahlen in Deutschland hin.

Auch angesichts der hybriden Angriffe Russlands gegen die europäischen Demokratien ist mit weiteren Aktivitäten zu rechnen, die Spaltlinien verstärken, demokratische Amtsträger diskreditieren, den Wahlprozess beziehungsweise das Wahlergebnis in Frage stellen und Positionen der russischen Staatsführung verstärken sollen.

Das BfV, die Partner im Verfassungsschutzverbund und weitere Behörden gehen entschieden gegen hybride Einflussoperationen dieser Art vor. Zur frühzeitigen Erkennung arbeiten Bund und Länder im Gemeinsamen Zentrum zur Abwehr hybrider Bedrohungen (GAZ Hybrid) ressortübergreifend zusammen, tauschen Informationen aus und ergreifen koordinierte Gegenmaßnahmen. Das GAZ Hybrid bündelt die Expertise verschiedener Stellen in Deutschland und leistet damit einen wichtigen Beitrag zum Schutz demokratischer Prozesse und der öffentlichen Meinungsbildung. Die Bundesregierung führt seit 2025 Attributierungsverfahren im Bereich ausländischer Informationsmanipulation beziehungsweise Desinformation durch. Wenn das BfV Plattformbetreibern Hinweise auf unauthentische Accounts meldet, werden diese nach einer Prüfung oftmals gelöscht.

Vor dem Hintergrund der anstehenden Wahlen zeigt das aggressive Vorgehen der Informationsmanipulationskampagne MATRYOSHKA erneut, dass Desinformation und Informationsmanipulation zentrale Instrumente hybrider Bedrohungen darstellen. Ein kritischer Umgang mit Informationen sowie die Überprüfung von Quellen sind daher entscheidend, um gezielten Einflussnahmeversuchen dieser Art entgegenzutreten und diese ins Leere laufen zu lassen.

Links: Management Summary & Vollanalyse des BayLfV zur Doppelgänger-Kampagne Aktuelle Meldung auf Webseite BfV

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann stellt Verfassungsschutzinformationen für das erste Halbjahr 2026 vor:

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