Rebecca Sommer, Polymechanikerin EFZ-Lernende, Createch AG Langenthal startet ins zweite Lehrjahr; Berufsfachschule: einzige Frau
Polymechanikerin EFZ - «Seid mutig und schaut euch die technischen Berufe vor Ort an»
Polymechanikerin EFZ - «Seid mutig und schaut euch die technischen Berufe vor Ort an»
Weniger als fünf Prozent aller Polymechanik-Lernenden sind Frauen. Eine von ihnen ist Rebecca Sommer. Sie startet dieser Tage ins zweite Lehrjahr bei der Createch AG in Langenthal – einem Unternehmen für industrielle Laserbearbeitung und Präzisionsfertigung. Was gefällt ihr an ihrem Beruf? Wie erlebt sie das männerdominierte Umfeld?
Sie interessieren sich für Technik. Woher kommt das? Die Faszination für Handwerk und Technik liegt in der Familie. Mein Vater ist Fahrzeugschlosser und Heimwerker. Gab es zu Hause etwas Handwerkliches zu tun, haben mein Bruder und ich mitgeholfen. Auch an meinem «Töffli» habe ich gerne herumgebastelt.
Welche Berufe haben Sie während der Berufswahl in Betracht gezogen? Für mich kamen nur handwerklich-technische Berufe infrage. Ich bin kein Mensch, der gerne den ganzen Tag die Schulbank drückt oder einer sitzenden Tätigkeit nachgeht. Im Rahmen der Berufswahl habe ich als Glaserin, Malerin, Automatikerin und Polymechanikerin geschnuppert. Auch den Beruf Zeichnerin hätte ich mir gerne angeschaut. Dafür fand ich aber leider keine Schnupperlehrstelle.
Weshalb fiel die Wahl letztlich auf Polymechanikerin? Als Polymechanikerin habe ich mehrfach geschnuppert. Der Beruf ist vielfältig, je nach Betrieb fallen andere Arbeiten an. Bei der Createch AG haben mir die Arbeiten sofort gefallen. Das Schnupperprogramm war spannend und die Verantwortlichen haben sich viel Zeit genommen, meine Fragen zu beantworten. Auch das Arbeitsklima hat mich angesprochen.
Was macht eine Polymechanikerin? Welche Arbeiten führen Sie aus? Als Lernende bei der Createch AG stelle ich hauptsächlich Aufspannlehren und Vorrichtungen für Kundenaufträge auf unseren Laseranlagen her. Diese werden gefräst, gedreht, gebohrt und anschliessend montiert. Dabei lernen wir den Umgang mit modernen Maschinen, Messmitteln und verschiedenen Fertigungstechniken.
Sie machen eine anspruchsvolle handwerklich-technische Lehre. Waren Sie in der Schule besonders gut in Mathematik, Naturwissenschaften und Werken? Mathematik hatte ich immer gerne. Und ich habe ein gutes räumliches Vorstellungsvermögen. Das hilft in meinem Beruf. Auch Physik mochte ich. Was das Werken betrifft: Da wollte ich nicht das einzige Mädchen unter lauter Jungs sein. Daher entschied ich mich fürs Handarbeiten.
Gemäss Statistik sind mehr als 95 Prozent der Lernenden in Ihrem Beruf Männer. Eine Herausforderung – oder spielt das in Ihrem Berufs- und Lernalltag keine Rolle? Bei der Createch AG spielt das keine Rolle. Man behandelt mich genauso wie meine Kollegen. Da wir kleine Werkstücke herstellen, ist auch die Körperkraft nicht zentral. Das wäre in einem Unternehmen, das grosse Bauteile fertigt, anders. In der Berufsfachschule bin ich die einzige Frau – was im Sport etwas schwierig ist. Und ja: Manchmal wäre ich froh, mich mit einer Kollegin austauschen zu können. Aber alles in allem komme ich gut klar.
Wie war das beim Schnuppern und bei der Lehrstellensuche: Sind Sie als Frau auf Vorurteile gestossen – oder hatten Sie eher einen Vorteil? Ich bin nie auf Vorurteile gestossen. Im Gegenteil: In einigen Betrieben hat man sich richtiggehend gefreut, dass sich eine Frau meldet. Allerdings gibt es bei einigen Betrieben keine Frauengarderobe – weil dort keine Frauen arbeiten. In den grösseren Betrieben mit einem Ausbildungszentrum ist das anders.
Welche beruflichen Pläne haben Sie für die Zeit nach der Lehre? Ich möchte die Berufsmaturität absolvieren, mehr Berufserfahrung sammeln und danach an einer Technischen Fachhochschule studieren – beispielsweise im Bereich der Entwicklung von Maschinen.
Haben Sie einen Tipp für Mädchen, die sich für einen technischen Beruf interessieren? Seid mutig, geht schnuppern und schaut euch die technischen Berufe vor Ort an – am besten in einem Betrieb mit einem Ausbildungszentrum. Dort findet ihr in der Regel auch Frauen. Ich habe nur gute Erfahrungen gemacht und einen Beruf gefunden, der meinen Interessen entspricht und viele Entwicklungsmöglichkeiten bietet.
innen EFZ fertigen auf CNC-Maschinen hochpräzise Werkstücke, bauen Maschinen und Anlagen zusammen, gestalten mit anderen Fachleuten technisch anspruchsvolle Produktionsprozesse oder halten Produktionsanlagen instand. Die Lehre dauert vier Jahre und führt zu einem eidgenössischen Fähigkeitszeugnis. Danach stehen vielfältige Einsatz- und Weiterbildungsmöglichkeiten offen. www.swissmem-berufsbildung.ch
Der «Einsteiger» ist eine Dienstleistung der Espace Media Groupe (Publikationsplattform) und des Mittelschul- und Berufsbildungsamts des Kantons Bern (redaktionelle Verantwortung). Er ist eine Informationsplattform zur Berufs- und Mittelschulbildung. Jeden Samstag erscheint im Stellen-Markt der Tageszeitungen Berner Zeitung BZ, Der Bund, Berner Oberländer, Thuner Tagblatt, Bieler Tagblatt und Langenthaler Tagblatt ein Artikel zu einem aktuellen Thema.
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«Für mich kamen nur handwerklich-technische Berufe infrage», sagt die angehende Polymechanikerin Rebecca Sommer.