Inside Paradeplatz KI-gesteuerte Angriffsserie Zürich; kein fremder Zugriff, keine Datenverluste

Abwehr – Zackbum

Finanzmedium war mehrfach nicht erreichbar.

Dahinter steckt kein defekter Server, sondern Angriffsserie, die wohl mit KI gesteuert wurde.

Wer in den vergangenen Tagen auf Inside Paradeplatz (IP) klickte und eine Fehlermeldung erntete, hat nichts falsch gemacht. Die Seite war komplett down.

Zum ersten Mal am 5. August, kurz vor acht Uhr morgens. Am 9. August erwischte es uns gleich viermal, verteilt über den ganzen Tag.

Am 10. August war eine volle Stunde nichts zu holen, von 08.58 bis 10.00 Uhr. Und heute, am 11. August, noch einmal von 09.13 bis 10.19 Uhr, wobei in 34 dieser 66 Minuten wirklich gar nichts mehr ging.

Wir bitten das zu entschuldigen. Gerne erzählen wir, was passiert ist.

Um zu verstehen, was uns getroffen hat, haben wir sämtliche Protokolle der letzten zwei Wochen durchgeforstet. Das sind 91,7 Millionen einzelne Zugriffe, Zeile für Zeile.

Von Hand liest das kein Mensch, auch nicht mit sehr viel Kaffee. Diese Arbeit macht bei IP ein KI-Agent, und der braucht dafür einen Morgen statt drei Monate.

Angefangen hat alles am 30. Juli. Ein paar Server tasteten die Seite ab: Welche Bausteine laufen hier, in welcher Version, und wo ist die dünnste Stelle?

Zwei Tage später, am 1. August, ging es richtig los. Es folgten fünf Angriffswellen , und jede zielte auf eine andere Ebene unserer Technik. Wir schlossen eine Lücke, die Gegenseite kam zurück und zielte eine Etage tiefer.

Anfangs hielten die langjährig von Hand aufgebauten Abwehrmassnahmen relativ gut stand. Die Geschwindigkeit der Angriffsmodulation war aber zu hoch.

Darum setzten wir auch auf unserer Seite für Analyse, Schwachstellensuche und Abwehr KI ein und konnten so innert kürzester Zeit auf jede neue Variante des Angriffs reagieren.

Besonders war bei den Angriffen das Tempo. Unsere wirksamste Gegenmassnahme ging am 5. August um 8.42 Uhr scharf.

Um drei Uhr in der Nacht darauf stand bereits der nächste Angriff, mit exakt dem Werkzeug, das wir achtzehn Stunden zuvor entschärft hatten, plus einer frisch umgebauten Variante gleich hinterher.

So schnell ist kein Mensch. Auch kein Team, das sich abwechselt.

Das passt zu einer Entwicklung, die in der Branche gerade alle Alarmglocken läuten lässt. CrowdStrike zählte für 2025 ein Plus von 89 Prozent bei Angreifern , die nachweislich KI einsetzen.

Am 10. Mai 2026 wurde der erste vollständig selbständig durchgeführte Angriff dokumentiert, von der Erkundung bis zur eingebauten Hintertür. Gesamtdauer: unter acht Minuten.

Solche Werkzeuge gibt es heute ab Stange, und sie lernen aus jedem Fehlschlag.

Dazu kommt der Preis. Ganz vorne standen 25 gemietete Server , dahinter eine Armee aus 18’603 privaten Internetanschlüssen in Grossbritannien, Deutschland und der Schweiz.

Ganz normale Wohnzimmer also, deren Besitzer keine Ahnung haben, dass ihr Router nebenbei eine Zürcher Newsplattform attackiert.

Die gesamte Kampagne, elf Tage und fünf Wellen, dürfte die Angreifer zwischen 100 und 400 Franken gekostet haben. Für den Preis eines anständigen Zürcher Abendessens zu zweit.

So billig bekommt man heute ein Botnetz, eine KI und elf Tage Schnellfeuer. Das betrifft nicht nur IP, sondern jede Bank und jedes KMU mit einer eigenen Website.

Die gute Nachricht ist trotzdem substanziell. Es ist nichts passiert: Kein fremder Zugriff auf ein Redaktionskonto, keine verlorenen Daten, keine manipulierten Artikel, keine gefälschten Kommentare.

Am schönsten war die Nacht auf den 6. August. Da wiederholte die Gegenseite ihren grössten Angriff mit denselben Mitteln, über eine Million Anfragen in zwölf Minuten, und die Abwehr schluckte sie komplett.

Auch am 11. August wurden 99 Prozent der Anmeldeversuche abgewiesen, bevor sie überhaupt irgendwo ankamen. Trotzdem brach die IP-Infrastruktur unter der enormen Last zusammen.

Der Angriff endete nicht, weil unsere Abwehrmassnahmen funktioniert hatte, sondern weil die Gegenseite von selbst aufhörte.

Wir stehen noch . Auf die nächste Welle sind wir gut vorbereitet.

Morgen früh sehen wir vermutlich bereits, ob unsere Massnahmen der nächsten Welle standhalten können. Falls nicht, hat unsere KI bereits die nächste Eskalationsstufe vorbereitet. Für die Ausfälle bitten wir um Verständnis.

*Der Artikel erschien zuerst auf « Inside Paradeplatz ». Mit freundlicher Genehmigung.

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