Rinder in Frankreich, Schweiz und Baden-Württemberg betroffen durch Shamonda-Virus (SHAV); Menschliches Risiko bislang nicht belegt, Laboruntersuchungen kostenfrei.
Shamonda-Virus (SHAV) – Aktuelle Informationen – FAQs Stand 08/2026
Seit Juli treten in Frankreich, der Schweiz und in Süddeutschland (BW) vermehrt Erkrankungen bei Rindern auf, die mit typischen Symptomen wie Fieber, Durchfall und bei Milchkühen mit einem oft deutlichen Rückgang der Milchleistung einhergehen. Das Friedrich-Loeffler Institut (FLI) konnte anhand von Proben betroffener Tiere aus Südbaden sehr schnell den ursächlichen Erreger identifizieren. Es handelt sich um ein Ortho- bunyavirus aus der Simbu-Serogruppe, welches eine hohe Verwandtschaft mit dem Shamonda-Virus (SHAV) aufweist. Es wird daher als „Shamonda-like“ bezeichnet. Nachfolgend werden die derzeit häufigsten Fragen und Fakten zusammengetragen.
Shamonda-Virus (SHAV) – FAQs – Kurz das Wichtigste
Was ist über den Erreger bekannt? Das Shamonda-Virus (SHAV), ein Orthobunyavirus, gehört zu den Viren der Simbu-Serogruppe, zu der auch das Schmallenberg-Virus (SBV) und das Akabane-Virus (AKAV) gehören.
Wo kommt der Erreger vor? Das Shamonda-Virus kommt in Afrika und in Japan vor. In diesem Sommer trat es erstmalig in Mitteleuropa (bisher Frankreich, Schweiz und Süd-Deutschland) auf.
Welche Tierarten sind betroffen? Bisher treten Krankheitsfälle nur bei Rindern auf. Andere Viren der Simbu-Serogruppe können grundsätzlich auch weitere Wiederkäuerarten und Wildwiederkäuer infizieren. Aktuell sind jedoch keine Krankheitsfälle bei anderen Wiederkäuern (z. B. Schafen) gemeldet worden.
Besteht ein Gesundheitsrisiko für den Menschen? Es wurde keine klinische Erkrankung beim Menschen durch SHAV nachgewiesen. Allgemein gelten Viren der Simbu-Serogruppe als nicht gefährlich für den Menschen.
Wie wird das Virus übertragen? Die Übertragung erfolgt, wie bei anderen Vertretern der Simbu-Serogruppe, wahrscheinlich überwiegend durch Gnitzen (Culicoides), eine bestimmte Art von kleinen Mücken (Größe 1-3 mm). Die Viren können sich in den Gnitzen vermehren. Dadurch ist die Übertragung sehr effizient. Eine direkte Übertragung von Tier zu Tier ist nicht belegt. Eine vertikale Übertragung vom Muttertier auf das Ungeborene findet bei Viren der Simbu- Serogruppe statt. Ob dies auch für das neu nachgewiesene SHAV gilt, lässt sich derzeit nicht sagen.
Welche Krankheitssymptome zeigen infizierte Tiere, gibt es vermehrt Aborte / Todesfälle? Infektionen führen in der Regel lediglich zu milden klinischen Erscheinungen. Die Tiere erholen sich meist relativ schnell nach wenigen Tagen bis Wochen wieder. Aktuell wird in betroffenen Betrieben ein deutlicher Rückgang der Milchleistung und Futteraufnahme, Inaktivität, Fieber und teilweise wässriger Durchfall beobachtet. Diese Symptomatik tritt fast ausschließlich bei laktierenden Milchkühen auf, was durch die hohe metabolische Leistung und die mittlerweile umfassende Sensorüberwachung erklärt werden kann. Zusätzliche Belastungen wie Hitzestress können die Symptome deutlich verstärken. Von besonderer Bedeutung ist jedoch die mögliche Übertragung des Virus auf den Fetus während der Trächtigkeit. Infektionen zwischen dem zweiten und vierten Trächtigkeitsmonat können bei dieser Virengruppe zu Aborten, Totgeburten und zu schweren angeborenen Missbildungen führen. Bei den Neugeborenen kommt es dabei zu Fehlbildungen im Bereich des Gehirns, der Wirbelsäule und der Gliedmaßen (Arthrogrypose und Hydranenzephalie- Syndrom = AHS). Für das neu nachgewiesene „Shamonda-like“-Virus lässt sich derzeit noch
Baden – Württemberg Staatliches Tierärztliches Untersuchungsamt Aulendorf - Diagnostikzentrum
nicht abschätzen, ob und in welchem Umfang Infektionen tragender Tiere zu Schädigungen der Feten führen können. In Baden-Württemberg ist bisher keine signifikant erhöhte Sterblichkeit oder Abortrate bei Rindern zu beobachten.
Welche Proben sind für die Laboruntersuchung geeignet? Die Virämie, also die Zeitspanne, in der infektiöse Viren im Blut des Wirts zirkulieren, ist bei Viren der Simbu-Serogruppe sehr kurz (nur wenige Tage). Daher müssen Proben für den Erregernachweis in der akuten Phase, also während des Auftretens von klinischen Symptomen (Fieber, Durchfall, Milchleistungsrückgang) entnommen werden. Als Probenmaterial eignen sich Serum- oder EDTA-Blutproben. Es genügt, pro Betrieb zwei bis drei, max. 5 akut erkrankte Tiere zu beproben. Der Erregernachweis erfolgt mittels real-time PCR in den Untersuchungseinrichtungen des Landes. Für den Erregernachweis bei Aborten, Totgeburten und missgebildeten Kälbern werden, nach den Erfahrungen beim Schmallenberg-Virus, vermutlich Gehirnproben (sowohl vom Groß- als auch Kleinhirn), Milz- und Blutproben für die Untersuchung geeignet sein.
Was kostet die Laboruntersuchung? Die Labor-Untersuchung auf Shamonda-Virus ist für den Landwirt bis auf Weiteres kostenlos. Die Untersuchungsgebühren werden von der TSK BW übernommen.
Wie können Tiere vor einer Infektion mit dem neuen Shamonda-Virus geschützt werden? Impfstoffe vermitteln den besten Schutz gegen eine Infektion, stehen derzeit jedoch nicht zur Verfügung.
Um das Infektionsrisiko während der Gnitzen-aktiven Zeit zu mindern, sollten empfängliche Tiere, sofern möglich, vor Gnitzen geschützt werden (siehe Abb. 1).
Zum Schutz vor möglichen Aborten, Totgeburten oder der Geburt von Kälbern mit schweren Missbildungen, könnte der Besamungszeitpunkt der Muttertiere so gelegt werden, dass die kritische Phase der Trächtigkeit (in Anlehnung an SBV- Infektionen beim Rind etwa während der achten bis vierzehnten Trächtigkeitswoche) außerhalb der Gnitzen-aktiven Zeit liegt.
Wann sind die Gnitzen besonders aktiv? Die Gnitzensaison beginnt in Deutschland witterungsabhängig im April / Mai und dauert bis ca. Ende November. Die höchste Aktivität der Gnitzen wird zwischen Juli und Oktober beobachtet.
Wie wird sich das Geschehen weiter entwickeln? Mit zunehmender Außentemperatur und ausreichender Luftfeuchtigkeit steigen die Gnitzenvitalität und die Virusvermehrung in der Mücke. Die Entwicklungsgeschwindigkeit der Gnitzen sowie deren Schwarmaktivität nehmen ebenfalls zu. Infolge der beidseitigen Virusvermehrung sowohl im Wirt als auch in der Mücke schaukelt sich die Virusbelastung zunehmend im Jahresverlauf hoch. Es muss deshalb mit einer möglicherweise schnellen Ausbreitung des Virus in Deutschland und darüber hinaus gerechnet werden. Aborte, Totgeburten und missgebildete Kälber, die evtl. im Laufe der nächsten Monate zur Welt kommen, sollten u. a. auch auf das Shamonda-Virus untersucht werden.
Weitere Informationen zum Shamonda-Virus-Geschehen können die Rindergesundheitsdienste der TSK BW sowie das STUA Aulendorf – Diagnostikzentrum und die Chemischen und Veterinäruntersuchungsämter erteilen.
Bearbeiter: Dres. Seeger, Miller, Salditt, Schneider
Rindergesundheitsdienst Aulendorf, STUA Aulendorf – Diagnostikzentrum STALL • Frequenz des Mistens und Einstreuens erhöhen • Ventilatoren warten • Tränketröge regelmäßig reinigen • Milchkammer sauber und trocken halten • engmaschige Fliegennetze installieren
AUßENBEREICH, WEIDE • Feuchtgebiete/Moorflächen meiden • sumpfige Stellen trockenlegen • Tränkebereich befestigen • Wannen und offene Tröge regelmäßig reinigen • Unterstand/Schutzhütte aufstellen
EINZELTIER • Repellentbehandlung Abb. 1: Maßnahmen zum Schutz vor Mücken-/Gnitzenbelastung - Beispiele