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title: "LWF überwacht Schwammspinner in Franken-Eichenbeständen; Massenvermehrung ab 2027 in Franken erwartet"
sdDatePublished: "2026-08-13T13:18:00Z"
source: "https://www.lwf.bayern.de/mam/cms04/waldschutz/dateien/a159_s9-11_lemme.pdf"
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  - name: "nature"
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  - "Schweinfurt"
  - "Bavaria"
  - "Bamberg"
  - "Germany"
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LWF überwacht Schwammspinner in Franken-Eichenbeständen; Massenvermehrung ab 2027 in Franken erwartet

Themen
4 |2026  LWF aktuell 
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Nachdem
sich
Waldbewirtschaftende
und die Waldschutzabteilung der LWF in
den vergangenen Jahren intensiv mit Rin-
den- und Holzbrütern an der Eiche befas-
sen mussten, rücken in den kommenden
Jahren wieder Blattfresser in den fränki-
schen Eichenwäldern in den Fokus.
Hohe Fangzahlen des Schwammspinners
in Lockstofffallen
Die Fangzahlen von Schwammspinnern
in den Lockstofffallen gingen nach der
Massenvermehrung von 2018 bis 2020
über mehrere Jahre zurück (Abbildung
1). Seit dem Tief im Jahr 2022 steigen
die Fangzahlen wieder an. Die Fänge aus
dem Jahr 2025 liegen auf dem Niveau
zwischen den Werten der Sommer 2016
und 2017. Nach dem Falterflug und der
Eiablage im Spätsommer 2017 folgten im
Frühjahr 2018 höhere Schwammspinner-
Dichten mit ersten Kahlfraßflächen bei
Bamberg und Gunzenhausen.
Um genauer abschätzen zu können, ob
sichtbarer Fraß oder Kahlfraß im Mai/
Juni 2026 erwartet werden kann, wur-
den an allen Fallenstandorten mit ho-
hen Falterfangzahlen im Sommer 2025
Schwammspinner-Eigelege an 24 syste-
matisch ausgewählten Eichenstämmen
bis 2 m Stammhöhe gezählt. Dabei wur-
den bei einer Vielzahl von Suchdurchgän-
gen erneut Gelege gefunden. Wer aktuell
mit offenen Augen durch Eichenbestände
Frankens läuft, kann wieder einzelne Ge-
lege erwarten (Abbildung 2). In den letz-
ten Jahren waren Gelegefunde die Aus-
nahme. In nur wenigen Beständen lag in
2025 die rechnerische Dichte bereits zwi-
schen 0,3 bis 0,5 Gelegen je Stamm. Da
ab Dichten > 1 Gelege je Stamm starker
Fraß bis hin zum Kahlfraß möglich ist, ist
im Sommer 2026 vereinzelt mit sichtba-
rem, möglicherweise stärkerem Fraß zu
rechnen.
Wer wird 2027 in den
Eichenkronen fressen?
Hannes Lemme
Aufmerksame Waldbesucher und Forstleute werden im Herbst und
Winter 2025 wieder häufiger Schwammspinner-Gelege an Eichen in
Frankens Wäldern entdeckt haben. Auch das Monitoring mit Lock-
stofffallen zeigte im Sommer 2025 hohe Fangzahlen. Wir stehen
offensichtlich wieder vor einer Massenvermehrung des Schwamm-
spinners mit Kahlfraß in Frankens Eichenbeständen. Nachdem die
Eiche nach der Trockenheit der vergangenen Jahre mehr »zeichnete«
als erwartet, ist die Entscheidungsfindung – Entlaubung zulassen und
laufen lassen – oder – eingreifen – nicht einfach. Wie wir uns aktuell
darauf vorbereiten, beschreiben wir in diesem Artikel.
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100
1.000
10.000
Anzahl Fallenstandorte
Anzahl Falter je Falle
Monitoring Schwammspinner
2014
2015
2016
2017
2018
2019
2020
2021
2022
2023
2024
2025
1   Fangzahlen des Schwammspinners
in Lockstofffallen in Bayern von 2014
bis 2025. Die Zunahme der Population
wird durch die logarithmische Skalie-
rung der x-Achse sichtbar.

Themen
Stehen wir vor einer Massenvermehrung
im Jahr 2027?
Spannend ist die Frage, wie sich
die Schwammspinnerpopulation weiter­
ent­wi­ckelt. Massenvermehrungen des
Schwamm­spinners verlaufen in Bayern,
aber auch im südöstlichen Mitteleuropa
und Südosteuropa, zyklisch. Nach der
Massenvermehrung folgt ein Dichterück-
gang, der jedoch rasch in einen Dichtean-
stieg bis zur nächsten Massenvermeh-
rung übergeht. Daher können wir bei
einer »durchschnittlichen « Witterung er-
warten, dass die Anflugzahlen der Falter
in den Lockstofffallen und nachfolgend
die Gelegedichten 2026 weiter ansteigen.
Daher muss mit einer Massenvermeh-
rung in den Eichenbeständen Frankens
ab Sommer 2027 gerechnet werden. Er-
eignisse wie ein verregnetes Frühjahr
oder ein zeitlich versetztes Schlüpfen
der Eilarven des Schwammspinners mit
dem Blattaustrieb der Eichen können
den Beginn der Massenvermehrung auf
die nachfolgende Vegetationsperiode ver-
schieben. Wahrscheinlich lässt sich diese
dadurch jedoch nicht verhindern. So be-
günstigt beispielsweise ein kühles Früh-
jahr mit anschließender schneller Erwär-
mung den Schlupf der Eilarven zwar, die
Eichen können im Austrieb allerdings
nicht in gleichem Maße folgen.
Im Juni 2026 wurde kaum Fraß durch
den Schwammspinner beobachtet. Nach
dem Routinemonitoring mit Lockstofffal-
len, das von den Revierleitern der Ämter
für Ernährung, Landwirtschaft und Fors-
ten (ÄELF) und den Betrieben der Baye-
rischen Staatsforsten im Juli und August
durchgeführt wird, zählen Mitarbeitende
der LWF im September erneut Gelege an
den Fallenstandorten. Im Anschluss wird
entschieden, ob die ÄELF sowie Dritte
weitere Gelegesuchen durchführen müs-
sen. Bei dieser Entscheidung ist erstens
das Risiko von Kombinationsfraß und
zweitens die Vorschädigung der Eichen
von entscheidender Bedeutung.
Darum überwachen wir jetzt Eichen-
wickler und Frostspanner
Bei der Massenvermehrung des Schwamm-
spinners 1993 traten erhebliche Schäden
auf Flächen mit Kombinationsfraß auf,
auf denen sowohl Eichenwickler als auch
Schwammspinner fraßen. Die Belaubung
der Eichen war bereits Anfang Mai durch
den Eichenwickler vollständig abgefres-
sen. Die Eichen trieben dann erneut aus.
Der Schwammspinner hatte seine Ent-
wicklung zu diesem Zeitpunkt noch nicht
abgeschlossen, sodass alle nachfolgenden
Ersatztriebe erneut befressen wurden.
Zudem wurde der Ersatztrieb nach dem
Schwammspinnerfraß durch Mehltau so
stark befallen, dass es zum vollständigen
Blattfall kam. Bei insgesamt sechs unter-
suchten Flächen mit dieser Konstellation
kam es zu Baummortalitäten zwischen
20 und 80 % (22; 46; 51; 52; 63; 77 % je
Fläche, Lobinger 1998). Bei den nachfol-
genden Massenvermehrungen in den Jah-
ren 2004/2005, 2010/2011 (mit Eichen-
prozessionsspinner) sowie 2018/2020
fraßen andere Arten wie Eichenwick-
ler und Frostspanner nicht zeitlich vor
dem Schwammspinner. Ein kombinierter
Kahlfraß blieb daher aus.
Um das Risiko eines Kombinationsfra-
ßes besser abschätzen zu können, hat die
LWF im vergangenen Jahr das Monito-
ring der Frostspannerarten intensiviert
und ein pheromongestütztes Eichenwick-
lermonitoring eingeführt. Dieses wurde
im Sommer 2025 mittels 120 Lockstoff-
fallen sowie im Winter 2025/2026 durch
Zweigproben in 60 Beständen durchge-
führt. Das Monitoring des Frostspanners
wurde mit Leimringen in der potenziel-
len Schwammspinner-Kulisse erweitert –
von 14 Beständen 2024 auf 20 Bestände
2025/26.
Der Kleinschmetterling Eichenwickler
(Tortrix viridana) lebt an Eichen. Die
Eilarven schlüpfen mit dem Blattaustrieb
und fressen in Blattwickeln bis Ende Mai
(Abbildung 3). Die Verpuppung erfolgt in
der Baumkrone. Bereits ab Anfang Juni
fliegen die Falter mit nachfolgender Eiab-
lage an Zweigen in der Oberkrone. Mas-
senvermehrungen des Eichenwicklers
verlaufen unregelmäßig, zum Teil mehr-
jährig »chronisch« und räumlich »klein-
teiliger« als die des Frostspanners oder
Schwammspinners. Ein flächiges Moni-
toring ist daher arbeitsaufwändiger als
beim Frostspanner. Neben den Eichen-
wicklern gehören auch weitere Wickler
zur Fraßgesellschaft an der Eiche.
2   Weibchen des Schwamm-
spinners mit Gelegen am Stamm
einer Hainbuche im Sommer
2018.  Foto: Hannes Lemme, LWF
3   Larve und Wickel
eines Eichenwicklers.
Fotos: Gyorgy Csoka, Hungary
Forest Research Institute,
Bugwood.org
10    LWF aktuell  4 |2026

Themen
4 |2026  LWF aktuell 
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Autor
Dr. Hannes Lemme arbeitet in der Abteilung »Wald-
schutz« der Bayerischen Landesanstalt für Wald und
Forstwirtschaft und ist zuständig für das Monitoring
und Management forstlicher Schadorganismen.
Kontakt: Hannes.Lemme@lwf.bayern.de
Literatur
Das Literaturverzeichnis finden Sie unter
www.bayern.de in der Rubrik »Publikationen«.
Zusammenfassung
Das Monitoring mit Lockstofffallen im Sommer 2025 und nachfol-
gende Gelegesuchen durch die LWF zeigen hohe Anflugzahlen bzw.
Dichten des Schwammspinners. Möglicherweise stehen wir 2027
wieder vor einer Massenvermehrung des Schwammspinners. Um
die Entscheidungsfindung im Umgang mit dieser Massenvermeh-
rung vorzubereiten, wurde das Monitoring von Eichenwickler und
Frostspanner bereits 2025 erweitert und in diesem Jahr wiederholt.
Ein wesentlicher Punkt bei Entscheidungsfindung wird die Ein-
schätzung der Eichenvitalität sein.
durch Schwammspinner ohne weitere
Schadfaktoren wird – wie auch zuletzt
– aus Waldschutzsicht unkritisch gese-
hen. Daher werden nun Informationen
über Vorschädigungen und Dichten von
Eichenwickler und Frostspannerarten ge-
sammelt und für eine Gesamtbewertung
zusammengeführt.
Mitte
September
muss mit den vorliegenden Informatio-
nen entschieden werden, ob das Risiko
eines Kombinationsfraßes besteht. Wird
dieses Risiko als gering eingeschätzt, er-
folgt die Schwammspinner Gelegesuche-
Suche ausschließlich in der »Vorschädi-
gungskulisse«.
Eichenvitalität – schwer einschätzbar,
aber Knackpunkt bei Entscheidungen
Wesentlich schwieriger wird die Ein-
schätzung der Eichenvitalität vor der
kommenden
Massenvermehrung
des
Schwammspinners. Nach der Trocken-
heit der vergangenen Jahre 2018 bis 2020
sowie 2023 kam es in der fränkischen Ei-
chenkulisse zu starken Vitalitätseinbu-
ßen. Die Schadholzmengen infolge von
Trockenheit im Bestand sowie summa-
risch aller rinden- und holzbrütenden
Insekten bei der Eiche lag in Bayern bei
61.000 fm (2023), 78.000 fm (2024) und
49.000 fm (2025, siehe auch Terzenbach
et al. 2026). Diese Schadholzmengen sind
für die Eiche ungewöhnlich hoch. Die
Entwicklung der Schäden in diesem Jahr
werden wir bei der Entscheidung zur Ge-
legesuche berücksichtigen. Eine Empfeh-
lung zum Umgang mit der kommenden
Massenvermehrung des Schwammspin-
ners, insbesondere für oder gegen einen
Einsatz von Pflanzenschutzmitteln als
Ultima Ratio, wird auf Basis der umfang-
reichen Begleitforschung der letzten Mas-
senvermehrung und den Ergebnissen des
Monitorings der verschiedenen Schad-
insekten erfolgen. Einmaliger Kahlfraß
Der Kleine Frostspanner (Operophtera
brumata) lebt an einer Vielzahl von Laub-
gehölzen (Abbildung 4). Wie der Eichen-
wickler schlüpfen die Eilarven mit dem
Blattaustrieb ihrer Wirtspflanzen. Die
Eilarven sind jedoch weniger hungertole-
rant als die des Eichenwicklers. Der Fraß
erfolgt bis Ende Mai. Die Larven ver­
puppen sich im Boden. Die Schmetterlin-
ge erscheinen ab Mitte Oktober bis Ende
Dezember. Die flügellosen Weibchen be-
steigen die Laubbäume und legen die Eier
am Stamm, in Zweigen, Rindenritzen und
loser Rinde ab. Massenvermehrungen des
Frostspanners verliefen (bisher) zyklisch
und über große Flächen regional-synchron.
Massenvermehrungen innerhalb eines
Be­stands dauern ein, selten zwei Jahre.
Neben dem Kleinen Frostspanner wird in
Franken oft auch der Große Frostspanner
(Erannis defoliaria) beobachtet.
Eichenwickler-Dichten niedrig, Frost-
spanner-Entwicklung uneinheitlich
Sowohl die Eichenwickler-Lockstofffal-
len vom Sommer 2025 als auch die Ei-
chenwickler-Dichten der Zweigproben
aus dem Winter 2025/2026 zeigen nied-
rige bis sehr niedrige Fangzahlen bzw.
Dichten. Beim Frostspanner wurden
2025 höhere Dichten in den südlichen
Teilen des AELF Schweinfurt sowie den
südwestlichen Teilen des AELF Bad Neu-
stadt festgestellt. Hier kam es vereinzelt
zu starkem bis hin zum Kahlfraß einzel-
ner Bestände. Beobachtungen zum Fraß
dieser Arten an der Eiche werden dieses
Jahr sehr wichtig, um die Daten des Mo-
nitorings zu ergänzen. Die Überwachun-
gen von Eichenwickler und Frostspanner
werden im Sommer 2026 und Winter
2026/2027 wiederholt. Dann wird eine
Einschätzung zur Wahrscheinlichkeit des
Zusammentreffens der Massenvermeh-
rung von Eichenwickler bzw. Frostspan-
ner und dem Schwammspinner für die
Vegetationsperiode 2027 möglich.
4   Larve des Großen
Frostspanner (li.) und
Kleinen Frostspanners
(re.).  Fotos: Milan Zubrik,
Forest Research Institutev Slo-
vakia, Bugwood.org (li.); Steven
Katovich, Bugwood.org (re.)
5   Schwammspinner-Weibchen bei der Ei­ablage
an Eiche. Foto: Hannes Lemme, LWF