US-Regierung erhöht Zölle auf pharmazeutische Produkte in der Schweiz für Schweizer Pharmaexporte; 12.5% Obergrenze; keine Kumulation mit Sektorenregime vorgesehen

US-Pharmazölle: Was die neuen Regelungen für den Forschungs- und Pharmastandort Schweiz bedeuten - Interpharma

US-Pharmazölle: Was die neuen Regelungen für den Forschungs- und Pharmastandort Schweiz bedeuten

Die USA haben ihre Zollpolitik gegenüber pharmazeutischen Produkten in den vergangenen Monaten schrittweise verschärft. Unterschiedliche Zollregime und Ausnahmeregelungen erschweren inzwischen den Überblick. Dieser Beitrag ordnet die aktuelle Situation ein und zeigt auf, welche Bestimmungen derzeit gelten, welche Zollsätze für welche Bereiche der Pharmabranche massgebend sind und welche Folgen sich daraus für den Forschungs- und Pharmastandort Schweiz ergeben.

Die Schweiz zählt zu den weltweit führenden Standorten für die Erforschung, Entwicklung und Produktion innovativer Medikamente. Sie verfügt über ein einzigartiges Life-Sciences-Ökosystem mit forschenden Unternehmen, Hochschulen, Spitälern und spezialisierten Zulieferern. Mit Pharmaexporten von 118.4 Mrd. Franken entfielen 2025 rund 41.3% der Schweizer Warenexporte auf die Pharmabranche. Die USA sind mit einem Anteil von 29.3% das wichtigste Absatzland für Schweizer Pharmaprodukte. Veränderungen der US-Handelspolitik haben deshalb weitreichende Auswirkungen, nicht nur auf die Pharmabranche, sondern auf den gesamten Forschungs-, Wirtschafts- und Innovationsstandort Schweiz.

Für die Pharmabranche sind insbesondere die sektorspezifischen US-Zölle auf bestimmte Medikamente und pharmazeutische Wirkstoffe von Bedeutung. Parallel dazu gelten allgemeine Zusatzzölle auf zahlreiche Warenimporte aus der Schweiz.

Entscheidend ist dabei: Für Schweizer Pharmaexporte gibt es keinen einheitlichen Zollsatz. Die häufig genannten 12.5% und 15% beziehen sich auf unterschiedliche Zollregime und gelten nicht gleichzeitig. Welche Regelung zur Anwendung kommt, hängt vom jeweiligen Produkt, der Zolltarifnummer sowie von den geltenden Ausnahmeregelungen ab. Die US-Regierung begründet die neuen Regelungen mit dem Ziel, die inländische Produktion von Medikamenten und pharmazeutischen Wirkstoffen auszubauen und die Abhängigkeit von internationalen Liefer- und Wertschöpfungsketten zu reduzieren.

–> Mehr Informationen zur Section-301-Untersuchung gegen Deutschland und deren Bedeutung für die Schweiz in unserem Beitrag

Für patentgeschützte Medikamente sowie ausgewählte pharmazeutische Wirkstoffe und Inhaltsstoffe gilt ein sektorspezifisches US-Zollregime im Zusammenhang mit der abgeschlossenen Section-232-Untersuchung. Für patentgeschützte Produkte mit Ursprung in der Schweiz und Liechtenstein beträgt der zusätzliche Zoll grundsätzlich 15%. Davon ausgenommen sind bestimmte Produktkategorien, für die keine zusätzlichen Zölle erhoben werden. Zudem hat die US-Regierung mit einzelnen Pharmaunternehmen Vereinbarungen abgeschlossen, die unter bestimmten Voraussetzungen zu abweichenden Zollregelungen führen können. Welche Zollbelastung letztlich zur Anwendung kommt, muss deshalb im Einzelfall und unter Berücksichtigung des jeweiligen Zeitpunkts beurteilt werden.

Seit dem 24. Juli 2026 gilt für zahlreiche Warenimporte aus der Schweiz ein allgemeiner US-Zollmechanismus von bis zu 12.5%. Für Pharmaprodukte, die unter das sektorspezifische Pharmaregime fallen, wird dieser allgemeine Zoll jedoch nicht zusätzlich erhoben. Die beiden Zollregime werden somit nicht miteinander kumuliert.

Generika sowie die dazugehörigen pharmazeutischen Wirkstoffe und Ausgangsstoffe sind derzeit vom neuen Pharmaregime ausgenommen. Gemäss den kürzlichen Ankündigungen der US-Regierung könnten für diese Produkte aber ab August 2028 zusätzliche Zölle von 100% sowie ab 2029 von 200% eingeführt werden.

Welche Folgen hat das für den Forschungs- und Pharmastandort Schweiz?

Für die Schweiz als exportorientierten Forschungs- und Pharmastandort haben zusätzliche Handelsbarrieren weitreichende Bedeutung. Die Branche ist international stark vernetzt und auf offene Märkte angewiesen. Zusätzliche Zölle erhöhen die Unsicherheit für Unternehmen und können Investitions- und Standortentscheide beeinflussen. Gerade für die Schweiz sind verlässliche und berechenbare Rahmenbedingungen deshalb von zentraler Bedeutung.

René Buholzer, CEO von Interpharma: «Medikamente sind keine gewöhnlichen Handelsgüter. Zusätzliche Handelshemmnisse treffen nicht nur Unternehmen, sondern letztlich auch Patientinnen und Patienten. Offene und verlässliche Märkte tragen dazu bei, dass neue Therapien erforscht, entwickelt und möglichst rasch zu den Patientinnen und Patienten gelangen.»

Die nun beschlossenen Regelungen fallen weniger weitreichend aus als einige zuvor diskutierte Optionen, etwa deutlich höhere Zollsätze oder ein breiterer Anwendungsbereich. Gleichwohl erhöhen sie die Unsicherheit für langfristige Investitionsentscheide.

Für die Schweiz als global vernetzten Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionsstandort bleibt entscheidend, dass der internationale Handel verlässlich, berechenbar und möglichst offen ausgestaltet wird. Nur so lassen sich die Voraussetzungen für Forschung, Innovation und hochwertige Arbeitsplätze erhalten sowie der Zugang der Patientinnen und Patienten zu neuen Therapien langfristig stärken.

Informationsstand: 12. August 2026. Die US-Handelspolitik entwickelt sich weiterhin dynamisch. Änderungen der geltenden Bestimmungen bleiben vorbehalten.

+41 79 590 98 77

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