EDA-Afrika-Abteilung und Universitäten Bern und Basel organisieren Wissenschaftsdiplomatie-Workshop in Afrika am 17. August 2026; stärkere Forschungspartnerschaften in Afrika
«Der Austausch mit der Wissenschaft kann sich befruchtend auf die Schweizer Diplomatie auswirken»
Mitteilung Veröffentlicht am 13. August 2026
«Der Austausch mit der Wissenschaft kann sich befruchtend auf die Schweizer Diplomatie auswirken»
Die Abteilung Afrika des Staatssekretariats im EDA organisiert am 17. August 2026 zusammen mit den Universitäten Bern und Basel einen Workshop zur Wissenschaftsdiplomatie in der Praxis. Ziel ist es, gemeinsam auszuloten, was eine vertiefte Zusammenarbeit von Forschung & Wissenschaft und Diplomatie in Afrika erreichen kann und wie sich Forschungsinstitutionen, der Privatsektor, NGOs und offizielle Vertreter
-innen afrikanischer Staaten in unserem Land besser untereinander und mit der Schweizer Diplomatie vernetzen können. «Gerade im Bereich der Innovation ist Afrika ein aufstrebender Kontinent, mit seiner jungen, rasch wachsenden Bevölkerung birgt er ein enormes Potenzial für die Wissenschaftsdiplomatie», sagt Botschafter Philipp Stalder, Chef der Abteilung Afrika. «Deshalb ist es im Interesse der Schweiz, die Forschungszusammenarbeit mit afrikanischen Institutionen gezielt zu fördern.»
Können Sie anhand von zwei Projekten illustrieren, in welchen Bereichen welche Resultate erreicht werden konnten?
Ein Vorzeigeprojekt intensiver und fruchtbarer Zusammenarbeit ist für mich das Centre Suisse de Recherches Scientifiques in Côte d’Ivoire. Das 1951 gegründete Zentrum, unweit der Hauptstadt Abidjan gelegen, forscht unter anderem zu Gesundheit, Ernährungssicherheit und Biodiversität. Es verbindet wissenschaftliche Forschung mit der Ausbildung lokaler Forschender und widmet sich konkreten gesellschaftlichen Bedürfnissen. Es steht für eine langfristige schweizerisch-ivorische Partnerschaft. Diesen Frühling nahm Bundesrat Ignazio Cassis an der Feier zum 75-jährigen Bestehen des Centre Suisse teil. Das bildete für beide Staaten ein wichtiges politisches Signal.
Mit dem Transnational Red Sea Center der EPFL gibt es ein weiteres Projekt, das sich grenz- und kontinentübergreifend der Überwindung eines klimatisch bedingten Phänomens widmet. Dank dieser Zusammenarbeit kommen Forschende aus verschiedenen Anrainerstaaten des Roten Meeres zusammen, um zu erforschen, weshalb die Korallenriffe in gewissen Gebieten besonders widerstandsfähig gegen die Erwärmung des Wassers sind, und wie sie an bedrohten Stellen besser geschützt werden können. Das EDA unterstützt auf der politischen Ebene den Dialog mit den Regierungen und Fachministerien der Region.
Wie wichtig ist die Zusammenarbeit im Forschungsbereich für die Umsetzung der aussenpolitischen Ziele der Schweiz in Afrika?
Die Forschungszusammenarbeit ist ein wichtiges Element der bilateralen Beziehungen der Schweiz mit ihren afrikanischen Partnern. Sie fördert den langfristigen Austausch zwischen staatlichen und privaten Institutionen und trägt wie im Falle des Centre Suisse de Recherches Scientifiques dazu bei, dauerhafte Partnerschaften zu etablieren. Wer in der globalen Forschungsgemeinde über staatliche Grenzen hinaus zusammenarbeitet, arbeitet an gemeinsamen Interessen und stärkt das gegenseitige Vertrauen. Das sind auch wichtige Impulse für die aussenpolitische Arbeit im Rahmen der Afrika-Strategie 2025-2028.
Welche Ziele formuliert die Afrika-Strategie für die Forschungszusammenarbeit?
Die Strategie nennt die Digitalisierung und eine auf dem Völkerrecht beruhende digitale Gouvernanz als Beispiele, wo sie eine engere Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern anstrebt, und beschreibt bestehende bilaterale oder multilaterale Kooperationsprogramme. Diese bilden gleichsam die Basis für die Weiterentwicklung der Forschungszusammenarbeit. Im übergeordneten Sinn zitiere ich gerne Bundesrat Ignazio Cassis, der im Vorwort zur Afrika-Strategie von «diesem dynamischen und aufstrebenden Kontinent» schreibt, zu dem die Schweiz die Beziehungen gezielt stärken will. Wenn man auf das Potenzial blickt, das sich mit der jungen Bevölkerung Afrikas ergibt, sehe ich gerade im Forschungsbereich viele Möglichkeiten, um diese Beziehungen zu stärken.
Wie funktioniert die Zusammenarbeit des EDA mit Schweizer Forschungsinstitutionen heute mit Blick auf Afrika?
Die Schweizer Hochschulen sind hier völlig autonom und gestalten ihre internationalen Partnerschaften selbstständig. Das EDA steuert diese Zusammenarbeit nicht, kann sie aber gezielt über die diplomatische Arbeit unterstützen.
Unser Vertretungsnetz auf dem Kontinent vermittelt auf Regierungsebene die Kontakte, öffnet Türen zu Behörden und Institutionen und trägt zu einem besseren Verständnis des politischen und wissenschaftlichen Umfelds bei. Der Austausch mit der Wissenschaft kann sich befruchtend auf die Schweizer Diplomatie auswirken: Es können sich neue Perspektiven ergeben, und umgekehrt können Forschende aus der Schweiz ihre Kontakte mit und in Afrika vertiefen.
Sie waren Botschafter in Ghana. Wie haben Sie dort die Forschungszusammenarbeit erlebt?
Ein gutes Beispiel ist die private Hochschule Ashesi. Als Botschafter habe ich mitverfolgt, wie die ETH Zürich und Schweizer Unternehmen eine Partnerschaft mit der Ashesi University aufgebaut haben, aus der Ghanas erster Master-Studiengang in Mechatronik entstanden ist. Das SECO hat diese Zusammenarbeit finanziell unterstützt. Aktuell liegt der Fokus auf der Mechatronik, es wäre aber interessant zu schauen, ob sich die Partnerschaft künftig auch auf weitere Themenbereiche ausweiten liesse. Diese Erfahrung zeigt, dass Wissenschaftsdiplomatie sich sehr konkret niederschlägt, in Ausbildungsplätzen, Arbeitsstellen und im langfristigen Vertrauen zwischen der Schweiz und ihren afrikanischen Partnern.
Am 17. August 2026 führt das EDA mit den Universitäten Bern und Basel einen Workshop zur Wissenschaftsdiplomatie in der Praxis durch. Was versprechen Sie sich von diesem Anlass in Bern?
Für mich stehen drei Ziele im Vordergrund: Zum einen wollen wir mit dem Anlass die verschiedenen Akteure aus Wissenschaft und Diplomatie zusammenbringen. Zum anderen soll der Workshop zeigen, wo wir bei den Initiativen in den eingangs erwähnten Bereichen Gesundheit, Landwirtschaft, Klima und Biodiversität, Meeresforschung, Digitalisierung oder Innovation bereits auf viel Expertise zurückgreifen können. Beides bildet die Grundlage, um drittens den Austausch darüber zu fördern, wie sich Wissenschaft und Diplomatie angesichts der digitalen Revolution im 21. Jahrhundert gegenseitig noch besser ergänzen können und welchen Beitrag Wissenschaftsdiplomatie zur Zusammenarbeit mit Afrika leisten kann.
Ein zentraler Pfeiler der Wissenschaftsdiplomatie ist die Antizipation. Dadurch können politische Entscheidungen früher vorbereitet werden. Wo könnte das EDA dank der Forschungszusammenarbeit diesen «Blick voraus» für die Umsetzung der aussenpolitischen Ziele in Afrika nutzen?
Antizipation ist ein wichtiger Bestandteil in allen Politikbereichen, so auch bei der Wissenschaftsdiplomatie. Der Austausch mit der Wissenschaft hilft, neue Entwicklungen frühzeitig zu erkennen und in politische Überlegungen einzubeziehen. Ein Beispiel dafür ist der Geneva Science and Diplomacy Anticipator (GESDA), welcher gemeinsam mit Südafrika eine Partnerschaft zur Förderung der antizipativen Wissenschaftsdiplomatie aufgebaut hat. Solche Kooperationen stärken den vorausschauenden Dialog zwischen Wissenschaft und Politik.
Gemäss der Aussenpolitischen Strategie 2024-2027 des Bundesrates soll das Zusammenspiel von Diplomatie, Wissenschaft, Privatsektor und NGOs Impulse für die multilaterale Zusammenarbeit möglich machen. Inwiefern ist der Anlass vom 17. August 2026 ein Schritt hin zu diesem Ziel?
Der Workshop schafft Raum für den Austausch über gemeinsame Herausforderungen und Erfahrungen. Dabei sollen bestehende Partnerschaften sichtbarer gemacht und neue Kontakte ermöglicht werden. Wir verstehen den Anlass als Gelegenheit, voneinander zu lernen und gemeinsam auszuloten, wie Wissenschaft und Diplomatie sich künftig noch besser ergänzen können. Damit leistet der Workshop einen konkreten Beitrag zur Umsetzung der Ziele der Aussenpolitischen Strategie. Diese setzt ja gerade auf eine partnerschaftliche Zusammenarbeit mit afrikanischen Staaten. Ich freue mich dabei auf eine aktive Teilnahme nicht nur der Forschenden aus der Schweiz und Afrika, sondern insbesondere auch auf die Mitwirkung der in der Schweiz angesiedelten diplomatischen Vertretungen afrikanischer Staaten sowie den Missionschefinnen und Missionschefs in unseren 19 Botschaften der Schweiz auf diesem riesigen Kontinent, der bestimmend für die zukünftige globale Entwicklung sein wird.
Schweizerisches Tropen- und Public-Health-Institut Basel
Geneva Science and Diplomacy Anticipator
Science Diplomacy: an opportunity for Geneva (Fondation pour Genève)
Korallenriffe als Brückenbauer (Website EDA)
Centre Suisse de Recherches Scientifiques (Côte d’Ivoire)
+41 58 462 31 53