Herr Schiedung regte an Sperrung der Bahnstrecke Sangerhausen–Halle in Halle (Saale); 42 Minuten Fahrzeitverlängerung
Stadt Halle (Saale) 11. August 2026 Geschäftsbereich Stadtentwicklung, Umwelt und Sicherheit
Sitzung des Hauptausschusses am 19.08.2026 Mitteilung zur Anregung Herr Schiedung zur Bahnstrecke Sangerhausen - Halle TOP: 8.4
Mitteilung der Verwaltung:
Anregung Herr Schiedung führte aus, dass die Bahnstrecke zwischen Sangerhausen und Halle vom 24. Juli 2026 bis Dezember 2026 vorübergehend gesperrt wird. Er regte an, den geplanten Schienenersatzverkehr nicht über die engen Brücken in Halle- Neustadt bis zum Hauptbahnhof zu führen. Stattdessen schlug er vor, beispielsweise den S-Bahnhof Nietleben anzufahren oder Fahrgäste in Halle-Neustadt in den öffentlichen Nahverkehr umsteigen zu lassen. Er regte an, dass die Stadtverwaltung hierzu Kontakt mit der Deutschen Bahn aufnimmt. Grundsätzlich liegt die Organisation eines Schienenersatzverkehrs in der Verantwortung des jeweiligen Verkehrsunternehmens, das die Strecke regulär bedient, sowie des zuständigen Aufgabenträgers. Im Fall der Strecke Halle (Saale) – Sangerhausen – Kassel ist dies die Abellio Rail Mitteldeutschland GmbH, die das Saale-Thüringen-Südharz-Netz im Auftrag der Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt GmbH (NASA) für das Land Sachsen-Anhalt betreibt. Die Stadt Halle (Saale) selbst verfügt, wie Sie mit Ihrer Bitte um Weiterleitung auch dargestellt haben, hier über keine hoheitliche Verfügungsgewalt. Die aktuelle Streckensperrung erfolgt in verschiedenen Stufen (24.07.–27.08. Halle Hbf – Berga-Kelbra; 28.08.–08.10. Halle Hbf – Nordhausen; 09.10.–12.12. Halle Hbf – Leinefelde), wodurch das dahinterliegende SEV-Konzept sehr komplex ist. Da sich die Fahrtzeiten durch den SEV ohnehin teils erheblich verlängern, hätte eine Umleitung des Ersatzverkehrs zum S- Bahnhof Halle-Nietleben folgende Vor- und Nachteile: Vorteile: Vermeidung von Engpässen: Die Busse müssten nicht die Engstelle an der Saalebrücke passieren. Dies würde im Tagesdurchschnitt eine Zeitersparnis von etwa 10 Minuten bedeuten. Nachteile: Hoher planerischer Aufwand: Das bestehende SEV-Konzept ist hochkomplex. Es muss mit erheblichem Vorlauf mit den ausführenden Busunternehmen abgestimmt werden. Da die Sperrung bereits läuft, ist eine fundamentale Umplanung im laufenden Betrieb organisatorisch kaum umsetzbar.
Zusätzliche Fahrzeitverlängerung: Die Umleitung über Halle-Nietleben würde die Fahrzeit zum Hauptbahnhof um rund 42 Minuten (siehe dazu auch das Zeitbeispiel in der nachfolgenden Tabelle) verlängern. Zudem entstünde für Fahrgäste ein zusätzlicher Umstieg, was die Attraktivität der Verbindung weiter deutlich mindert.
Varianten Wegekette und Zeiten am Beispiel einer Zeitlage Abfahrt SEV- Bus ab dem Punkt, wo alternativ vom aktuellen Fahrtweg zum HBF nach Nietleben abgebogen werden müsste Ankunft SEV-Bus Abfahrt S3 Ankunft S3 Variante Hauptbahnhof ca. 13:32 Uhr planmäßig 13:49 Uhr am HBF
Variante Bahnhof Nietleben ca. 13:32 Uhr ca. 13:41 Uhr am Bhf Nietleben planmäßig 14:12 Uhr ab Bhf Nietleben planmäßig 14:31 Uhr am HBF Verlust von Anschlüssen: Durch die spätere Ankunft am Hauptbahnhof würden mögliche Anschlussverbindungen im Nachgang, die trotz des SEV noch bestehen, zu anderen Zügen massiv gefährdet bzw. ganz unterbrochen. Tarifliche Umstiegsbarriere in den öffentlichen Straßenpersonennahverkehr (ÖSPNV) in Halle- Neustadt: Ein Umstieg der Fahrgäste auf innerstädtische Nahverkehrsmittel ist voraussichtlich nur für einen Teil der Fahrgäste realisierbar. Da ein erheblicher Anteil der Reisenden von außerhalb des Verbundgebietes des Mitteldeutschen Verkehrsverbundes (MDV) zuströmt und Fahrausweise des Deutschlandtarifs (ausgenommen das Deutschland-Ticket) nutzt, ist ein direkter und barrierefreier Zustrom in die Verkehrsmittel der Halleschen Verkehrs-AG (HAVAG) sowie der Omnibusbetrieb Saalekreis GmbH (OBS) tarifrechtlich ausgeschlossen. Der Deutschlandtarif (ausgenommen das Deutschland-Ticket) findet bei der HAVAG und der OBS keine Anerkennung. Für die betroffenen Fahrgäste resultiert daraus neben dem logistischen Aufwand des zusätzlichen Umstiegs die Notwendigkeit des Nacherwerbs von Beförderungsmedien (Neu-Tarifierung), was mit einer zusätzlichen finanziellen Mehrbelastung verbunden ist. Vor dem geschilderten Hintergrund ist es aus unserer Sicht nicht zielführend, eine solche Umleitung des Schienenersatzverkehrs anzustreben. Wir haben aufgrund dessen und der damit verbundenen sehr geringen Wahrscheinlichkeit auf Umsetzung von einer formellen Weiterleitung zur Prüfung an die zuständigen externen Stellen bei der Abellio Rail Mitteldeutschland GmbH und der NASA GmbH abgesehen.
René Rebenstorf Beigeordneter