ÄELF analysiert EPK-Verbreitung in Nordwestbayern; Suche priorisiert auf Standorten mit geringer Feldkapazität

LWF aktuell 159Effiziente Suche nach Eichenprachtkäfern: Wo sollte sie beginnen?von Eric von Hindte

LWF aktuell 159 Effiziente Suche nach Eichenprachtkäfern: Wo sollte sie beginnen? von Eric von Hindte

In der letzten Ausgabe der LWF aktuell hat die Abteilung »Waldschutz« an der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) bereits über den Wissenstand zum Zweipunktigen Eichenprachtkäfer (EPK) berichtet (LWF aktuell 3|2026). Auf die Frage, wie sich die befallenen Eichenflächen derzeit verteilen und welche Priorisierung sich daraus für die Waldbewirtschaftung ableiten lässt, wird hier eingegangen.

Bereits länger bekannt ist, dass der EPK geschwächte Eichen benötigt, um sich erfolgreich zu vermehren. Unter geeigneten Bedingungen können dabei große Populationsdichten entstehen, die in der Folge auch das Absterben vitalerer Bäume begünstigen und Sanitärhiebe erforderlich machen können. Außerdem können holzbrütende Arten wie der Eichenkernkäfer geschwächte Bäume nach einem EPK-Befall weiter schädigen und neben der Gefährdung des Bestandes auch das Holz entwerten.

Nach trockenwarmen Sommern wie zuletzt 2023 traten allein im Schadensschwerpunkt Nordwestbayern Eichen mit Stresssymptomen auf mehreren Tausend Hektar auf. Eine Suche auf der Gesamtfläche wäre angesichts der sonstigen vielfältigen Herausforderungen bei der Waldbewirtschaftung nicht leistbar, zumal den Eichen auch ein breites Spektrum weiterer Schadorganismen zu schaffen macht und zugleich nicht jeder Befall mit dem EPK sanitäre Handlungen erfordert. Es galt daher, ein Verbreitungsmuster des EPK zu finden und anhand dieser Flächenkategorien für eine effiziente Suche zu identifizieren.

Erfassung und Analyse von EPK-Befallsflächen in Nordwestbayern

Für diese Analyse des Verbreitungsmusters melden die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) im Nordwesten Bayerns seit 2024 ihnen bekannte vom EPK befallene Flächen in digitaler Form und möglichst auf (Teil-)Bestandesebene an die Abteilung Waldschutz der LWF. Im Unterschied zu den im Waldschutzmeldewesen erhobenen Schadholzmengen werden hier die betroffenen Flächen, deren Eichenanteil, der für diese Eichen geschätzte EPK-Befallsgrad sowie die Bestandeshistorie (Kernwuchs

Stockausschlag) erfasst. Nachrangig wurden auch Parameter wie die Textur, der Anteil an Eichensplintkäfern sowie Holzbrütern, das Bestandesalter, die Entwicklungsstufe, der Flächenanteil des Unter- und Zwischenstandes und die Anzahl der Sanitärhiebe aufgenommen. Bis April 2025 wurden auf diese Weise gut 2.100 ha gemeldet; darin sind aufgrund der Ersterfassung auch relevante Flächen mit Befall aus den Vorjahren enthalten. Die Daten wurden anschließend mit weiteren Standortdaten verschnitten und statistisch ausgewertet.

Einen hohen Befallsgrad mit EPK zeigten bei der Analyse überproportional häufig:

Standorte mit geringer nutzbarer Feldkapazität (< 123 mm nFK; insbeson­dere durch Ton beeinflusste)

Abb. 1: Auszug aus der EPK-Schadflächenmeldung der ÄELF mit Differenzierung nach Befallsgrad der Eichenanteile, hinterlegt mit Standortdaten zur Wasserverfügbarkeit (nutzbare Feldkapazität) (© BayWIS, Thünen-Institut, Bayerische Forstverwaltung, Bayerische Vermessungsverwaltung 2026)

Suche zunächst auf bestimmte Standorte konzentrieren

Hinsichtlich der Bemühungen, mit den vorhandenen Ressourcen befallene Flächen rechtzeitig zu erkennen, empfehlen wir daher, auf diesen Flächen mit der Suche nach den typischen Symptomen zu beginnen. Auf Standorten mit schlechter Wasserverfügbarkeit, auf denen überwiegend Eichen aus alten Stöcken ohne nennenswerten schattengebenden Unter- und Zwischenstand wachsen, ist die Suchpriorität entsprechend erhöht. Die o.g. nachrangig erhobenen Parameter waren in den bisherigen Analysen für das Befallsrisiko nicht entscheidend.

Im Zeitraum April 2025 bis April 2026 wurden weitere 670 ha Schadflächen gemeldet, die vergleichbare Aussagen zulassen. So stockten die für 2025 gemeldeten Schadbestände zu 47 % (2024: 52 %) auf Standorten mit geringer nutzbarer Feldkapazität, während die gesamte Eichenfläche einen geringeren Anteil solcher Standorte aufweist (39 %).

Um die Dynamik des Schadgeschehens weiterhin differenziert und standortsbezogen einschätzen zu können, bleibt es den ÄELF möglich, neu hinzugekommene Flächen zu melden. Diese werden jährlich zum 1. April archiviert. Die gemeldete Flächenkulisse dient künftig auch als Anhaltspunkt, um bei Massenvermehrungen blattfressender Raupen der Eichenfraßgesellschaft Bereiche mit einem erhöhten Risiko für Bestandesverluste zu identifizieren (vgl. Beitrag »Wer wird 2027 in den Eichenkronen fressen?« in dieser Ausgabe).

Rückgang der EPK-Meldungen, aber noch keine Entwarnung

Abb. 2: Kronenbild eines sich auflösenden Eichenreinbestandes (ehemaliger Mittelwald) in Mittelfranken. Hier treffen Blattfraß, trockenwarme Sommer und eine schlechte Wasserverfügbarkeit zusammen (© E. v. Hindte, LWF)

Informationen zu den spezifischen Befallsmerkmalen wie Ausbohrlöchern, Kronenbild, Spechtabschlägen oder vorzeitiger Laubwelke finden sich im eingangs genannten Artikel (Terzenbach et al. 2026) sowie auf der Internetseite der LWF. Für das richtige Handeln bei einem vermuteten Befall stehen die Försterinnen und Förster der ÄELF als Ansprechpartner beratend zur Seite. Eine Entscheidung zu einer ggf. erforderlichen Sanitärmaßnahme wäre in jedem Einzelfall vor Ort anhand der Befallsdichte, der Befallsverteilung, der Ausprägung der o. g. Befallsmerkmale und des Risikos für angrenzende Eichenbestände abzuwägen. Auch die Vereinbarkeit mit naturschutzrechtlichen Vorgaben sowie gegenläufige Effekte, beispielsweise durch eine starke Auflichtung des Bestandes, sind zu berücksichtigen. Ebenfalls notwendig ist die rechtzeitige Verbringung des Materials aus dem Wald.

Mit Blick auf die ungünstige klimatische Entwicklung kann der Waldbesitzer langfristig vorbeugen, indem er die Widerstandsfähigkeit der Eichenbestände erhöht. Erreicht werden kann dies durch:

standortgerechten Waldbau mit klimatoleranten Mischbaumarten, funktionstüchtigen Unter- und Zwischenstand und regelmäßige Pflege

Umbau von Eichenreinbeständen in Mischbestände mit Schattlaubholzanteil

ggf. vorzeitiges Einleiten der Naturverjüngung, sofern ein Eichenbestand droht sich aufzulösen

Schutz der Bestände vor flächiger Entlaubung durch blattfressende Raupen der Eichenfraßgesellschaft bei prognostiziertem wiederholtem Kahlfraß

In Nordwestbayern leiden Eichenbestände nach trockenwarmen Sommern unter Stress. Über die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten dokumentiert die LWF seit 2024 Flächen mit Befall durch rinden- und holzbrütende Käfer. In dem Artikel wird dargestellt, welche Flächenkategorien bei der Eichenprachtkäfer-Befallssuche prioritär begangen werden sollten: Böden, deren Wasser nur schwer verfügbar ist, Stockausschlagsbestände, sowie reine Eichenwälder bergen ein erhöhtes Risiko für EPK-Befall. Dies bestätigen Meldungen aus dem Jahr 2025. Obwohl die EPK-Schadholzmengen zuletzt sanken, sollten Waldbesitzende gezielt kontrollieren. Klimatolerante Mischbaumarten und ein standortgerechter Waldbau stärken die Widerstandskraft der Eichenwälder nachhaltig.

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